NAD+: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit
Zusammenfassung
NAD+ ist kein Peptid, sondern ein Coenzym, das jede lebende Zelle selbst herstellt. Auf dieser Seite steht es nur, weil es als Infusion neben Peptiden verkauft wird. Zugelassen hat es kein Land. Fast alle Daten vom Menschen betreffen die geschluckten Bausteine NR und NMN. Bei der einzigen Messung einer Infusion am Menschen war NAD+ innerhalb von zwei Stunden aus dem Blut verschwunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Es ist ein Dinukleotid und kein Peptid. Die Summenformel lautet C21H27N7O14P2, das Gewicht 663,43 g/mol, und nirgendwo darin steckt ein Eiweißbaustein oder eine Peptidbindung [1]. Hier steht der Stoff, weil ihn dieselben Läden als Spritze verkaufen wie Forschungspeptide.
- Eine Infusion hob den NAD+-Spiegel im Blut zunächst nicht an. Elf gesunde Männer nahmen teil, acht davon bekamen sechs Stunden lang eine Infusion, drei dienten als Vergleich. In den ersten zwei Stunden stiegen weder NAD+ noch seine Abbauprodukte im Blut an [2].
- Die belastbaren Daten betreffen einen anderen Stoff. Eine 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit durchsuchte die Jahre 2010 bis 2025 und fand 113 passende Studien, darunter 33 am Menschen. Fast alle prüften geschlucktes NR oder NMN, und keine davon war eine Studie mit einem gesundheitlichen Ergebnis als Ziel [3].
- Geschlucktes NR hebt den NAD+-Spiegel im Blut tatsächlich an. Im Gesamtblut stieg NAD+ bei drei ansteigenden Dosisstufen um 22, 51 und 142 Prozent. Der Anstieg zeigte sich binnen zwei Wochen und hielt über den Rest der achtwöchigen Studie an [4].
- Der Weg führt womöglich über den Darm. Bei 65 gesunden Erwachsenen, die 14 Tage lang NR, NMN oder Nicotinamid bekamen, machten Darmbakterien aus NR und NMN Nicotinsäure. In Blut, das außerhalb des Körpers getestet wurde, hob allein die Nicotinsäure den NAD+-Spiegel deutlich an [5].
- Die Infusion wurde schlecht vertragen. In der Aktenauswertung eines Anbieters mussten NAD+-Infusionen wegen Magen-Darm-Beschwerden, schnellerem Puls und Druck auf der Brust verlangsamt werden. Sie dauerten im Schnitt 97 Minuten gegenüber 37 Minuten bei NR [6].
- Nirgendwo zugelassen, und die Infusion ist im Sport eine verbotene Methode. Zwei Suchen in der amerikanischen Zulassungsdatenbank ergaben keinen Treffer [7]. Die Dopingliste 2026 nennt den Stoff nicht, verbietet aber Infusionen über 100 Milliliter je 12 Stunden als Methode [8].
Was NAD+ ist
NAD+ steht für Nicotinamidadenindinukleotid. Es ist ein Coenzym, also ein kleines Helfermolekül, das Enzyme brauchen, um ihre Arbeit zu tun. Zwei Nukleotide sind über eine Brücke aus zwei Phosphatgruppen verbunden, das eine trägt Adenin, das andere Nicotinamid, und beide sitzen jeweils auf einem Ring des Zuckers Ribose [1].
Jede Zelle stellt den Stoff selbst her und verbraucht ihn auch selbst. Der Körper baut NAD+ auf drei Wegen auf: einer geht vom Eiweißbaustein Tryptophan aus, einer von der Nicotinsäure, und der dritte verwertet Nicotinamid wieder, eine Form von Vitamin B3 [9].
Erfunden hat dieses Molekül niemand. Beschrieben wurde es 1906 in einem Hefeextrakt unter dem Namen Cozymase, und seine alten Bezeichnungen stehen bis heute in den chemischen Datenbanken [1].
Es gibt weder einen Entwickler noch ein Medikament dahinter. Der Stoff trägt einen internationalen Freinamen, nadide, den ihm das amerikanische, das internationale, das britische und das japanische Benennungssystem zugewiesen haben [1]. Ein solcher Name ist eine reine Benennungsregel. Er ist keine Zulassung, und das Verzeichnis, das Arzneimitteln ihre Klassifikationscodes zuteilt, kennt den Stoff nicht [10].
Steckbrief
| Feld | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Gebräuchlicher Name | NAD+, auch NAD oder beta-NAD; Freiname nadide | [1] |
| Stoffklasse | Coenzym, ein Dinukleotid. Kein Peptid, kein Hormon | [1] |
| Sequenz aus Eiweißbausteinen | Keine. Der Stoff enthält keine Eiweißbausteine | [1] |
| Summenformel und Masse | C21H27N7O14P2, 663,43 g/mol | [1] |
| Löslichkeit in Wasser und Fett | Sehr wasserliebend, praktisch nicht fettlöslich; XLogP -6 | [1] |
| Angriffspunkt | Kein Rezeptor. Es ist der gemeinsame Helfer und Rohstoff mehrerer Enzymfamilien | [9] |
| Verweildauer im Körper | Nie förmlich gemessen; unter einer Dauerinfusion binnen zwei Stunden aus dem Blut verschwunden | [2] |
| Status | Als Medikament nirgendwo zugelassen; die geschluckten Bausteine gelten als Lebensmittel | [7], [11] |
| CAS-Nummer | 53-84-9 | [1] |
| PubChem CID | 5892 | [1] |
| UNII | 0U46U6E8UK | [1] |
| ATC-Code | Keiner | [10] |
Eine einzige Eigenschaft entscheidet den größten Teil des Streits über Spritzen und Infusionen. Das Molekül ist groß, trägt zwei negative Ladungen und ist ausgesprochen wasserliebend, weshalb es nicht von allein durch die Hülle einer Zelle schlüpft [1].

