L-Carnitin: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit
Zusammenfassung
L-Carnitin ist kein Peptid. Es ist ein kleines Molekül, das der Körper selbst herstellt und zusätzlich aus dem Essen bekommt, vor allem aus rotem Fleisch. Seine Aufgabe ist es, langkettige Fette dorthin zu bringen, wo die Zelle sie verbrennt. Vier Länder lassen es als verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen seltene Stoffwechselkrankheiten und für Dialysepatienten zu. Derselbe Stoff wird frei als Nahrungsergänzung zum Schlucken verkauft. Die Studien zum Abnehmen finden rund ein Kilogramm, und der Effekt wird kleiner, je länger Menschen den Stoff einnehmen. Die europäische Lebensmittelbehörde hat bisher jede Gesundheitsaussage abgelehnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 27. Dezember 1985 in vier Ländern ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Die USA ließen es zuerst zu, die Injektion folgte am 16. Dezember 1992. Großbritannien, Kanada und die Schweiz führen es als verschreibungspflichtig. In Deutschland braucht nur die Spritze ein Rezept, Kapseln bleiben frei im Regal [1], [2], [3], [4], [5].
- Europa hat jede Gesundheitsaussage abgelehnt. Die Lebensmittelbehörde wies 2011 die Aussagen zu Cholesterin, Spermien, Energiestoffwechsel und Schwangerschaft zurück. Eine Aussage zum Fettstoffwechsel scheiterte 2018 [6], [7].
- Rund ein Kilogramm, und es wird mit der Zeit weniger. Neun Studien mit 911 Erwachsenen fanden 1,33 kg weniger Gewicht als in den Kontrollgruppen, 37 Studien mit 2.292 Erwachsenen fanden 1,21 kg. Je länger Menschen den Stoff einnahmen, desto kleiner wurde der Unterschied, und das deutlich (p = 0,002) [8], [9].
- Schlucken füllt den Muskel nicht. Der Carnitingehalt im Muskel stieg nur dann um 21 Prozent, wenn gleichzeitig der Insulinspiegel hochgehalten wurde. Das dauerte 24 Wochen [10].
- Der Darm macht daraus einen Stoff, der mit Herzrisiko zusammenhängt. Menschen, die Fleisch essen, bildeten mehr als zwanzigmal so viel markiertes TMAO wie Veganer und Vegetarier (p = 0,001). Ein hoher TMAO-Wert ging in 19 Studien mit 19.256 Menschen mit einem 1,62-fachen Risiko für schwere Herzereignisse einher [11], [12].
- Die Studien mit harten Ergebnissen scheiterten. Eine Studie nach Herzinfarkt mit 2.330 Patienten verfehlte ihr Hauptziel, 9,2 gegenüber 10,5 Prozent (p = 0,27). Eine Studie bei Blutvergiftung mit 250 Patienten verfehlte ihres ebenfalls. Eine Krebsstudie mit der Acetyl-Form verschlimmerte die Nervenschäden (p = 0,01) [13], [14], [15].
- Nicht auf der Dopingliste, der Tropf aber möglicherweise doch. Die Liste von 2026 nennt den Stoff nicht. Sie verbietet jedoch Infusionen über 100 Milliliter je 12 Stunden, ganz gleich was darin gelöst ist. Das verbotene Medikament Meldonium wirkt genau umgekehrt und senkt den Carnitinwert im Muskel [16].
Was L-Carnitin ist
L-Carnitin ist ein kleines Molekül aus sieben Kohlenstoffatomen, das gleichzeitig eine dauerhaft positive und eine negative Ladung besitzt. In der Chemie heißt so etwas ein Betain. Aminosäuren, die zu einer Kette verknüpft sind, enthält es nicht, also gibt es weder eine Peptidbindung noch eine Sequenz [17].
Der Körper baut es in fünf Schritten aus den Aminosäuren Lysin und Methionin auf, und der letzte Schritt findet vor allem in der Leber statt. Ein Erwachsener hat etwa 20 Gramm davon im Körper, nahezu alles in der Skelettmuskulatur. Rindfleisch ist mit Abstand die reichste Quelle im Essen; in Lachs steckt ungefähr zwölfmal weniger [18], [19].
Als Arzneimittel heißt der Stoff Levocarnitin. Sigma-Tau, heute Leadiant Biosciences, hält die ursprünglichen amerikanischen Zulassungen für die Marke Carnitor. In der Schweiz wird Carnitene verkauft, in Großbritannien eine Trinklösung für Kinder [1], [4], [2].
Kurzprofil
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Name | L-Carnitin; als Arzneimittel Levocarnitin | [17], [20] |
| Stoffklasse | Quartäres Ammonium-Betain, ein vitaminähnlicher Nährstoff, den der Körper selbst herstellt. Kein Peptid | [17] |
| Aufbau | Einzelnes kleines Molekül, keine verknüpften Aminosäuren, keine Peptidbindung | [17] |
| Formel und Masse | C7H15NO3, 161,20 g/mol | [17] |
| Stereochemie | Nur die L-Form wirkt; die D-Form stört die Vorgänge, für die der Körper Carnitin braucht | [17], [21] |
| Halbwertszeit | 17,4 Stunden nach einer Infusion, nach einer schnellen Verteilungsphase von 0,585 Stunden | [21] |
| Aufnahme im Darm | 14 bis 18 Prozent aus den Mengen einer Nahrungsergänzung, gegenüber 54 bis 87 Prozent aus normalem Essen | [22] |
| Status | Verschreibungspflichtiges Arzneimittel in den USA, Großbritannien, Kanada und der Schweiz; zum Einnehmen freie Lebensmittelzutat in der Europäischen Union | [1], [2], [3], [4], [23] |
| Ursprungsfirma | Sigma-Tau, heute Leadiant Biosciences | [1] |
| ATC-Code | A16AA01 | [20] |
| CAS-Nummer | 541-15-1 | [17] |
| UNII | 0G389FZZ9M | [17] |
| PubChem CID | 10917 | [17] |
| InChIKey | PHIQHXFUZVPYII-ZCFIWIBFSA-N | [17] |
| DrugBank | DB00583 | [24] |

Wie es wirkt
Die Biochemie dahinter steht seit Langem im Lehrbuch. Was sie nicht erklärt, ist, warum mehr davon bei jemandem etwas ändern sollte, der ohnehin genug hat [21].
