Liraglutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit
Zusammenfassung
Liraglutid ist ein künstlich hergestellter Nachbau eines körpereigenen Darmbotenstoffs, der so verändert wurde, dass er statt weniger Minuten etwa einen halben Tag im Körper bleibt. Seit 2009 ist er ein zugelassenes und verschreibungspflichtiges Arzneimittel, zuerst bei Typ-2-Diabetes und später zur Gewichtsabnahme. In der größten Studie zum Gewicht nahmen Erwachsene in 56 Wochen im Mittel 8,4 Kilogramm ab, unter dem Scheinmedikament 2,8 Kilogramm. In einer Herz-Kreislauf-Studie bei Zuckerkrankheit traten schwere Ereignisse rund 13 Prozent seltener auf. Der jüngere Verwandte Semaglutid schlug ihn in der einzigen Studie, die beide direkt gegeneinander stellte, deutlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2009 zugelassen und überall nur gegen Rezept. Europa erteilte die Zulassung am 30. Juni 2009. Die USA folgten am 25. Januar 2010 und stuften den Stoff dabei als völlig neuen Wirkstoff ein [1], [2].
- Rund 13 Prozent weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Unter 9.340 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und hohem Herz-Kreislauf-Risiko traf ein solches Ereignis 13,0 gegenüber 14,9 Prozent. Begleitet wurden sie im Median 3,8 Jahre lang [3].
- 8,4 Kilogramm weniger Körpergewicht in 56 Wochen. Diese Zahl stammt von 3.731 Erwachsenen mit starkem Übergewicht und ohne Zuckerkrankheit. Unter dem Scheinmedikament sank das Gewicht um 2,8 Kilogramm, was einen Abstand von 5,6 Kilogramm ergibt [4].
- Im direkten Vergleich nahm die Semaglutid-Gruppe mehr als doppelt so stark ab. In 68 Wochen sank das Gewicht um 15,8 gegenüber 6,4 Prozent, ein Abstand von 9,4 Prozentpunkten [5].
- Bei Jugendlichen sank der Wert des Körpermassenindex um 0,22 Punkte stärker. Diese Studie mit 251 jungen Menschen ist die Grundlage der US-Zulassung ab 12 Jahren [6], [7].
- Eine hervorgehobene Warnung in den USA, die Europa nicht kennt. Die amtlichen US-Produktinformationen warnen vor Schilddrüsentumoren bei Nagetieren. Die europäischen Texte enthalten keinen solchen Kasten und nennen als Gegenanzeige allein die Allergie [8], [1].
- Seit Dezember 2024 gibt es Nachahmerpräparate, und in den USA fehlt der Stoff weiterhin. Seit dem 23. Dezember 2024 wurden elf Anträge für Nachahmerpräparate genehmigt. Auf der US-Liste der Lieferengpässe steht der Wirkstoff seit dem 18. Juli 2023 [9], [10].
Was Liraglutid ist
Liraglutid ist ein Peptid aus 31 Bausteinen, das den menschlichen Darmbotenstoff GLP-1 in 97 Prozent seiner Bausteinfolge nachbildet. Der dänische Konzern Novo Nordisk entwickelte es unter dem Code NN2211; die Kette entsteht in Backhefe, bevor ihr auf chemischem Weg ein Fettschwanz angehängt wird [8], [11].
Drei Handelsnamen enthalten den Wirkstoff. Victoza ist die Marke für Typ-2-Diabetes, Saxenda die Marke für die Gewichtsabnahme, und Xultophy verbindet ihn fest mit einem lang wirkenden Insulin. In allen dreien steckt derselbe Wirkstoff [8], [12], [9].
Dieser Fettschwanz ist der eigentliche Kniff, denn er heftet das Peptid an ein Transporteiweiß im Blut. Der Körper braucht dann rund 13 Stunden, um es abzubauen, während er den natürlichen Botenstoff schon nach wenigen Minuten los ist [8].
Kurzprofil
| Feld | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Internationaler Freiname | Liraglutid | [8] |
| Entwicklungscodes | NN2211, NNC 90-1170; die Studien zum Übergewicht liefen unter NN8022 | [11], [13] |
| Wirkstoffklasse | Schaltet die Andockstelle des Darmbotenstoffs GLP-1 an | [8] |
| Struktur | 31 Bausteine, einer davon an Position 34 ausgetauscht, an Position 26 hängt über ein Zwischenstück eine Fettkette aus 16 Kohlenstoffatomen | [8] |
| Summenformel und Masse | C172H265N43O51, 3.751,2 Da | [8], [11] |
| Wie lange es wirkt | Rund 13 Stunden, also die Zeit, in der das Blut die Hälfte davon abbaut (Halbwertszeit) | [8] |
| Verabreichung | Spritze unter die Haut | [8] |
| Wie viel ins Blut gelangt | Rund 55 Prozent; über 98 Prozent davon hängen unterwegs an einem Transporteiweiß | [8] |
| Status | Zugelassen und verschreibungspflichtig in allen sieben Ländern dieser Seite | [1], [2] |
| Entwickler | Novo Nordisk A/S | [1] |
| ATC-Code | A10BJ02; auch der ältere Eintrag A10BX07 taucht auf | [1], [14] |
| CAS-Nummer | 204656-20-2 | [11] |
| UNII | 839I73S42A | [11] |
| PubChem CID | 16134956 | [11] |
| InChIKey | YSDQQAXHVYUZIW-QCIJIYAXSA-N | [11] |
| DrugBank | DB06655 | [14] |
| ChEMBL | CHEMBL1201866; die Synonymliste von PubChem nennt CHEMBL4084119 | [14], [11] |
| MeSH | D000069450 | [14] |
| KEGG | D06404 | [14] |

Wie es wirkt
Die amtliche Produktinformation beschreibt die Wirkweise ausdrücklich, denn sie wurde im Zulassungsverfahren gemeinsam mit den Studien geprüft [8].