Wie es wirkt
NAD+ hat zwei Aufgaben zugleich, und beide gehören zur gesicherten Biochemie und nicht zu den Annahmen hinter einem Produkt. Es transportiert Elektronen zwischen den beiden Zuständen NAD+ und NADH hin und her, und zwar in jenen Reaktionen, die aus der Nahrung Energie gewinnen. Außerdem wird es von mehreren Enzymfamilien als Rohstoff verbraucht [9].
- Es wird verbraucht und nicht nur benutzt. Mehrere Enzymfamilien zerlegen NAD+ bei ihrer Arbeit. Dazu gehören die Sirtuine, die DNA-Reparaturenzyme mit dem Kürzel PARP, die Oberflächenenzyme CD38 und CD157 sowie das Nervenenzym SARM1 [9].
- Der Spiegel sinkt mit dem Alter, und was das bedeutet, ist offen. Übersichtsarbeiten beschreiben den Rückgang von NAD+ im Gewebe als möglichen Beitrag zu Alterskrankheiten. Sie schreiben ausdrücklich dazu, dass dies eine Annahme ist und keine beim Menschen bewiesene Ursache [9], [12].
- Ein höherer Spiegel könnte diese Enzyme aktiver machen. Das ist der Gedanke hinter jedem Produkt in diesem Feld. Ob daraus etwas wird, das eine Person auch merkt, haben die Studien am Menschen gerade nicht gezeigt [3].
- Die geschluckten Bausteine wirken womöglich über Darmbakterien. Eine 2026 veröffentlichte Studie fand, dass Darmbakterien aus NR und NMN Nicotinsäure machen. Diese Säure speist dann einen der drei Aufbauwege [5].
- Gespritztes NAD+ wird offenbar zuerst zerlegt. Bei der einzigen Infusionsmessung am Menschen passte das Muster der im Urin auftauchenden Stoffe dazu, dass zwei Enzyme das NAD+ außerhalb der Zellen spalten [2].
Nach dem heutigen Kenntnisstand gelangen die Bruchstücke in die Zelle und nicht das ganze Molekül. Genau hier unterscheidet sich NAD+ von einem Peptid-Medikament, das dafür gebaut ist, an einen Rezeptor anzudocken und ein Signal auszulösen.
Was die Studien zeigen
Die vorhandenen Daten zerfallen sauber in zwei Teile. Geschlucktes NR und NMN haben rund drei Dutzend kontrollierte Studien durchlaufen; hinter NAD+ in die Vene stehen eine Pilotmessung und eine Aktenauswertung [3].
Blutspiegel und was eine Infusion tatsächlich bewirkt
Pilotstudie am Menschen Elf gesunde Männer im Alter von 30 bis 55 Jahren nahmen teil, acht in der behandelten Gruppe und drei in einer Kontrollgruppe. Diese acht bekamen NAD+ in Kochsalzlösung als langsamen Tropf über sechs Stunden. Die Menge steht in der Dosistabelle weiter unten.
Während der ersten zwei Stunden stieg weder NAD+ noch irgendein Abbauprodukt im Blut an. Nach sechs Stunden erschienen Methylnicotinamid und NAD+ im Urin, Nicotinamid dagegen nicht [2].
Die Autoren lasen das als vollständige und schnelle Entfernung aus dem Blut bei dieser Infusionsgeschwindigkeit. Die Infusionslösung selbst stammte aus einer Apotheke, die sie eigens anfertigte, und nicht von einem zugelassenen Hersteller [2].
Pharmakokinetische Studie am Menschen Eine Phase-I-Studie maß 2026, wie viel NAD+ im Blut und, mit einem Scanner, im Gehirn ankommt. Sechs gesunde Personen und sechs mit Parkinson-Krankheit nahmen täglich NR oder NMN. Im Blut war nach etwa zwei Wochen ein gleichbleibendes Niveau erreicht. Im Gehirn stieg NAD+ erst nach vier Wochen messbar an, und die Unterschiede zwischen den Personen waren groß [13].
Stoffwechsel: die Studien zu NR und NMN
Randomisierte Studie Bei übergewichtigen, sonst gesunden Erwachsenen stieg NAD+ im Gesamtblut auf den drei ansteigenden Dosisstufen um 22, 51 und 142 Prozent. Der Anstieg zeigte sich binnen zwei Wochen und hielt über die restlichen sechs der acht Wochen an. Das belegt, dass der Stoff sein biochemisches Ziel erreicht, und nicht, dass er der Gesundheit nützt [4].
Randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie an übergewichtigen Erwachsenen mit drei ansteigenden Dosisstufen über acht Wochen. Die Studie lief im Auftrag des Herstellers. Quelle [4].
Randomisierte Studie Bei 40 stark übergewichtigen Männern verbesserten zwölf Wochen NR weder das Ansprechen auf Insulin noch die Zuckerbildung, die Zuckeraufnahme oder die Zuckerverbrennung. Auch der Energieverbrauch in Ruhe, die Freisetzung von Fett, die Fettverbrennung und die Körperzusammensetzung blieben unverändert. Die Autoren schlossen daraus, dass die Dosis sicher war, den Zuckerstoffwechsel aber nicht verbesserte [14].