- Es ist die Fähre für das Fett. Langkettige Fettsäuren kommen allein nicht durch die innere Hülle der Mitochondrien, also der Kraftwerke einer Zelle. An Carnitin gebunden schaffen sie es, und erst dort werden sie verbrannt [21].
- Es hält einen zweiten Haushalt im Gleichgewicht. Im Mitochondrium nimmt es überschüssige Acetylgruppen auf, sodass freies Coenzym A für andere Reaktionen verfügbar bleibt [25].
- In das Gewebe gelangt es durch eine einzige Tür. Ein natriumabhängiger Transporter mit dem Namen OCTN2 zieht es in die Zellen. Ist dieser Transporter defekt, entsteht die vererbte Form des Carnitinmangels [21].
- Der Muskelspeicher lässt sich kaum bewegen. Bei Gesunden stieg der Gehalt nur, wenn zugleich der Insulinspiegel hochgetrieben wurde, entweder durch eine fünfstündige Infusion im Labor oder durch monatelange Kohlenhydratgaben in einer Studie. Carnitin allein ließ den Speicher unverändert [25], [10].
- Die Niere verteidigt den Wert, den sie haben will. Normalerweise holt sie 90 bis 99 Prozent der gefilterten Menge zurück. Steigt der Blutspiegel, holt die Niere weniger zurück, und der Wert fällt rasch wieder ab [22].
Der letzte Punkt ist für die ganze Seite wichtig. Der Körper behandelt Carnitin als etwas, das gleich bleiben soll, und nicht als Vorrat, den man auffüllt.
Was die Studien zeigen
L-Carnitin gehört zu den am gründlichsten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt. Dabei zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: kleine Effekte bei Messwerten und Misserfolg bei den Ergebnissen, die darüber entscheiden, ob Menschen besser oder länger leben.
Gewicht und Körperzusammensetzung
Metaanalyse randomisierter Studien Neun Studien mit 911 Erwachsenen fanden im Mittel 1,33 kg weniger als in den Kontrollgruppen. Der Bereich, in dem der wahre Wert mit 95-prozentiger Sicherheit liegt, reichte von 2,09 bis 0,57 kg, und der Körpermasseindex BMI sank um 0,47 Punkte. Eine Auswertung nach Studiendauer zeigte, dass der Effekt umso kleiner ausfiel, je länger eine Studie lief (p = 0,002) [8].
Metaanalyse randomisierter Studien Die größte Auswertung fasste 37 Studien mit 2.292 Erwachsenen zusammen. Das Gewicht sank um 1,21 kg (p unter 0,001), der BMI um 0,24 Punkte und die Fettmasse um 2,08 kg. Bauchumfang und Körperfettanteil veränderten sich nicht. Beschränkte man die Auswertung auf Studien von guter Qualität, blieb allein der Gewichtseffekt übrig [9].
Vier getrennte Auswertungen randomisierter Studien, kein direkter Vergleich untereinander. Die Wertebereiche überlappen sich, und alle vier landen nahe bei einem Kilogramm. Quellen [8], [9], [26], [27].
Metaanalyse randomisierter Studien Eine aktualisierte Auswertung von 43 Studien fand 1,129 kg, mit einem Bereich von 1,590 bis 0,669. Die Streuung zwischen den einzelnen Studien war mit 63,4 Prozent hoch.
Der Körperfettanteil bewegte sich nicht: 0,874 Prozent, mit einem Bereich von 1,890 darunter bis 0,142 darüber. Der Effekt zeigte sich nur zusammen mit einer Änderung des Lebensstils und bei Dialysepatienten überhaupt nicht [26].
Übersicht über Metaanalysen Acht Metaanalysen mit zusammen 16.352 Menschen bestätigten die Größenordnung, statt sie zu ändern. Das Gewicht sank um 1,11 kg (p = 0,005) und der BMI um 0,33 Punkte (p = 0,026). Die Streuung zwischen den Analysen erreichte 90,6 Prozent. Die Studien liefen zwischen 8 und 30 Wochen [27].
Carnitin im Muskel und die Wahl des Brennstoffs
Randomisierte kontrollierte Studie Vierzehn gesunde junge Männer nahmen über 24 Wochen teil, mit Gewebeproben aus dem Muskel. Der Carnitingehalt im Muskel stieg um 21 Prozent (p unter 0,05) und blieb in der Kontrollgruppe unverändert.
Bei mittlerer Anstrengung verbrauchte die Carnitin-Gruppe 55 Prozent weniger Muskelglykogen, also gespeicherten Zucker. Bei harter Anstrengung lag der Milchsäurewert um 44 Prozent niedriger und die Leistung um 11 Prozent über dem Ausgangswert. Der Muskelwert stieg allerdings nur in der Gruppe, die zusätzlich eine große Menge Kohlenhydrate bekam, was den Insulinspiegel hochtreibt. Carnitin allein bewegte den Speicher nicht [10].