- Die Andockstelle für GLP-1. Liraglutid bindet an die Andockstelle für den Darmbotenstoff GLP-1, den sogenannten GLP-1-Rezeptor, und aktiviert sie genauso, wie es der natürliche Botenstoff tut [8].
- Insulin, aber nur bei Bedarf. In den Zellen, die Insulin herstellen, steigt daraufhin die Menge eines Botenstoffs im Zellinneren, und Insulin wird nur dann freigesetzt, wenn der Blutzucker tatsächlich erhöht ist [8].
- Weniger vom Gegenspieler. Von Glukagon, das den Blutzucker anhebt, schüttet der Körper geringere Mengen aus [8].
- Der Magen leert sich langsamer, wodurch der Blutzucker nach einer Mahlzeit flacher ansteigt [8].
- Der Appetit wird im Gehirn geregelt. Der europäische Text führt die Wirkung auf das Gewicht auf die Signale für Appetit und Sättigung im Gehirn zurück [15].
- Was der Körper damit macht. Der Stoff wird abgebaut wie jedes größere Eiweiß, ohne dass ein einzelnes Organ die Arbeit übernimmt. Unverändert taucht er weder im Urin noch im Stuhl auf [8].
Semaglutid und Tirzepatid gehören zur selben Familie, sind aber nicht dasselbe. Semaglutid trägt eine längere Fettkette und hält etwa eine Woche; Tirzepatid schaltet zusätzlich eine zweite Andockstelle an [16], [17].
Was die Studien zeigen
Herz und Kreislauf
Große Zulassungsstudie, auf einen Unterschied angelegt An der Herz-Kreislauf-Studie nahmen 9.340 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und hohem Herz-Kreislauf-Risiko teil. Sie waren im Schnitt 64 Jahre alt, litten seit durchschnittlich 12,8 Jahren an der Zuckerkrankheit und wurden im Median 3,8 Jahre lang begleitet; der Median ist der Wert in der Mitte aller Messwerte [3].
Ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis traf 13,0 Prozent der behandelten Gruppe, also 608 von 4.668 Menschen, gegenüber 14,9 Prozent unter dem Scheinmedikament, also 694 von 4.672. Das Risiko lag damit um 13 Prozent niedriger (Hazard Ratio 0,87), und der wahre Wert liegt zwischen 3 und 22 Prozent weniger (0,78 bis 0,97; p = 0,01) [3].
Auch Todesfälle waren seltener. An einer Herzursache starben 4,7 gegenüber 6,0 Prozent (Hazard Ratio 0,78; zwischen 0,66 und 0,93; p = 0,007). An irgendeiner Ursache starben 8,2 gegenüber 9,6 Prozent (0,85; zwischen 0,74 und 0,97; p = 0,02) [3].
Nicht jeder Einzelbefund fiel zugunsten der Behandlung aus. Bei überlebten Herzinfarkten (Hazard Ratio 0,88; zwischen 0,75 und 1,03), bei überlebten Schlaganfällen (0,89; zwischen 0,72 und 1,11) und bei Krankenhausaufenthalten wegen Herzschwäche zeigte sich kein klarer Unterschied. Magen-Darm-Beschwerden waren der häufigste Grund für einen Abbruch [3].
Dieses Ergebnis wurde im August 2017 in die amtliche US-Produktinformation aufgenommen [18].
Gewicht
Große Zulassungsstudie Die größte Studie zum Gewicht teilte 3.731 Erwachsene per Zufall zwei Gruppen zu, die entweder stark übergewichtig waren oder Übergewicht und eine damit verbundene Erkrankung hatten, aber keine Zuckerkrankheit. Sie waren im Schnitt 45 Jahre alt, wogen 106,2 Kilogramm und hatten einen Körpermassenindex von 38,3; 78,5 Prozent waren Frauen [4].
Nach 56 Wochen hatte die behandelte Gruppe im Mittel 8,4 Kilogramm verloren, bei einer Streuung von 7,3 Kilogramm, gegenüber 2,8 Kilogramm bei einer Streuung von 6,5 Kilogramm. Der Abstand beträgt 5,6 Kilogramm; der wahre Wert liegt mit 95-prozentiger Sicherheit zwischen 5,1 und 6,0 Kilogramm (p < 0,001) [4].
Große Zulassungsstudie mit 3.731 Erwachsenen mit starkem Übergewicht und ohne Zuckerkrankheit, über 56 Wochen. Der Abstand beträgt 5,6 Kilogramm; der wahre Wert liegt mit 95-prozentiger Sicherheit zwischen 5,1 und 6,0 Kilogramm, p < 0,001. Quelle [4].
Mindestens ein Zwanzigstel ihres Gewichts verloren 63,2 Prozent von ihnen gegenüber 27,1 Prozent. Mehr als ein Zehntel verloren 33,1 gegenüber 10,6 Prozent (p < 0,001 für beide Vergleiche). Schwere Ereignisse traten bei 6,2 gegenüber 5,0 Prozent auf [4].
Die amtliche US-Produktinformation gibt dieselbe Studie in Prozent an. Danach sank das Gewicht um 7,4 gegenüber 3,0 Prozent, ein Unterschied von 4,5 Prozentpunkten (zwischen 3,8 und 5,2; p < 0,0001). Dass die beiden Zahlenreihen auseinandergehen, liegt daran, wie fehlende Messwerte jeweils ersetzt wurden [12].
