Dulaglutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit
Zusammenfassung
Dulaglutid ist ein im Labor hergestelltes Eiweiß, das einen körpereigenen Darmbotenstoff nachbildet und dessen Andockstelle anschaltet. Seit 2014 ist es ein zugelassenes und verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen Typ-2-Diabetes, in den USA zusätzlich zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos. In einer Studie mit 9.901 Erwachsenen, die im Median 5,4 Jahre lang begleitet wurden, traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse rund 12 Prozent seltener auf. Zur Gewichtsabnahme ist der Wirkstoff nirgends zugelassen, und in der einzigen Studie, die ihn direkt neben Semaglutid stellte, schnitt er beim Blutzucker wie beim Gewicht schlechter ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2014 zugelassen und in jedem hier betrachteten Land nur gegen Rezept. Die USA erteilten die Zulassung am 18. September 2014 und stuften den Stoff dabei als völlig neuen Wirkstoff ein. Die Europäische Union folgte am 21. November 2014 [1], [2].
- Rund 12 Prozent weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Unter 9.901 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes traf ein solches Ereignis 12,0 gegenüber 13,4 Prozent. Begleitet wurden sie im Median 5,4 Jahre lang (Hazard Ratio 0,88; der wahre Wert liegt zwischen 0,79 und 0,99; p = 0,026) [3].
- Zur Gewichtsabnahme nirgends zugelassen. Zugelassen ist der Wirkstoff bei Typ-2-Diabetes und in den USA zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos. Weder der amerikanische noch der europäische Text erwähnt die Behandlung von Übergewicht [4], [5].
- Im einzigen direkten Vergleich lag Semaglutid vorn. In 40 Wochen sank das Gewicht bei 1.201 Erwachsenen in den beiden höheren Stufen um 6,5 gegenüber 3,0 Kilogramm, ein Abstand von 3,55 Kilogramm (p < 0,0001) [6].
- Bei Kindern und Jugendlichen besserte sich der Blutzucker, das Gewicht nicht. Unter 154 jungen Menschen im Alter von 10 bis 17 Jahren sank der Blutzuckerwert, während der Körpermassenindex gegenüber dem Scheinmedikament keinen Unterschied zeigte [7].
- Eine hervorgehobene Warnung in den USA, die Europa nicht kennt. Die amtliche US-Produktinformation warnt vor Schilddrüsentumoren bei Ratten. Der europäische Text enthält keinen solchen Kasten und nennt als Gegenanzeige allein die Allergie [4], [5].
- Weil es ein Biologikum ist, darf keine Apotheke es nachbauen. Die US-Arzneimittelbehörde beantwortet die Frage „Can biologics be compounded?“ („Dürfen Biologika in der Apotheke angefertigt werden?“) mit einem schlichten „No“ („Nein“) [8], [1].
Was Dulaglutid ist
Dulaglutid ist ein großes, eigens entworfenes Eiweiß, das den Darmbotenstoff GLP-1 nachahmt. Der Konzern Eli Lilly entwickelte es unter dem Code LY2189265 und verkauft es weltweit unter einem einzigen Handelsnamen, Trulicity [4], [9]. Die Marke steht hier nur, damit sich der Wirkstoff dem bekannten Produkt zuordnen lässt.
Fast alles Weitere erklärt sich aus dem Aufbau. Zwei gleiche Ketten sind durch Schwefelbrücken fest miteinander verbunden. Jede Kette trägt an einem Ende eine Nachbildung des Darmbotenstoffs, die über ein kurzes Zwischenstück am Schwanzteil eines menschlichen Antikörpers hängt [4].
Dieser Antikörperschwanz ist der eigentliche Kniff. Er hält das Molekül rund fünf Tage im Blut, während der natürliche Botenstoff nach Minuten verschwunden ist. Das Ganze wiegt etwa 63 Kilodalton und wächst in Zellkulturen aus Hamster-Eierstöcken heran, denn ein Eiweiß dieser Größe lässt sich chemisch nicht herstellen [4], [9].
Kurzprofil
| Feld | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Internationaler Freiname | Dulaglutid | [9] |
| Entwicklungscode | LY2189265 | [9] |
| Wirkstoffgruppe | Schaltet die Andockstelle des Darmbotenstoffs GLP-1 an | [4] |
| Aufbau | Zwei gleiche, durch Schwefel verbundene Ketten, jede eine GLP-1-Nachbildung am Schwanzteil eines veränderten menschlichen IgG4-Antikörpers | [4] |
| Masse | Etwa 63 Kilodalton; für ein Eiweiß dieser Größe wird keine Summenformel angegeben | [4], [10] |
| Übereinstimmung mit dem natürlichen Botenstoff | 90 Prozent des Hormonanteils | [4] |
| Herstellung | Zellkulturen aus Eierstöcken des Chinesischen Hamsters | [4] |
| Wirkdauer | Etwa fünf Tage. So lange braucht der Körper, um die Hälfte einer gegebenen Menge abzubauen (Halbwertszeit) | [4] |
| Anwendungsweg | Spritze unter die Haut | [4] |
| Status | In allen sieben Ländern dieser Seite zugelassen und verschreibungspflichtig | [1], [2] |
| Entwickler | Eli Lilly and Company | [1] |
| ATC-Code | A10BJ05 | [9], [11] |
| CAS-Nummer | 923950-08-7 | [12] |
| UNII | WTT295HSY5 | [13] |
| PubChem CID | Keine. Die Datenbank fand keinen Eintrag, was bei einem Eiweiß dieser Größe zu erwarten ist | [10] |
| DrugBank | DB09045 | [12] |
| ChEMBL | CHEMBL2108027 | [9] |
| KEGG | D09889 | [14] |
| Wikidata | Q21011228 | [12] |

Wie es wirkt
Die amtliche Produktinformation beschreibt die Wirkweise, denn sie wurde zusammen mit den Studien geprüft [4].
