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Tirzepatid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit

Status auf einen Blick

MarktStatusDatum
Vereinigte StaatenZugelassen, verschreibungspflichtig2022-05-13
Europäische UnionZugelassen, verschreibungspflichtig2022-09-15
DeutschlandZugelassen, verschreibungspflichtig2022-09-15
Vereinigtes KönigreichZugelassen, verschreibungspflichtig2023-11-08
AustralienZugelassen, verschreibungspflichtig2023-07-10
KanadaZugelassen, verschreibungspflichtig2022-11-24
SchweizZugelassen, verschreibungspflichtig2022-11-02
Entwicklungsstufe
Zugelassen
Stärkste Evidenz
Randomisierte Phase-3-Studie
WADA-Status
Nicht gelistet
Zuletzt geprüft
2026-09-06
Version
1.0

Diese Seite nennt keine Dosierungen.

Tirzepatid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit

Zusammenfassung

Tirzepatid ist ein künstlich hergestelltes Peptid, das gleichzeitig an zwei Andockstellen für Darmhormone wirkt, dem GIP- und dem GLP-1-Rezeptor. Acht Märkte haben es zugelassen, der erste im Mai 2022, und überall ist ein Rezept nötig. In der größten Studie bei starkem Übergewicht sank das Körpergewicht in 72 Wochen im Schnitt um 20,9 Prozent. In der großen Studie zu Herz und Kreislauf schnitt der Wirkstoff nicht schlechter ab als das Vergleichsmittel Dulaglutid, aber auch nicht besser. Beide US-Produktinformationen tragen die schärfste Warnstufe der Behörde, weil der Stoff bei Ratten Schilddrüsentumoren ausgelöst hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Acht Märkte haben den Wirkstoff zugelassen, und überall ist er verschreibungspflichtig. Den Anfang machte die FDA am 13. Mai 2022, die europäische Zulassung folgte am 15. September 2022 [1], [2], [9].
  • 20,9 Prozent weniger Körpergewicht nach 72 Wochen. So viel verloren 2.539 Erwachsene mit starkem Übergewicht und ohne Diabetes unter der höchsten geprüften Dosis in SURMOUNT-1. Mit einem Scheinmedikament waren es 3,1 Prozent [4].
  • Der Blutzucker-Langzeitwert sank nach 40 Wochen um 2,30 Prozentpunkte. Gemessen wurde er an 1.879 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes in der Studie SURPASS-2. Semaglutid kam in derselben Studie auf 1,86 Punkte [20].
  • Für das Herz war kein Vorteil nachweisbar. In SURPASS-CVOT lag das Risiko rechnerisch um 8 Prozent unter dem des Vergleichsmittels Dulaglutid, doch war der Unterschied statistisch nicht abgesichert (Hazard Ratio 0,92, Konfidenzintervall 0,83 bis 1,01, p = 0,09) [3].
  • 20,0 und 23,8 Atemaussetzer pro Stunde weniger als mit einem Scheinmedikament. Zwei gleichzeitig laufende Studien begleiteten 469 Erwachsene mit Schlafapnoe und starkem Übergewicht über 52 Wochen [6].
  • Die US-Produktinformation trägt die schärfste Warnstufe, weil der Stoff bei Nagern Schilddrüsentumoren ausgelöst hat. Ob dieser Befund auf den Menschen zutrifft, lassen beide US-Produktinformationen offen [1], [5].
  • Im Sport ist der Wirkstoff nicht verboten. Auf der Verbotsliste 2026 fehlt Tirzepatid, seit dem 1. Januar 2026 steht es aber im Beobachtungsprogramm [10], [11].

Was Tirzepatid ist

Tirzepatid ist ein künstlich hergestelltes Peptid, also eine Kette aus 39 Eiweißbausteinen. Entwickelt hat es die Firma Eli Lilly and Company unter dem Code LY3298176 [1]. Sein Grundgerüst stammt nicht vom Darmhormon GLP-1, sondern vom verwandten Hormon GIP, und der Wirkstoff spricht die Andockstellen beider Hormone an. Vermarktet wird derselbe Wirkstoff unter zwei Handelsnamen, Mounjaro und Zepbound [2], [17].

An Baustein 20 der Kette hängt eine lange Fettsäure mit 20 Kohlenstoffatomen. Sie heftet das Molekül an ein Bluteiweiß und bremst so den Abbau. Deshalb ist erst nach rund fünf Tagen die Hälfte des Wirkstoffs abgebaut, und deshalb genügt eine Spritze pro Woche [1]. In Texten über den Wirkstoff taucht das Schlagwort „Twincretin“ auf. Ein Fachbegriff ist es nicht [12].