Große Zulassungsstudie An einer zweiten Studie nahmen 846 Erwachsene teil, die zusätzlich an Typ-2-Diabetes litten. In 56 Wochen sank ihr Gewicht auf der höheren Stufe um 6,0 Prozent und auf der niedrigeren um 4,7 Prozent, unter dem Scheinmedikament um 2,0 Prozent. Weil die Wirkung in dieser Gruppe schwächer ausfällt, darf man die beiden Zahlenreihen nicht gegeneinander austauschen [19].
Große Zulassungsstudie zum Halten des Gewichts Eine dritte Studie nahm 422 Erwachsene auf, die mit einer kalorienarmen Kost bereits mindestens ein Zwanzigstel ihres Gewichts verloren hatten. In den folgenden 56 Wochen verlor die behandelte Gruppe weitere 6,2 Prozent gegenüber 0,2 Prozent, ein Abstand von 6,1 Prozentpunkten (zwischen 4,6 und 7,5; p < 0,0001) [20].
Weil diese Aufnahmebedingung gezielt Menschen auswählte, die auf eine Diät bereits angesprochen hatten, hält die amtliche US-Produktinformation fest, dass sich das Ergebnis nicht auf die Allgemeinheit übertragen lässt [20], [12].
Im Vergleich mit Semaglutid
Große Zulassungsstudie, der Wirkstoffvergleich war offen Eine Studie stellte die beiden Wirkstoffe bei 338 Erwachsenen mit starkem Übergewicht und ohne Zuckerkrankheit über 68 Wochen an 19 US-Zentren einander gegenüber. Jeder Wirkstoff hatte sein eigenes Scheinmedikament, doch die Teilnehmer wussten, welchen der beiden sie erhielten [5].
Das Gewicht sank unter Semaglutid um 15,8 Prozent, unter Liraglutid um 6,4 Prozent, ein Abstand von 9,4 Prozentpunkten (zwischen 6,8 und 12,0; p < 0,001). Unter dem Scheinmedikament sank es um 1,9 Prozent [5].
Große Zulassungsstudie mit 338 Erwachsenen mit starkem Übergewicht und ohne Zuckerkrankheit, über 68 Wochen. Der Abstand beträgt 9,4 Prozentpunkte; der wahre Wert liegt mit 95-prozentiger Sicherheit zwischen 6,8 und 12,0, p < 0,001. Alle wussten, welchen der beiden Wirkstoffe sie bekamen. Quelle [5].
Mindestens ein Zehntel ihres Gewichts verloren 70,9 gegenüber 25,6 Prozent, mindestens ein Fünftel 38,5 gegenüber 6,0 Prozent. Unter Liraglutid brachen doppelt so viele Menschen die Behandlung ab, nämlich 27,6 gegenüber 13,5 Prozent [5].
Später auftretende Zuckerkrankheit
Große Zulassungsstudie Die Studie zum Gewicht lief bei jenen 2.254 Teilnehmern, deren Blutzucker zu Beginn erhöht war, bis Woche 160 weiter. Ein Typ-2-Diabetes wurde bei 2 Prozent der behandelten Gruppe festgestellt, also bei 26 von 1.472 Menschen, gegenüber 6 Prozent, also 46 von 738 [21].
Bis die Zuckerkrankheit auftrat, verging das 2,7-Fache der Zeit (zwischen 1,9 und 3,9; p < 0,0001), was einer Hazard Ratio von 0,21 entspricht (zwischen 0,13 und 0,34). In Woche 160 lag das Gewicht um 6,1 gegenüber 1,9 Prozent niedriger, ein Unterschied von 4,3 Prozentpunkten [21].
Die Hälfte der Teilnehmer kam nicht bis zum Schluss. Von den 2.254 erreichten nur 1.128 die Woche 160, und wer ausschied, wurde nicht weiterverfolgt. Die Autoren benennen das selbst als Schwäche ihrer Studie [21].
Junge Menschen
Große Zulassungsstudie Eine Studie mit 251 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren mit starkem Übergewicht maß nicht das reine Gewicht, sondern den Wert des Körpermassenindex, der das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße setzt. Sie dauerte 56 Wochen und danach 26 Wochen Nachbeobachtung. Der Wert sank um 0,22 Punkte stärker als unter dem Scheinmedikament (zwischen 0,08 und 0,37; p = 0,002) [6].
Um mindestens ein Zwanzigstel sank der Körpermassenindex bei 43,3 gegenüber 18,7 Prozent, um mindestens ein Zehntel bei 26,1 gegenüber 8,1 Prozent. In Kilogramm gerechnet betrug der Unterschied im Körpergewicht 4,50 Kilogramm [6].
Nach dem Absetzen hielt die Wirkung nicht an. In der zuvor behandelten Gruppe stieg der Wert des Körpermassenindex schneller wieder an, und zwar um 0,15 Punkte stärker (zwischen 0,07 und 0,23) [6].
Schwierig war in dieser Studie vor allem die Verträglichkeit: Magen-Darm-Beschwerden betrafen 64,8 gegenüber 36,5 Prozent, und 13 junge Menschen, also 10,4 Prozent, brachen wegen einer Nebenwirkung ab, während das unter dem Scheinmedikament niemand tat [6].
Blutzucker
Große Zulassungsstudie mit Vergleichswirkstoff In einer Studie erhielten 746 Erwachsene Liraglutid allein. Der Langzeitwert des Blutzuckers sank auf der höheren Stufe um 1,1 Prozentpunkte und auf der niedrigeren um 0,8, gegenüber 0,5 unter dem Vergleichswirkstoff Glimepirid. Den Zielwert unter 7 Prozent erreichten 51, 43 und 28 Prozent der Teilnehmer [8].
