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Retatrutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit

Status auf einen Blick

MarktStatusDatum
Vereinigte StaatenPrüfstoff
Europäische UnionPrüfstoff
DeutschlandPrüfstoff
Vereinigtes KönigreichPrüfstoff
AustralienPrüfstoff
KanadaPrüfstoff
SchweizPrüfstoff
Entwicklungsstufe
Phase 3
Stärkste Evidenz
Randomisierte Phase-2-Studie
WADA-Status
Verboten (S0, 2026)
Zuletzt geprüft
2026-09-06
Version
1.0

Diese Seite nennt keine Dosierungen.

Retatrutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit

Zusammenfassung

Retatrutid wird noch erforscht und spricht drei Andockstellen für Hormone gleichzeitig an. In einer mittelgroßen Studie verloren die Teilnehmer in 48 Wochen 24,2 Prozent ihres Körpergewichts. Die großen Studien melden noch höhere Werte, bislang allerdings nur über Pressemitteilungen des Herstellers. Zugelassen hat den Wirkstoff keine Behörde, und keine abgeschlossene Studie belegt, dass er Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert.

Das Wichtigste in Kürze

  • 24,2 Prozent weniger Körpergewicht nach 48 Wochen. So viel verloren 338 Erwachsene mit starkem Übergewicht unter der höchsten Dosis. Wer ein Scheinmedikament bekam, verlor 2,1 Prozent [1].
  • 28,3 Prozent nach 80 Wochen in der großen Studie. An TRIUMPH-1 nahmen 2.339 Erwachsene teil. Die Zahl liegt bislang nur als Mitteilung des Herstellers vor, nicht als geprüfte Veröffentlichung [2].
  • Der Blutzucker-Langzeitwert sank nach 24 Wochen um 2,02 Prozentpunkte. Gemessen wurde er an 281 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Mit einem Scheinmedikament sank er nur um 0,01 Punkte [3].
  • 82,4 Prozent weniger Leberfett nach 24 Wochen. Eine Teilstudie begleitete 98 Erwachsene mit Fettleber. Mit einem Scheinmedikament nahm das Leberfett sogar leicht zu, und zwar um 0,3 Prozent [4].
  • Ein Nutzen für das Herz ist nicht belegt. In TRIUMPH-3 traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse rechnerisch sogar etwas häufiger auf, doch war die Schwankungsbreite so groß, dass sich daraus nichts ableiten lässt (Hazard Ratio 1,12, Konfidenzintervall 0,64 bis 1,96) [5].
  • Kein Land hat den Wirkstoff zugelassen. Der Hersteller kündigte für Anfang 2027 einen Antrag in den USA an, im September 2026 lag er noch nicht vor [6], [5].
  • Im Sport jederzeit verboten. Eine eigene Kategorie der Verbotsliste 2026 erfasst alle Stoffe, die keine Gesundheitsbehörde zugelassen hat [7].

Was Retatrutid ist

Retatrutid ist ein künstlich hergestelltes Peptid, also eine Kette aus 39 Eiweißbausteinen. Entwickelt hat es die Firma Eli Lilly and Company unter dem Code LY3437943 [8], [9]. Ein einziges Molekül spricht gleichzeitig drei Andockstellen an, die für die Hormone GIP, GLP-1 und Glukagon. Einen Handelsnamen trägt der Wirkstoff nicht, weil bislang kein Präparat mit ihm zugelassen wurde.

An Baustein 17 der Kette hängt eine lange Fettsäure mit 20 Kohlenstoffatomen, die das Peptid an ein Bluteiweiß heftet [8], [10]. Dadurch baut der Körper es langsamer ab: Erst nach rund sechs Tagen ist die Hälfte verschwunden. Deshalb genügt in den Studien eine Spritze pro Woche [11]. Im Netz kursiert die Kurzform „Reta“. Sie steht in keinem amtlichen Verzeichnis und hat keine offizielle Bedeutung.