- Die Andockstelle für GLP-1. Dulaglutid heftet sich an die Andockstelle des Darmbotenstoffs GLP-1 und schaltet sie an, so wie es der natürliche Botenstoff tut [4].
- Insulin, aber nur bei Bedarf. In den insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse hebt der Schalter ein Botenmolekül an, und Insulin wird nur dann ausgeschüttet, wenn der Blutzucker tatsächlich hoch ist [4].
- Weniger vom Gegenspieler. Von Glukagon, das den Blutzucker anhebt, wird weniger ausgeschüttet [4].
- Der Magen entleert sich langsamer, wodurch der Blutzucker nach einer Mahlzeit flacher ansteigt [4].
- Was der Körper damit macht. Vermutlich zerlegen ihn die üblichen Abbauwege für Eiweiße wieder in seine Bausteine [4].
- Warum er so lange wirkt. Dafür sorgt der Antikörperschwanz und nicht eine Fettkette: Die Halbwertszeit liegt bei etwa fünf Tagen, ein gleichbleibender Spiegel stellt sich nach zwei bis vier Wochen ein [4].
Semaglutid und Liraglutid gehören zur selben Familie, sind aber anders gebaut. Sie sind kurze Peptide mit einer Fettkette, die sie an ein Transporteiweiß im Blut bindet; Dulaglutid nutzt stattdessen den Antikörperschwanz [15], [4].
Was die Studien zeigen
Herz und Kreislauf
Phase-3-RCT, auf einen Unterschied angelegt An der Herz-Kreislauf-Studie nahmen 9.901 Erwachsene ab 50 Jahren mit Typ-2-Diabetes teil, verteilt auf 371 Zentren in 24 Ländern. Nur 31,5 Prozent hatten bereits eine Herzerkrankung, 62,8 Prozent brachten lediglich mehrere Risikofaktoren mit. Begleitet wurden sie im Median 5,4 Jahre lang [3].
Als Ergebnis zählte die Studie Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod aus einer Herzursache zusammen. Ein solches Ereignis traf 594 von 4.949 Behandelten, also 12,0 Prozent, gegenüber 663 von 4.952 unter dem Scheinmedikament, also 13,4 Prozent. Das entspricht einem um 12 Prozent geringeren Risiko (Hazard Ratio 0,88; der wahre Wert liegt zwischen 0,79 und 0,99; p = 0,026) [3].
9.901 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, im Median 5,4 Jahre lang begleitet. Hazard Ratio 0,88; der wahre Wert liegt zwischen 0,79 und 0,99; p = 0,026. Quelle [3].
Schlüsselt man das Ergebnis auf, beruht es vor allem auf überlebten Schlaganfällen: 2,7 gegenüber 3,5 Prozent (Hazard Ratio 0,76; der wahre Wert liegt zwischen 0,61 und 0,95). Bei überlebten Herzinfarkten zeigte sich kein klarer Unterschied (0,96; zwischen 0,79 und 1,16), beim Tod aus einer Herzursache ebenso wenig (0,91; zwischen 0,78 und 1,06) [3].
Auch die Sterblichkeit jeder Ursache sank nicht klar: 10,8 gegenüber 12,0 Prozent (Hazard Ratio 0,90; zwischen 0,80 und 1,01; p = 0,067). Magen-Darm-Beschwerden traten in der behandelten Gruppe weit häufiger auf, nämlich bei 47,4 gegenüber 34,1 Prozent (p < 0,0001) [3].
Am 21. Februar 2020 wurde dieses Ergebnis als neues Anwendungsgebiet in die amerikanische Produktinformation aufgenommen [16].
Die Nieren
Explorative Auswertung einer randomisierten Studie Dieselben 9.901 Menschen wurden über 51.820 Personenjahre auf Nierenschäden untersucht. Das zusammengefasste Nierenergebnis trat bei 17,1 gegenüber 19,6 Prozent auf (Hazard Ratio 0,85; zwischen 0,77 und 0,93; p = 0,0004) [17].
Fast alles davon geht auf einen einzigen Bestandteil zurück, nämlich auf neu aufgetretene starke Eiweißverluste im Urin (Hazard Ratio 0,77; zwischen 0,68 und 0,87; p < 0,0001).
Die übrigen Bestandteile veränderten sich nicht. Ein anhaltender Rückgang der Nierenfilterleistung um mindestens 30 Prozent war zu klein, um den Zufall auszuschließen (0,89; zwischen 0,78 und 1,01; p = 0,066), und für die Notwendigkeit einer dauerhaften Dialyse galt dasselbe (0,75; zwischen 0,39 und 1,44; p = 0,39) [17].
Die Autoren selbst bezeichnen diese Auswertung als explorativ, also als reine Spurensuche, und genau deshalb wurde daraus nie ein zugelassenes Anwendungsgebiet [17].
Blutzucker
Phase-3-RCT Das Zulassungsprogramm stellte Dulaglutid einer langen Reihe von Alternativen gegenüber. Gegen Sitagliptin sank der Blutzuckerwert HbA1c bei 1.098 Erwachsenen in 104 Wochen in den beiden behandelten Gruppen um 0,99 und 0,71 Prozentpunkte, unter Sitagliptin um 0,32 Punkte (p < 0,001) [18].