Kontrollierte Studie Bei zwölf gesunden Männern über 12 Wochen nahm die Gruppe, die nur Kohlenhydrate bekam, 1,9 kg an Gewicht und 1,8 kg an Fett zu (p unter 0,05). Die Carnitin-Gruppe nahm weder das eine noch das andere zu. Ihr Carnitingehalt im Muskel stieg um 20 Prozent, der Energieverbrauch des ganzen Körpers um 6 Prozent. Sechs Männer je Gruppe sind allerdings eine sehr kleine Studie [28].
Randomisierte kontrollierte Studie Vierzehn gesunde Männer im Durchschnittsalter von 69 Jahren nahmen den Stoff 25 Wochen lang ein. Der Carnitingehalt im Muskel stieg von 20,1 auf 23,9 Millimol je Kilogramm trockener Muskelmasse (p unter 0,01). Die Fettverbrennung während der Belastung nahm um 20 Prozent zu. An der Insulinempfindlichkeit änderte sich überhaupt nichts [29].
Muskelkater und sportliche Leistung
Metaanalyse randomisierter Studien Sieben Studien fanden weniger Muskelkater zu allen fünf Messzeitpunkten, von direkt nach der Belastung bis 96 Stunden danach. Die Blutwerte Kreatinkinase, Myoglobin und Laktatdehydrogenase, die eine Schädigung des Muskels anzeigen, waren nur nach 24 Stunden niedriger. Der Effekt zeigte sich bei Krafttrainierenden ebenso wie bei Untrainierten [30].
Übersicht über Metaanalysen Über 53 Metaanalysen hinweg senkte L-Carnitin die Kreatinkinase und den Muskelkater, mit mittlerer Verlässlichkeit nach dem GRADE-System zur Bewertung von Studienlagen. Damit steht es in derselben Gruppe wie HMB, verzweigtkettige Aminosäuren, Kurkumin und Ginseng [31].
Systematische Übersicht Elf Studien zur Leistungsfähigkeit wurden gesichtet, ohne die Ergebnisse zusammenzurechnen; fünf davon gaben den Stoff über 4 bis 24 Wochen, sechs als einmalige Gabe. Berichtet wurden unter anderem ein geringeres Anstrengungsempfinden und eine höhere Spitzenleistung. Die Autoren lehnten es ab, so unterschiedliche Präparate zu einer einzigen Zahl zu verrechnen [32].
Blutzucker, Blutfette und Leberwerte
Metaanalyse randomisierter Studien 21 Studien umfassten 2.041 Menschen mit Typ-2-Diabetes. Die Auswertung gab ihre Ergebnisse je Einheit der eingenommenen Menge an, weshalb die Effektgrößen auf dieser Seite nicht wiedergegeben werden. Alle waren klein. Nach dem GRADE-System war die Verlässlichkeit niedrig für den BMI, mittel für den Langzeitzuckerwert HbA1c und hoch für das LDL-Cholesterin. Die Streuung zwischen den Studien lag durchweg über 90 Prozent, und die Autoren bitten um eine sehr vorsichtige Lesart [33].
Metaanalyse randomisierter Studien 18 Studien umfassten 1.161 Erwachsene, überwiegend mit einer Lebererkrankung. Der Leberwert ALT lag um 8,65 internationale Einheiten je Liter niedriger, AST um 8,52 und Gamma-GT um 8,80. Nach dem NutriGrade-System war die Verlässlichkeit mittel für ALT und AST und niedrig für Gamma-GT. Das sind Laborwerte und keine gesundheitlichen Ergebnisse [34].
Metaanalyse randomisierter Studien Bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas sank der Nüchternblutzucker um 2,93 Milligramm je Deziliter. Das Nüchterninsulin sank um 3,54 Mikroeinheiten je Milliliter und der HOMA-IR-Index, ein Maß dafür, wie gut Insulin noch wirkt, um 0,69. Eine begleitende Auswertung von zehn Studien fand die Triglyzeride um 8,01 Milligramm je Deziliter niedriger und das Gesamtcholesterin um 7,85. Das HDL-Cholesterin blieb unverändert [35], [36].
Metaanalyse randomisierter Studien Sechs Studien mit 672 Frauen mit dem Syndrom der polyzystischen Eierstöcke fanden niedrigere Werte für Cholesterin, Triglyzeride, Gewicht, BMI und Bauchumfang, alle mit p unter 0,05. Am Zuckerstoffwechsel änderte sich nichts Bedeutsames [37].
Dialyse und Herz
Randomisierte kontrollierte Studie Die Studie teilte 222 Dialysepatienten mit niedrigem Carnitinwert im Blut zufällig zu und wertete 148 von ihnen aus. Die Pumpleistung des Herzens, die sogenannte Auswurffraktion, stieg um 5,43 Prozent, während sie in der Kontrollgruppe um 0,14 Prozent fiel (p unter 0,001). Die Muskelmasse der linken Herzkammer nahm um 8,89 Gramm je Quadratmeter ab. Die Studie lief offen, es gab also keine Scheinbehandlung [38].
Metaanalyse 27 Studien an Dialysepatienten berichten große Unterschiede bei Albumin, Gesamteiweiß, Transferrin und Präalbumin. Das sind alles Laborwerte, und die einzelnen Studien waren meist klein [39].
Metaanalyse kontrollierter Studien 13 Studien umfassten 3.629 Menschen nach einem Herzinfarkt. Die Sterblichkeit aus allen Gründen lag um 27 Prozent niedriger (Odds Ratio 0,73; p = 0,05). Herzrhythmusstörungen aus der Herzkammer traten um 65 Prozent seltener auf, Anfälle von Brustenge um 40 Prozent seltener. An Herzschwäche und erneutem Infarkt änderte sich nichts. Die meisten dieser Studien stammen aus der Zeit vor der heutigen Behandlung, bei der das verschlossene Gefäß rasch wieder geöffnet wird [40].