Kurzprofil

FeldWertQuelle
EntwicklungscodeLY3437943, auch als LY-3437943 geschrieben[8], [12]
WirkstoffklasseWirkt an drei Andockstellen zugleich, für GIP, GLP-1 und Glukagon[9]
Struktur39 Eiweißbausteine, daran eine Fettsäure mit 20 Kohlenstoffatomen (C20-Fettdisäure) an Baustein 17 (Lysin)[8], [10]
BausteinfolgeYAQGTFTSDYSILLDKKAQAAFIEYLLEGGPSSGAPPPS[8]
Summenformel und Masse, NatriumsalzC221H342N46O68, 4.731 g/mol[13]
Summenformel und Masse, Peptidgerüst, geschätztC187H281N43O60, 4.091,5 Da[8]
Abbau im KörperHalbe Menge nach rund 6 Tagen[11]
Verabreichung in den StudienSpritze unter die Haut, einmal pro Woche[11]
StatusWird noch erforscht, in großen Studien, nirgendwo zugelassen[6], [10]
EntwicklerEli Lilly and Company[9]
CAS-Nummer2381089-83-2[8]
UNIINOP2Y096GV, freie Säure; LQ42M82ZU6, Natriumsalz[8], [14]
PubChem CID171934787, nur Natriumsalz; kein Eintrag zur freien Säure[13]
ChEMBLCHEMBL5095485[15]
IUPHAR/BPS-Ligand13769[10]

Retatrutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit

Wie es wirkt

Retatrutid bindet an drei Andockstellen im Körper, die Appetit, Insulinausschüttung und Energieverbrauch steuern [9].

  • Die Andockstelle für GLP-1. Wird sie eingeschaltet, essen die Betroffenen weniger, und der Magen entleert sich langsamer. Dass sich der Magen tatsächlich langsamer entleert, hat eine eigene kleine Studie am Menschen bestätigt [16].
  • Die Andockstelle für GIP. Wird sie eingeschaltet, schüttet die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin aus, und womöglich verstärkt das auch die Wirkung über GLP-1. In Versuchen an Zellkulturen wirkt Retatrutid hier verhältnismäßig stärker als an den beiden anderen Andockstellen [9].
  • Die Andockstelle für Glukagon. Über sie soll der Körper mehr Energie verbrauchen und die Leber Fett anders verarbeiten [9]. Beim Menschen hat das bislang niemand direkt gemessen.

Unter dem Strich sinkt der Blutzucker, obwohl Glukagon ihn für sich genommen anheben würde. Fachleute erklären das damit, dass die Wirkung über die beiden anderen Andockstellen überwiegt [9]. Was jede einzelne Andockstelle beim Menschen beiträgt, bleibt eine Vermutung, denn keine Studie war darauf angelegt, die drei Wirkungen voneinander zu trennen.

Von den ähnlichen Wirkstoffen unterscheidet Retatrutid vor allem die dritte Andockstelle: Semaglutid spricht nur eine an, Tirzepatid zwei.

Was die Studien zeigen

Gewicht

Mittelgroße Studie 338 Erwachsene mit starkem Übergewicht wurden per Los einer von fünf Gruppen zugeteilt: vier Dosisstufen oder ein Scheinmedikament. Nach 48 Wochen hatten sie 8,7, 17,1, 22,8 und 24,2 Prozent ihres Gewichts verloren, mit dem Scheinmedikament 2,1 Prozent. In der Gruppe mit der höchsten Dosis verloren 100 Prozent der Teilnehmer mindestens 5 Prozent ihres Gewichts, 93 Prozent verloren mindestens 10 Prozent und 83 Prozent mindestens 15 Prozent. Mit dem Scheinmedikament schafften das 27, 9 und 2 Prozent [1].

Mittelgroße Studie, Körpergewicht nach 48 Wochen
Scheinmedikament
−2.1%
1 mg
−8.7%
4 mg
−17.1%
8 mg
−22.8%
12 mg
−24.2%

Mittelgroße Studie mit 338 Erwachsenen mit starkem Übergewicht, Zuteilung per Los, 48 Wochen. Quelle [1].

Große Studie, bisher nur als Pressemitteilung An TRIUMPH-1 nahmen 2.339 Erwachsene ohne Diabetes über 80 Wochen teil. Gemeldet wurden Gewichtsverluste von 19,0, 25,9 und 28,3 Prozent je nach Dosis, mit einem Scheinmedikament 2,2 Prozent. Mindestens 30 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren 45,3 Prozent der Gruppe mit der höchsten Dosis, mit dem Scheinmedikament 0,5 Prozent [2].

