Tesamorelin: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit
Zusammenfassung
Tesamorelin ist die im Labor nachgebaute Kopie jenes Hormons, das der Hirnanhangsdrüse den Befehl gibt, Wachstumshormon auszuschütten. Verschreibungspflichtig zugelassen ist es allein in den USA, seit November 2010 und für einen einzigen Zweck: den Abbau von überschüssigem Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV und einer Fettverteilungsstörung. In der wichtigsten Studie ging das tiefe Bauchfett um 15,2 Prozent zurück, während es unter einem Scheinmedikament um 5,0 Prozent zunahm. Das Körpergewicht änderte sich nicht, und die Produktinformation stellt klar, dass der Wirkstoff nicht zum Abnehmen dient. Der europäische Antrag wurde 2012 zurückgezogen, das kanadische Produkt ist vom Markt genommen, und im Sport ist der Stoff jederzeit verboten.
Das Wichtigste in Kürze
- Zugelassen in einem Land, für eine Patientengruppe. Die US-Behörde gab den Wirkstoff am 10. November 2010 gegen überschüssiges Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie frei [1], [2].
- Das tiefe Bauchfett ging in 26 Wochen um 15,2 Prozent zurück. So viel verloren 412 Erwachsene unter Behandlung, während der Wert unter Scheinmedikament um 5,0 Prozent stieg. Die Produktinformation beziffert den Unterschied auf 31 Quadratzentimeter oder 20 Prozent [1], [3].
- Am Körpergewicht änderte sich nichts. Es verschob sich um minus 0,4 Kilogramm in der ersten und plus 0,5 Kilogramm in der zweiten Studie, beides ohne Unterschied zum Scheinmedikament. Die Produktinformation hält fest, dass der Wirkstoff nicht zum Abnehmen dient [1].
- Mit dem Ende der Behandlung endet die Wirkung. Wer in der Verlängerungsphase auf ein Scheinmedikament umgestellt wurde, nahm das in einem halben Jahr verlorene Fett wieder zu [4].
- Europa sagte Nein. Der Antrag wurde am 21. Juni 2012 zurückgezogen, nachdem der europäische Ausschuss kein günstiges Verhältnis von Nutzen und Risiko erkennen konnte [5].
- Auch Kanada hat den Wirkstoff verloren. Das dort vermarktete Produkt trägt seit dem 30. September 2022 den Status „cancelled post market“ (nach der Vermarktung gestrichen), und die letzte Charge lief am 31. Januar 2023 ab [6].
- Im Sport jederzeit verboten. Tesamorelin steht in Abschnitt S2.2.4 der Verbotsliste 2026, im Wettkampf wie außerhalb [7].
Was Tesamorelin ist
Tesamorelin ist eine Kette aus 44 Eiweißbausteinen, hergestellt im Labor der kanadischen Firma Theratechnologies unter dem Entwicklungscode TH9507 [1], [8]. Die Kette bildet den menschlichen Freisetzungsfaktor für Wachstumshormon vollständig nach. Dieses Hormon stammt aus dem Hypothalamus, einem Steuerzentrum im Gehirn, und weist die Hirnanhangsdrüse an, Wachstumshormon auszuschütten.
Eine gezielte Änderung unterscheidet den Wirkstoff vom natürlichen Vorbild. Am vorderen Ende des Moleküls sitzt eine kurze Kette aus sechs Kohlenstoffatomen mit einer Doppelbindung, eine sogenannte Hexenoyl-Gruppe [1]. Das natürliche Hormon bauen körpereigene Enzyme binnen Minuten ab, und dieser Anbau bremst den Abbau.
In den USA gab es nacheinander drei Zubereitungen unter den Handelsnamen EGRIFTA, EGRIFTA SV und EGRIFTA WR, alle unter derselben Antragsnummer [2], [9].
Steckbrief
| Feld | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Internationaler Freiname | Tesamorelin | [8] |
| Entwicklungscode | TH9507 | [8] |
| Stoffklasse | Analogon des Wachstumshormon-Freisetzungsfaktors | [1], [10] |
| Struktur | 44 Aminosäuren, Hexenoyl-Gruppe am vorderen Ende | [1] |
| Summenformel und Masse | C221H366N72O67S, 5.135,9 Da | [1], [8] |
| Halbwertszeit | Rund 11 Minuten bei gesunden Erwachsenen | [1] |
| Zeit bis zum höchsten Spiegel | Median 0,15 Stunden, also etwa 9 Minuten | [1] |
| Aufgenommener Anteil | Unter 4 Prozent der gespritzten Menge | [1] |
| Anwendungsform | Spritze unter die Haut | [1] |
| Status | In den USA zugelassen und verschreibungspflichtig, sonst nirgends zugelassen | [2], [5], [6] |
| Entwickler | Theratechnologies Inc., Montreal | [1] |
| ATC-Code | H01AC06 | [10] |
| CAS-Nummer | 218949-48-5 (freie Base); 804475-66-9 (Acetat) | [8] |
| UNII | MQG94M5EEO | [8] |
| PubChem CID | 16137828 | [8] |
| InChIKey | QBEPNUQJQWDYKU-BMGKTWPMSA-N | [8] |
| ChEMBL | CHEMBL1237026 | [11] |
| DrugBank | DB08869 | [11] |

Wie es wirkt
Tesamorelin wirkt nicht selbst wie Wachstumshormon. Es setzt eine Stufe früher an und bringt den Körper dazu, sein eigenes Wachstumshormon freizusetzen.