Gegen Metformin allein fiel der Wert bei 807 Erwachsenen nach 26 Wochen um 0,78 und 0,71 Punkte gegenüber 0,56 [19]. Zusätzlich zu einem Hemmstoff des Natrium-Glukose-Transporters waren es bei 424 Erwachsenen 1,34 und 1,21 Punkte gegenüber 0,54 unter dem Scheinmedikament (p < 0,0001) [20].
Gegen Insulin glargin bei 810 Erwachsenen, die zwei Tabletten einnahmen, war die höhere Gruppe überlegen und die niedrigere lediglich nicht schlechter: 1,08 und 0,76 Punkte gegenüber 0,63 [21]. Neben dem Mahlzeiteninsulin lagen bei 884 Erwachsenen nach 26 Wochen beide Gruppen knapp vor Glargin, um 0,22 Punkte (p = 0,005) und um 0,17 Punkte (p = 0,015) [22].
Phase-3-RCT Zusätzlich zu Glimepirid sank HbA1c bei 300 Erwachsenen in 24 Wochen um 1,3 Punkte stärker als unter dem Scheinmedikament (zwischen 1,0 und 1,6; p < 0,001). Einen Wert unter 7,0 Prozent erreichten 55,3 gegenüber 18,9 Prozent. Das Gewicht sank gegenüber dem Ausgangswert, doch der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht statistisch bedeutsam [23].
Höhere gegen niedrigere Stufen
Phase-3-RCT mit Fehlerkontrolle Eine Studie mit 1.842 Erwachsenen unter Metformin verglich drei Stufen über 36 Wochen miteinander. Die höchste Gruppe schlug die niedrigste beim HbA1c mit 1,77 gegenüber 1,54 Prozentpunkten, ein Abstand von 0,24 Punkten (p < 0,001) [24].
Das Gewicht folgte derselben Reihenfolge: 4,6 gegenüber 3,0 Kilogramm, ein Abstand von 1,6 Kilogramm (p < 0,001). Die mittlere Gruppe schlug die niedrigste nur in jener Auswertung, die Abbrecher außer Acht lässt (Abstand 0,17 Punkte; p = 0,003), nicht in der strengeren (Abstand 0,10 Punkte; p = 0,096) [24].
Auch Übelkeit nahm mit der Stufe zu, von 13,4 auf 16,4 Prozent, und Erbrechen von 5,6 auf 9,3 Prozent [24]. Diese Studie war die Grundlage dafür, dass die USA am 3. September 2020 weitere Stärken zuließen [25].
Im Vergleich mit Semaglutid
Phase-3b-RCT, offen Eine Studie stellte die beiden Wirkstoffe bei 1.201 Erwachsenen unter Metformin nebeneinander, über 40 Wochen an 194 Zentren in 16 Ländern. Durchgeführt hat sie der Hersteller des Vergleichswirkstoffs, was bei der Einordnung mitzudenken ist [6].
Dulaglutid verlor in beiden Punkten. In den beiden höheren Stufen sank HbA1c um 1,4 Punkte gegenüber 1,8 unter Semaglutid, ein Abstand von 0,41 Punkten (zwischen 0,57 und 0,25; p < 0,0001). In den beiden niedrigeren Stufen betrug der Abstand 0,40 Punkte [6].
1.201 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes unter Metformin. Der Abstand beträgt 3,55 Kilogramm; der wahre Wert liegt zwischen 2,78 und 4,32; p < 0,0001. Quelle [6].
Das Gewicht sank in den höheren Stufen um 3,0 gegenüber 6,5 Kilogramm, ein Abstand von 3,55 Kilogramm (zwischen 2,78 und 4,32; p < 0,0001). In den niedrigeren Stufen waren es 2,3 gegenüber 4,6 Kilogramm [6]. Magen-Darm-Beschwerden waren in beiden Gruppen der häufigste Abbruchgrund; 72 von 1.201 Teilnehmern verließen die Studie [6].
Im Vergleich mit Liraglutid
Phase-3-RCT, auf Gleichwertigkeit angelegt Ein zweiter direkter Vergleich schloss 599 Erwachsene unter Metformin an 62 Zentren in neun Ländern ein. Hier musste sich der wöchentliche Wirkstoff nur als nicht schlechter erweisen als der tägliche, und das gelang ihm [26].
HbA1c sank um 1,42 gegenüber 1,36 Punkten, ein Unterschied von 0,06 Punkten (der wahre Wert liegt zwischen 0,19 Punkten darunter und 0,07 Punkten darüber; p < 0,0001 für die Gleichwertigkeit). Übelkeit trat bei 20 gegenüber 18 Prozent auf, und in jeder Gruppe brachen 18 Menschen, also 6 Prozent, wegen Nebenwirkungen ab [26].
Kinder und Jugendliche
Phase-3-RCT, doppelt verblindet Eine Studie mit 154 jungen Menschen im Alter von 10 bis 17 Jahren lief über 26 verblindete Wochen. Sie waren im Schnitt 14,5 Jahre alt, 71 Prozent von ihnen waren Mädchen, und sie wogen im Schnitt 90,5 Kilogramm [7].
Unter dem Scheinmedikament stieg HbA1c um 0,6 Punkte, in den beiden behandelten Gruppen sank er um 0,6 und 0,9 Punkte (p < 0,001 für beide). Einen Wert unter 7,0 Prozent erreichten 51 Prozent der Behandelten gegenüber 14 Prozent [7].
Das wichtige negative Ergebnis steckt in derselben Studie. Der Körpermassenindex unterschied sich zwischen den Gruppen überhaupt nicht, und das bei jungen Menschen, die nach den Aufnahmekriterien über der 85. Perzentile lagen [7]. Auf diese Studie stützt sich die amerikanische Ausweitung auf 10 Jahre vom 17. November 2022 [27].