Kurzprofil

FeldWertQuelle
Internationaler FreinameTirzepatid[1]
EntwicklungscodeLY3298176[1]
WirkstoffklasseWirkt an zwei Andockstellen zugleich, für GIP und GLP-1[1], [9]
Struktur39 Eiweißbausteine, daran eine Fettsäure mit 20 Kohlenstoffatomen (C20-Fettdisäure) an Baustein 20 (Lysin), am Ende ein Amid[1]
Summenformel und MasseC225H348N48O68, 4.813,53 Da[1], [12]
Abbau im KörperHalbe Menge nach rund 5 Tagen[1]
VerabreichungSpritze unter die Haut, einmal pro Woche[1]
StatusIn acht Märkten zugelassen, überall verschreibungspflichtig[2], [9]
EntwicklerEli Lilly and Company[1]
ATC-CodeA10BX16[9]
CAS-Nummer2023788-19-2[12]
UNIIOYN3CCI6QE[14]
PubChem CID166567236; Wikidata verweist auf den abweichenden Eintrag 156588324[12], [13]
InChIKeyBTSOGEDATSQOAF-MCNPHUAVSA-N[12]
ChEMBLCHEMBL4297839, höchste erreichte Phase 4[15]
DrugBankDB15171[16]
MeSHD000098860[13]
WikidataQ108324770[13]

Tirzepatid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit

Wie es wirkt

Anders als bei Stoffen, die noch erprobt werden, beruht die Wirkweise hier nicht auf Vermutungen. Sie steht ausdrücklich in der amtlichen Produktinformation, weil die Behörde sie zusammen mit den Studien geprüft hat [1].

  • Die Andockstelle für GIP. Tirzepatid bindet daran und schaltet sie ein. Was dieser Teil der Wirkung für sich genommen bringt, ist bis heute umstritten, denn keine der Studien war darauf ausgelegt, die beiden Andockstellen getrennt zu untersuchen [1].
  • Die Andockstelle für GLP-1. Wird sie eingeschaltet, entleert sich der Magen langsamer, das Sättigungsgefühl hält länger an, und die Betroffenen essen weniger [1].
  • Insulin und Glukagon. Die Produktinformation beschreibt, dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet und weniger von dessen Gegenspieler Glukagon. Beides hängt davon ab, wie hoch der Blutzucker gerade ist [1].
  • Aufnahme und Abbau. Rund 80 Prozent des gespritzten Wirkstoffs gelangen ins Blut, wo 99 Prozent davon an Bluteiweiß gebunden vorliegen. Abgebaut wird er über die normalen Wege des Körpers für Eiweiße und Fettsäuren [1].

Mittel wie Semaglutid, Dulaglutid und Liraglutid sprechen nur eine Andockstelle an, die für GLP-1. Tirzepatid spricht zwei an, und sein Grundgerüst stammt dabei vom Hormon GIP [1].

Was die Studien zeigen

Gewicht

Große Zulassungsstudie An SURMOUNT-1 nahmen 2.539 Erwachsene mit starkem Übergewicht, aber ohne Diabetes teil. Sie wogen zu Beginn im Schnitt 104,8 kg und wurden nach dem Zufallsprinzip einer von vier Gruppen zugeteilt: drei Dosisstufen oder ein Scheinmedikament. Nach 72 Wochen hatten sie je nach Dosis 15,0, 19,5 oder 20,9 Prozent ihres Gewichts verloren, mit dem Scheinmedikament 3,1 Prozent. Mindestens ein Zwanzigstel ihres Gewichts verloren 85, 89 und 91 Prozent der Teilnehmer, mit dem Scheinmedikament 35 Prozent [4].

SURMOUNT-1, Körpergewicht nach 72 Wochen
Scheinmedikament
−3.1%
Niedrigste geprüfte Dosis
−15%
Mittlere geprüfte Dosis
−19.5%
Höchste geprüfte Dosis
−20.9%

Große Zulassungsstudie mit 2.539 Erwachsenen mit starkem Übergewicht und ohne Diabetes, 72 Wochen, Ausgangsgewicht im Schnitt 104,8 kg. Quelle [4].

Große Zulassungsstudie In SURMOUNT-2 wurden 938 Erwachsene mit starkem Übergewicht und Typ-2-Diabetes behandelt. Nach 72 Wochen hatten sie je nach Dosis 12,8 oder 14,7 Prozent ihres Gewichts verloren. Bei Menschen mit Diabetes fällt die Wirkung geringer aus als in SURMOUNT-1, und dasselbe wird auch von ähnlichen Mitteln berichtet. Die Zahlen der beiden Studien lassen sich deshalb nicht direkt nebeneinanderstellen [21].