Randomisierte Studie Fünfundzwanzig Frauen nach den Wechseljahren mit einer Vorstufe von Diabetes nahmen zehn Wochen lang NMN, und die Zuckeraufnahme des Muskels unter Insulin stieg an. Der Befund ist umstritten.
Ein veröffentlichter Kommentar weist darauf hin, dass die 13 Frauen unter NMN mit 6,3 Prozent Leberfett starteten und die 12 unter Placebo mit 14,8 Prozent. Dass dieser Unterschied Zufall war, ist unwahrscheinlich (p = 0,003), die Gruppen waren zu Beginn also nicht vergleichbar [15], [16].
Randomisierte Studie Dreißig übergewichtige oder stark übergewichtige Erwachsene ab 45 Jahren nahmen 28 Tage lang eine kristalline Form von NMN. Das Körpergewicht sank um 1,9 kg stärker als unter Placebo (p = 0,008), der niedrigere der beiden Blutdruckwerte um 7,0 mmHg (p = 0,034), das Gesamtcholesterin um 26,9 mg/dl (p = 0,004) und das LDL-Cholesterin um 18,7 mg/dl (p = 0,007).
Muskelkraft, Ermüdbarkeit der Muskeln, Kraft beim Treppensteigen, Ausdauerleistung, Ansprechen auf Insulin, Leberfett und Bauchfett änderten sich nicht [17].
Randomisierte Studie Bei 13 übergewichtigen Personen hoben sechs Wochen NR die Marker der NAD+-Bildung im Muskel an, und die fettfreie Masse stieg leicht, von 61,32 auf 62,65 Prozent. Auf das Ansprechen auf Insulin, die Arbeit der Mitochondrien, das Leberfett, den Blutdruck und die Entzündungswerte wirkte sich das nicht aus [18].
Parkinson-Krankheit
Randomisierte Phase-I-Studie In der NADPARK-Studie nahmen 30 neu erkrankte und noch unbehandelte Patienten 30 Tage lang NR oder Placebo. NAD+ im Gehirn stieg an, allerdings ungleichmäßig. Nur bei denen, deren Hirnspiegel tatsächlich stieg, änderte sich auch der Zuckerstoffwechsel im Gehirn, begleitet von einer leichten Besserung der Beschwerden. Die Entzündungswerte in Blut und Nervenwasser sanken [19].
Randomisierte Sicherheitsstudie Die NR-SAFE-Studie gab 20 Patienten vier Wochen lang die höchste bisher am Menschen geprüfte Tagesmenge. Mittelschwere oder schwere Nebenwirkungen traten nicht auf, und NAD+ im Blut stieg auf bis zum Fünffachen. Das Homocystein im Serum stieg anfangs leicht an.
Die scheinbare Besserung der Beschwerdewerte fiel damit zusammen, dass der Abstand zur letzten Levodopa-Gabe kürzer war. Diesen Störfaktor benennen die Autoren selbst [20].
Muskeln, Gehen und Altern
Randomisierte Studie Bei gesunden älteren Männern hob tägliches NMN den NAD+-Spiegel im Blut deutlich an. Gehgeschwindigkeit und Griffkraft der linken Hand verbesserten sich, doch die Autoren beschreiben das Ergebnis als nur knapp bedeutsam und bestätigungsbedürftig. Die Körperzusammensetzung änderte sich nicht [21].
Randomisierte Studie Bei 90 Menschen mit schlechter Durchblutung der Beine veränderte ein halbes Jahr NR die Gehstrecke in sechs Minuten um +7,0 Meter, gegenüber -10,6 Metern unter Placebo. Der Unterschied betrug 17,6 Meter und 31,0 Meter bei denen, die mindestens 75 Prozent ihrer Kapseln nahmen. Mit zusätzlichem Resveratrol waren es in dieser Gruppe 26,9 Meter, ein Vorteil gegenüber NR allein entstand dadurch also nicht.
Das Hauptergebnis wurde mit einem einseitigen 90-Prozent-Konfidenzintervall berichtet, dessen untere Grenze bei 1,8 Metern lag, und die Autoren fordern eine größere Bestätigungsstudie [22].
Randomisierte Studie Bei 80 gesunden Erwachsenen mittleren Alters stieg NAD+ im Blut auf allen drei Dosisstufen sowohl gegenüber Placebo als auch gegenüber dem Ausgangswert an (durchgehend p kleiner oder gleich 0,001), am stärksten auf den beiden höheren Stufen. Die Gehstrecke in sechs Minuten verbesserte sich stärker als unter Placebo, während sich die Insulinresistenz nicht unterschied.
Das biologische Alter schätzten die Autoren mit einem frei zugänglichen Online-Rechner statt mit einem geprüften Messwert [23].
Verfehlte und negative Ergebnisse
Randomisierte Studie Bei 20 älteren Menschen mit leichten Gedächtnisproblemen hoben zehn Wochen NR den NAD+-Spiegel im Blut auf das 2,6-Fache und ließen den Testwert für die geistige Leistung unverändert. Die Durchblutung eines Hirnnetzwerks sank unter NR, ein Befund, der nach eigener Auskunft der Autoren die Korrektur für mehrfaches Testen nicht überstanden hätte. Die Gehgeschwindigkeit verbesserte sich in der Placebogruppe und nicht unter NR [24].