Nierenerkrankung
Phase-3-RCT, offen, gegen Insulin Eine Studie mit 577 Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Nierenerkrankung verglich den Wirkstoff mit Insulin glargin. Beide behandelten Gruppen waren beim HbA1c nach 26 Wochen nicht schlechter als Insulin glargin. Die Filterleistung lag zu Beginn im Schnitt bei 38 Millilitern je Minute [28].
Nach 52 Wochen war die Filterleistung in den behandelten Gruppen höher, nämlich 34,0 und 33,8 gegenüber 31,3 (p = 0,005 und p = 0,009). Der Eiweißverlust im Urin unterschied sich dagegen nicht bedeutsam, mit 22,5 und 20,1 Prozent gegenüber 13,0 Prozent [28].
Die amerikanische Produktinformation ergänzt einen Befund, der in die andere Richtung weist. Der Nüchternblutzucker stieg in den behandelten Gruppen um 6 und 14 mg pro Deziliter, während er unter Insulin um 23 sank [4].
Was weiterhin unbekannt ist
- Ob die Tumoren bei Ratten für den Menschen etwas bedeuten. Weder klinische noch Laborarbeiten haben das geklärt, und die Produktinformation sagt das auch so [4].
- Wie mit Mageninhalt umzugehen ist, der während einer Narkose in die Lunge gelangt. Der Text stellt geradeheraus fest, dass die Belege für praktische Schlüsse zu dünn sind [4].
- Alles unterhalb von 10 Jahren. Sicherheit und Wirkung sind nicht belegt, und Daten gibt es dazu nicht [4].
- Die Anwendung bei einem Nierenversagen im Endstadium. Der europäische Text nennt die Erfahrung sehr begrenzt und rät davon ab [5].
- Der Übergang in die Muttermilch. Zur Milch, zum gestillten Kind und zur Milchbildung liegen keine Daten vor [4].
- Schäden am Erbgut. Solche Untersuchungen wurden nicht durchgeführt, weil der Stoff ein gentechnisch hergestelltes Eiweiß ist [4].
- Ein möglicher Hinweis am Auge, der bei einem anderen Wirkstoff dieser Gruppe erörtert wird. Die Produktinformation zu Dulaglutid schweigt dazu, und aus diesem Schweigen darf nichts abgeleitet werden [4].
Nebenwirkungen und Sicherheit
Magen-Darm-Beschwerden stehen im Vordergrund. In den zusammengefassten Erwachsenenstudien gegen Scheinmedikament klagten 12,4 Prozent der niedrigeren und 21,1 Prozent der höheren Stärkegruppe über Übelkeit, unter dem Scheinmedikament 5,3 Prozent [4].
An Durchfall litten 8,9 und 12,6 Prozent gegenüber 6,7 Prozent, erbrechen mussten 6,0 und 12,7 Prozent gegenüber 2,3 Prozent, und über Bauchschmerzen klagten 6,5 und 9,4 Prozent gegenüber 4,9 Prozent. Beschwerden dieser Art überhaupt hatten 32 und 41 Prozent gegenüber 21 Prozent [4].
Abgebrochen wurde deswegen selten: 1,3 Prozent in der niedrigeren und 3,5 Prozent in der höheren Gruppe gegenüber 0,2 Prozent. Die Prüfärzte stuften 7 und 11 Prozent dieser Beschwerden als schwer ein [4].
Weitere Punkte aus den Produktinformationen und den Behördenunterlagen:
- Die hervorgehobene Warnung vor Schilddrüsentumoren. Bei männlichen wie weiblichen Ratten löst Dulaglutid Tumoren einer bestimmten Schilddrüsenzelle aus, und zwar umso häufiger, je mehr die Tiere bekommen und je länger sie es bekommen. Ob das beim Menschen ebenso ist, weiß niemand [4].
- Zwei menschliche Fälle in den Unterlagen. Ein Schilddrüsenkrebs dieser Zellart trat bei einem Teilnehmer auf, dessen Messwert schon vor der Behandlung rund achtmal über der Obergrenze lag. Ein Fall von Zellwucherung mit erhöhtem Messwert stammt aus der Herz-Kreislauf-Studie [4].
- Was die Tierversuche ergaben. Bei Ratten traten die Tumoren ab dem Dreifachen der menschlichen Belastung auf. In einer sechsmonatigen Untersuchung an einem gentechnisch veränderten Mäusestamm blieb eine solche Zunahme dagegen ganz aus [4].
- Wer den Stoff in den USA nicht bekommen darf. Wer diesen Schilddrüsenkrebs selbst oder in der Familie hatte, wer an einem bestimmten erblichen Hormonsyndrom leidet und wer auf den Wirkstoff schwer reagiert hat [4].
- Europa schließt weit weniger aus. Der europäische Text nennt eine einzige Gegenanzeige, nämlich die Allergie gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil, und führt keine hervorgehobene Warnung [5].
- Plötzliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Für diese Wirkstoffgruppe sind Fälle bis hin zu Blutungen und Gewebeuntergang bekannt, manche tödlich. In den Zulassungsstudien lagen die bestätigten Fälle bei 1,4 je 1.000 Patientenjahren gegenüber 0,88 [4].
- Ein zu tiefer Blutzucker. Das Risiko steigt stark, sobald Insulin oder Tabletten hinzukommen, die Insulin freisetzen. Zusammen mit Mahlzeiteninsulin traten in 52 Wochen bei 77 und 69 Prozent zu tiefe Werte auf; ohne einen solchen Partner lag die Rate unter 1 Prozent [4].