- Der Stoff bindet an die Andockstellen für den Wachstumshormon-Freisetzungsfaktor in der Hirnanhangsdrüse, im Laborversuch etwa so stark wie das natürliche Hormon [1].
- Die betreffenden Zellen bilden daraufhin Wachstumshormon und geben es in den Schüben ab, die für dieses System normal sind [1].
- Wachstumshormon wirkt auf Knorpel, Knochen, Muskeln, Leber und Fettzellen. Ein Teil davon geschieht unmittelbar, ein anderer über IGF-1, einen Botenstoff, den vor allem die Leber bildet [1].
- Bei Patienten gemessen, steigen unter der Behandlung IGF-1 und sein Transporteiweiß IGFBP-3. Andere Hormone der Hirnanhangsdrüse, darunter Schilddrüsen- und Stresshormone, verschoben sich in den Zulassungsstudien nicht nennenswert [1].
Genau darin unterscheidet sich der Stoff von gespritztem Wachstumshormon, das die Hirnanhangsdrüse überhaupt nicht einbezieht. Und er unterscheidet sich von den Wachstumshormon-Freisetzern, einer anderen Stoffgruppe, die über eine andere Andockstelle arbeitet [12], [13].
Was die Studien zeigen
Die zugelassene Anwendung stützt sich auf zwei Studien in derselben Patientengruppe. Alles darüber hinaus stammt aus akademischer Forschung, die nie eine Produktinformation verändert hat.
Bauchfett
Phase-3-RCT In der ersten Zulassungsstudie wurden 412 Erwachsene mit HIV und Lipodystrophie über 26 Wochen den Gruppen zugelost. Sie waren im Schnitt 48 Jahre alt, 86 Prozent von ihnen waren Männer. Das tiefe Fett rund um die Organe, mit einem Schnittbildverfahren gemessen, ging unter Behandlung um 15,2 Prozent zurück und stieg unter Scheinmedikament um 5,0 Prozent (p < 0,001).
Die Produktinformation gibt dasselbe Ergebnis als Unterschied von 31 Quadratzentimetern an (Vertrauensbereich von 95 Prozent: minus 39 bis minus 24) oder als 20 Prozent (minus 24 bis minus 15) [1], [3].
Die Blutfette bewegten sich mit. Die Triglyzeride sanken unter Behandlung um 50 mg/dl und stiegen unter Scheinmedikament um 9 mg/dl, IGF-1 stieg um 81 Prozent gegenüber einem Rückgang von 5 Prozent (beides p < 0,001). Wegen einer Nebenwirkung brachen mehr Behandelte als Vergleichsteilnehmer ab [3].
Phase-3-RCT Die zweite Studie begleitete 404 Erwachsene ein halbes Jahr lang. Das tiefe Fett ging um 10,9 Prozent oder 21 Quadratzentimeter zurück, gegenüber 0,6 Prozent oder 1 Quadratzentimeter unter Scheinmedikament (p < 0,0001). Bauchumfang und das Verhältnis von Taille zu Hüfte verbesserten sich ebenfalls.
Das Fett an Armen und Beinen veränderte sich nicht, und das Fett direkt unter der Bauchhaut ebenso wenig [14].
Erste Zulassungsstudie, 412 Erwachsene mit HIV und Lipodystrophie, 26 Wochen. Veränderung des tiefen Bauchfetts im Schnittbild. Quelle [3].
Metaanalyse Fasst man fünf Zufallsstudien zusammen, betrug der Unterschied zum Scheinmedikament im Mittel 27,71 Quadratzentimeter tiefes Bauchfett (Vertrauensbereich von 95 Prozent: minus 38,37 bis minus 17,06; p < 0,001). Das Rumpffett sank um 1,18 Kilogramm, das Fett an Armen und Beinen um 0,22 Kilogramm und der Bauchumfang um 1,61 Zentimeter, während die Muskelmasse um 1,42 Kilogramm zunahm.