Studie zum Absetzen SURMOUNT-4 behandelte 670 Erwachsene zunächst 36 Wochen lang alle gleich. Danach entschied das Los, wer weitere 52 Wochen behandelt wurde und wer nur noch ein Scheinmedikament bekam. Von Woche 36 bis Woche 88 verloren die weiter Behandelten noch einmal 5,5 Prozent ihres Gewichts, während die andere Gruppe 14,0 Prozent zunahm. Der Abstand zwischen beiden Gruppen betrug damit 19,4 Prozentpunkte [22].

Direkter Vergleich SURMOUNT-5 stellte Tirzepatid und Semaglutid bei 751 Erwachsenen mit starkem Übergewicht und ohne Diabetes gegenüber. Nach 72 Wochen betrug der Gewichtsverlust 20,2 gegenüber 13,7 Prozent, der Taillenumfang sank um 18,4 gegenüber 13,0 cm [23]. Diese Studie war nicht verblindet: Teilnehmer und Ärzte wussten, wer welches Mittel bekam, und das kann das Ergebnis beeinflussen.

Blutzucker

Große Zulassungsstudie SURPASS-1 begleitete 478 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die zuvor keine Medikamente dagegen nahmen, über 40 Wochen. Der Blutzucker-Langzeitwert, der den Durchschnitt der letzten Wochen abbildet, lag zu Beginn bei 7,9 Prozent und sank je nach Dosis um 1,87 bis 2,07 Prozentpunkte. Mit einem Scheinmedikament stieg er sogar leicht an, und zwar um 0,04 Punkte. Den Zielwert unter 7,0 Prozent erreichten 87 bis 92 Prozent der Behandelten, mit dem Scheinmedikament 20 Prozent [19].

Direkter Vergleich An SURPASS-2 nahmen 1.879 Erwachsene teil, die bereits das Diabetesmittel Metformin nahmen. Der Blutzucker-Langzeitwert sank je nach Dosis um 2,01, 2,24 und 2,30 Prozentpunkte, unter Semaglutid um 1,86 Punkte. Alle drei Unterschiede waren so deutlich, dass sie kaum auf Zufall beruhen dürften. Beim Gewicht lag Tirzepatid um 1,9, 3,6 und 5,5 kg vor Semaglutid [20].

Herz-Kreislauf-Ereignisse

Vergleich mit einem anderen Medikament SURPASS-CVOT teilte 13.299 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und verkalkten Gefäßen per Los auf zwei Gruppen auf und begleitete sie gut vier Jahre lang (Median 210,1 Wochen). Gezählt wurde, wie oft ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder ein Tod aus Herz-Kreislauf-Gründen eintrat. Unter Tirzepatid geschah das bei 801 von 6.586 Teilnehmern, also bei 12,2 Prozent, unter dem Vergleichsmittel Dulaglutid bei 862 von 6.579, also bei 13,1 Prozent. Rechnerisch lag das Risiko um 8 Prozent niedriger (Hazard Ratio 0,92, 95,3-Prozent-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,01) [3].

Damit war belegt, dass Tirzepatid nicht schlechter abschneidet als Dulaglutid (p = 0,003). Geprüft wurde auch, ob es besser abschneidet, und das ließ sich nicht zeigen: Der Unterschied war statistisch nicht abgesichert (p = 0,09) [3]. Auf diesem Ergebnis beruht das Anwendungsgebiet für Herz und Kreislauf, das die USA im August 2026 zugelassen haben. Verglichen wurde dabei nicht mit einem Scheinmedikament, sondern mit einem wirksamen Mittel [2], [29].

SURPASS-CVOT: Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod nach gut vier Jahren (Median 210,1 Wochen)
Dulaglutid862 von 6.579
13.1%
Tirzepatid801 von 6.586
12.2%

Vergleich mit einem anderen Medikament bei 13.299 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und verkalkten Gefäßen, Beobachtungszeit im Median 210,1 Wochen. Tirzepatid schnitt nicht schlechter ab als Dulaglutid, aber auch nicht besser (Hazard Ratio 0,92, 95,3-Prozent-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,01, p = 0,09). Quelle [3].