Große Studie, bisher nur als Pressemitteilung In TRIUMPH-3 wurden 1.949 Erwachsene mit sehr starkem Übergewicht und einer bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankung behandelt. Nach 80 Wochen meldete der Hersteller einen Gewichtsverlust von 21,6 und 22,6 Prozent je nach Dosis, mit einem Scheinmedikament 3,2 Prozent [5]. TRIUMPH-4 mit 445 Erwachsenen mit Kniearthrose meldete 26,4 und 28,7 Prozent [17].

Blutzucker

Mittelgroße Studie Bei 281 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes sank der Blutzucker-Langzeitwert, der den Durchschnitt der letzten Wochen abbildet, nach 24 Wochen um 0,43 Prozentpunkte bei der niedrigsten und um 2,02 Punkte bei der höchsten Dosis. Die niedrigste Dosis betrug 0,5 mg. Mit einem Scheinmedikament sank der Wert nur um 0,01 Punkte, mit dem Vergleichsmittel Dulaglutid um 1,41 Punkte. Bis auf die niedrigste Dosis schnitten alle Gruppen so deutlich besser ab, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist [3].

Große Studie, bisher nur als Pressemitteilung An TRIUMPH-2 nahmen 1.152 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes teil. Nach 80 Wochen meldete der Hersteller Gewichtsverluste von 12,7, 19,1 und 20,8 Prozent je nach Dosis, mit einem Scheinmedikament 4,0 Prozent. Der Blutzucker-Langzeitwert lag zu Beginn bei 7,7 Prozent und sank um 1,4 bis 1,6 Prozentpunkte [5].

Leberfett

Teilstudie Eine von Anfang an eingeplante Teilstudie untersuchte 98 Menschen ohne Diabetes, deren Leber zu mindestens 10 Prozent aus Fett bestand. In der Bildgebung ging der Fettanteil nach 24 Wochen je nach Dosis um 42,9, 57,0, 81,4 und 82,4 Prozent zurück, während er mit einem Scheinmedikament um 0,3 Prozent zunahm. In den beiden Gruppen mit den höchsten Dosen sank das Leberfett bei 79 und 86 Prozent der Teilnehmer unter die Schwelle von 5 Prozent, ab der Ärzte von einer Fettleber sprechen [4].

Knieschmerzen

Große Studie, bisher nur als Pressemitteilung In TRIUMPH-4 bewerteten die Teilnehmer ihre Knieschmerzen auf einer Skala. Der Wert lag zu Beginn bei 6,0 und sank in 68 Wochen um 4,5 und 4,4 Punkte, mit einem Scheinmedikament um 2,4 Punkte. Eine nachträgliche Auswertung fand nach 68 Wochen 14,1 und 12,0 Prozent der Behandelten schmerzfrei, mit dem Scheinmedikament 4,2 Prozent [17]. Genaue Zahlen zur Schwankungsbreite und vollständige Ergebnistabellen hat der Hersteller nicht veröffentlicht.

Herz-Kreislauf-Ereignisse

Große Studie, bisher nur als Pressemitteilung In TRIUMPH-3 war von vornherein geplant, schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse mitzuzählen. In der weiter gefassten Auswertung traten 44 solcher Ereignisse unter Retatrutid auf und 52 unter dem Scheinmedikament, ein rechnerisch um 18 Prozent niedrigeres Risiko (Hazard Ratio 0,82, Konfidenzintervall 0,55 bis 1,22). In der enger gefassten Auswertung waren es 27 gegenüber 23, ein um 12 Prozent höheres Risiko (Hazard Ratio 1,12, Konfidenzintervall 0,64 bis 1,96) [5]. In beiden Fällen ist die Schwankungsbreite so groß, dass die Zahlen mit einem Nutzen ebenso vereinbar sind wie mit einem Schaden.