Randomisierte kontrollierte Studie Bei 472 Patienten nach einem ersten Vorderwandinfarkt fiel die Vergrößerung der Herzkammer nach 3, 6 und 12 Monaten geringer aus. Bei der Auswurffraktion gab es keinen Unterschied. Tod und Herzschwäche nach der Entlassung betrafen 14 von 233 Menschen gegenüber 23 von 239, was statistisch nicht bedeutsam war [41].
Ziele, die verfehlt wurden
Randomisierte kontrollierte Studie Die Folgestudie nahm statt der geplanten 4.000 nur 2.330 Patienten auf und wurde wegen der schleppenden Rekrutierung vorzeitig beendet. Tod und Herzschwäche nach sechs Monaten lagen bei 9,2 gegenüber 10,5 Prozent (p = 0,27). Nur bei einem Nebenergebnis, der Sterblichkeit am fünften Tag, fiel das Ergebnis zugunsten der Behandlung aus (Hazard Ratio 0,61; p = 0,041) [13].
Randomisierte Doppelblindstudie mit 2.330 Patienten nach einem Vorderwandinfarkt, vorzeitig beendet. Der Unterschied war statistisch nicht bedeutsam (p = 0,27). Quelle [13].
Randomisierte Phase-2-Studie Die Studie nahm 250 Erwachsene mit einem septischen Schock an 16 amerikanischen Zentren auf. Die Punktwerte für Organversagen sanken nach 48 Stunden in den drei Behandlungsgruppen um 1,27, 1,66 und 1,97 Punkte, gegenüber 1,63 unter Scheinbehandlung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die höchste Gruppe überlegen war, erreichte 0,78 und blieb damit unter der vorab festgelegten Schwelle von 0,90.
Nach 28 Tagen waren 45,9 Prozent unter Scheinbehandlung gestorben und 43,3 Prozent in der höchsten Gruppe [14].
Randomisierte Phase-3-Studie Die Studie gab 409 Frauen unter einer Chemotherapie mit Taxanen Acetyl-L-Carnitin. Nach 12 Wochen zeigte sich kein Vorteil, und nach 24 Wochen war der Wert für die Nervenschädigung deutlich schlechter (p = 0,01).
Schwere Nervenschäden traten achtmal auf, gegenüber einem einzigen Fall unter Scheinbehandlung. Die Autoren beschreiben es als die erste ihnen bekannte Studie, in der ein Nahrungsergänzungsmittel diese Nebenwirkung verstärkt hat [15].
Eine Leitlinie aus der Krebsmedizin rät heute davon ab, den Stoff zu diesem Zweck einzusetzen, weil ein Schaden möglich ist [42].
Übersicht über systematische Arbeiten Eine Durchsicht von 22 systematischen Übersichtsarbeiten befasste sich mit chronischer Herzschwäche. Ihr Ergebnis: Ob L-Carnitin und andere Ergänzungsmittel nützen, bleibt unklar. Nur Coenzym Q10 und Tai-Chi erreichten eine mittlere Verlässlichkeit [43].
Metaanalyse randomisierter Studien Acht Studien zur Fruchtbarkeit fanden eine bessere Beweglichkeit und Form der Spermien, aber keine Änderung ihrer Zahl. In den fünf Studien, die auch Schwangerschaften erfassten, änderte sich die Schwangerschaftsrate nicht [44]. Eine gesonderte Studie mit 60 Männern mit schlecht beweglichen Spermien fand die deutlichste Besserung bei denen, die am schlechtesten begonnen hatten, und berichtete nichts über Schwangerschaften [45].
TMAO, der Stoff, der daraus entsteht
Studie an Menschen und Tieren Darmbakterien bauen L-Carnitin zu Trimethylamin ab, das die Leber zu TMAO umwandelt. Bei 2.595 Menschen, deren Herz untersucht wurde, sagte ein hoher Carnitinwert im Blut Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie spätere Infarkte, Schlaganfälle und Todesfälle voraus. Das galt allerdings nur bei denen, die zugleich einen hohen TMAO-Wert hatten.
Bei Mäusen beschleunigte Carnitin die Arterienverkalkung, und sobald die Darmflora unterdrückt wurde, verschwand dieser Effekt [46].
Isotopenstudie am Menschen Vierzig Fleischesser sowie 32 Vegetarier und Veganer erhielten markiertes L-Carnitin. Die Fleischesser bildeten daraus mehr als zwanzigmal so viel markiertes TMAO (p = 0,001). Der entscheidende zweite Schritt dieses Wegs wird durch gemischte Kost und durch dauerhafte Einnahme angeschaltet. Ein einziges Bakterium mit dem Namen Emergencia timonensis führt ihn aus [11].
Metaanalyse vorausschauender Beobachtungsstudien Die Auswertung umfasste 19 Studien mit 19.256 Menschen und 3.315 Ereignissen. Ein hoher TMAO-Wert ging mit einem 1,62-fachen Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse und einem 1,63-fachen Risiko für Tod jeder Ursache einher. Für erhöhte Vorstufen, ausdrücklich auch für L-Carnitin selbst, lag das Risiko etwa 1,3- bis 1,4-fach höher [12].
Metaanalyse vorausschauender Beobachtungsstudien Eine zweite Auswertung verfolgte 26.167 Menschen über durchschnittlich 4,3 Jahre. Das Risiko zu sterben war 1,91-fach erhöht (p unter 0,0001), das für schwere Ereignisse an Herz und Hirngefäßen 1,67-fach. Je 10 Mikromol je Liter TMAO stieg das relative Sterberisiko um 7,6 Prozent [47].
Das ist ein Zusammenhang beim Menschen, eine Ursache-Wirkungs-Beziehung dagegen nur bei Mäusen. Trotzdem bleibt es die wichtigste offene Frage, wenn jemand L-Carnitin über Jahre einnimmt [46], [12].