Herzinsuffizienz

Große Zulassungsstudie SUMMIT teilte 731 Menschen mit Herzschwäche und starkem Übergewicht per Los auf zwei Gruppen auf und beobachtete sie rund zwei Jahre lang (Median 104 Wochen). Aufgenommen wurde nur, wessen Herz beim Zusammenziehen noch mindestens 50 Prozent des Blutes auswarf und wer einen Body-Mass-Index ab 30 hatte. Gezählt wurde, wie oft jemand an einer Herz-Kreislauf-Ursache starb oder sich die Herzschwäche verschlechterte. Das traf auf 36 von 364 Behandelten zu, also auf 9,9 Prozent, in der Vergleichsgruppe auf 56 von 367, also auf 15,3 Prozent. Das entspricht einem um 38 Prozent geringeren Risiko (Hazard Ratio 0,62, Konfidenzintervall 0,41 bis 0,95) [7].

Dieses Ergebnis geht fast ganz auf den zweiten Teil zurück, die Verschlechterung der Herzschwäche, bei der das Risiko um 46 Prozent niedriger lag (Hazard Ratio 0,54). Bei den Todesfällen kehrte sich das Verhältnis sogar um, 8 gegenüber 5. Diese Zahlen sind allerdings viel zu klein, um daraus etwas über die Sterblichkeit abzulesen [7].

Schlafapnoe

Große Zulassungsstudie SURMOUNT-OSA bestand aus zwei gleichzeitig laufenden Studien über 52 Wochen, in denen jeweils eine Gruppe ein Scheinmedikament erhielt. Teilgenommen hatten zusammen 469 Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe und starkem Übergewicht. Zu Beginn setzte ihr Atem im Schlaf 51,5 beziehungsweise 49,5 Mal pro Stunde aus oder wurde flach. Nach 52 Wochen waren es 20,0 und 23,8 Aussetzer pro Stunde weniger als in den Vergleichsgruppen, einmal ohne und einmal mit begleitender Atemmaske [6].

Leber

Kleinere Vorstudie SYNERGY-NASH begleitete 190 Erwachsene über 52 Wochen, bei denen eine Gewebeprobe eine entzündete Fettleber mit deutlicher Vernarbung gezeigt hatte. Auswerten ließen sich 157 zweite Gewebeproben. In ihnen war die Entzündung je nach Dosis bei 44, 56 und 62 Prozent der Teilnehmer verschwunden, ohne dass die Vernarbung zugenommen hatte. Mit einem Scheinmedikament traf das auf 10 Prozent zu [8]. Von allen Studien auf dieser Seite ist diese die am wenigsten belastbare, und die große Studie, die das Ergebnis bestätigen soll, sucht noch Teilnehmer [24].

Was weiterhin unbekannt ist

  • Ein Vorteil fürs Herz. Ob Tirzepatid dem Vergleichsmittel Dulaglutid überlegen ist, wurde geprüft und ließ sich nicht belegen [3].
  • Was die zweite Andockstelle beiträgt. Keine Studie hat untersucht, welcher Teil der Wirkung auf welche der beiden Andockstellen entfällt [1].
  • Das Ergebnis zur Leber. Es stammt aus einer einzigen kleineren Studie, in der das Ergebnis an Gewebeproben abgelesen wurde [8], [24].
  • Die Sicherheit auf lange Sicht. Am längsten wurden Teilnehmer gut vier Jahre beobachtet (Median 210,1 Wochen) [3].
  • Wie belastbar die Vergleiche sind. In beiden Studien gegen Semaglutid wussten alle Beteiligten, wer welches Mittel bekam [20], [23].

Nebenwirkungen und Sicherheit

Im Vordergrund stehen Magen-Darm-Beschwerden. Sie setzen meist früh ein und sind der häufigste Grund, die Behandlung abzubrechen. Die Zahlen unten stammen aus den zusammengefassten Studien zur Gewichtsabnahme, wie sie in der US-Produktinformation stehen: 3.477 Behandelte im Vergleich zu Teilnehmern, die ein Scheinmedikament erhielten [5].

NebenwirkungTirzepatidScheinmedikament
Übelkeit25–29 %8 %
Durchfall19–23 %8 %
Verstopfung11–17 %5 %
Erbrechen8–13 %2 %
Bauchschmerzen9–10 %5 %
Magendrücken9–10 %4 %
Reaktionen an der Einstichstelle6–8 %2 %
Erschöpfung5–7 %3 %
Überempfindlichkeitsreaktionen5 %3 %
Haarausfall4–5 %1 %
Magen-Darm-Beschwerden insgesamt56 %30 %
Abbruch wegen Nebenwirkungen4,8–6,7 %3,4 %

Weitere Punkte aus den Produktinformationen und den Studien:

  • Ein umrahmter Warnhinweis zu Schilddrüsentumoren. Bei Ratten beiderlei Geschlechts löst Tirzepatid solche Tumoren aus, umso häufiger, je höher die Dosis und je länger die Behandlung dauert, und schon in Mengen, wie sie auch beim Menschen vorkommen. Ob das auf den Menschen zutrifft, lassen die Produktinformationen offen [1], [5].
  • Wer den Wirkstoff nicht bekommen darf. Menschen, die selbst oder in der Familie eine bestimmte seltene Form von Schilddrüsenkrebs oder eine erbliche Hormondrüsen-Erkrankung haben, und Menschen mit einer bekannten schweren Überempfindlichkeit [1], [5].
  • Wovor die Produktinformation warnt. Vor schweren Magen-Darm-Beschwerden, einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Nierenversagen durch starken Flüssigkeitsverlust, Erkrankungen der Gallenblase, Unterzuckerung im Zusammenspiel mit Insulin oder ähnlichen Mitteln, einer Verschlechterung von Netzhautschäden bei Diabetes sowie davor, dass bei einer Narkose Mageninhalt in die Lunge gelangt [1], [5].
  • Ein Fertigpen gehört nur einer Person. Die Produktinformationen weisen ausdrücklich darauf hin, dass er auch mit frischer Nadel nicht weitergegeben werden darf, weil sich sonst Infektionen übertragen können [1], [5].
  • Im direkten Vergleich bei Typ-2-Diabetes lagen die Zahlen ähnlich. In SURPASS-2 war 17 bis 22 Prozent der Behandelten übel, unter Semaglutid 18 Prozent [20].

Zwei Lücken sollte man kennen. Ob der Schilddrüsenbefund aus dem Tierversuch auf den Menschen zutrifft, ist bis heute ungeklärt, und genau deshalb steht die Warnung als offene Frage in der Produktinformation. Wie sicher der Wirkstoff nach dem Ende der Studien ist, lässt sich ebenfalls nicht belegen [1], [3].

Warum hier keine Dosierungen stehen

Tirzepatid ist in jedem Markt, der es zugelassen hat, verschreibungspflichtig. Welche Dosis für eine bestimmte Person infrage kommt, ergibt sich aus der amtlichen Produktinformation und aus der Entscheidung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. Diese Seite nennt Dosisstufen deshalb nur als niedrigste, mittlere oder höchste geprüfte Dosis und berichtet, was dabei gemessen wurde.

Entwicklungsstand und Zulassung

Zeitleiste von Zulassung und Evidenz

  1. 2021Die ersten vier SURPASS-Studien bei Typ-2-Diabetes melden ErgebnisseQuellen [19], [20]
  2. 2022Zulassung der FDA am 13. Mai, der EU am 15. September, der Schweiz am 2. November, Kanadas am 24. NovemberSURMOUNT-1 erscheint, Quellen [2], [4], [9], [27], [28]
  3. 2023Großbritannien lässt das Mittel im November zum Abnehmen zu, die EU im DezemberQuellen [17], [18], [25]
  4. 2024Die USA erlauben es im Dezember auch bei SchlafapnoeSURMOUNT-OSA und SYNERGY-NASH erscheinen, Quellen [6], [8], [17]
  5. 2025SUMMIT, SURMOUNT-5 und SURPASS-CVOT erscheinen, und die Zulassung bei Diabetes gilt nun auch für Kinder ab 10 JahrenQuellen [2], [3], [7], [23]
  6. 27. Aug. 2026Die USA lassen es zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos zuQuellen [2], [29]
  • 2021 — die ersten vier SURPASS-Studien bei Typ-2-Diabetes melden Ergebnisse [19], [20].
  • 2022 — die FDA lässt am 13. Mai zu, die EU am 15. September, die Schweiz am 2. November, Kanada am 24. November; SURMOUNT-1 erscheint [2], [4], [9], [27], [28].
  • 2023 — Großbritannien lässt das Mittel im November zum Abnehmen zu, die Europäische Union im Dezember [17], [18], [25].
  • 2024 — SURMOUNT-OSA und SYNERGY-NASH erscheinen, und die USA erlauben das Mittel im Dezember auch bei Schlafapnoe [6], [8], [17].
  • 2025 — SUMMIT, SURMOUNT-5 und SURPASS-CVOT erscheinen, und die Zulassung bei Diabetes gilt nun auch für Kinder ab 10 Jahren [2], [3], [7], [23].
  • 2026 — die USA lassen das Mittel auch zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos zu, vermerkt ist der 27. August [2], [29].
MarktStatusSeit
USAZugelassen2022-05-13
Europäische UnionZugelassen2022-09-15
DeutschlandZugelassen2022-09-15
GroßbritannienZugelassen2022-09
AustralienRegistriert2023-07-10
KanadaZugelassen2022-11-24
SchweizZugelassen2022-11-02