Was weiterhin unbekannt ist

  • Ob der Wirkstoff Krankheiten verhindert. Die Studie TRIUMPH-Outcomes umfasst 10.000 Menschen und liefert frühestens im Februar 2029 ihr Hauptergebnis [18].
  • Eine unabhängige Prüfung der großen Studien. Bis zum 6. September 2026 war zu keiner von ihnen eine vollständige Veröffentlichung erschienen. Geprüft ist nur, was aus der mittleren Studienphase stammt [19].
  • Wie lange die Wirkung anhält. Am längsten wurden Teilnehmer 104 Wochen beobachtet, und zwar in einer Verlängerung, die nur denjenigen mit einem Body-Mass-Index ab 35 offenstand [2].
  • Der Vergleich mit Tirzepatid. Die Studie TRIUMPH-5, die beide direkt gegeneinander testet, hat noch keine Ergebnisse gemeldet [19].
  • Das Zusammenspiel mit anderen Medikamenten. Weil sich der Magen langsamer entleert, ist offen, wie gut gleichzeitig geschluckte Tabletten noch aufgenommen werden. Eine Studie, die das eigens untersucht, ist nicht veröffentlicht [16].

Nebenwirkungen und Sicherheit

Alle Zahlen unten stammen aus Studien des Herstellers. Keine Behörde hat den Wirkstoff bewertet. Es gibt deshalb keine amtliche Produktinformation, niemand hat Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen, und außerhalb der Studien achtet niemand systematisch auf Nebenwirkungen.

Im Vordergrund stehen Magen-Darm-Beschwerden, die mit steigender Dosis zunehmen. Die Zahlen unten stammen aus TRIUMPH-1 und vergleichen die höchste Dosis mit einem Scheinmedikament [2]:

Nebenwirkung12 mgScheinmedikament
Übelkeit42,4 %14,8 %
Durchfall32,0 %13,5 %
Verstopfung26,1 %10,9 %
Erbrechen25,3 %4,8 %
Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Haut12,5 %0,9 %
Harnwegsinfekt8,4 %5,3 %

Weitere Beobachtungen aus allen Studien:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle nehmen mit der Dosis zu. In TRIUMPH-4 betrafen sie 8,8 Prozent bei der mittleren und 20,9 Prozent bei der höchsten Dosis, mit einem Scheinmedikament 0,7 Prozent. Meist waren die Beschwerden leicht [17].
  • Je höher die Dosis, desto mehr Teilnehmer steigen aus. In TRIUMPH-1 brachen je nach Dosis 4,1, 6,9 und 11,3 Prozent ab, mit einem Scheinmedikament 4,9 Prozent [2].
  • Der Puls steigt. In der mittelgroßen Studie zum Übergewicht fiel der Anstieg umso stärker aus, je höher die Dosis war. Nach 24 Wochen erreichte er sein Maximum und ging danach zurück [1]. Eine unabhängige Auswertung beziffert diesen Höchstwert auf 6,7 Schläge pro Minute und hält ihn für möglicherweise schädlich [20].
  • Auch Herzrhythmusstörungen wurden beobachtet. Eine zweite unabhängige Übersichtsarbeit nennt neben dem Anstieg des Pulses leichte bis mittelschwere Rhythmusstörungen und fordert Langzeitstudien, die auf Krankheiten und Todesfälle schauen [21].
  • In der mittleren Studienphase gab es keine schweren Unterzuckerungen und keine Todesfälle. In der Teilstudie zur Leber erlitten 2 von 98 Teilnehmern ein schwerwiegendes Ereignis. Hinweise darauf, dass der Wirkstoff die Leber schädigt, fanden sich nicht [3], [4].

Ein veröffentlichter Einzelfall betrifft Ware, die nicht aus einer Studie stammte. Der Bericht von 2026 schildert einen Mann in den Dreißigern mit Typ-1-Diabetes. Nachdem er sich ein unter diesem Namen verkauftes Produkt selbst gespritzt hatte, kam es zu schwerem Erbrechen, einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes und akutem Nierenversagen [22]. Die Autoren betonen, dass bei solcher Ware niemand prüft, was darin ist, wie rein sie ist und ob die angegebene Menge stimmt.

Für die Frage nach der Sicherheit zählen die Lücken ebenso viel wie die vorliegenden Zahlen. Unabhängig geprüfte Langzeitdaten fehlen, zu keiner der großen Studien gibt es vollständige Tabellen zu den Nebenwirkungen, und was der Anstieg des Pulses bedeutet, ist ungeklärt.

Dosierungen in den Studien

Diese Dosierungen stammen aus den zitierten Studien und stehen hier nur als Beleg. Sie sind keine Empfehlung und taugen nicht als Anleitung für eine eigene Anwendung.