Randomisierte Studie Ein Hauptziel wurde erreicht. Bei 40 Menschen mit der Lungenkrankheit COPD lag das Entzündungssignal Interleukin-8 im Auswurf unter NR um 52,6 Prozent niedriger als unter Placebo, und der Abstand hielt noch zwölf Wochen nach dem Ende der Behandlung an. Das ist ein Entzündungswert und kein Befinden, das Patienten spüren [25].
Offene Studie Bei 30 Menschen mit Herzschwäche verdoppelte NR den NAD+-Spiegel im Gesamtblut ungefähr und erwies sich als sicher. Wie stark der Wert bei einer Person stieg, hing mit der Atmung ihrer Blutzellen und mit einer geringeren Aktivität eines Entzündungsschalters zusammen. Das sind Zusammenhänge im Mechanismus und keine klinischen Ergebnisse [26].
Randomisierte Studie Gesunde Erwachsene mittleren und höheren Alters nahmen NR in zwei Abschnitten von je sechs Wochen, wobei die Gruppen zwischendurch tauschten. Der Stoff wurde gut vertragen und regte den NAD+-Stoffwechsel messbar an.
Zu Blutdruck und Gefäßsteifigkeit behaupten die Autoren nichts. Sie schreiben lediglich, künftige Studien sollten prüfen, ob NR diese Werte senken könnte, und das ist eine Frage und kein Befund [27].
Systematische Übersichtsarbeit Das Gesamtbild aus 33 Studien am Menschen ist einheitlich. Geschlucktes NR und NMN erreichen ihr biochemisches Ziel zuverlässig und wurden über Wochen bis Monate im Allgemeinen gut vertragen. Die Wirkungen auf Leistungsfähigkeit, Stoffwechsel, Blutgefäße und andere gesundheitlich bedeutsame Größen waren gemischt und fehlten oft ganz oder beschränkten sich auf einen einzigen Messwert [3].
Sicherheitsbefunde, die in die andere Richtung zeigen
Beobachtungsstudie Untersucht wurden eine erste Gruppe von 1.162 Menschen und zwei Bestätigungsgruppen mit 2.331 und 832 Menschen. Wer höhere Blutwerte von 2PY und 4PY hatte, den Endprodukten überschüssigen Niacins, erlitt innerhalb von drei Jahren häufiger ein schweres Herzereignis.
Für 4PY lag das bereinigte Risiko in den beiden Bestätigungsgruppen um 89 und 99 Prozent höher (Hazard Ratio 1,89 und 1,99) [28].
Jene Studie sah sich Herzpatienten und Niacin an, nicht NAD+-Produkte. Sie gehört trotzdem hierher, weil 2PY und 4PY auch die Endprodukte von NR und NMN sind [28].
Pharmakokinetische Studie am Menschen Bei 14 gesunden Männern erzeugte eine Dosis NMN unter der Zunge deutlich mehr von genau diesen Abbauprodukten als dieselbe Dosis zum Schlucken. Die Blutwerte von NMN, Nicotinamid und NAD+ unterschieden sich zwischen den beiden Wegen nicht [29].
Tierdaten In einem Mausmodell für dreifach negativen Brustkrebs erhöhte die Gabe von NR sowohl die Häufigkeit der Tumoren als auch ihre Streuung ins Gehirn deutlich. Die Autoren schließen daraus, dass der Einsatz solcher Nahrungsergänzungsmittel in bestimmten Patientengruppen abgewogen werden muss [30].
Vorklinische Übersichtsarbeit Die Krebsforschung geht in die entgegengesetzte Richtung. Tumorzellen setzen NAD+ schnell um und hängen an einem Enzym, das den Stoff zurückgewinnt. Blocker dieses Enzyms, die den NAD+-Spiegel senken, werden als Krebsmedikamente entwickelt [31].
Was weiterhin unbekannt ist
- Ob infundiertes NAD+ überhaupt etwas bewirkt. Zu NAD+ in die Vene gibt es für keine Erkrankung eine randomisierte, placebokontrollierte Studie [32], [33].
- Welche Menge angemessen wäre. Die in Kliniken verwendeten Mengen stammen aus keiner Studie zur Dosisfindung [2].
- Ob geschlucktes NAD+ unversehrt aufgenommen wird. Daten vom Menschen fehlen in beide Richtungen, und Größe, Ladung und Wasserliebe des Moleküls sprechen dagegen [1].
- Ob ein Blutwert etwas über das Gewebe aussagt. NAD+ im Gehirn stieg erst nach vier Wochen an, und die Unterschiede zwischen den Personen waren groß [13].
- Was nach mehr als einem Jahr geschieht. Die längste Behandlungsdauer in der Literatur beträgt 26 Wochen je Studienarm, und zwar bei einer seltenen Erbkrankheit [34].
- Nasensprays, Pflaster und Spritzen unter die Haut. Zu keinem davon ist etwas veröffentlicht [3].
Nebenwirkungen und Sicherheit
Ein Nebenwirkungsprofil für NAD+-Infusionen in dem Sinne, wie ein zugelassenes Medikament es hat, gibt es nicht, denn die Studien, die es erzeugen würden, wurden nie durchgeführt.