Das Leberfett ging um 4,28 Prozentpunkte zurück (minus 6,31 bis minus 2,24). Weder der Body-Mass-Index noch das Fett unter der Haut noch die Zahl der CD4-Abwehrzellen änderten sich in nennenswerter Weise [15].
Metaanalyse Eine zweite Übersichtsarbeit über 909 Menschen in vier Studien kam auf 21,47 Quadratzentimeter (minus 34,73 bis minus 8,22; p = 0,002). Die Studien widersprachen sich an dieser Stelle deutlich (I² = 74 Prozent), anders als beim Bauchumfang, der erneut um 1,61 Zentimeter sank.
Das Rumpffett nahm um 1,20 Kilogramm ab, das Gesamtcholesterin um 0,16 mmol/l (p = 0,003). Die Autoren zählten außerdem mehr Abbrüche als unter Scheinmedikament (Risikoverhältnis 2,25; 0,98 bis 5,17; p = 0,06) [16].
Leberfett
RCT An dieser Studie nahmen 61 Menschen mit HIV teil, deren Leberfett mindestens 5 Prozent betrug. Zwölf Monate Behandlung senkten diesen Anteil um 4,1 Prozentpunkte stärker als das Scheinmedikament (Vertrauensbereich von 95 Prozent: minus 7,6 bis minus 0,7; p = 0,018). Auf den Ausgangswert bezogen entspricht das einem Rückgang um 37 Prozent (minus 67 bis minus 7; p = 0,016).
Nach einem Jahr lagen 35 Prozent der Behandelten unter der Schwelle von 5 Prozent, in der Vergleichsgruppe 4 Prozent (p = 0,0069). Beim Nüchternblutzucker und beim Langzeitwert gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen [17].
RCT Eine frühere Studie an einem einzigen Zentrum begleitete 50 Erwachsene ein halbes Jahr lang. Das tiefe Bauchfett sank um 34 Quadratzentimeter (Vertrauensbereich von 95 Prozent: minus 53 bis minus 15), während es unter Scheinmedikament um 8 zunahm. Der Behandlungseffekt betrug 42 Quadratzentimeter (minus 71 bis minus 14; p = 0,005).
Das Leberfett sank im Median, also im mittleren Wert, um 2,0 Prozent, während es unter Scheinmedikament um 0,9 Prozent stieg. Der Unterschied lag damit bei 2,9 Prozentpunkten (p = 0,003).
Der Nüchternblutzucker stieg nach zwei Wochen stärker als unter Scheinmedikament, nämlich um 7 mg/dl (1 bis 14; p = 0,03). Nach einem halben Jahr war dieser Unterschied verschwunden (2 mg/dl; minus 6 bis 10; p = 0,72) [18].
Denken und Gedächtnis
Phase-2-RCT Eine akademische Studie behandelte 152 Erwachsene im Alter von 55 bis 87 Jahren, im Schnitt 68 Jahre alt, über 20 Wochen. Von ihnen hatten 66 eine leichte Gedächtnisstörung, und 137 führten die Studie zu Ende.
Die Hauptauswertung fand einen günstigen Gesamteffekt auf die geistige Leistung (p = 0,03). Er fiel bei den Teilnehmern mit und ohne Gedächtnisstörung ähnlich aus und war unter denjenigen stärker, die bis zum Schluss dabeiblieben (p = 0,002).
Der Zugewinn lag bei den Steuerungsleistungen des Denkens, also beim Planen und beim geistigen Umschalten (p = 0,005), beim Wortgedächtnis zeigte sich nur eine Tendenz (p = 0,08). Nebenwirkungen meldeten 68 Prozent der Behandelten und 36 Prozent der Vergleichsgruppe [19].
Phase-2-RCT Eine Teilstudie mit 30 Teilnehmern maß die Botenstoffe im Gehirn. GABA, ein beruhigender Botenstoff, war in jeder untersuchten Region erhöht (p < 0,04), NAAG in einer (p = 0,03), und myo-Inositol war in einer Region gesenkt (p = 0,002).
Glutamat bewegte sich nicht. Wo IGF-1 am stärksten stieg, stieg auch GABA am stärksten (r = 0,47; p = 0,001) [20]. Für irgendetwas, das mit dem Gedächtnis zu tun hat, hat den Wirkstoff nie eine Behörde zugelassen.
Wo die Studien ihr Ziel verfehlten
Phase-2-RCT Eine spätere Studie an 73 Menschen mit HIV und Bauchfettleibigkeit fand keinen Vorteil für die geistige Leistung. Die behandelte Gruppe bewegte sich in Richtung besserer Werte (mittlere Veränderung 0,146; Vertrauensbereich von 95 Prozent: minus 0,002 bis 0,294; p = 0,060).