StudieStudienarmeVerabreichungDauernQuelle
Kleine Studie, Typ-2-Diabetes (NCT04143802)0,5, 1,5, 3, 3/6 und 3/6/9/12 mg wöchentlichUnter die Haut12 Wochen72[11]
Mittelgroße Studie, starkes Übergewicht (NCT04881760)1, 4, 8 und 12 mg wöchentlich, Beginn bei 2 oder 4 mgUnter die Haut48 Wochen338[1]
Mittelgroße Studie, Typ-2-Diabetes (NCT04867785)0,5, 4, 8 und 12 mg wöchentlich; Vergleichsarm Dulaglutid 1,5 mgUnter die Haut36 Wochen281[3]
Teilstudie zum Leberfett (NCT04881760)1, 4, 8 und 12 mg wöchentlichUnter die HautAuswertung nach 24 Wochen98[4]
TRIUMPH-1 (NCT05929066)4, 9 und 12 mg wöchentlich, gesteigert ab 2 mg alle vier WochenUnter die Haut80 Wochen plus 24 Wochen Verlängerung2.339[2]
TRIUMPH-2 (NCT05929079)4, 9 und 12 mg wöchentlichUnter die Haut80 Wochen1.152[5]
TRIUMPH-3 (NCT05882045)9 und 12 mg wöchentlichUnter die Haut80 Wochen1.949[5]
TRIUMPH-4 (NCT05931367)9 und 12 mg wöchentlichUnter die Haut68 Wochen445[17]

Die Dosen der großen Studien sind bekannt, weil der Hersteller sie in seinen Mitteilungen genannt hat [2], [5], [17]. Im öffentlichen Studienregister stehen sie nur als Dosis 1, Dosis 2 und Dosis 3 [19].

Entwicklungsstand und Zulassung

Zeitleiste des Programms

  1. 2022Ergebnisse der ersten kleinen Studie bei Typ-2-Diabetes veröffentlichtQuelle [11]
  2. 2023Beide mittelgroßen Studien veröffentlicht, das große TRIUMPH-Programm beginntNEJM und The Lancet, Quellen [1], [3], [19]
  3. 2024Teilstudie zum Leberfett veröffentlichtQuelle [4]
  4. 2025TRIUMPH-4 meldet im Dezember per PressemitteilungQuelle [17]
  5. 2026TRIUMPH-1 meldet im Mai, TRIUMPH-2 und TRIUMPH-3 im JuliNur Pressemitteilungen, Quellen [2], [5]
  6. Anfang 2027US-Zulassungsantrag angekündigtAngekündigt, am 6. September 2026 nicht eingereicht, Quellen [5], [23]
  7. 2029TRIUMPH-Outcomes liefert im Februar sein Hauptergebnisn = 10.000, Quelle [18]
  • 2019 — der Wirkstoff wird zum ersten Mal am Menschen erprobt, in einer Studie mit einer einzigen Dosis bei 45 gesunden Erwachsenen [9].
  • 2022 — die Ergebnisse der ersten kleinen Studie bei Typ-2-Diabetes erscheinen [11].
  • 2023 — beide mittelgroßen Studien erscheinen, und mit dem TRIUMPH-Programm beginnen die großen Studien [1], [3], [19].
  • 2024 — die Teilstudie zum Leberfett erscheint [4].
  • 2025 — TRIUMPH-4 meldet im Dezember per Pressemitteilung [17].
  • 2026 — TRIUMPH-1 meldet im Mai, TRIUMPH-2 und TRIUMPH-3 im Juli; für das erste Quartal 2027 kündigt der Hersteller einen US-Antrag an [2], [5], [23].
MarktStatusAnmerkungQuelle
USAWird noch erforschtAntrag angekündigt für Anfang 2027[6], [5]
Europäische UnionWird noch erforschtKeine Zulassung[24]
DeutschlandWird noch erforschtFolgt dem EU-Weg[24]
GroßbritannienWird noch erforschtKeine Zulassung[25]
AustralienWird noch erforschtKeine Registrierung[26]
KanadaWird noch erforschtKeine Arzneimittelnummer[27]
SchweizWird noch erforschtKeine Zulassung[28]

Alle Abfragen in den Arzneimittelregistern hinter dieser Tabelle liefen am 6. September 2026.