Was weiterhin unbekannt ist
- Ob das TMAO, das durch die Einnahme entsteht, das Herz-Kreislauf-Risiko beim Menschen tatsächlich erhöht. Keine Studie hat das je gemessen [11].
- Ob der kleine Gewichtsunterschied gesundheitlich etwas bedeutet, wo er doch mit der Zeit verblasst und nur zusammen mit einer Änderung des Lebensstils auftritt [8], [26].
- Was eine langfristige Einnahme bei Gesunden bewirkt, sobald die Mengen über dem liegen, was die förmliche Risikobewertung abdeckt [48].
- Ob eine Injektion für das Gewicht überhaupt etwas bringt. Keine einzige kontrollierte Studie hat das geprüft [21].
- Ob der Stoff über ein ganzes Leben hinweg Krebs auslöst. Langzeitstudien dazu wurden nie durchgeführt [21].
Nebenwirkungen und Sicherheit
L-Carnitin wird im Allgemeinen gut vertragen, und die amerikanische Fachinformation nennt überhaupt keine Gegenanzeigen. Das ist eine Aussage über die zugelassene Anwendung bei Patienten und kein Freibrief für alles, was jemand sonst damit anstellt [21].
- Die Häufigkeitstabelle stammt von sehr kranken Menschen. Die amerikanische Fachinformation listet alle Ereignisse ab fünf Prozent bei Dialysepatienten auf, ohne die Ursache zu bewerten. Kopfschmerzen erreichten 22 Prozent gegenüber 16 unter Scheinbehandlung, Bluthochdruck 20 gegenüber 14, Durchfall 16 gegenüber 19 und Erbrechen 15 gegenüber 16. Reaktionen an der Einstichstelle traten bei 33 Prozent gegenüber 59 Prozent auf [21].
- Schwere allergische Reaktionen stehen in der Fachinformation. Anaphylaxie, eine Schwellung des Kehlkopfs und ein Verkrampfen der Bronchien sind unter den Warnhinweisen aufgeführt, teils wenige Minuten nach einer Injektion. Für die Formen zum Einnehmen werden Hautausschlag, Nesselsucht und Schwellungen im Gesicht berichtet [21], [49].
- Krampfanfälle wurden nach der Zulassung gemeldet. Die Fachinformation hält fest, dass Krampfanfälle sowohl nach dem Einnehmen als auch nach der Gabe in die Vene aufgetreten sind. Betroffen waren auch Menschen, die vorher nie einen Anfall hatten. Bei Menschen mit einer bekannten Epilepsie wurden die Anfälle häufiger oder schwerer [21].
- Bei schwacher Niere sammeln sich Abbauprodukte an. Die Fachinformation warnt, dass sich bei dauerhaft hoher Einnahme und stark eingeschränkter Nierenfunktion Trimethylamin und TMAO anhäufen können. Das gilt auch unter Dialyse. Bei sechs Dialysepatienten stieg der Carnitinwert im Blut binnen zwölf Tagen von 32,4 auf 66,1 Mikromol je Liter und der TMAO-Wert von 289,1 auf 529,0, beides mit p unter 0,05 [21], [50].
- Der fischige Körpergeruch kommt aus derselben Chemie. Trimethylamin ist der Stoff hinter der vererbten Krankheit, die genau diesen Geruch verursacht. Der Geruch ist als Nebenwirkung aufgeführt [51], [21].
- Es beeinflusst die Wirkung von Warfarin. Ein Anstieg des Gerinnungswerts INR wurde beobachtet, und die Fachinformation verlangt eine Kontrolle nach dem Beginn der Behandlung [21].
- Tierversuche zur Fortpflanzung blieben unauffällig. Ratten und Kaninchen zeigten keine Schäden bis zum 3,8-Fachen der Menge, die ein Mensch bezogen auf die Körperoberfläche erhält. Ausreichende Untersuchungen an Schwangeren fehlen [21].
- Tests auf Erbgutschäden fielen negativ aus, auf Krebs wurde nie geprüft. Drei Standardtests blieben ohne Befund. Eine Langzeitstudie zu Krebs gibt es nicht [21].
- Eine akute Überdosis ist nie berichtet worden. Die Fachinformation verzeichnet keinen Vergiftungsfall durch eine Überdosis und weist darauf hin, dass sich Carnitin durch Dialyse leicht aus dem Blut entfernen lässt. Versuche an Ratten und Mäusen ergaben tödliche Mengen weit oberhalb dessen, was beim Menschen eingesetzt wird. Große Mengen zum Einnehmen führen zu Durchfall [21].
- Zur langfristigen Sicherheit gibt es wenig Literatur. Eine förmliche Risikobewertung leitete eine Menge ab, die bei dauerhafter Einnahme als unbedenklich beobachtet wurde; diese Seite gibt sie nicht wieder. Höhere Mengen wurden ohne Schaden getestet, doch die Daten erlauben keine feste Aussage über eine Einnahme über Jahre [48].
Warum diese Seite keine Dosierungen nennt
L-Carnitin ist in den USA, Großbritannien, Kanada und der Schweiz ein zugelassenes verschreibungspflichtiges Arzneimittel, und in Deutschland ist die Form zum Spritzen verschreibungspflichtig. Wo ein Arzneimittel zugelassen ist, gehört die Dosierung in die amtliche Produktinformation und in die Hand der behandelnden Ärztin, des behandelnden Arztes oder der Apotheke, nicht auf eine Nachschlageseite.
Die Mengen, mit denen die oben beschriebenen Studien gearbeitet haben, wurden für genau diese Studien gewählt, bei Patienten mit festgelegten Erkrankungen oder unter Laborbedingungen. Keine davon lässt sich auf gesunde Leserinnen und Leser übertragen. Diese Seite nennt deshalb keine Mengen, keine Konzentrationen, keine Zeitpläne und keine Anleitungen, in keine Richtung.