- Ein schnellerer Puls und eine langsamere Erregungsleitung. Der Ruhepuls stieg um 2 bis 4 Schläge je Minute. Eine Blockierung ersten Grades der Erregungsleitung am Herzen trat bei 1,7 und 2,3 Prozent gegenüber 0,9 Prozent auf [4].
- Enzyme der Bauchspeicheldrüse. Lipase und Pankreas-Amylase stiegen im Schnitt um 14 bis 20 Prozent, unter dem Scheinmedikament um bis zu 3 Prozent [4].
- Nierenschäden nach Flüssigkeitsverlust. Seit der Zulassung wurde über plötzliches Nierenversagen berichtet, darunter Fälle mit Dialysebedarf, meist nach Erbrechen oder Durchfall [4].
- Augen und Gallenblase. In der Herz-Kreislauf-Studie traten Netzhautkomplikationen bei 1,9 gegenüber 1,5 Prozent auf, Gallensteine bei 0,62 gegenüber 0,56 je 100 Patientenjahren [4].
- Schwere allergische Reaktionen. Über anaphylaktische Reaktionen und Schwellungen unter der Haut wurde seit der Zulassung berichtet [4].
- Antikörper gegen den Wirkstoff. Von 3.907 Erwachsenen bildeten 1,6 Prozent solche Antikörper, 0,9 Prozent bildeten neutralisierende. Eine Auswirkung auf Sicherheit oder Nutzen ließ sich nicht feststellen [4].
- Nicht bei Typ-1-Diabetes. Der europäische Text stellt klar, dass der Wirkstoff Insulin nicht ersetzt [5].
Die europäische Häufigkeitstabelle ordnet dasselbe Bild anders. Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen gelten dort als sehr häufig, also bei mehr als einem von zehn Behandelten. Gallensteine und Reaktionen an der Einstichstelle gelten als gelegentlich, die plötzliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse als selten [5].
Warum hier keine Dosierungen stehen
Dulaglutid ist in jedem hier betrachteten Land ein verschreibungspflichtiges biologisches Arzneimittel. Welche Menge infrage kommt, ergibt sich aus der amtlichen Produktinformation und aus der Entscheidung der Ärztin oder des Arztes, die das Rezept ausstellen. Diese Seite spricht deshalb nur von einer niedrigeren, mittleren oder höheren geprüften Stufe und berichtet, was dabei jeweils gemessen wurde.
Entwicklungsstand und Zulassung
Zulassungen und Studien im Zeitverlauf
- 2014US-Zulassung am 18. September, europäische Zulassung am 21. NovemberEingestuft als völlig neuer Wirkstoff, Quellen [1], [2]
- 2015Die Schweiz im Mai, Japan im JuliSchweizer Zulassungsnummer 65236, japanische Zulassung am 3. Juli, Quellen [11], [29]
- 2019Die Herz-Kreislauf-Studie meldet weniger schwere Ereignisse9.901 Erwachsene, im Median 5,4 Jahre begleitet, Quelle [3]
- 2020Die USA ergänzen am 21. Februar das Herz-Kreislauf-Gebiet und am 3. September weitere StärkenErgänzungsanträge S-033 und S-036, Quellen [16], [25]
- 2022Das zugelassene Mindestalter sinkt in den USA am 17. November auf 10 JahreGrundlage ist die Studie mit 154 jungen Menschen, Quellen [27], [7]
- 2023Die europäische Arzneimittelbehörde verzeichnet am 28. August einen LieferengpassBetroffen sind alle vier Stärken des Fertigpens, Quelle [30]
- 2026Der europäische Lieferengpass gilt als behobenDie Seite wurde zuletzt am 17. Februar 2026 aktualisiert, Quelle [30]
- 2014 — Die USA lassen den Wirkstoff am 18. September als völlig neuen Wirkstoff zu, die Europäische Union folgt am 21. November [1], [2].
- 2015 — Die Schweiz erteilt die Zulassung am 6. Mai, Japan am 3. Juli [11], [29].
- 2018 und 2019 — Amerikanische Ergänzungsanträge fügen Daten zur Nierenerkrankung und zur Kombination mit einem Hemmstoff des Natrium-Glukose-Transporters hinzu [31], [32].
- 2020 — Am 21. Februar kommt das Herz-Kreislauf-Gebiet hinzu, am 3. September weitere Stärken [16], [25].
- 2022 — Am 17. November sinkt das zugelassene Mindestalter auf 10 Jahre [27].
- 2023 — Die europäische Arzneimittelbehörde veröffentlicht am 28. August eine Meldung über einen Lieferengpass [30].
- 2026 — Dieser Engpass gilt als behoben, und die amerikanische Produktinformation verschärft im März ihre Warnung vor schweren Magen-Darm-Reaktionen [30], [4].
| Land | Status | Frühestes belegtes Datum | Rechtlicher Status |
|---|---|---|---|
| USA | Zugelassen | 2014-09-18 | Verschreibungspflichtig |
| Europäische Union | Zugelassen | 2014-11-21 | Verschreibungspflichtig |
| Deutschland | Zugelassen | 2014-11-21 | Verschreibungspflichtig |
| Großbritannien | Zugelassen | 2014-11-21 | Verschreibungspflichtig |
| Australien | Eingestuft | 2026-05-28 | Verschreibungspflichtig |
| Kanada | Im Handel | 2016-01-08 | Verschreibungspflichtig |
| Schweiz | Zugelassen | 2015-05-06 | Verschreibungspflichtig |
| Japan | Zugelassen | 2015-07-03 | Verschreibungspflichtig |
Drei Einträge brauchen eine Erläuterung. Die britischen Zulassungen wurden aus den europäischen übernommen und stehen heute unter vier nationalen Nummern [33], [34]. Das australische Datum ist das der aktuellen Gifteinstufung und nicht das der ersten Registrierung, weil das Register selbst nicht erreichbar war [35], [36].