Es gibt einen Weg, den Wirkstoff schon vor einer Zulassung zu erhalten, und er wird oft mit einer Zulassung verwechselt. Seit August 2026 läuft in den USA ein Programm für den sogenannten erweiterten Zugang, registriert unter der Nummer NCT07629401 [29]. Es ist für einzelne schwer kranke Menschen gedacht, die enge Bedingungen erfüllen. Eine Behörde, die dabei Nutzen und Risiko gegeneinander abwägt, gibt es nicht [30].

Anti-Doping

Im Sport ist Retatrutid jederzeit verboten, im Wettkampf wie außerhalb. Die Kategorie S0 der Verbotsliste 2026 erfasst „any pharmacological substance which is not addressed by any of the subsequent sections of the List and with no current approval by any governmental regulatory health authority for human therapeutic use" (jeden pharmakologischen Stoff, den keiner der folgenden Abschnitte der Liste behandelt und den keine staatliche Gesundheitsbehörde derzeit für die Anwendung am Menschen zugelassen hat) [7]. Namentlich steht der Wirkstoff nicht auf der Liste. Er fällt allein deshalb darunter, weil er nirgends zugelassen ist. Einen Überblick über diese Stoffgruppe gibt die Seite im Sport verbotene Peptide.

Vergleich mit verwandten Peptiden

PeptidAndockstellenStatusStärkstes Gewichtsergebnis der eigenen StudieAbbau im Körper
RetatrutidGIP, GLP-1, GlukagonIn großen Studien, nirgendwo zugelassen−24,2 % nach 48 Wochen, mittelgroße Studie, n = 338 [1]Halbe Menge nach ~6 Tagen [11]
TirzepatidGIP, GLP-1In vielen Märkten zugelassen−20,9 % nach 72 Wochen, SURMOUNT-1, n = 2.539 [31]Halbe Menge nach ~5 Tagen [32]
SemaglutidGLP-1In vielen Märkten zugelassen−14,9 % nach 68 Wochen, STEP 1, n = 1.961 [33]Hier nicht angegeben
SurvodutidGLP-1, GlukagonIn großen Studien−14,9 % nach 46 Wochen, mittelgroße Studie, n = 387 [34]Hier nicht angegeben
MazdutidGLP-1, GlukagonIn China zugelassen (2025), sonst nirgends−14,0 % nach 48 Wochen, GLORY-1, n = 610 [35]Hier nicht angegeben

Diese fünf Zahlen stammen aus fünf verschiedenen Studien, die sich in Teilnehmern, Dauer, Ausgangsgewicht und Messgröße unterscheiden. Die Spalte vergleicht deshalb Studien und nicht Wirkstoffe. Retatrutid ist zudem das einzige der fünf Peptide, das nirgendwo zugelassen ist.

Stärkstes Gewichtsergebnis in der jeweils eigenen Studie
Retatrutidmittelgroße Studie, 48 Wochen, n = 338
−24.2%
TirzepatidSURMOUNT-1, 72 Wochen, n = 2.539
−20.9%
SemaglutidSTEP 1, 68 Wochen, n = 1.961
−14.9%
SurvodutidPhase 2, 46 Wochen, n = 387
−14.9%
MazdutidGLORY-1, 48 Wochen, n = 610
−14%

Verschiedene Studien, kein direkter Vergleich: Teilnehmer, Dauer, Ausgangsgewicht und Messgröße unterscheiden sich. Quellen [1], [31], [33], [34], [35].

Nur eine einzige Studie stellt zwei dieser Mittel direkt gegeneinander. TRIUMPH-5 prüft Retatrutid gegen Tirzepatid und hat bislang keine Ergebnisse gemeldet [19]. Solange das so bleibt, stützt sich jede Aussage, der eine Wirkstoff sei stärker als der andere, auf das Nebeneinanderlegen verschiedener Studien und nicht auf einen echten Vergleich.