Entwicklungsstand und Zulassung
Vom Mittel gegen eine seltene Krankheit zum Fatburner-Tropf
- 1985Erste Zulassung in den USATabletten und Trinklösung am 27. Dezember zugelassen, gegen den primären systemischen Carnitinmangel, Quelle [1]
- 1992Die Injektion wird zugelassenLösung für die Vene am 16. Dezember zugelassen, für angeborene Stoffwechselkrankheiten und für die Dialyse, Quelle [1]
- 1995Studie zum Umbau des Herzens472 Patienten, geringere Zunahme des Kammervolumens, unveränderte Pumpleistung, Quelle [41]
- 2006Die große Herzstudie verfehlt ihr Ziel2.330 Patienten, 9,2 gegenüber 10,5 Prozent, p = 0,27, vorzeitig beendet, Quelle [13]
- 2011Europa lehnt die ersten Aussagen abAussagen zu Cholesterin, Spermien, Energiestoffwechsel und Schwangerschaft allesamt zurückgewiesen, Quelle [6]
- 2013Der TMAO-BefundDarmbakterien machen aus Carnitin einen Stoff, der bei Mäusen die Arterienverkalkung fördert, Quelle [46]
- 2016Pflicht in der SäuglingsnahrungEuropäisches Recht legt einen Mindestgehalt für Säuglingsanfangsnahrung fest, Quelle [52]
- 2018Europa lehnt die Aussage zum Fettstoffwechsel abEin ursächlicher Zusammenhang wurde nicht nachgewiesen, Quelle [7]
- 2026Stand vom 10. SeptemberVerschreibungspflichtiges Arzneimittel in vier Märkten, zum Einnehmen freie Lebensmittelzutat in der Europäischen Union
| Markt | Zum Einnehmen | Als Arzneimittel | Injektion zum Abnehmen |
|---|---|---|---|
| USA | Nahrungsergänzung | Verschreibungspflichtig | Nicht zugelassen |
| Großbritannien | Nahrungsergänzung | Verschreibungspflichtig | Nicht zugelassen |
| Kanada | Nahrungsergänzung | Verschreibungspflichtig | Nicht zugelassen |
| Schweiz | Nahrungsergänzung | Verschreibungspflichtig | Nicht zugelassen |
| Deutschland | Frei verkäuflich | Verschreibungspflichtig | Nicht zugelassen |
| Europäische Union | Erlaubt | Nur auf nationaler Ebene | Nicht zugelassen |
| Australien | Nicht geprüft | Nicht geprüft | Nicht zugelassen |
Der Status wurde am 10. September 2026 geprüft. Drei Punkte gehören genauer erklärt.
In Deutschland ist der Stoff rechtlich zweigeteilt. Die Verschreibungsverordnung führt den Eintrag „L-Carnitin – zur parenteralen Anwendung –“, also für die Gabe unter Umgehung des Darms. Deshalb braucht nur die Spritze ein Rezept, Kapseln dagegen nicht [5]. Wer eine im Ausland gekaufte Ampulle spritzt, wendet ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ohne Rezept an.
Die Europäische Union hat kein zentral zugelassenes Carnitin-Arzneimittel. Eine Volltextsuche in der Liste der Behörde blieb ohne Treffer, während eine Kontrollsuche funktionierte [53]. Das Lebensmittelrecht erlaubt den Stoff dagegen ausdrücklich als Zutat [23]. Säuglingsanfangsnahrung muss mindestens 0,3 Milligramm je 100 Kilojoule enthalten, was 1,2 Milligramm je 100 Kilokalorien entspricht [52].
Die Angaben zu Australien sind ungeprüft. Der dortige Giftstoff-Standard enthält keinen Eintrag zu Carnitin, das Arzneimittelregister selbst war am Prüftag jedoch nicht erreichbar [54].
In den USA steht L-Carnitin auf keiner der Listen für Ausgangsstoffe zur Herstellung in Apotheken, weil es bereits Teil eines zugelassenen Arzneimittels ist. Acetyl-L-Carnitin steht dort sehr wohl, in Kategorie 1 und weiterhin in Prüfung [55]. Keiner der beiden Stoffe steht auf der Liste jener Substanzen, die erhebliche Sicherheitsrisiken bergen können [56].
Amerikanische Beanstandungsschreiben zu Carnitin richten sich gegen Gesundheitsaussagen für Nahrungsergänzungsmittel, nicht gegen den Stoff selbst [57]. Den größeren Zusammenhang erklärt die Seite Sind Peptide legal.
Anti-Doping
L-Carnitin wird auf der Verbotsliste 2026 nicht genannt, und die Auffangklausel für nicht zugelassene Stoffe greift hier nicht. Diese Klausel setzt voraus, dass es nirgends eine staatliche Zulassung für die Anwendung am Menschen gibt, und vier Länder haben den Stoff zugelassen [16].
Der Weg in den Körper kann trotzdem ein Verstoß sein. Abschnitt M2.2 der Liste von 2026 verbietet im Wortlaut „intravenous infusions and/or injections of more than a total of 100 mL per 12-hour period except for those legitimately received in the course of hospital treatments, surgical procedures or clinical diagnostic investigations“ (Infusionen und Injektionen in die Vene von insgesamt mehr als 100 Milliliter je 12 Stunden, außer sie erfolgen berechtigterweise im Rahmen einer Krankenhausbehandlung, einer Operation oder einer klinischen Untersuchung). Ein Carnitin-Tropf über dieser Menge verstößt gegen die Regel, obwohl der Stoff selbst erlaubt ist [16].