Die Vergleichsgruppe tat dasselbe (0,103; minus 0,095 bis 0,301; p = 0,295). Der Abstand zwischen beiden war statistisch nicht abgesichert (p = 0,673).
Der Bauchumfang sank allerdings stärker, im Median um 2,7 Zentimeter (p = 0,015). Die Studie lief offen, ohne Scheinspritze, und die Autoren nennen sie zu klein, um einen Unterschied sicher zu erkennen [21].
Phase-2-RCT Bei 53 Erwachsenen, die bereits einen Typ-2-Diabetes hatten, änderten zwölf Wochen Behandlung nichts Messbares. Die Insulinantwort, der Nüchternblutzucker und der Langzeitwert blieben, wo sie waren.
Das Gesamtcholesterin und das Nicht-HDL-Cholesterin sanken im Studienarm mit der höheren Wirkstoffmenge um jeweils 0,3 mmol/l (Streuung 0,6 und 0,5; p < 0,05 gegenüber Scheinmedikament). Niemand verließ die Studie, weil sein Diabetes außer Kontrolle geriet [22].
Was nach dem Absetzen geschieht
Phase-3-RCT In der Verlängerungsphase wurden 263 Teilnehmer für weitere 26 Wochen erneut zugelost. Wer in der Behandlung blieb, hielt den Rückgang nach 52 Wochen bei 18 Prozent unter dem Ausgangswert (p < 0,001). Auch die Triglyzeride lagen weiterhin um 51 mg/dl niedriger.
Wer auf ein Scheinmedikament umgestellt wurde, verlor den Gewinn des vorangegangenen halben Jahres, und das tiefe Fett lagerte sich erneut an. Die Autoren halten fest, dass die Wirkung die Behandlung nicht überdauert [4], [23].
Was weiterhin offen ist
- Ob es der Gesundheit auf lange Sicht nützt, dieses Fett abzubauen. Die Studien maßen das Fett selbst, nicht Herzinfarkte, Schlaganfälle oder die Lebenserwartung [1], [5].
- Was jahrelang erhöhtes IGF-1 anrichtet. Die Produktinformation nennt die Folgen unbekannt und verlangt eine Überwachung [1].
- Ob der Wirkstoff Krebs auslöst. Lebenslange Untersuchungen an Nagern gab es nie, Tests auf Erbgutschäden fielen allerdings negativ aus [1].
- Wie er sich bei Nieren- oder Leberkranken, bei Kindern und bei älteren Menschen verhält. Untersucht wurde davon nichts [1].
- Ob er die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert. Eine Studie an 100 Menschen mit HIV und Gebrechlichkeit begann am 10. Juli 2025 mit der Aufnahme von Teilnehmern und hat noch keine Ergebnisse berichtet [24].
Nebenwirkungen und Sicherheit
Das Bild zur Sicherheit stammt aus der amtlichen US-Produktinformation, die sich auf die Zulassungsstudien stützt.
- Reaktionen an der Einstichstelle bei 17 Prozent gegenüber 6 Prozent unter Scheinmedikament in den ersten 26 Wochen; an anderer Stelle nennt die Produktinformation 25 gegenüber 14 Prozent. Dazu zählen Rötung, Juckreiz, Ausschlag, Quaddeln, Schmerz, Schwellung und Blutungen [1].
- Gelenkschmerzen bei 13 Prozent gegenüber 11 Prozent unter Scheinmedikament. Schmerzen in einem Arm oder Bein hatten 6 gegenüber 5 Prozent, Muskelschmerzen 6 gegenüber 2 Prozent [1].
- Schwellungen an Knöcheln und Füßen bei 6 Prozent gegenüber 2 Prozent. Kribbeln betraf 5 gegenüber 2 Prozent, ein vermindertes Gefühl in der Haut 4 gegenüber 2 Prozent. Die Produktinformation führt das auf die Wassereinlagerung durch Wachstumshormon zurück und schreibt, es vergehe von selbst oder nach dem Absetzen [1].
- Karpaltunnelsyndrom bei 1 Prozent gegenüber niemandem unter Scheinmedikament. Eine Auswertung der US-Nebenwirkungsdatenbank von Oktober 2003 bis September 2024 zählt Tesamorelin zu den zehn Wirkstoffen, für die dieses Problem am stärksten überhäufig gemeldet wird. Das Meldeverhältnis lag bei 20,7 (13,7 bis 31,3), was ein Muster in den Meldungen beschreibt und keine Ursache belegt [25].