Große Zulassungsstudie, alle wussten Bescheid Eine weitere Studie verglich Liraglutid über 26 Wochen mit Exenatid bei 464 Erwachsenen. Der Langzeitwert sank um 1,12 gegenüber 0,79 Punkte, ein Unterschied von 0,33 (zwischen 0,18 und 0,47; p < 0,0001). Das Gewicht sank in beiden Gruppen ähnlich stark, nämlich um 3,24 gegenüber 2,87 Kilogramm [22].
Dieselbe Studie zeigte allerdings auch eine Schwäche, denn nach dem Frühstück und nach dem Abendessen war der Blutzucker unter Liraglutid schlechter eingestellt. Dafür ließ die Übelkeit früher nach, und leichte Unterzuckerungen kamen seltener vor, nämlich 1,93 gegenüber 2,60 Mal pro Person und Jahr [22].
Wie lange die Behandlung durchgehalten wurde
Beobachtungsstudie Eine Untersuchung begleitete 2.005 Menschen in Frankreich, Deutschland und Italien 24 Monate lang, nachdem sie mit einem gespritzten Mittel gegen die Zuckerkrankheit begonnen hatten. Zu einem bedeutsamen Wechsel der Behandlung kam es bei 45,2 Prozent der Liraglutid-Gruppe, also bei 448 von 991 Menschen, gegenüber 28,2 Prozent der Dulaglutid-Gruppe, also 286 von 1.014 [23].
Nach statistischem Ausgleich der Unterschiede blieben die Teilnehmer unter dem wöchentlich gespritzten Vergleichsmittel eher bei der Behandlung (Hazard Ratio 0,69; zwischen 0,56 und 0,86). Blutzucker und Gewicht änderten sich in beiden Gruppen ähnlich stark, nämlich um 1,09 gegenüber 1,08 Prozentpunkte und um 3,3 gegenüber 3,5 Kilogramm [23].
Weil es eine Beobachtungsstudie ist, lässt sich nicht ausschließen, dass sich die beiden Gruppen in etwas unterschieden, das niemand erfasst hat [23].
Die Schilddrüsenfrage beim Menschen
Beobachtungsstudie mit Ersatzmarker Kalzitonin ist ein Hormon jener Schilddrüsenzellen, aus denen bei Nagetieren die Tumoren hervorgehen. Bei mehr als 5.000 Teilnehmern wurde es bis zu zwei Jahre lang alle drei Monate gemessen [24].
Die Werte lagen von Anfang an im unteren Bereich des Normalen und blieben dort. Nach zwei Jahren betrugen die geschätzten Mittelwerte höchstens 1,0 ng/l und lagen damit weit unter den oberen Normgrenzen. Weder nach Dosis noch nach Zeit noch nach Behandlungsgruppe zeigte sich ein durchgängiges Muster [24].
Die Autoren schließen daraus, dass diese Daten keinen Hinweis auf eine Wirkung beim Menschen geben und dass sich die Befunde bei Nagetieren womöglich nicht übertragen lassen. Ein Messwert im Blut ist allerdings keine Zählung von Tumoren, und zwei Jahre sind kein ganzes Leben [24].
Was weiterhin unbekannt ist
- Die Schilddrüsentumoren bei Nagetieren. Ob sie für den Menschen etwas bedeuten, ist ungeklärt, und die amtlichen Produktinformationen sagen das unumwunden [8].
- Harte Herz-Kreislauf-Ergebnisse bei starkem Übergewicht ohne Zuckerkrankheit. Für diesen Wirkstoff hat keine Langzeitstudie diese Frage geprüft; die Herz-Kreislauf-Studie lief bei Menschen mit Zuckerkrankheit [3].
- Was nach Woche 160 geschieht. Die Hälfte der Teilnehmer der dreijährigen Studie schied aus und wurde nicht weiterverfolgt [21].
- Wie viel der direkte Vergleich wert ist. An ihm nahmen 338 Menschen an 19 Zentren teil, und alle wussten, welchen Wirkstoff sie bekamen [5].
- Die Frage nach dem Auge. Die behördliche Prüfung eines plötzlichen Sehnervschadens betraf allein Semaglutid, und ihre Autoren halten fest, dass andere Wirkstoffe dieser Gruppe nicht untersucht wurden. Für Liraglutid folgt daraus weder das eine noch das andere [25].
Nebenwirkungen und Sicherheit
Im Vordergrund stehen Magen-Darm-Beschwerden, und sie sind auch der häufigste Grund für einen Abbruch. Die folgenden Zahlen stammen aus den zusammengefassten Studien zur Gewichtsabnahme bei Erwachsenen, wie sie die amtliche US-Produktinformation abdruckt, mit 3.384 behandelten Menschen gegenüber 1.941 unter dem Scheinmedikament [12].
| Beschwerde | Liraglutid | Scheinmedikament |
|---|---|---|
| Übelkeit | 39,3 % | 13,8 % |
| Durchfall | 20,9 % | 9,9 % |
| Verstopfung | 19,4 % | 8,5 % |
| Erbrechen | 15,7 % | 3,9 % |
| Reaktion an der Einstichstelle | 13,9 % | 10,5 % |
| Kopfschmerzen | 13,6 % | 12,6 % |
| Magenverstimmung | 9,6 % | 2,7 % |
| Erhöhter Wert eines Verdauungsenzyms im Blut | 5,3 % | 2,2 % |
| Magen-Darm-Beschwerden insgesamt | 68 % | 39 % |
Bei Jugendlichen traten dieselben Beschwerden noch häufiger auf: Übelkeit betraf 42,4 gegenüber 14,3 Prozent und Erbrechen 34,4 gegenüber 4 Prozent [12].