Lehrreich ist der Gegensatz zu Meldonium, das seit 2016 verboten ist. Es blockiert Aufbau und Aufnahme von Carnitin und senkt dessen Wert im Muskel. Verboten ist also das Medikament, das den Carnitinwert senkt, und nicht das Carnitin [16], [58]. Mehr dazu steht unter Im Sport verbotene Peptide.
Vergleich mit verwandten Peptiden
| Substanz | Was es ist | Status | Stärkster hier gefundener Beleg am Menschen |
|---|---|---|---|
| L-Carnitin | Betain, das der Körper selbst herstellt und das Fett in die Mitochondrien bringt | Verschreibungspflichtiges Arzneimittel in vier Märkten; zum Einnehmen Lebensmittelzutat | 1,21 kg weniger Gewicht über 37 Studien mit 2.292 Erwachsenen [9] |
| Acetyl-L-Carnitin | Der Acetylester, überwiegend am Nervensystem untersucht | In den USA als Ausgangsstoff für die Herstellung in Apotheken noch in Prüfung | Schlechtere Nervenwerte als unter Scheinbehandlung nach 24 Wochen bei 409 Frauen, p = 0,01 [15] |
| NAD+ | Coenzym, das jede Zelle selbst herstellt, ebenfalls kein Peptid | Für die beworbenen Zwecke nirgends zugelassen | Keine der hier genutzten Quellen vergleicht es mit L-Carnitin |
| Glutathion | Dreiteiliges Peptid, das jede Zelle selbst herstellt | Arzneimittel in Japan und Italien, sonst Nahrungsergänzung | Keine der hier genutzten Quellen vergleicht es mit L-Carnitin |
| Semaglutid | GLP-1-Rezeptoragonist, ein echtes Peptid | In vielen Märkten zugelassenes Arzneimittel zum Abnehmen | Keine der hier genutzten Quellen vergleicht es mit L-Carnitin |
| AOD-9604 | Bruchstück des Wachstumshormons, zum Fettabbau vermarktet | Nirgends zugelassen | Keine der hier genutzten Quellen vergleicht es mit L-Carnitin |
Der Vergleich, auf den es ankommt, ist der mit Acetyl-L-Carnitin, weil beide ständig als austauschbar behandelt werden. Chemisch sind sie verwandt, rechtlich werden sie unterschiedlich behandelt, und die größte Studie zur Acetyl-Form brachte Schaden statt Nutzen [15], [55].
Die anderen vier stehen aus einem anderen Grund in der Tabelle. Sie werden über dieselben Shops verkauft und mit ähnlichen Versprechen beworben, und keine von ihnen wurde in einer der hier genutzten Studien mit L-Carnitin verglichen.
Zwei der sechs, L-Carnitin und NAD+, sind überhaupt keine Peptide. Sie stehen in diesem Register wegen des Ortes, an dem sie verkauft werden, und nicht wegen dessen, was sie sind [17].
Verbreitete Irrtümer
- „L-Carnitin, D-Carnitin und DL-Carnitin sind dasselbe.“ Nur die L-Form wirkt. Die D-Form stört die Vorgänge, für die der Körper Carnitin braucht. Deshalb ist das Arzneimittel als Levocarnitin festgelegt, mit einer optischen Drehung zwischen minus 29 und minus 32 Grad als Reinheitsprüfung [17], [21].
- „Wenn Carnitin Fett in die Mitochondrien bringt, verbrennt mehr davon auch mehr Fett.“ Das überspringt den entscheidenden Schritt. Bei gut ernährten Menschen ist der Muskelspeicher nicht der begrenzende Faktor, und Schlucken hebt diesen Speicher nicht an. Er stieg nur um 21 Prozent, wenn der Insulinspiegel über 24 Wochen dauerhaft hochgehalten wurde [10], [28].
- „Die Injektion wirkt besser, weil sie die schlechte Aufnahme umgeht.“ Der Unterschied bei der Aufnahme besteht tatsächlich: Aus den Mengen einer Nahrungsergänzung kommen 14 bis 18 Prozent an, aus der größten geprüften Menge zum Einnehmen nur 5 Prozent. Daraus folgt aber lediglich ein höherer Blutspiegel, den die Niere rasch wieder ausscheidet, und kein belegter Nutzen. Eine kontrollierte Studie zu Carnitin in der Vene zum Abnehmen gibt es nirgends [59], [22], [14].
- „Das verschreibungspflichtige Präparat ist dasselbe wie die Dose aus dem Sportgeschäft.“ Das Molekül ist identisch, die beiden Welten sind es nicht. Das eine ist ein zugelassenes Arzneimittel mit Produktinformation, Chargenprüfung und Meldepflicht für Nebenwirkungen. Das andere ist ein Lebensmittel ohne Zulassungsverfahren und in Europa ohne eine einzige erlaubte Gesundheitsaussage [1], [7].
- „L-Carnitin ist ein Peptid.“ Es ist ein einzelnes kleines Molekül mit 161,20 g/mol und ohne Peptidbindung. Dass der Körper es aus Lysin und Methionin baut, macht es genauso wenig zu einem Peptid wie Adrenalin, das aus Tyrosin entsteht [17], [18].
- „Es steht nicht auf der Dopingliste, also ist im Sport alles erlaubt.“ Erlaubt ist der Stoff, nicht aber jeder Tropf. Infusionen über 100 Milliliter je 12 Stunden sind verboten, ganz gleich was darin gelöst ist, und für verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel haftet der Sportler nach den Regeln selbst [16].
- „Carnitin kommt aus Fleisch, also kann die Einnahme nur gesund sein.“ Genau hier sitzt der interessanteste neuere Befund. Darmbakterien machen daraus einen Stoff, der in großen Beobachtungsstudien mit mehr Herzereignissen und höherer Sterblichkeit einherging. Dauerhafte Einnahme schaltet diesen Weg an [11], [12].