Der achte Markt ist Japan. Dort wurde der Wirkstoff den Unterlagen zufolge im September 2022 für Typ-2-Diabetes zugelassen, und den Antrag für die Behandlung von starkem Übergewicht gab der zuständige Ausschuss am 2. Dezember 2024 frei [18]. Alle Einträge geben den Stand vom 6. September 2026 wieder, und in jedem der aufgeführten Märkte gibt es den Wirkstoff nur gegen Rezept [2], [9], [18], [25], [26], [27], [28].

Etwas anderes als die Zulassung ist die Frage, wer bezahlt. In Deutschland gilt die Verordnung zum Abnehmen als Lebensstil-Medikament im Sinne des Gesetzes. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten deshalb nicht, und das Mittel wird auf Privatrezept verordnet. Für die Behandlung von Diabetes zahlt die Kasse dagegen [33], [34]. Den rechtlichen Rahmen im Überblick behandeln die Seiten dazu, ob Peptide legal sind und welche Peptide FDA-zugelassen sind.

Anti-Doping

Im Sport ist Tirzepatid nicht verboten. Auf der Verbotsliste 2026 steht der Wirkstoff nicht, weder für den Wettkampf noch für die Zeit dazwischen, und eine ärztliche Ausnahmegenehmigung ist deshalb nicht nötig [10]. Seit dem 1. Januar 2026 wird er allerdings beobachtet: Die Anti-Doping-Agentur sammelt Daten darüber, wie verbreitet er ist. Eine Strafe folgt daraus nicht [11], [35]. Einen Überblick über diese Stoffgruppe gibt die Seite im Sport verbotene Peptide.

Vergleich mit verwandten Peptiden

PeptidAndockstellenStatusStärkstes Gewichtsergebnis der eigenen StudieAbbau im Körper
TirzepatidGIP, GLP-1In acht Märkten zugelassen−20,9 % nach 72 Wochen, SURMOUNT-1, n = 2.539 [4]Halbe Menge nach ~5 Tagen [1]
RetatrutidGIP, GLP-1, GlukagonIn großen Studien, nirgendwo zugelassen−24,2 % nach 48 Wochen, Phase 2, n = 338 [36]Halbe Menge nach ~6 Tagen [36]
SemaglutidGLP-1In vielen Märkten zugelassen−14,9 % nach 68 Wochen, STEP 1, n = 1.961 [37]Hier nicht angegeben
LiraglutidGLP-1In vielen Märkten zugelassen−8,0 % nach 56 Wochen, SCALE, n = 3.731 [38]Hier nicht angegeben
CagriSemaGLP-1 plus AmylinGroße Studien gemeldet−22,7 % nach 68 Wochen unter Behandlung, REDEFINE 1, n = 3.417 [39]Hier nicht angegeben

Diese fünf Zahlen stammen aus fünf verschiedenen Studien, die sich in Teilnehmern, Dauer und Ausgangsgewicht unterscheiden. Die Spalte vergleicht deshalb Studien und nicht Wirkstoffe. Wirklich gegeneinander getestet wurde nur Semaglutid, in SURPASS-2 und SURMOUNT-5, und in beiden Studien wussten alle Beteiligten, wer welches Mittel bekam [20], [23].

Stärkstes Gewichtsergebnis in der jeweils eigenen Studie
RetatrutidPhase 2, 48 Wochen, n = 338
−24.2%
CagriSemaREDEFINE 1, 68 Wochen, n = 3.417
−22.7%
TirzepatidSURMOUNT-1, 72 Wochen, n = 2.539
−20.9%
SemaglutidSTEP 1, 68 Wochen, n = 1.961
−14.9%
LiraglutidSCALE, 56 Wochen, n = 3.731
−8%

Verschiedene Studien, kein direkter Vergleich: Teilnehmer, Dauer, Ausgangsgewicht und Messgröße unterscheiden sich. Quellen [4], [36], [37], [38], [39].

Zwei dieser Mittel unterscheiden sich nicht nur in der Stärke, sondern grundsätzlich. Retatrutid spricht eine dritte Andockstelle an und ist bislang nirgendwo zugelassen [36]. CagriSema kombiniert zwei Wirkstoffe und setzt damit an zwei ganz verschiedenen Hormonsystemen an [39].