- Die Beschwerden am Tropf waren häufig genug, um ihn zu verlangsamen. Ein Anbieter beschreibt in der Auswertung seiner eigenen Akten mittelschwere bis schwere Magen-Darm-Beschwerden, einen steigenden Puls und Druck auf der Brust während der NAD+-Infusionen. Alles klang nach dem Ende des Tropfs wieder ab. NR-Infusionen lösten leichtes Kribbeln in Zunge, Kiefer und Arm sowie leichte Krämpfe aus [6].
- Dieser Bericht taugt in beide Richtungen wenig. Er war rückblickend, hatte keine Kontrollgruppe und keine Verblindung und wurde von Angestellten der Firma verfasst, die die Infusionen verkauft. Leberwerte, Nierenwerte, der Schilddrüsenwert TSH und der Entzündungswert hsCRP änderten sich nicht [6].
- Die sechsstündige Infusionsstudie sah nichts. Bei acht gesunden Männern traten keine Nebenwirkungen auf. Eine Infusion bei acht Personen, ohne Nachbeobachtung über acht Stunden hinaus, ist kein Sicherheitsergebnis [2].
- Die geschluckten Formen wurden gut vertragen. In 33 Studien am Menschen wurden NR und NMN über Wochen bis Monate im Allgemeinen gut vertragen, bei den geprüften Mengen und Zeiträumen [3].
- Hochdosiertes NR bewegte einen Blutwert. Bei der höchsten am Menschen geprüften Tagesmenge stieg das Homocystein im Serum anfangs leicht an. Der Abbau von Nicotinamid verbraucht Methylgruppen, weshalb eine dauerhaft hohe Zufuhr an diesem Vorrat zehrt [20].
- In der amerikanischen Nebenwirkungsdatenbank sammeln sich Meldungen. Unter der Produktbezeichnung NAD standen dort 44 Meldungen, 28 davon als schwerwiegend eingestuft. Zu Nicotinamidribosid waren es 36, davon 21 schwerwiegend. Sie häufen sich in den Jahren 2025 und 2026 [35].
Für sich genommen beweisen diese Meldungen nichts. Sie sind freiwillig, belegen keine Ursache und haben keine bekannte Bezugsgröße. Umgekehrt gilt genauso: Zu Stoffen, die außerhalb des Arzneimittelsystems verkauft werden, gehen kaum je Meldungen ein [35].
Zwei weitere Bedenken stammen aus den Unterlagen der Behörden selbst. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde schrieb 2021, experimentelle Daten sprächen für mehrere Wege, auf denen Nicotinamid oder seine Bausteine unerwünschte Wirkungen haben könnten, sobald die Zufuhr deutlich über dem Bedarf des Körpers liegt [36].
In der Rattenstudie, auf der die NMN-Bewertung von 2026 beruht, zeigten sich Wirkungen auf die Fortpflanzungsorgane. Schwangere und stillende Frauen sind von beiden befürwortenden europäischen Bewertungen ausgenommen [37], [11].
Zuletzt bringt jeder Tropf Risiken mit sich, die mit seinem Inhalt nichts zu tun haben: eine Infektion an der Einstichstelle, eine Venenentzündung, eine Belastung durch die Flüssigkeitsmenge sowie Fehler beim Anmischen und beim Keimfreimachen der Lösung [33].
Dosierungen in den Studien
Diese Dosierungen stammen aus den zitierten Studien und stehen hier nur als Beleg. Sie sind keine Empfehlung und taugen nicht als Anleitung für eine eigene Anwendung.
Wichtig ist die Spalte, die den Stoff benennt. Fast jede Zeile betrifft NR oder NMN zum Schlucken, und nur zwei Zeilen betreffen NAD+ selbst.
| Studie | Stoff (NAD+, NR oder NMN) | Dosis | Weg | Dauer | n | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Grant 2019, Pharmakokinetik der Infusion | NAD+ | 750 mg insgesamt, etwa 2 mg pro Minute | In eine Vene | 6 Stunden, einmalig | 11 | [2] |
| Reyna 2026, Aktenauswertung eines Anbieters | NAD+, zum Vergleich NR | 500 mg je Infusion | In eine Vene | 4 Tage hintereinander | Nicht angegeben | [6] |
| Trammell 2016, erste Pharmakokinetik zu NR | NR | 100, 300 und 1000 mg | Zum Schlucken | Einmalgabe | Nicht angegeben | [38] |
| Conze 2019, Dosis-Wirkungs-Studie | NR | 100, 300 oder 1000 mg täglich | Zum Schlucken | 8 Wochen | Nicht angegeben | [4] |
| Dollerup 2018, stark übergewichtige Männer | NR | 2000 mg täglich | Zum Schlucken | 12 Wochen | 40 | [14] |
| Martens 2018, Blutgefäße bei älteren Erwachsenen | NR | 1000 mg täglich | Zum Schlucken | 2 x 6 Wochen mit Wechsel der Gruppen | Nicht angegeben | [27] |
| Brakedal 2022, NADPARK | NR | 1000 mg täglich | Zum Schlucken | 30 Tage | 30 | [19] |
| Berven 2023, NR-SAFE, höchste geprüfte Menge | NR | 3000 mg täglich | Zum Schlucken | 4 Wochen | 20 | [20] |
| Yoshino 2021, Vorstufe von Diabetes | NMN | 250 mg täglich | Zum Schlucken | 10 Wochen | 25 | [15] |
| Igarashi 2022, ältere Männer | NMN | 250 mg täglich | Zum Schlucken | 6 oder 12 Wochen | Nicht angegeben | [21] |
| Yi 2023, Dosisfindung | NMN | 300, 600 oder 900 mg täglich | Zum Schlucken | 60 Tage | 80 | [23] |
| Fukamizu 2022, Sicherheitsstudie | NMN | 1250 mg täglich | Zum Schlucken | Bis zu 4 Wochen | 31 | [39] |
| Pencina 2023, kristallines NMN | NMN | 2000 mg täglich | Zum Schlucken | 28 Tage | 30 | [17] |
| Berven 2026, Messung im Gehirn | NR oder NMN | 1200 mg täglich | Zum Schlucken | Mehrere Wochen | 12 | [13] |
| Europäische Höchstmenge, keine Studie | NR-Chlorid | Bis zu 300 mg täglich, 230 mg in Schwangerschaft und Stillzeit | Zum Schlucken | Ohne festes Ende | Nicht zutreffend | [11] |
| Europäische Bewertung 2026, keine Studie | Beta-NMN | Bis zu 300 mg täglich für Erwachsene | Zum Schlucken | Ohne festes Ende | Nicht zutreffend | [37] |
Der Abstand zwischen den beiden letzten Zeilen und dem Rest lohnt einen zweiten Blick. Die in Studien verwendeten Mengen von 1000 bis 3000 mg täglich liegen drei- bis zehnmal so hoch wie die Obergrenze, die das europäische Recht für ein Nahrungsergänzungsmittel setzt [11], [20].