Das kanadische Datum ist der Beginn des Vertriebs des Pen-Produkts; das Datum der ersten behördlichen Freigabe ließ sich nicht ermitteln [37], [38]. Zwei Länder blieben ganz offen. Das russische Register lieferte selbst auf eine Kontrollabfrage nichts, und China wurde nicht anhand einer amtlichen Quelle geprüft [39].
Die zugelassenen Anwendungsgebiete unterscheiden sich von Land zu Land. Die USA führen zwei auf: Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren sowie die Senkung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Erwachsenen mit Zuckerkrankheit und entweder bestehender Herzerkrankung oder mehreren Risikofaktoren [4]. Europa führt Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren auf und sonst nichts [5].
Die Schweiz ist das einzige weitere Land dieser Seite, dessen Register die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Ereignissen im Anwendungsgebiet nennt [11].
Weil es in keinem Land eine Zulassung gegen starkes Übergewicht gibt, stellt sich die deutsche Frage nach der Kostenübernahme für eine Gewichtsbehandlung hier gar nicht erst. Dulaglutid ist ein Diabetesmittel und fällt nicht unter den gesetzlichen Ausschluss für Lebensstilpräparate [40].
Lieferengpässe, und was daraus nicht folgt. Die europäische Engpassmeldung wurde am 28. August 2023 eröffnet und betraf alle vier Stärken des Pens. Sie wurde als behoben gekennzeichnet, zuletzt aktualisiert am 17. Februar 2026 [30].
Für die USA lässt sich Vergleichbares nicht zeigen. Der Wirkstoff fehlt heute in der Engpassdatenbank, und behobene Einträge verschwinden mit der Zeit daraus. Ein früherer amerikanischer Engpass lässt sich deshalb weder belegen noch ausschließen [41], [42].
Verordnungszahlen zeigen, wie sich Engpässe auf eine ganze Wirkstoffgruppe auswirken. In Australien stiegen die Verordnungen von Dulaglutid zwischen April und Juli 2022 um 53 Prozent, während Semaglutid zurückging, und fielen ab August um 17 Prozent [43].
Eine britische Zeitreihenanalyse datiert den Beginn der dortigen Knappheit auf Juli 2023 [44]. Eine Übersichtsarbeit beschreibt eine erzwungene Pause über sämtliche verfügbaren Wirkstoffe dieser Gruppe hinweg [45].
Ein Absetzen hat Folgen. Bei 69 Menschen, die den Wirkstoff während der weltweiten Knappheit absetzen mussten, stieg HbA1c binnen drei Monaten von 7,0 auf 8,1 Prozent. Der Nüchternblutzucker stieg von 129 auf 156 mg pro Deziliter (p < 0,001 für beides) [46].
Warum es keine rechtmäßige Apothekenanfertigung geben kann. Hier liegt der schärfste Unterschied zu Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid. Diese sind in den USA als Arzneimittel zugelassen, und solange sie auf einer Engpassliste stehen, erlaubt das Gesetz Apotheken den Nachbau [8].
Dulaglutid ist stattdessen als biologisches Arzneimittel nach einer anderen Rechtsgrundlage zugelassen [1]. Die US-Arzneimittelbehörde formuliert es unmissverständlich: „Can biologics be compounded? No. Biological products are not eligible for the exemptions for compounded drugs under sections 503A and 503B of the FD&C Act.“ („Dürfen Biologika in der Apotheke angefertigt werden? Nein. Biologische Arzneimittel fallen nicht unter die Ausnahmen für Apothekenanfertigungen nach den Abschnitten 503A und 503B des FD&C Act.“) [8]
Es gibt also keinen rechtmäßigen Weg zu einer Apothekenanfertigung von Dulaglutid, mit oder ohne Engpass. Der Wirkstoff fehlt ebenso in der Liste der Grundstoffe für Apothekenanfertigungen wie auf der amerikanischen Warnseite zu nicht zugelassenen GLP-1-Produkten, die andere Wirkstoffe nennt [47], [48]. Den größeren Rahmen beschreiben die Seiten Sind Peptide legal und Von der FDA zugelassene Peptide.
Der Graumarkt, und warum er hier anders aussieht. Eine gezielte Literatursuche nach gefälschtem oder illegal verkauftem Dulaglutid ergab nichts, während dieselben Suchen zu Semaglutid mehrere Arbeiten liefern [49]. Der Grund ist bauartbedingt und keineswegs beruhigend: Ein 63 Kilodalton schweres Eiweiß aus der Zellkultur lässt sich in den Werkstätten, die kurze Forschungspeptide liefern, nicht herstellen [4].
Wo der Wirkstoff die geregelte Lieferkette doch verlässt, beschreibt die Literatur abgezweigte oder gefälschte Fertigpens und den Kauf in Online-Apotheken, nicht aber Rohpulver [50], [51].
Eine Auswertung von Sicherheitsmeldungen fand in dieser Wirkstoffgruppe 3.348 Berichte über versehentliche Überdosierung. Die Meldequoten waren für jeden Wirkstoff der Gruppe erhöht, Dulaglutid eingeschlossen (zwischen 2,64 und 61,12; alle p < 0,008) [50]. Eine gesonderte Untersuchung zu Fälschungsverdacht fand 234 Fallberichte, davon 89,3 Prozent schwerwiegend, betrachtete allerdings Semaglutid [52].