Weitere Punkte aus den amtlichen Produktinformationen und den behördlichen Unterlagen:
- Die hervorgehobene Warnung vor Schilddrüsentumoren. Bei Ratten und Mäusen löst Liraglutid Tumoren einer bestimmten Schilddrüsenzelle aus. Je mehr die Tiere bekommen und je länger sie es bekommen, desto häufiger geschieht das, bereits in einem Bereich, der der Anwendung beim Menschen entspricht. Ob das für Menschen von Bedeutung ist, weiß niemand [8].
- Wer den Wirkstoff in den USA nicht erhalten darf. Wer selbst oder in der Familie diese Schilddrüsenkrebsart hatte. Ebenso, wer an einer bestimmten erblichen Hormonerkrankung leidet oder wer schon einmal schwer darauf reagiert hat [8].
- Eine plötzliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse. In den Studien zur Gewichtsabnahme bei Erwachsenen wurde sie bei 9 von 3.291 Menschen bestätigt, gegenüber 2 von 1.843. Die britische Behörde verschärfte die Warnung am 29. Januar 2026 für die gesamte Wirkstoffgruppe und nannte dabei Fälle mit abgestorbenem Gewebe und Fälle mit tödlichem Ausgang [12], [26].
- Beschwerden der Gallenblase. Gallensteine traten bei 2,2 gegenüber 0,8 Prozent auf und eine entzündete Gallenblase bei 0,8 gegenüber 0,4 Prozent, meist mit einer Operation als Folge. Der Überschuss blieb bestehen, auch nachdem der Gewichtsverlust herausgerechnet war [12].
- Ein schnellerer Puls. Der Ruhepuls stieg im Mittel um 2 bis 3 Schläge pro Minute. Ein Anstieg um mehr als 10 Schläge bei zwei Terminen hintereinander trat bei 34 gegenüber 19 Prozent auf [12].
- Ein zu tief fallender Blutzucker. Das Risiko steigt, sobald der Wirkstoff mit Insulin oder mit Mitteln kombiniert wird, die Insulin freisetzen. Bei Kindern und Jugendlichen mit Zuckerkrankheit hatten 21,2 Prozent einen Messwert unter 54 Milligramm pro Deziliter. Keine dieser Unterzuckerungen war schwer [8].
- Nierenschäden nach Flüssigkeitsverlust. Berichtet wurde ein plötzliches Nierenversagen, meist bei Menschen, die durch Erbrechen oder Durchfall ausgetrocknet waren; in einzelnen Fällen war eine Blutwäsche nötig [8].
- Mageninhalt, der in die Lunge gelangt. Vereinzelt wurde berichtet, dass sich trotz der üblichen Nüchternzeit während einer Narkose noch Speisereste im Magen befanden. Die Produktinformation hält fest, dass die Datenlage zu dünn ist, um daraus praktische Schlüsse zu ziehen [8], [15].
- Ein Schilddrüsenbefund in den Studien zur Zuckerkrankheit. Ein papilläres Schilddrüsenkarzinom wurde bei 7 behandelten Erwachsenen gemeldet, gegenüber 1 unter der Vergleichsbehandlung, also 1,5 gegenüber 0,5 Fällen je 1.000 Personenjahre. Die meisten waren kleiner als ein Zentimeter und wurden bei den Untersuchungen entdeckt, die die Studie ohnehin vorschrieb [8].
- Eine Warnung vor geteilten Pens. Die Produktinformation hält fest, dass ein Pen mit mehreren Dosen niemals von Mensch zu Mensch weitergereicht werden darf, auch nicht mit frischer Nadel, weil auf diesem Weg Krankheitserreger über das Blut übertragen werden [8].
Die europäische Fachinformation fasst dieselben Beschwerden in einer eigenen Häufigkeitstabelle zusammen. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung gelten dort als sehr häufig, betreffen also mehr als 1 von 10 Behandelten. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse und eine verzögerte Magenentleerung gelten als gelegentlich, schwere allergische Reaktionen und Nierenversagen als selten [15].
Warum hier keine Dosierungen stehen
Liraglutid gibt es in jedem Land, das es zugelassen hat, nur gegen Rezept. Welche Menge infrage kommt, ergibt sich aus der amtlichen Produktinformation und aus der Entscheidung der Ärztin oder des Arztes, die das Rezept ausstellen. Diese Seite spricht deshalb nur von einer niedrigeren oder einer höheren geprüften Stufe und berichtet, was dabei jeweils gemessen wurde.
Entwicklungsstand und Zulassung
Zulassungen und Studien im Zeitverlauf
- 2009Europäische Zulassung bei Typ-2-Diabetes am 30. JuniDie Schweiz folgt am 11. Dezember, Quelle [1]
- 2010US-Zulassung am 25. Januar, als völlig neuer WirkstoffIn Kanada beginnt am 27. Mai der Vertrieb, Quelle [2]
- 2014-2015Ein zweiter Antrag deckt die Gewichtsabnahme abUSA am 23. Dezember 2014, Europäische Union am 23. März 2015, Quellen [27], [15]
- 2016Die Herz-Kreislauf-Studie meldet weniger schwere EreignisseIm August 2017 in die US-Produktinformation aufgenommen, Quellen [3], [18]
- 2019-2020Die Zulassungen werden auf Kinder und Jugendliche ausgeweitetZuckerkrankheit ab 10 Jahren im Jahr 2019, Gewicht ab 12 Jahren im Jahr 2020, Quellen [28], [7]
- 2023Der Wirkstoff kommt am 18. Juli auf die US-Liste der LieferengpässeAm 10. September 2026 waren neun von elf Einträgen noch aktuell, Quelle [10]
- 2024Das erste Nachahmerpräparat wird am 23. Dezember genehmigtBis 2026 sind es elf Anträge, Quelle [9]
- 2026Großbritannien verschärft die Warnungen zur Bauchspeicheldrüse für die ganze GruppeMitteilung zur Arzneimittelsicherheit vom 29. Januar, Quelle [26]
- 2009 — Europa lässt das Präparat gegen die Zuckerkrankheit am 30. Juni zu, die Schweiz am 11. Dezember [1], [29].