- Allergische Reaktionen bei 4 Prozent der Behandelten, darunter Juckreiz, Hitzegefühl, Quaddeln und Ausschlag. Die Produktinformation verlangt, die Behandlung beim Verdacht darauf sofort zu beenden [1].
- Höherer Blutzucker. Bis Woche 26 erreichte der Langzeitwert bei 5 Prozent der Behandelten 6,5 Prozent oder mehr, in der Vergleichsgruppe bei 1 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, einen Diabetes zu entwickeln, war erhöht (Chancenverhältnis 3,3; 1,4 bis 9,6) [1].
- Erhöhtes IGF-1. Nach 26 Wochen lagen 47 Prozent der Teilnehmer mehr als zwei und 36 Prozent mehr als drei Streuungsbreiten über dem Normalwert. Nach 52 Wochen waren es 34 und 23 Prozent [1].
- Antikörper bei etwa der Hälfte der Behandelten. Sie traten bei 50 Prozent nach 26 Wochen und bei 47 Prozent nach 52 Wochen auf, und bei 85 Prozent derjenigen mit allergischen Reaktionen.
- Was diese Antikörper bewirkten. Rund 60 Prozent von ihnen reagierten auch mit dem körpereigenen Hormon, und bei 10 Prozent fanden sich nach 52 Wochen Antikörper, die den Wirkstoff neutralisieren. Sichtbar verändert hat das nichts an der Wirkung [1].
Mehrere Situationen schließen den Wirkstoff vollständig aus: eine aktive Krebserkrankung, eine unterbrochene Verbindung zwischen Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse, eine bekannte Allergie gegen den Stoff und eine Schwangerschaft [1].
Bei trächtigen Ratten, die etwa das Zwei- bis Vierfache der menschlichen Menge erhielten, entwickelten die Jungtiere eine Flüssigkeitsansammlung im Gehirn. Bei Kaninchen zeigte sich nichts dergleichen, bis hinauf zum ungefähr 500-Fachen dieser Menge [1].
Die Produktinformation warnt außerdem vor der Anwendung bei Kindern, weil noch offene Wachstumsfugen ein übermäßiges Wachstum bedeuten könnten. Bei schwer kranken Patienten sollen Ärzte ein Absetzen erwägen [1]. Wer Kortison als Ersatz einnimmt, braucht unter der Behandlung womöglich mehr davon, weil Wachstumshormon das Enzym stört, das Kortison aktiviert [1].
Warum diese Seite keine Dosierungen nennt
Tesamorelin gibt es nur auf Rezept, und das nur in dem einzigen Land, in dem es zugelassen ist. Welche Menge infrage kommt, ergibt sich aus der amtlichen Produktinformation und aus der Entscheidung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. Diese Seite berichtet deshalb, was die Studien gemessen haben, ohne die dort verwendeten Mengen zu wiederholen.
Entwicklungsstand und Zulassung
Zulassung und Studienlage im Zeitverlauf
- 2005-2007Die erste Phase-3-Studie läuft bei HIV-bedingter Lipodystrophien = 412, Quellen [3], [26]
- 2010Zulassung in den USA am 10. November als neuer WirkstoffAntrag 022505, Quelle [2]
- 2012Europäischer Antrag am 21. Juni zurückgezogenAntragsteller Ferrer Internacional, Quelle [5]
- 2019Zweite US-Zubereitung am 5. Juli zugelassen, ab 4. November im HandelQuellen [2], [27]
- 2020Der frühere Antrag gilt ab 23. März als Zulassung für ein biologisches ArzneimittelQuelle [2]
- 2022Das kanadische Produkt wird am 30. September nach der Vermarktung gestrichenLetzte Charge lief am 31. Januar 2023 ab, Quelle [6]
- 2025Dritte US-Zubereitung am 25. März freigegeben, ab 15. Juli im HandelQuellen [2], [27]
- 2010 — Die US-Behörde lässt den Wirkstoff am 10. November unter der Antragsnummer 022505 zu [2].
- 2012 — Der europäische Antrag wird am 21. Juni vom spanischen Lizenznehmer Ferrer Internacional zurückgezogen [5].
- 2019 — Eine zweite US-Zubereitung wird am 5. Juli freigegeben und kommt am 4. November in den Handel [2], [27].
- 2020 — Am 23. März gilt der frühere Antrag als Zulassung für ein biologisches Arzneimittel, womit der Wirkstoff im US-Recht als solches eingestuft ist [2].
- 2022 — Das kanadische Produkt wird am 30. September nach der Vermarktung gestrichen; eine zweite kanadische Darreichungsform wurde bereits am 13. Juli 2023 gestrichen, ohne je in den Handel gekommen zu sein [6], [28].