Verbreitete Irrtümer

  • „Tirzepatid und Semaglutid kann man gegeneinander austauschen.“ Es sind zwei verschiedene Wirkstoffe mit eigenen Zulassungen. Der eine spricht eine Andockstelle an, der andere zwei, und sein Grundgerüst stammt zudem von einem anderen Hormon [1], [20].
  • „Hinter den beiden US-Handelsnamen stecken verschiedene Wirkstoffe.“ Tatsächlich steckt derselbe Wirkstoff in zwei getrennten Zulassungen. Die eine gilt für Diabetes und das Herz-Kreislauf-Risiko, die andere für starkes Übergewicht und Schlafapnoe [2], [17].
  • „Die Zulassung für Herz und Kreislauf beweist, dass Tirzepatid besser ist.“ SURPASS-CVOT sollte zeigen, dass der Wirkstoff nicht schlechter abschneidet als Dulaglutid. Das gelang. Dass er besser abschneidet, ließ sich nicht zeigen [3].
  • „In der Apotheke angefertigtes Tirzepatid ist dasselbe Arzneimittel.“ Solche Zubereitungen durchlaufen kein Zulassungsverfahren. Nach den Übergangsfristen im Februar und März 2025 beendete die FDA ihre Duldung [30], [31], [32].
  • „Das ist ein Forschungspeptid wie die nicht zugelassenen.“ Acht Märkte haben es zugelassen, und überall gibt es den Wirkstoff nur gegen Rezept. Wer ihn auf anderem Weg beschafft, verstößt gegen das Arzneimittelrecht und bewegt sich nicht in einer Grauzone [2], [9].
  • „Im Sport ist der Wirkstoff verboten.“ Auf der Verbotsliste 2026 steht er nicht. Dass die Anti-Doping-Agentur ihn beobachtet, ist etwas anderes und zieht keine Strafe nach sich [10], [11].

Häufige Fragen

Ist Tirzepatid verschreibungspflichtig?

Ja, in jedem Markt auf dieser Seite. Zugelassen ist Tirzepatid in den USA, der Europäischen Union, Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada, der Schweiz und Japan, und überall gibt es den Wirkstoff nur gegen Rezept. Wer ihn auf anderem Weg beschafft, bewegt sich nicht in einer Grauzone, sondern verstößt gegen das Arzneimittelrecht des jeweiligen Landes.

Wie viel Gewicht verloren die Teilnehmer in den Tirzepatid-Studien?

In der Studie SURMOUNT-1 verloren die Teilnehmer mit der höchsten geprüften Dosis in 72 Wochen im Schnitt 20,9 Prozent ihres Körpergewichts, mit einem Scheinmedikament dagegen 3,1 Prozent. Teilgenommen hatten 2.539 Erwachsene mit starkem Übergewicht, aber ohne Diabetes. Bei Erwachsenen, die zusätzlich einen Typ-2-Diabetes hatten, fiel der Verlust in der Studie SURMOUNT-2 mit 14,7 Prozent geringer aus.

Worin unterscheiden sich Tirzepatid und Semaglutid?

Semaglutid wirkt nur an einer der beiden Andockstellen, dem GLP-1-Rezeptor. Tirzepatid wirkt an beiden, am GIP- und am GLP-1-Rezeptor, und sein Grundgerüst stammt vom Hormon GIP. In zwei direkten Vergleichen schnitt Tirzepatid besser ab: bei den Blutzucker-Langzeitwerten in SURPASS-2 und beim Gewicht in SURMOUNT-5, mit 20,2 gegenüber 13,7 Prozent nach 72 Wochen. In beiden Studien wussten allerdings alle Beteiligten, wer welches Mittel bekam.

Hat Tirzepatid in der Endpunktstudie Herz-Kreislauf-Ereignisse verringert?

Tirzepatid schnitt in der Studie SURPASS-CVOT nicht schlechter ab als das Vergleichsmittel Dulaglutid, besser aber auch nicht. Begleitet wurden 13.299 Erwachsene über gut vier Jahre (Median 210,1 Wochen). Das Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis lag rechnerisch um 8 Prozent niedriger, doch war dieser Unterschied statistisch nicht abgesichert (Hazard Ratio 0,92, Konfidenzintervall 0,83 bis 1,01, p = 0,09). Auf diesem Ergebnis beruht das 2026 in den USA zugelassene Anwendungsgebiet.

Welche Nebenwirkungen von Tirzepatid treten am häufigsten auf?