Für NAD+ in die Vene gibt es überhaupt keine Dosis aus einer kontrollierten Studie. Die 750 mg der pharmakokinetischen Studie waren ein Schema, das die Forscher von Kliniken übernommen und auch so beschrieben haben [2].
Entwicklungsstand und Zulassung
Von der Cozymase bis zur Übersichtsarbeit von 2026
- 1906Im Hefeextrakt als Cozymase beschriebenDie historischen Namen stehen bis heute in den chemischen Datenbanken, Quelle [1]
- 2016Erste Pharmakokinetik von geschlucktem NR am MenschenDrei ansteigende Einmalgaben, Quelle [38]
- 2018Zwölf Wochen NR verbessern bei 40 stark übergewichtigen Männern das Ansprechen auf Insulin nichtDas deutlichste negative Ergebnis des Feldes, Quelle [14]
- 2019Die einzige Messung einer NAD+-Infusion am Menschen erscheintKein Anstieg von NAD+ im Blut in den ersten zwei Stunden, Quelle [2]
- 2020Europa lässt NR-Chlorid als neuartiges Lebensmittel zuNur als Nahrungsergänzung, bis zu 300 mg täglich, Quelle [11]
- 2021-2023Die NMN-Studien erscheinen, mit gemischten und umstrittenen ErgebnissenQuellen [15], [16], [21], [23], [17]
- 2026Eine systematische Übersichtsarbeit, eine befürwortende europäische Bewertung zu NMN und der Befund zu den DarmbakterienQuellen [3], [37], [5]
- 1906 — das Molekül wird im Hefeextrakt als Cozymase beschrieben [1].
- 2016 bis 2020 — die ersten kontrollierten Studien zu geschlucktem NR erscheinen, darunter das negative Ergebnis zum Insulin [38], [14].
- 2019 — die einzige pharmakokinetische Studie zu einer NAD+-Infusion am Menschen erscheint [2].
- 2020 — die Europäische Union lässt NR-Chlorid als neuartiges Lebensmittel zu, ausschließlich für Nahrungsergänzungsmittel [11].
- 2021 bis 2023 — die NMN-Studien kommen, eine davon öffentlich bestritten mit dem Argument, ihre Gruppen seien nicht vergleichbar gewesen [15], [16].
- 2026 — drei Wegmarken: eine systematische Übersichtsarbeit über 113 Studien, eine befürwortende europäische Bewertung zu NMN und der Hinweis, dass die geschluckten Formen über Darmbakterien wirken [3], [37], [5].
| Markt | Geschlucktes NR und NMN | NAD+ als Spritze | Quelle |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | Als Nahrungsergänzung im Handel | Nicht zugelassen | [7], [40] |
| Europäische Union | NR zugelassen, NMN bewertet | Nicht zugelassen | [11], [37] |
| Deutschland | Es gilt das Lebensmittelrecht | Arzneimittel ohne Zulassung | [11] |
| Vereinigtes Königreich | Im Handel | Nicht zugelassen | [7] |
| Australien | Nicht in die Giftliste eingestuft | Nicht in die Giftliste eingestuft | [41] |
| Kanada | Nicht geprüft | Nicht geprüft | [7] |
| Japan | Breit im Handel | Nicht geprüft | [39] |
All das wurde am 7. September 2026 überprüft. Wo in der Tabelle nicht geprüft steht, wurde kein nationales Register durchsucht und keine Aussage getroffen. Am festesten steht der amerikanische Punkt: Zwei Suchen in der Zulassungsdatenbank ergaben keinen Treffer [7].
Die 44 amerikanischen Beipackzettel, die nadide als Bestandteil führen, gehören zu homöopathischen Mitteln aus dem freien Verkauf. Jedes davon trägt den Hinweis, dass seine Aussagen nicht geprüft wurden [40].
Ein Punkt gehört noch hierher, weil er häufig verkehrt herum dargestellt wird. NAD+ steht nicht auf der amerikanischen Liste jener Ausgangsstoffe, die ein erhebliches Sicherheitsrisiko bergen können. Es steht ebenso wenig auf der Liste der Stoffe, die Apotheken zu Rezepturen verarbeiten dürfen [42], [43].