- 2025 — Eine dritte US-Zubereitung wird am 25. März freigegeben und kommt am 15. Juli in den Handel [2], [27].
| Markt | Status | Seit |
|---|---|---|
| USA | Zugelassen | 2010-11-10 |
| Europäische Union | Zurückgezogen | 2012-06-21 |
| Deutschland | Nicht zugelassen | — |
| Großbritannien | Nicht zugelassen | — |
| Australien | Nicht überprüfbar | — |
| Kanada | Gestrichen | 2022-09-30 |
| Schweiz | Nicht zugelassen | — |
Der europäische Ausschuss nannte seine Gründe. Überschüssiges Bauchfett durch eine Lipodystrophie lässt sich im Alltag kaum von gewöhnlichem Übergewicht unterscheiden. Der vorgeschlagene Grenzwert von 130 Quadratzentimetern tiefem Bauchfett war zu schwach begründet, und die Studien zeigten zwar schrumpfendes Fett, aber keinen daraus folgenden gesundheitlichen Nutzen.
Auch glichen die Teilnehmer nicht den europäischen Patienten mit HIV, die eher leichter sind. Hohe IGF-1-Werte weckten Sorgen wegen des Krebsrisikos und wegen Augenschäden durch Diabetes, und Daten zur Sicherheit über lange Zeit fehlten [5].
Hinter den übrigen Zeilen stehen Abfragen, die leer blieben. Das britische Register lieferte weder zum Wirkstoff noch zum Handelsnamen ein Ergebnis, geprüft gegen Kontrollbegriffe, die in derselben Datenbank sehr wohl Treffer bringen [29]. Die Schweizer Liste zugelassener Humanarzneimittel enthält beides nicht [30].
Australien ist ein anderer Fall. Das dortige Register war am 7. September 2026 aus unserer Arbeitsumgebung nicht erreichbar. Ein leeres Ergebnis ist damit nicht bestätigt, und genau das besagt die Zeile in der Tabelle [31].
Kanada hatte den Wirkstoff zugelassen, und die dortige Produktmonographie vom 26. März 2015 zog die Anwendung enger als die amerikanische. Sie verlangte einen Bauchumfang von mindestens 95 Zentimetern bei Männern oder 94 Zentimetern bei Frauen sowie mehr als 130 Quadratzentimeter tiefes Bauchfett im Schnittbild [32].
Jede Zeile gibt den Stand vom 7. September 2026 wieder. Den größeren Rahmen beschreiben die Seiten Sind Peptide legal und Von der FDA zugelassene Peptide.
Anti-Doping
Tesamorelin ist im Sport jederzeit verboten, im Wettkampf wie außerhalb. Alles aus dieser Stoffklasse gilt als nicht spezifizierte Substanz.
Die Verbotsliste 2026 nennt den Stoff in Abschnitt S2.2.4: „growth hormone releasing factors, including, but not limited to: growth hormone-releasing hormone (GHRH) and its analogues (e.g. CJC-1293, CJC-1295, sermorelin and tesamorelin)“ (Freisetzungsfaktoren des Wachstumshormons, darunter das Freisetzungshormon GHRH und seine Analoga, zum Beispiel CJC-1293, CJC-1295, Sermorelin und Tesamorelin) [7].
Im Jahr 2025 lautete der Wortlaut genauso. Das deutsche Recht führt den Stoff gesondert in Abschnitt 2.4 der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz auf [33].
Der Nachweis bleibt schwierig, denn eine Halbwertszeit von rund 11 Minuten lässt nur ein kurzes Zeitfenster. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 hielt fest, dass diese Analoga in den akkreditierten Laboren offenbar noch nie gefunden worden waren.
Ihre Autoren fanden im Labor 19 Abbauprodukte dieser Stoffgruppe. Daraus bauten sie einen Test, der etwa 1 Nanogramm pro Milliliter erkennt [34], [35]. Mehr zu dieser Stoffklasse steht unter Im Sport verbotene Peptide.