Häufige Fragen
Ist L-Carnitin ein Peptid?
Nein. L-Carnitin ist ein einzelnes kleines Molekül mit 161,20 g/mol, ohne Peptidbindung und ohne Aminosäurekette. In der Chemie zählt es zu den Betainen. In diesem Peptid-Register steht es nur deshalb, weil es neben Forschungspeptiden auch als Injektion verkauft wird.
Ist L-Carnitin ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel?
In vier Ländern ja. Die USA ließen es am 27. Dezember 1985 zu und die Injektion am 16. Dezember 1992; Großbritannien, Kanada und die Schweiz führen es als verschreibungspflichtig. Zugelassen ist es für angeborene Stoffwechselkrankheiten mit Carnitinmangel und für den Carnitinmangel bei Dialysepatienten. Für Gewicht, Fettverbrennung oder Sport ist es nirgends zugelassen.
Warum nennt diese Seite keine Dosierungen von L-Carnitin?
Weil Levocarnitin in vier Ländern ein zugelassenes verschreibungspflichtiges Arzneimittel ist. Wo ein Arzneimittel zugelassen ist, gehört die Dosierung in die amtliche Produktinformation und in die Hand einer Ärztin, eines Arztes oder einer Apotheke. Die Mengen aus den hier beschriebenen Studien wurden für genau diese Studien und für festgelegte Patientengruppen gewählt. Keine davon lässt sich auf gesunde Leserinnen und Leser übertragen.
Wie viel Gewicht haben die Studien zu L-Carnitin gezeigt?
Rund ein Kilogramm. Neun Studien mit 911 Erwachsenen fanden 1,33 kg weniger als in der Kontrollgruppe, 37 Studien mit 2.292 Erwachsenen fanden 1,21 kg. Zwei weitere Auswertungen landeten bei 1,13 und 1,11 kg. Je länger die Studien liefen, desto kleiner wurde der Effekt, und das deutlich (p = 0,002). Er zeigte sich außerdem nur zusammen mit einer Änderung des Lebensstils.
Verbrennt L-Carnitin Fett?
Die Transportaufgabe gibt es wirklich, doch die Schlussfolgerung hält dem nächsten Schritt nicht stand. Bei gut ernährten Menschen ist der Muskelspeicher nicht das, was die Fettverbrennung begrenzt. Schlucken füllt ihn auch nicht auf: Der Gehalt im Muskel stieg nur um 21 Prozent, wenn über 24 Wochen zugleich der Insulinspiegel hochgehalten wurde. Die europäische Lebensmittelbehörde lehnte die Aussage zum Fettstoffwechsel 2018 ab.
Was ist das TMAO-Problem bei L-Carnitin?
Darmbakterien bauen L-Carnitin zu Trimethylamin ab, das die Leber zu TMAO umwandelt. Fleischesser bildeten mehr als zwanzigmal so viel markiertes TMAO wie Vegetarier und Veganer (p = 0,001), und dauerhafte Einnahme schaltet diesen Weg an. Ein hoher TMAO-Wert ging in 19 Studien mit 19.256 Menschen mit einem 1,62-fachen Risiko für schwere Herzereignisse einher. Das ist ein Zusammenhang beim Menschen; eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ist nur bei Mäusen gezeigt.
Ist L-Carnitin im Sport verboten?
Der Stoff wird auf der Verbotsliste 2026 nicht genannt, und die Auffangklausel greift nicht, weil vier Länder ihn als Arzneimittel zugelassen haben. Die Methode kann trotzdem verboten sein: Infusionen und Injektionen über 100 Milliliter je 12 Stunden sind außerhalb einer Krankenhausbehandlung untersagt. Meldonium, das den Carnitinwert im Muskel senkt, ist seit 2016 verboten.
Sind L-Carnitin-Injektionen in Deutschland erlaubt?
Nur auf Rezept. Die deutsche Verschreibungsverordnung führt den Eintrag „L-Carnitin – zur parenteralen Anwendung –“, also die Gabe unter Umgehung des Darms. Damit ist die Spritze verschreibungspflichtig, während Kapseln frei verkauft werden. Wer eine im Ausland gekaufte Ampulle spritzt, wendet ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ohne Rezept an, und das für einen Zweck, für den es nirgends zugelassen ist.
Was ist der Unterschied zwischen L-Carnitin und Acetyl-L-Carnitin?
Die beiden sind verwandt, aber nicht austauschbar. Acetyl-L-Carnitin ist ein Ester, der vor allem am Nervensystem untersucht wurde. In den USA wird er als Ausgangsstoff für die Herstellung in Apotheken noch geprüft, während Levocarnitin ein zugelassenes Arzneimittel ist. In der größten Studie zur Acetyl-Form hatten 409 Frauen unter Chemotherapie nach 24 Wochen deutlich schlechtere Nervenwerte als unter Scheinbehandlung (p = 0,01).
Hat L-Carnitin Nebenwirkungen?
Die Fachinformation nennt keine Gegenanzeigen, wohl aber mehrere Warnhinweise. Schwere allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie sind vorgekommen, teils wenige Minuten nach einer Injektion. Nach der Zulassung wurden Krampfanfälle gemeldet, sowohl nach dem Einnehmen als auch nach der Gabe in die Vene, bei Menschen mit und ohne vorbestehende Anfallskrankheit. Häufig sind ein fischiger Körpergeruch und Magen-Darm-Beschwerden. Bei Menschen, die Warfarin nehmen, sollte der Gerinnungswert INR kontrolliert werden.
Quellen
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myPeptides Research & Editing. „L-Carnitin: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit.“ mypep.app, 10. September 2026. https://mypep.app/peptides/l-carnitine
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| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 10. September 2026 | Erstveröffentlichung |