- 2010 — die US-Behörde FDA erteilt die Zulassung am 25. Januar und stuft den Stoff als völlig neuen Wirkstoff ein; in Kanada beginnt am 27. Mai der Vertrieb [2], [30].
- 2014 und 2015 — ein eigener Antrag deckt die Gewichtsabnahme ab, genehmigt am 23. Dezember 2014 in den USA und am 23. März 2015 in der Europäischen Union [27], [15].
- 2017 — das Herz-Kreislauf-Ergebnis kommt im August in die amtliche US-Produktinformation. Der Nachtrag wurde am 25. August genehmigt, das Genehmigungsschreiben trägt das Datum 28. August [2], [18].
- 2019 und 2020 — das zugelassene Mindestalter sinkt bei der Zuckerkrankheit auf 10 Jahre und bei der Gewichtsabnahme auf 12 Jahre [28], [7].
- 2023 — der Wirkstoff erscheint am 18. Juli auf der US-Liste der Lieferengpässe [10].
- 2024 — das erste Nachahmerpräparat wird am 23. Dezember genehmigt [9].
- 2026 — die britische Behörde verschärft am 29. Januar die Warnungen zur Bauchspeicheldrüse für die ganze Wirkstoffgruppe [26].
| Land | Status | Frühestes belegtes Datum | Rechtliche Einstufung |
|---|---|---|---|
| USA | Zugelassen | 2010-01-25 | Verschreibungspflichtig |
| Europäische Union | Zugelassen | 2009-06-30 | Verschreibungspflichtig |
| Deutschland | Zugelassen | 2009-06-30 | Verschreibungspflichtig |
| Großbritannien | Zugelassen | Hier nicht datiert | Verschreibungspflichtig |
| Australien | In der Giftliste geführt | 2026-05-28 | Verschreibungspflichtig |
| Kanada | Im Vertrieb | 2010-05-27 | Verschreibungspflichtig |
| Schweiz | Zugelassen | 2009-12-11 | Verschreibungspflichtig |
Drei Einträge brauchen eine Erläuterung. Das britische Datum fehlt, weil der Registereintrag kein Datum der ersten Zulassung nennt. Am 10. September 2026 standen dort acht Präparate, alle verschreibungspflichtig [31].
Das australische Datum ist das der geltenden Giftverordnung und nicht das der ersten Registrierung, weil das Register selbst nicht erreichbar war [32]. In der Schweiz fehlt die Marke für die Gewichtsabnahme in der Liste der zugelassenen Packungen [29].
Die Nachahmerpräparate führen nicht durchweg dieselben Anwendungsgebiete auf. Zwei der hier geprüften US-Produktinformationen decken Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren ab, aber nicht das Herz-Kreislauf-Gebiet, während eine dritte stattdessen die Gewichtsabnahme nennt [33].
Etwas anderes ist die Frage, wer dafür bezahlt. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bei der Zuckerkrankheit, nicht aber bei der Gewichtsabnahme, die das Gesetz als Lebensstil-Arzneimittel einordnet [34].
Der Lieferengpass und was daraus folgt. Solange ein Arzneimittel als knapp gelistet ist, erlaubt das US-Recht Apotheken und besonderen Herstellbetrieben, es nachzubauen. Die maßgeblichen Bestimmungen stehen in den Abschnitten 503A und 503B des US-Lebensmittel- und Arzneimittelgesetzes. Liraglutid steht seit dem 18. Juli 2023 auf dieser Liste. Am 10. September 2026 trugen neun der elf Einträge weiterhin den Status aktuell [10].
Bei Semaglutid ist es genau umgekehrt, denn dessen Lieferengpass wurde am 21. Februar 2025 für beendet erklärt [35]. Die Ausnahme entfällt, sobald die Behörde auch den Engpass bei Liraglutid für beendet erklärt [10]. Auf der gesonderten Liste der Ausgangsstoffe für solche Zubereitungen, die Stoffe ohne eigene Zulassung erfasst, kommt Liraglutid nicht vor [36].
Zwei Einträge dieser Liste sind als auslaufend gekennzeichnet: die US-Marke für die Gewichtsabnahme, eingetragen am 25. August 2026, und ein Nachahmerpräparat, eingetragen am 14. Mai 2026 [10]. Wie dieser rechtliche Rahmen insgesamt aussieht, erklären die Seiten ob Peptide legal sind und welche Peptide FDA-zugelassen sind.
Jeder Eintrag dieses Abschnitts gibt den Stand vom 10. September 2026 wieder.
Anti-Doping
Im Sport ist Liraglutid nicht verboten. Auf der Verbotsliste 2026 kommt der Wirkstoff weder für den Wettkampf noch für die Zeit außerhalb vor, und eine medizinische Ausnahmegenehmigung ist dafür nicht nötig [37].
Der Wirkstoff wird nicht einmal beobachtet: Anders als Semaglutid und Tirzepatid, deren Nachweisstoffe das Beobachtungsprogramm 2026 ausdrücklich nennt, fehlt Liraglutid auch dort. Die deutsche Anti-Doping-Anlage führt ihn ebenfalls nicht auf [37], [38].
Über die Sicherheit oder über das Arzneimittelrecht sagt all das nichts aus; beides gilt unabhängig davon. Einen Überblick gibt die Seite im Sport verbotene Peptide.