Vergleich mit verwandten Peptiden
| Peptid | Was es ist | Status | Auf der Verbotsliste 2026 genannt |
|---|---|---|---|
| Tesamorelin | Vollständige Kopie des natürlichen Hormons aus 44 Aminosäuren, am vorderen Ende stabilisiert [1] | Nur in den USA zugelassen, verschreibungspflichtig [2] | Ja, S2.2.4 [7] |
| Sermorelin | Das verkürzte Bruchstück, Bausteine 1 bis 29 [34] | In der deutschen Verschreibungspflicht-Anlage genannt [36] | Ja, S2.2.4 [7] |
| CJC-1295 | Weiter verändertes Analogon desselben Hormons [34] | In den Registern dieser Seite keine Zulassung gefunden [12] | Ja, S2.2.4 [7] |
| CJC-1295 DAC | Dasselbe Analogon mit einem angehängten Trägerkomplex, der die Wirkung verlängert [34] | In den Registern dieser Seite keine Zulassung gefunden [12] | Vom selben Eintrag erfasst [7] |
| Ipamorelin | Ein Wachstumshormon-Freisetzer, keine Kopie dieses Hormons [12], [13] | In der Fachliteratur als unregulierte Forschungssubstanz beschrieben [12], [13] | In diesem Eintrag nicht genannt [7] |
Die ersten vier drücken denselben Knopf, austauschbar sind sie deshalb nicht. Tesamorelin enthält die vollständige natürliche Kette, Sermorelin ist ein Bruchstück davon. Die beiden CJC-Moleküle sind umgebaute Fassungen, eine davon mit einem Anhang, der sie sehr viel länger im Blut hält [34].
Rechtlich liegen sie noch weiter auseinander. Tesamorelin ist in einem Land ein zugelassenes Arzneimittel, die anderen sind es nirgends [7], [12]. Ipamorelin gehört einer anderen Stoffgruppe an und erreicht das Wachstumshormon über eine andere Andockstelle. Deshalb behandelt es die Dopingliste getrennt [12], [13].
Verbreitete Irrtümer
- „Es ist ein Fatburner.“ Die Produktinformation sagt das Gegenteil, und zwar wörtlich: Der Wirkstoff sei nicht zur Gewichtsabnahme bestimmt, weil er auf das Gewicht neutral wirke. Das Gewicht veränderte sich in den beiden Studien um minus 0,4 und plus 0,5 Kilogramm, beides ohne Unterschied zum Scheinmedikament, und die Metaanalysen finden keine Änderung des Body-Mass-Index [1], [15].
- „Es ist gegen Bauchfett zugelassen.“ Zugelassen ist es gegen Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie, und gegen sonst nichts. Studien bei Übergewicht ohne HIV und bei Fettleber blieben akademisch und führten nirgends zu einer Zulassung [1], [5].
- „Tesamorelin, Sermorelin und CJC-1295 sind dasselbe.“ Alle drei wirken auf dieselbe Andockstelle und teilen sich eine Zeile der Dopingliste, doch unterscheiden sie sich im Aufbau und in ihrer rechtlichen Stellung. Nur Tesamorelin ist ein zugelassenes Arzneimittel [1], [7], [34].
- „Die drei US-Zubereitungen sind drei verschiedene Wirkstoffe.“ Es ist derselbe Stoff unter einer Antragsnummer, unterschiedlich nur in der Stärke je Fläschchen, in den Hilfsstoffen und in der Flüssigkeit zum Auflösen. Die späteren wurden über vergleichbare Blutspiegel zugelassen, nicht über neue Wirksamkeitsstudien [1], [2], [9].
- „Es ist in Europa erhältlich.“ Ist es nicht. Der Antrag wurde 2012 zurückgezogen, und das britische wie das Schweizer Register liefern nichts [5], [29], [30].
- „Ein Registereintrag beweist, dass eine Studie läuft.“ In einem Eintrag zu Tesamorelin bei Fettleber steht im offiziellen Titel der Zusatz „Mock Study“ (Schein-Studie). Es handelt sich um einen Testeintrag und nicht um eine echte Studie [37].
- „Ein zugelassenes Medikament ist im Sport erlaubt.“ An der Zulassung hängt das nicht. Der Stoff steht auf der Verbotsliste und im deutschen Anti-Doping-Recht [7], [33].
Häufige Fragen
Ist Tesamorelin verschreibungspflichtig?
Ja, und zwar nur in den USA. Dort ist der Wirkstoff seit dem 10. November 2010 zugelassen und legal ausschließlich auf ärztliches Rezept zu bekommen. Seit dem 23. März 2020 gilt er dort rechtlich als biologisches Arzneimittel und nicht mehr als gewöhnliches Medikament. In der Europäischen Union, in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz gibt es keine Zulassung, und das kanadische Produkt wurde vom Markt genommen.
Wofür ist Tesamorelin zugelassen?
Für eine einzige Sache: den Abbau von überschüssigem Bauchfett bei erwachsenen Patienten, die HIV und zugleich eine Lipodystrophie haben, also eine Störung, bei der sich das Körperfett ungewöhnlich verteilt. Mehr umfasst die Zulassung nicht. Alles andere, was in der Forschung untersucht wurde, etwa Leberfett oder Gedächtnisleistung, ist nicht zugelassen.