Auf beiden Listen zu fehlen heißt, dass der Stoff nie bewertet wurde, und nicht, dass er bewertet und für unbedenklich befunden wurde.
Anti-Doping
Der Stoff wird auf der Verbotsliste 2026 nicht genannt. Eine Volltextsuche nach Nicotinamid, NAD, Ribosid, Mononukleotid, Niacin und Dinukleotid ergibt keinen Treffer [8].
Mit der Methode verhält es sich anders. Abschnitt M2.2 verbietet jederzeit „intravenous infusions and/or injections of more than a total of 100 mL per 12-hour period except for those legitimately received in the course of hospital treatments, surgical procedures or clinical diagnostic investigations“ (intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von insgesamt mehr als 100 ml je Zeitraum von 12 Stunden, ausgenommen solche, die berechtigterweise im Rahmen von Krankenhausbehandlungen, chirurgischen Eingriffen oder klinischer Diagnostik verabreicht werden) [8].
Übliche NAD+-Infusionen liegen weit darüber, und eine Wellness-Infusion fällt nicht unter diese Ausnahme.
Ob NAD+ zusätzlich unter die Klasse S0 fällt, die Stoffe ohne jede behördliche Zulassung erfasst, ist eine offene Auslegungsfrage und wird hier nicht entschieden. Für geschlucktes NR und NMN stellt sie sich gar nicht, denn eine Tablette ist keine Methode [8]. Mehr dazu steht unter Im Sport verbotene Peptide.
Vergleich mit verwandten Peptiden
| Stoff | Was es ist | Angriffspunkt | Daten vom Menschen | Status |
|---|---|---|---|---|
| NAD+ | Coenzym aus zwei Nukleotiden, 663,43 g/mol [1] | Gemeinsamer Helfer und Rohstoff mehrerer Enzymfamilien [9] | Eine Pilotstudie zur Infusion; der Rest betrifft NR und NMN [2], [3] | Nirgendwo zugelassen [7] |
| Glutathion | Tripeptid aus drei Eiweißbausteinen, 307,33 g/mol [44] | Nicht vergleichbar; auf der eigenen Seite behandelt | Auf der eigenen Seite behandelt | Auf der eigenen Seite behandelt |
| 5-Amino-1MQ | Kleines künstliches Molekül, 159,21 g/mol [45] | Blockiert NNMT, das Enzym, das Nicotinamid methyliert [46] | Überhaupt keine; auf der eigenen Seite behandelt | Nirgendwo zugelassen; auf der eigenen Seite behandelt |
| MOTS-c | Peptid aus 16 Eiweißbausteinen, 2174,6 g/mol [47] | Nicht dasselbe Ziel | Auf der eigenen Seite behandelt | Steht auf der amerikanischen Risikoliste [43] |
Glutathion ist in der Praxis der nächste Nachbar. Es ist der andere körpereigene Stoff, der neben Forschungspeptiden als kosmetische oder als Wellness-Infusion verkauft wird, und wie NAD+ stellt der Körper es in jeder Zelle selbst her.
5-Amino-1MQ ist der interessante Gegenpol. Es sitzt auf demselben Weg des Vitamins B3, arbeitet aber vom anderen Ende her: Es blockiert das Enzym, das Nicotinamid methyliert, statt einen Baustein hinzuzufügen [46].
MOTS-c ist der Nachbar, neben den NAD+ am häufigsten gestellt wird, und die beiden haben wenig gemeinsam. Das eine ist eine Kette aus 16 Eiweißbausteinen, deren Bauplan in den Mitochondrien liegt [47]; das andere enthält überhaupt keine Eiweißbausteine [1].
Verbreitete Irrtümer
- „NAD+ ist ein Peptid.“ Es enthält keinen Eiweißbaustein und keine Peptidbindung. Es besteht aus zwei Nukleotiden, die eine Phosphatbrücke verbindet, und wiegt 663,43 g/mol. Die Verwechslung entsteht allein durch den Vertriebsweg: Der Stoff steht in denselben Katalogen wie Forschungspeptide, und die Bezeichnung wandert mit [1].
- „NAD+, NMN, NR und Niacin sind ungefähr dasselbe.“ Sie bilden eine Kette, unterscheiden sich aber in Größe, Weg und rechtlicher Einordnung, mit 663, 334, 255 und 122 g/mol. NADH, die reduzierte Form, ist ein fünfter Stoff. Fast alle Daten vom Menschen betreffen NR und NMN, weshalb eine Studie zu diesen beiden nichts über eine Infusion aussagt [48], [3].
- „Eine Infusion füllt die Zellen mit NAD+.“ Die eine Messung am Menschen sagt etwas anderes. Während der ersten zwei Stunden einer sechsstündigen Infusion stieg NAD+ im Blut überhaupt nicht an, und die im Urin auftauchenden Stoffe passten dazu, dass das Molekül zerlegt wurde [2].
- „Eine Infusion schlägt die Tablette, weil sie den Darm umgeht.“ Die Daten sprechen dagegen. Darmbakterien machen aus NR und NMN Nicotinsäure, und nur die Nicotinsäure hob den NAD+-Spiegel in außerhalb des Körpers getestetem Blut deutlich an. Wenn das zutrifft, umgeht man mit dem Darm auch den Wirkmechanismus [5].