Vergleich mit verwandten Peptiden
| Wirkstoff | Woran er andockt | Status | Stärkstes Gewichtsergebnis der eigenen Studie | Wie lange er wirkt |
|---|---|---|---|---|
| Liraglutid | GLP-1 | In sieben Ländern zugelassen | −7,4 % nach 56 Wochen, SCALE, 3.731 Teilnehmer [12] | Rund 13 Stunden [8] |
| Semaglutid | GLP-1 | In vielen Ländern zugelassen | −14,9 % nach 68 Wochen, STEP 1, 1.961 Teilnehmer [39] | Rund 1 Woche [16] |
| Tirzepatid | GIP und GLP-1 | In vielen Ländern zugelassen | −20,9 % nach 72 Wochen, SURMOUNT-1, 2.539 Teilnehmer [40] | Rund 5 Tage [17] |
| Retatrutid | GIP, GLP-1 und Glukagon | In der letzten Prüfstufe, nirgends zugelassen | −24,2 % nach 48 Wochen, mittlere Prüfstufe, 338 Teilnehmer [41] | Rund 6 Tage [42] |
| Cagrilintid | Andockstellen für Amylin und Kalzitonin | In der letzten Prüfstufe, nirgends zugelassen | −10,8 % nach 26 Wochen, mittlere Prüfstufe, 706 Teilnehmer [43] | 159 bis 195 Stunden [44] |
| Mazdutid | GLP-1 und Glukagon | In China zugelassen, sonst nirgends | −14,0 % nach 48 Wochen, GLORY-1, 610 Teilnehmer [45] | Hier nicht angegeben |
Diese sechs Zahlen stammen aus sechs verschiedenen Studien. Wer daran teilnahm, wie lange behandelt wurde, wie schwer die Teilnehmer zu Beginn waren und wie gerechnet wurde, unterscheidet sich jedes Mal. Die Spalte vergleicht deshalb Studien und keine Wirkstoffe.
Nur einer dieser Vergleiche wurde wirklich als direkter Vergleich geführt, nämlich der gegen Semaglutid, und er fiel klar gegen Liraglutid aus [5]. Aus der Reihe fällt Liraglutid deshalb nicht wegen der Stärke seiner Wirkung, sondern wegen seines Alters.
Es war das erste Mittel dieser Art und ist zugleich das einzige hier aufgeführte Peptid mit einer eigenen abgeschlossenen Studie zu Herz und Kreislauf [3]. Es ist außerdem das einzige, von dem es Nachahmerpräparate auf dem Markt gibt [9].
Dass Liraglutid täglich gespritzt werden muss, liegt an seiner Chemie: Eine Fettkette aus 16 Kohlenstoffatomen hält das Peptid rund 13 Stunden lang an einem Transporteiweiß fest, während die längeren Ketten der neueren Wirkstoffe ihre Peptide tagelang halten [8], [16].
Verbreitete Irrtümer
- „Liraglutid und Semaglutid kann man gegeneinander austauschen.“ Es sind zwei Wirkstoffe desselben Herstellers mit jeweils eigenen Zulassungen. In der einzigen Studie, die beide beim Gewicht direkt verglich, erreichte Semaglutid 15,8 gegenüber 6,4 Prozent [5], [16].
- „In den beiden Marken stecken verschiedene Wirkstoffe.“ Es ist derselbe Wirkstoff; die Marken unterscheiden sich darin, wofür sie zugelassen sind und welche Stärken es gibt. Beide Produktinformationen raten davon ab, mehrere Mittel dieser Art zu kombinieren [8], [12].
- „Die Warnungen sind überall dieselben.“ Das trifft nicht zu. Die USA führen eine hervorgehobene Warnung vor Schilddrüsentumoren und zwei Erkrankungen, die den Wirkstoff ausschließen; Europa kennt beides nicht und nennt allein die Allergie [8], [1].
- „Das ist natürliches GLP-1.“ Es ist ein bewusst veränderter Nachbau, in Hefe hergestellt, mit einem ausgetauschten Baustein und einer chemisch angehängten Fettkette. Dieser Kette verdankt er es, dass er rund 13 Stunden hält statt nur Minuten [8].
- „Ein Nachahmerpräparat und Ware vom Graumarkt sind beides einfach die billige Variante.“ Ein Nachahmerpräparat wird vor der Zulassung auf Identität, Reinheit, Gleichwertigkeit und Herstellungsstandard geprüft [9], [31]. Eine Marktuntersuchung zu dieser Wirkstoffgruppe stufte 134 von 317 Online-Apotheken als illegal ein und prüfte Testkäufe auf Keimfreiheit, Verunreinigungen und Gehalt [46].
- „Weil der Stoff auf einer Engpassliste steht, sind Nachbauten dasselbe Arzneimittel.“ Der Eintrag hebt lediglich eine rechtliche Schranke für zugelassene Herstellbetriebe auf. Darüber, was in einer bestimmten Zubereitung steckt, sagt er nichts. Meldungen über versehentliche Überdosierungen betreffen die ganze Wirkstoffgruppe, Liraglutid eingeschlossen [10], [47], [48].
- „Weil es Gewicht abnehmen lässt, ist es im Sport verboten.“ Es steht auf keiner Verbotsliste und in keinem Beobachtungsprogramm [37], [38].
Häufige Fragen
Ist Liraglutid verschreibungspflichtig?
Ja, in jedem Land, das auf dieser Seite vorkommt. Zugelassen ist der Wirkstoff in den USA, der Europäischen Union, Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada und der Schweiz, und überall gibt es ihn nur gegen Rezept. Daran ändert sich nichts, wenn er im Handel als Forschungschemikalie angeboten wird: Er ist ein zugelassenes Arzneimittel und kein Forschungsstoff.