Führt Tesamorelin zu Gewichtsverlust?
Nein, und das steht so in der amtlichen Produktinformation. Dort heißt es, der Wirkstoff sei nicht zur Gewichtsabnahme bestimmt, weil er auf das Gewicht neutral wirke. In den beiden Zulassungsstudien veränderte sich das mittlere Körpergewicht um minus 0,4 Kilogramm und plus 0,5 Kilogramm, und beides unterschied sich nicht vom Scheinmedikament. Was sich ändert, ist der Ort des Fetts, nicht die Zahl auf der Waage.
Wie viel Bauchfett hat Tesamorelin in den Studien abgebaut?
In der ersten Zulassungsstudie wurden 412 Erwachsene 26 Wochen lang behandelt. Das tiefe Fett rund um die Organe ging um 15,2 Prozent zurück, in der Vergleichsgruppe mit Scheinmedikament nahm es um 5,0 Prozent zu. Die zweite Studie mit 404 Erwachsenen fand einen Rückgang von 10,9 Prozent gegenüber 0,6 Prozent. Fasst man fünf Studien zusammen, ergibt sich ein mittlerer Unterschied von 27,71 Quadratzentimetern Bauchfett gegenüber dem Scheinmedikament.
Was passiert, wenn man Tesamorelin absetzt?
Das Fett kommt zurück. In der Verlängerungsphase verloren die Teilnehmer, die auf ein Scheinmedikament umgestellt wurden, den in einem halben Jahr erreichten Fortschritt wieder, und das tiefe Bauchfett lagerte sich erneut an. Die Autoren dieser Studie schreiben ausdrücklich, dass die Wirkung über die Behandlungszeit hinaus nicht anhält.
Welche Nebenwirkungen von Tesamorelin treten am häufigsten auf?
Am häufigsten sind Reaktionen an der Einstichstelle. In den ersten 26 Wochen betrafen sie 17 Prozent der Behandelten gegenüber 6 Prozent unter Scheinmedikament. Danach folgten Gelenkschmerzen mit 13 gegenüber 11 Prozent. Muskelschmerzen, Schwellungen an Knöcheln und Füßen sowie Kribbeln traten jeweils bei rund 5 bis 6 Prozent auf, gegenüber 2 Prozent unter Scheinmedikament.
Wer darf Tesamorelin nicht anwenden?
Die Produktinformation schließt vier Situationen vollständig aus: eine aktive Krebserkrankung, eine unterbrochene Verbindung zwischen Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse, eine bekannte Allergie gegen den Stoff und eine Schwangerschaft. Wachstumshormon ist ein Wachstumsfaktor, und darin liegt der Grund für den Ausschluss bei Krebs.
Ist Tesamorelin im Sport verboten?
Ja, und zwar jederzeit, im Wettkampf wie außerhalb. Die Welt-Anti-Doping-Agentur nennt Tesamorelin in Abschnitt S2.2.4 ihrer Verbotsliste 2026 unter den Freisetzungsfaktoren des Wachstumshormons und stuft alles aus diesem Abschnitt als nicht spezifizierte Substanz ein. Das deutsche Recht führt den Stoff gesondert in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz auf.
Ist als Forschungspeptid verkauftes Tesamorelin dasselbe wie das zugelassene Medikament?
Nein. Zwölf Firmen haben bei der US-Behörde vierzehn Registrierungen für Tesamorelin als unfertigen Rohstoff hinterlegt. Das ist keine Zulassung eines Arzneimittels und erlaubt keine Abgabe an Endverbraucher. Zwei Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2026 ordnen den Stoff klar dem unregulierten Markt der sogenannten Forschungssubstanzen zu, auf dem Zusammensetzung und Reinheit niemand prüft.
Quellen
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Die Angaben auf dieser Seite wurden am 7. September 2026 geprüft, und die amtlichen Register hinter der Statustabelle wurden am selben Tag abgefragt. Zugelassene Arzneimittel bekommen mit der Zeit neue Anwendungsgebiete und geänderte Warnhinweise, deshalb zählen Version und Datum ebenso viel wie der Text.
myPeptides Research & Editing. (2026). Tesamorelin: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit. Version 1.0, 7. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/tesamorelin
Wie die Seiten dieses Registers entstehen und bewertet werden, steht unter Methodik; das vollständige Register findet sich unter Peptide.
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 2026-09-07 | Erstveröffentlichung |
Zuletzt geprüft: 7. September 2026. Nächste Prüfung: bei einer Änderung der US-Produktinformation, bei Bestätigung des australischen Registereintrags oder bei einer Änderung der Anti-Doping-Einstufung.