Verbreitete Irrtümer

  • „Retatrutid ist ein stärkeres Tirzepatid.“ Beide stammen vom selben Hersteller und werden gespritzt, unterscheiden sich aber darin, welche Andockstellen sie ansprechen, und in ihrem rechtlichen Stand. Tirzepatid ist in vielen Märkten zugelassen, Retatrutid nirgends, und die direkte Vergleichsstudie hat nichts gemeldet [9], [19].
  • „Die Ergebnisse der großen Studien sind veröffentlicht.“ Jede dieser Zahlen stammt aus einer Pressemitteilung des Herstellers. Keine wurde von unabhängigen Fachleuten geprüft, und zu keiner gibt es Angaben zur Schwankungsbreite oder vollständige Ergebnistabellen [2], [5], [17].
  • „TRIUMPH-3 beweist einen Nutzen für das Herz.“ Die Studie nahm Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. Das sagt nur etwas darüber, wen man untersucht hat. Die Zahlen zu Herz und Kreislauf sind mit einem Nutzen ebenso vereinbar wie mit einem Schaden [5].
  • „Erweiterter Zugang heißt, man kann es bekommen.“ Das Programm ist für einzelne schwer kranke Menschen gedacht, die enge Bedingungen erfüllen. Eine Zulassung folgt daraus nicht, und allgemein erhältlich wird der Wirkstoff dadurch auch nicht [29], [30].
  • „Was unter diesem Namen verkauft wird, ist derselbe Stoff wie in den Studien.“ Ein Bericht von 2026 schildert eine schwere Entgleisung des Stoffwechsels, nachdem sich jemand im Netz gekaufte Ware gespritzt hatte, deren Zusammensetzung niemand geprüft hatte [22].
  • „,Reta' ist der Name des Wirkstoffs.“ Offiziell sind nur der international vergebene Wirkstoffname Retatrutid und der Entwicklungscode der Firma [8], [12].

Häufige Fragen

Ist Retatrutid irgendwo zugelassen?

Nein. In den Arzneimittelregistern der USA, Kanadas, der EU, Großbritanniens, Australiens und der Schweiz war am 6. September 2026 keine Zulassung eingetragen. Der Hersteller hat für Anfang 2027 einen Antrag in den USA angekündigt, eingereicht hatte er ihn noch nicht.

Was ist Retatrutid?

Ein künstlich hergestelltes Peptid, also eine Kette aus 39 Eiweißbausteinen, an der eine lange Fettsäure hängt. Ein einziges Molekül spricht die Andockstellen für drei Hormone an: GIP, GLP-1 und Glukagon. Entwickelt hat es die Firma Eli Lilly and Company unter dem Code LY3437943.

Wie viel Gewicht verloren die Teilnehmer in den Retatrutid-Studien?

In der mittelgroßen Studie verloren die Teilnehmer mit der höchsten Dosis in 48 Wochen 24,2 Prozent ihres Körpergewichts, mit einem Scheinmedikament 2,1 Prozent. Die Studie TRIUMPH-1 meldete 28,3 Prozent über 80 Wochen. Diese Zahl stammt allerdings aus einer Pressemitteilung und nicht aus einer geprüften Veröffentlichung.

Ist Retatrutid dasselbe wie Tirzepatid?

Nein. Tirzepatid spricht zwei Andockstellen an und ist in vielen Ländern zugelassen. Retatrutid spricht zusätzlich eine dritte an, die für das Hormon Glukagon, und ist nirgendwo zugelassen. Die Studie, die beide direkt gegeneinander testet, hat noch keine Ergebnisse gemeldet.

Welche Nebenwirkungen von Retatrutid treten am häufigsten auf?

Am häufigsten sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen, und alle nehmen mit steigender Dosis zu. In TRIUMPH-1 war 42,4 Prozent der Gruppe mit der höchsten Dosis übel, mit einem Scheinmedikament 14,8 Prozent. Berichtet wurden außerdem Kribbeln und Taubheitsgefühle der Haut sowie ein Anstieg des Pulses, der mit der Dosis zunahm.

Verhindert Retatrutid Herzinfarkte oder Schlaganfälle?

Das hat bisher keine Studie gezeigt. In TRIUMPH-3 waren die Zahlen zu Herz und Kreislauf mit einem Nutzen ebenso vereinbar wie mit einem Schaden, sodass sich nichts daraus ableiten lässt. Die Studie, die diese Frage eigens klären soll, umfasst 10.000 Menschen und endet frühestens im Februar 2029.

Warum stehen auf dieser Seite Dosierungen von Retatrutid?