Wie viel Gewicht verloren die Teilnehmer in den Liraglutid-Studien?
In der größten Studie nahmen 3.731 Erwachsene mit starkem Übergewicht und ohne Zuckerkrankheit in 56 Wochen im Mittel 8,4 Kilogramm ab, unter dem Scheinmedikament 2,8 Kilogramm. Die amtliche US-Produktinformation gibt dieselbe Studie in Prozent an, nämlich als Rückgang um 7,4 gegenüber 3,0 Prozent. Bei Erwachsenen, die zusätzlich an Typ-2-Diabetes litten, fiel der Wert mit 6,0 Prozent geringer aus.
Hat Liraglutid Herzinfarkte und Schlaganfälle verringert?
In einer klar umrissenen Gruppe verringerte es schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse in ihrer Gesamtheit. Unter 9.340 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und hohem Herz-Kreislauf-Risiko traf ein solches Ereignis 13,0 gegenüber 14,9 Prozent, was einem um rund 13 Prozent geringeren Risiko entspricht (Hazard Ratio 0,87; der wahre Wert liegt zwischen 0,78 und 0,97). Einzeln gezählt zeigten Herzinfarkte und Schlaganfälle keinen klaren Unterschied.
Welche Nebenwirkungen von Liraglutid treten am häufigsten auf?
Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen. In den zusammengefassten Studien zur Gewichtsabnahme bei Erwachsenen war 39,3 Prozent der Behandelten übel, unter dem Scheinmedikament 13,8 Prozent, und Magen-Darm-Beschwerden jeder Art hatten rund 68 gegenüber 39 Prozent. Bei Jugendlichen lagen diese Werte noch höher.
Worum geht es in der Black-Box-Warnung zu Liraglutid?
Die amtlichen US-Produktinformationen warnen in einem hervorgehobenen Kasten vor Tumoren einer bestimmten Schilddrüsenzelle. Bei Ratten und Mäusen löst Liraglutid solche Tumoren aus, und zwar umso häufiger, je mehr die Tiere bekommen und je länger sie es bekommen, bereits in einem Bereich, der der Anwendung beim Menschen entspricht. Ob dasselbe beim Menschen geschieht, weiß niemand. Die europäischen Texte enthalten überhaupt keine solche Warnung.
Ist Liraglutid dasselbe wie Semaglutid?
Nein. Beide sind veränderte Nachbauten desselben Darmbotenstoffs aus demselben Haus, aber es sind zwei verschiedene Wirkstoffe mit jeweils eigenen Zulassungen. Liraglutid stimmt mit dem natürlichen Botenstoff in 97 Prozent seiner Bausteinfolge überein und hält rund 13 Stunden; Semaglutid stimmt zu 94 Prozent überein und hält etwa eine Woche.
Warum stehen auf dieser Seite keine Dosierungen von Liraglutid?
Weil Liraglutid überall dort, wo es zugelassen ist, ein Rezept voraussetzt und die Wahl der Menge zur amtlichen Produktinformation und zur Ärztin oder zum Arzt gehört, die das Rezept ausstellen. Diese Seite spricht deshalb nur von einer niedrigeren oder einer höheren geprüften Stufe und berichtet, was dabei jeweils gemessen wurde.
Ist Liraglutid im Sport verboten?
Nein. Auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur für 2026 kommt der Wirkstoff nirgends vor, weder für den Wettkampf noch für die Zeit außerhalb, und eine medizinische Ausnahmegenehmigung ist dafür nicht nötig. Auch im Beobachtungsprogramm steht er nicht, das durchaus Nachweisstoffe von Semaglutid und Tirzepatid nennt. Über die Sicherheit sagt das nichts aus.
Gibt es Nachahmerpräparate von Liraglutid?
Ja. Der erste US-Antrag für ein Nachahmerpräparat wurde am 23. Dezember 2024 genehmigt, und bis September 2026 waren es elf. Im britischen Register standen am 10. September 2026 sechs Nachahmermarken, alle verschreibungspflichtig. Die Produktinformationen der Nachahmer führen nicht durchweg dieselben Anwendungsgebiete auf wie die Originale.
Wurde Liraglutid bei Kindern und Jugendlichen untersucht?
Ja, in zwei Zusammenhängen. In einer Studie mit 251 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren mit starkem Übergewicht sank der Wert des Körpermassenindex um 0,22 Punkte stärker als unter dem Scheinmedikament. Unabhängig davon sank das zugelassene Mindestalter für die Anwendung bei Zuckerkrankheit im Jahr 2019 auf 10 Jahre. In der Jugendstudie brachen 10,4 Prozent wegen einer Nebenwirkung ab, unter dem Scheinmedikament niemand.
Quellen
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Die Angaben auf dieser Seite wurden am 10. September 2026 geprüft, und alle Registerabfragen zur Statustabelle erfolgten an diesem Tag. Weil zugelassene Arzneimittel mit der Zeit neue Anwendungsgebiete und neue Warnungen erhalten, sind Version und Datum ebenso wichtig wie der Text selbst [13].
myPeptides Research & Editing. (2026). Liraglutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit. Version 1.0, 10. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/liraglutide
Wie die Seiten dieses Registers entstehen und bewertet werden, steht unter Methodik; das vollständige Register findet sich unter Peptide.
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 2026-09-10 | Erstveröffentlichung |
Zuletzt geprüft: 10. September 2026. Nächste Prüfung: bei einer Änderung der amtlichen Produktinformation in einem der erfassten Länder, bei jeder Änderung des Eintrags auf der US-Liste der Lieferengpässe oder bei jeder Änderung der Anti-Doping-Einstufung.