Ein Biosimilar ist nirgends zugelassen, und die amerikanische Wirkstoffsuche liefert genau einen Antrag [1]. An der Entwicklung wird gearbeitet: Eine Arbeitsgruppe berichtet von einer Produktionszelllinie für ein dulaglutidähnliches Eiweiß, die 1,05 Gramm je Liter erreicht [53].
Jede Angabe dieses Abschnitts beschreibt den Stand vom 10. September 2026.
Anti-Doping
Dulaglutid ist im Sport nicht verboten. Auf der Verbotsliste für 2026 kommt der Wirkstoff nirgends vor, weder für den Wettkampf noch für die Zeit außerhalb, und eine medizinische Ausnahmegenehmigung ist für den Stoff als solchen nicht nötig [54].
Er wird nicht einmal beobachtet. Das Beobachtungsprogramm 2026 nennt „Markers of Semaglutide and Tirzepatide“ („Nachweisstoffe von Semaglutid und Tirzepatid“) und keinen weiteren Wirkstoff dieser Gruppe [55]. Die deutsche Anti-Doping-Anlage führt ihn ebenfalls nicht auf [56].
Über Sicherheit oder Arzneimittelrecht sagt das nichts aus. Die Rezeptpflicht und die hervorgehobene amerikanische Warnung gelten unabhängig davon. Das größere Bild steht unter Im Sport verbotene Peptide.
Vergleich mit verwandten Peptiden
| Wirkstoff | Woran er andockt | Was das Molekül ist | Ergebnis im direkten Vergleich mit Dulaglutid |
|---|---|---|---|
| Dulaglutid | GLP-1 | Fusionseiweiß mit Antikörperschwanz, etwa 63 Kilodalton [4] | Entfällt |
| Semaglutid | GLP-1 | Kurzes Peptid mit einer Fettkette [6] | In beiden Punkten besser: Gewicht −6,5 gegenüber −3,0 Kilogramm in 40 Wochen, n = 1.201 [6] |
| Liraglutid | GLP-1 | Kurzes Peptid mit einer Fettkette, 3.751 Dalton [15] | Gleichstand beim Blutzucker: −1,36 gegenüber −1,42 Punkten in 26 Wochen, n = 599 [26] |
| Tirzepatid | GIP und GLP-1 | Siehe die eigene Seite | In den Quellen dieser Seite keiner |
| Exenatid | GLP-1 | Siehe die eigene Seite | Dulaglutid war überlegen: HbA1c −1,51 und −1,30 gegenüber −0,99 Punkten, n = 978 [57] |
Zwei dieser Vergleiche waren echte Direktvergleiche, und sie weisen in entgegengesetzte Richtungen. Gegen Liraglutid sollte Dulaglutid nur beweisen, dass es nicht schlechter ist, und das gelang [26]. Gegen Semaglutid unterlag es deutlich, beim Blutzucker wie beim Gewicht [6].
Aus der Reihe fällt Dulaglutid nicht wegen der Stärke seiner Wirkung, sondern wegen seines Aufbaus. Es ist der einzige Wirkstoff dieser Tabelle, der als Antikörper-Fusionseiweiß gebaut ist, und genau deshalb gilt er rechtlich als biologisches Arzneimittel [4], [1].
Diese eine Tatsache hat mehr rechtliche Folgen als jedes Studienergebnis. Sie ist der Grund, warum in den USA keine Apothekenanfertigung rechtmäßig sein kann und warum eine Kopie eine eigene Biosimilar-Zulassung bräuchte statt des Wegs über ein Nachahmerpräparat [8], [1].
Verbreitete Irrtümer
- „Dulaglutid, Semaglutid und Tirzepatid sind untereinander austauschbare Abnehmspritzen.“ Dulaglutid hat in keinem Land eine Zulassung zur Gewichtsabnahme. Im direkten Vergleich war seine Wirkung auf das Gewicht weniger als halb so groß wie die von Semaglutid, nämlich 3,0 gegenüber 6,5 Kilogramm [4], [6].
- „Es ist ein Peptid wie die anderen.“ Es ist ein Fusionseiweiß von etwa 63 Kilodalton und damit rund siebzehnmal so schwer wie Liraglutid mit 3.751 Dalton. Deshalb gilt es rechtlich als Biologikum und lässt sich chemisch nicht herstellen [4], [15].
- „Wöchentlich heißt stärker als täglich.“ Der Abstand richtet sich nach der Halbwertszeit von etwa fünf Tagen und nicht nach der Stärke. Gegen das tägliche Liraglutid war der wöchentliche Wirkstoff lediglich nicht schlechter, mit einem Abstand von 0,06 Punkten [4], [26].
- „Was für Semaglutid aus der Apotheke gilt, gilt hier auch.“ Das trifft nicht zu. Semaglutid ist als Arzneimittel zugelassen, Dulaglutid als Biologikum, und die US-Arzneimittelbehörde stellt fest, dass Biologika überhaupt nicht in der Apotheke angefertigt werden dürfen [8], [1].
- „Das Herz-Kreislauf-Gebiet ist überall zugelassen.“ Die amerikanische Produktinformation führt es seit dem 21. Februar 2020, und das Schweizer Register nennt es im Anwendungsgebiet. Der europäische Text beschränkt sich auf Typ-2-Diabetes [16], [11], [5].
- „Im Sport ist es unbedenklich, weil keine Liste es nennt.“ Es steht weder auf der Verbotsliste noch im Beobachtungsprogramm, bleibt aber überall verschreibungspflichtig und trägt in den USA eine hervorgehobene Warnung [54], [55], [4].