Weil die Dosen zu den Fakten der Studien gehören: Sie stehen in den zitierten Veröffentlichungen, und der Hersteller hat sie selbst genannt. Sie beschreiben, was in überwachten Studien mit ärztlicher Kontrolle und festen Abbruchregeln verabreicht wurde. Eine Anleitung für die eigene Anwendung sind sie nicht.

Ist Retatrutid im Sport verboten?

Ja, jederzeit. Eine eigene Kategorie der Verbotsliste 2026 erfasst alle Stoffe, die derzeit keine Gesundheitsbehörde zugelassen hat, also auch solche, die noch erforscht werden. Retatrutid fällt darunter, weil es keine Zulassung hat, und nicht, weil es namentlich auf der Liste stünde.

Sind die Phase-3-Ergebnisse zu Retatrutid begutachtet worden?

Am 6. September 2026 war das nicht der Fall. Zu TRIUMPH-1 bis TRIUMPH-4 gibt es nur Mitteilungen des Herstellers. Alles, was unabhängige Fachleute geprüft haben, stammt aus der mittleren Studienphase und den kleineren Studien davor.

Was ist zu Retatrutid weiterhin unbekannt?

Unklar bleibt, ob der Wirkstoff Krankheiten und Todesfälle verhindert, wie sicher er auf lange Sicht ist und ob die Wirkung nach dem Ende der Studien anhält. Keine Behörde hat Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen, und außerhalb von Studien achtet niemand systematisch auf Nebenwirkungen.

Quellen

  1. Jastreboff AM et al. (2023). Triple-hormone-receptor agonist retatrutide for obesity — a phase 2 trial. New England Journal of Medicine 389(6):514-526. PMID 37366315. DOI 10.1056/NEJMoa2301972
  2. Eli Lilly and Company. Press release, 21 May 2026, TRIUMPH-1 topline results. https://www.prnewswire.com/news-releases/lillys-triple-agonist-retatrutide-delivered-powerful-weight-loss-in-pivotal-phase-3-obesity-trial-302778859.html
  3. Rosenstock J et al. (2023). Retatrutide, a GIP, GLP-1 and glucagon receptor agonist, for people with type 2 diabetes: a randomised, double-blind, placebo and active-controlled, parallel-group, phase 2 trial conducted in the USA. The Lancet 402(10401):529-544. PMID 37385280. DOI 10.1016/S0140-6736(23)01053-X
  4. Sanyal AJ et al. (2024). Triple hormone receptor agonist retatrutide for metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease: a randomized phase 2a trial. Nature Medicine 30(7):2037-2048. PMID 38858523. DOI 10.1038/s41591-024-03018-2
  5. Eli Lilly and Company. Press release, 23 July 2026, TRIUMPH-2 and TRIUMPH-3 topline results and announced regulatory submission. https://www.prnewswire.com/news-releases/lillys-triple-agonist-retatrutide-successful-in-two-additional-phase-3-obesity-trials-delivering-significant-improvements-in-weight-and-a1c-302832674.html
  6. openFDA. Drugs@FDA API query for generic name and brand name "retatrutide"; response NOT_FOUND. Retrieved 6 September 2026. https://api.fda.gov/drug/drugsfda.json?search=openfda.generic_name:retatrutide+OR+openfda.brand_name:retatrutide
  7. World Anti-Doping Agency. The 2026 Prohibited List, in force from 1 January 2026; official text as annex to BGBl. III No. 219/2025; sections S0 and S2 reviewed in full. Retrieved 6 September 2026. https://rdb.manz.at/__api/documents/ris.c.BGBl__III_Nr__219_2025/attachments/ris.c.BGBl__III_Nr__219_2025.Anlagen_0002_F0BD5BBE_465B_4C18_BFE4_16E75843E435.pdf
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VersionDatumÄnderung
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Zuletzt geprüft: 6. September 2026. Nächste Prüfung: bei Erscheinen einer begutachteten Phase-3-Publikation, bei Einreichung eines Zulassungsantrags oder bei jeder Änderung der Anti-Doping-Einstufung.

Identifikatoren

IdentifikatorWert
CAS-Nummer2381089-83-2
UNIINOP2Y096GV
ChEMBLCHEMBL5095485
WikidataQ120468350
SequenzYAQGTFTSDYSILLDKKAQAAFIEYLLEGGPSSGAPPPS

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