Am häufigsten sind Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung. Sie treten meist zu Beginn auf und nehmen mit der Dosis zu. In den zusammengefassten Studien zur Gewichtsabnahme war 25 bis 29 Prozent der Behandelten übel, mit einem Scheinmedikament 8 Prozent. Magen-Darm-Beschwerden aller Art hatten 56 Prozent gegenüber 30 Prozent, und 4,8 bis 6,7 Prozent brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.

Worum geht es in der Black-Box-Warnung zu Tirzepatid?

Beide US-Produktinformationen tragen die schärfste Warnstufe der Behörde, einen umrahmten Warnhinweis zu Tumoren der Schilddrüse. Bei Ratten beiderlei Geschlechts löst Tirzepatid solche Tumoren aus, umso häufiger, je höher die Dosis und je länger die Behandlung dauert, und bereits in Mengen, wie sie auch beim Menschen vorkommen. Ob dieser Befund auf den Menschen übertragbar ist, weiß niemand. Wer selbst oder in der Familie eine bestimmte seltene Form von Schilddrüsenkrebs oder eine erbliche Hormondrüsen-Erkrankung hat, darf den Wirkstoff nicht bekommen.

Warum stehen auf dieser Seite keine Dosierungen von Tirzepatid?

Weil Tirzepatid überall dort, wo es zugelassen ist, ein Rezept verlangt. Welche Dosis für eine bestimmte Person infrage kommt, ergibt sich aus der amtlichen Produktinformation und aus der Entscheidung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. Diese Seite nennt Dosisstufen deshalb nur als niedrigste, mittlere oder höchste geprüfte Dosis und berichtet, was dabei herauskam.

Ist Tirzepatid im Sport verboten?

Nein. Auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur für 2026 steht Tirzepatid nicht, weder für den Wettkampf noch für die Zeit dazwischen. Eine ärztliche Ausnahmegenehmigung ist deshalb nicht nötig. Seit dem 1. Januar 2026 steht der Wirkstoff im Beobachtungsprogramm 2026: Die Agentur sammelt Daten darüber, wie verbreitet er ist. Eine Strafe folgt daraus nicht.

Ist in der Apotheke angefertigtes Tirzepatid dasselbe wie das zugelassene Arzneimittel?

Nein. Solche Zubereitungen durchlaufen kein Zulassungsverfahren, und niemand prüft sie in gleicher Weise auf Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit. Am 19. Dezember 2024 erklärte die US-Arzneimittelbehörde FDA den Lieferengpass für beendet und ließ Übergangsfristen bis zum 18. Februar und zum 19. März 2025 laufen. Danach war das Anfertigen in der Apotheke nicht mehr geduldet.

Was ist zu Tirzepatid weiterhin unbekannt?

Unklar bleibt, ob der Schilddrüsenbefund aus dem Tierversuch auch für den Menschen gilt, was die zweite Andockstelle für sich genommen bewirkt und ob sich das Ergebnis zur Leber in einer großen Studie bestätigen lässt. Offen ist außerdem, wie sicher der Wirkstoff über die Studiendauer hinaus ist: Am längsten wurden Teilnehmer gut vier Jahre begleitet (Median 210,1 Wochen).

Quellen

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Die Angaben auf dieser Seite wurden am 6. September 2026 geprüft, und an diesem Tag liefen auch die Abfragen in den Arzneimittelregistern. Bei zugelassenen Medikamenten ändern sich Anwendungsgebiete und Produktinformationen im Lauf der Zeit. Deshalb sind Version und Datum genauso wichtig wie der Inhalt.

myPeptides Research & Editing. (2026). Tirzepatid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit. Version 1.0, 6. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/tirzepatide

Wie die Seiten dieses Registers entstehen und bewertet werden, steht unter Methodik; das vollständige Register findet sich unter Peptide.

VersionDatumÄnderung
1.02026-09-06Erstveröffentlichung

Zuletzt geprüft: 6. September 2026. Nächste Prüfung: sobald sich die Produktinformation in einem der erfassten Märkte ändert, sobald die große Studie zur Leber Ergebnisse meldet oder sobald sich etwas an der Einstufung im Anti-Doping-Recht ändert.

Identifikatoren

IdentifikatorWert
CAS-Nummer2023788-19-2
PubChem CID166567236
UNIIOYN3CCI6QE
InChIKeyBTSOGEDATSQOAF-MCNPHUAVSA-N
DrugBankDB15171
ChEMBLCHEMBL4297839
WikidataQ108324770
SummenformelC225H348N48O68
Molekülmasse4813.53

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Zuletzt geprüft: September 2026

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