Häufige Fragen
Ist Dulaglutid verschreibungspflichtig?
Ja, in jedem Land, das auf dieser Seite vorkommt. Zugelassen ist der Wirkstoff in den USA, der Europäischen Union, Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada, der Schweiz und Japan, und überall gibt es ihn nur gegen Rezept. Er gilt außerdem als biologisches Arzneimittel und nicht als Forschungschemikalie.
Ist Dulaglutid zur Gewichtsabnahme zugelassen?
Nein, in keinem Land. Zugelassen ist er bei Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren und in den USA zusätzlich zur Senkung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Erwachsenen mit Zuckerkrankheit. In der Studie mit Kindern und Jugendlichen zeigte der Körpermassenindex gegenüber dem Scheinmedikament überhaupt keinen Unterschied.
Was hat die Herz-Kreislauf-Studie zu Dulaglutid ergeben?
Unter 9.901 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die im Median 5,4 Jahre begleitet wurden, traf ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis 12,0 Prozent, unter dem Scheinmedikament 13,4 Prozent. Das entspricht einem um rund 12 Prozent geringeren Risiko. Die Sterblichkeit jeder Ursache sank nicht klar: 10,8 Prozent gegenüber 12,0 Prozent.
Wie schneidet Dulaglutid im Vergleich mit Semaglutid ab?
Schlechter, und zwar in der einzigen Studie, die beide nebeneinanderstellte. In 40 Wochen sank das Gewicht bei 1.201 Erwachsenen unter Dulaglutid um 3,0 Kilogramm, unter Semaglutid um 6,5 Kilogramm, und der Blutzuckerwert fiel um 0,41 Punkte weniger. Diese Studie führte der Hersteller des Vergleichswirkstoffs durch.
Welche Nebenwirkungen von Dulaglutid treten am häufigsten auf?
Magen-Darm-Beschwerden. In den zusammengefassten Studien gegen Scheinmedikament klagten 12,4 und 21,1 Prozent der beiden Stärkegruppen über Übelkeit, unter dem Scheinmedikament 5,3 Prozent; erbrechen mussten 6,0 und 12,7 Prozent gegenüber 2,3 Prozent. Beschwerden dieser Art überhaupt hatten 32 und 41 Prozent gegenüber 21 Prozent.
Worum geht es in der Black-Box-Warnung zu Dulaglutid?
Die amtliche US-Produktinformation warnt in einem hervorgehobenen Kasten vor Tumoren einer bestimmten Schilddrüsenzelle. Bei männlichen wie weiblichen Ratten treten sie umso häufiger auf, je mehr die Tiere bekommen und je länger sie es bekommen. Ob dasselbe beim Menschen geschieht, weiß niemand. Der europäische Text enthält keine solche Warnung.
Warum stehen auf dieser Seite keine Dosierungen von Dulaglutid?
Weil Dulaglutid überall dort, wo es zugelassen ist, ein Rezept voraussetzt und die Wahl der Menge zur amtlichen Produktinformation und zur Ärztin oder zum Arzt gehört, die das Rezept ausstellen. Diese Seite spricht deshalb nur von einer niedrigeren, mittleren oder höheren geprüften Stufe.
Kann Dulaglutid wie Semaglutid in der Apotheke nachgebaut werden?
Nein. Dulaglutid ist in den USA als biologisches Arzneimittel zugelassen, und die US-Arzneimittelbehörde stellt fest, dass für Biologika die Ausnahmen für Apothekenanfertigungen überhaupt nicht gelten. Das gilt unabhängig davon, ob der Stoff knapp ist, und darin unterscheidet er sich von Semaglutid und Liraglutid.
Ist Dulaglutid im Sport verboten?
Nein. Auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur für 2026 kommt der Wirkstoff nirgends vor, weder für den Wettkampf noch für die Zeit außerhalb, und eine medizinische Ausnahmegenehmigung ist dafür nicht nötig. Auch im Beobachtungsprogramm steht er nicht, das allein Nachweisstoffe von Semaglutid und Tirzepatid nennt. Über die Sicherheit sagt das nichts aus.
Gibt es Nachahmerpräparate von Dulaglutid?
Nein. Weder ein Nachahmerpräparat noch ein Biosimilar ist irgendwo zugelassen, und die US-Wirkstoffsuche liefert genau einen Antrag. Weil es sich um ein biologisches Arzneimittel handelt, bräuchte eine Kopie eine eigene Biosimilar-Zulassung statt des Wegs über ein Nachahmerpräparat. Mehrere Arbeitsgruppen entwickeln Kandidaten.
Quellen
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Die Angaben auf dieser Seite wurden am 10. September 2026 geprüft, und alle Registerabfragen zur Statustabelle erfolgten an diesem Tag. Weil zugelassene Arzneimittel mit der Zeit neue Anwendungsgebiete und neue Warnungen erhalten, sind Version und Datum ebenso wichtig wie der Text selbst.
myPeptides Research & Editing. (2026). Dulaglutid: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit. Version 1.0, 10. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/dulaglutide
Wie die Seiten dieses Registers entstehen und bewertet werden, steht unter Methodik; das vollständige Register findet sich unter Peptide.
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 2026-09-10 | Erstveröffentlichung |
Zuletzt geprüft: 10. September 2026. Nächste Prüfung: bei einer Änderung der amtlichen Produktinformation in einem der erfassten Länder, bei jeder Änderung eines Eintrags zu einem Lieferengpass oder bei jeder Änderung der Anti-Doping-Einstufung.