- „Mehr NAD+ muss besser sein.“ Die Biologie sagt: nicht unbedingt. Tumorzellen hängen an dem Enzym, das NAD+ zurückgewinnt, und dessen Blocker werden als Krebsmedikamente entwickelt. In einem Mausmodell erhöhte NR die Häufigkeit von Tumoren und ihre Streuung ins Gehirn. Nichts davon beweist einen Schaden beim Menschen, aber es entzieht der Annahme den Boden [31], [30].
- „Es steht nicht auf der Dopingliste, also ist es im Sport in Ordnung.“ Der Stoff steht nicht darauf, die Methode schon. Infusionen über 100 Milliliter je 12 Stunden sind jederzeit verboten, außerhalb von Krankenhausbehandlung, Operation und ärztlicher Diagnostik, ganz gleich, was darin gelöst ist [8].
Häufige Fragen
Ist NAD+ ein Peptid?
Nein. NAD+ ist ein Dinukleotid, also ein Helfermolekül aus zwei Nukleotiden, die eine Phosphatbrücke verbindet, mit einem Gewicht von 663,43 g/mol. Es enthält keine Eiweißbausteine und keine Peptidbindung. Es taucht neben Peptiden auf, weil es über dieselben Kanäle als Spritze verkauft wird, und nicht, weil es zur selben Stoffklasse gehört.
Was passiert mit NAD+, wenn es in eine Vene infundiert wird?
Bei der einzigen Messung am Menschen bekamen acht gesunde Männer NAD+ als Tropf über sechs Stunden. In den ersten zwei Stunden stiegen weder NAD+ noch seine Abbauprodukte im Blut an. Nach sechs Stunden tauchten Methylnicotinamid und NAD+ im Urin auf. Dieses Muster passt dazu, dass Enzyme das Molekül zerlegen, bevor es sich ansammeln kann.
Gibt es eine Studie, die zeigt, dass NAD+-Infusionen wirken?
Nein. Zu NAD+ in die Vene gibt es für keine einzige Erkrankung eine randomisierte, placebokontrollierte Studie. Vorhanden sind eine Pilotmessung an elf Männern und eine rückblickende Auswertung von Behandlungsakten durch eine Firma, die diese Infusionen verkauft. Eine Übersichtsarbeit von 2026 stuft solche Infusionen als experimentell ein und nicht als belegte Behandlung.
Sind NAD+, NMN und NR dasselbe?
Nein. Sie sind Glieder einer Kette, unterscheiden sich aber in Größe, Verabreichungsweg und rechtlicher Einordnung: NAD+ wiegt 663 g/mol, NMN 334 und NR 255. Nicotinamid, eine Form von Vitamin B3, ist mit 122 noch kleiner. Fast alle kontrollierten Daten vom Menschen betreffen NR und NMN zum Schlucken.
Heben die Vorstufen von NAD+ den NAD+-Spiegel im Körper an?
Ja, die geschluckten tun das. In einer achtwöchigen Studie stieg NAD+ im Gesamtblut bei drei ansteigenden NR-Dosisstufen um 22, 51 und 142 Prozent. Der Anstieg braucht Zeit: Im Blut ist nach etwa zwei Wochen ein gleichbleibendes Niveau erreicht, im Gehirn zeigte sich ein messbarer Anstieg erst nach vier Wochen, mit großen Unterschieden zwischen den Personen.
Haben die Studien zu den NAD+-Vorstufen etwas verbessert, das man merkt?
Selten und uneinheitlich. Eine Auswertung von 33 Studien am Menschen fand zuverlässige biochemische Effekte, aber gemischte Ergebnisse bei Leistungsfähigkeit, Stoffwechsel und Blutgefäßen, häufig auch gar keinen Effekt. Zwölf Wochen NR verbesserten bei 40 stark übergewichtigen Männern nicht das Ansprechen auf Insulin, und zehn Wochen verbesserten bei 20 älteren Menschen nicht die geistige Leistung.
Welche Nebenwirkungen wurden bei NAD+-Infusionen berichtet?
Eine Firma beschreibt in der Auswertung ihrer eigenen Akten mittelschwere bis schwere Magen-Darm-Beschwerden, einen steigenden Puls und Druck auf der Brust während des Tropfs, die nach dem Ende wieder abklangen. Die Infusionen mussten verlangsamt werden und dauerten im Schnitt 97 Minuten gegenüber 37 Minuten bei NR. Dieser Bericht war rückblickend, ohne Kontrollgruppe und von Angestellten des Anbieters verfasst.
Ist NAD+ irgendwo als Medikament zugelassen?
Nein. Suchen in der amerikanischen Zulassungsdatenbank nach nadide und nach nicotinamide adenine dinucleotide ergaben am 7. September 2026 beide Male keinen Treffer. Der Stoff trägt zwar einen internationalen Freinamen, nadide, aber ein solcher Name ist nur eine Benennungsregel und keine Zulassung, und einen Arzneimittel-Klassifikationscode hat er nicht.
Kann man seinen NAD+-Spiegel messen lassen, um zu sehen, ob es wirkt?
Ein solcher Test misst NAD+ im Blut. Ob dieser Wert etwas über die Menge in Muskel, Gehirn oder Leber aussagt, ist ungeklärt. In einer Studie stieg der Wert im Gehirn erst nach vier Wochen, während er im Blut schon nach zwei Wochen gleichblieb, und in der Parkinson-Studie änderte sich der Hirnstoffwechsel nur bei denen, deren Hirnspiegel tatsächlich gestiegen war.
Ist NAD+ im Sport verboten?
Der Stoff selbst steht nicht namentlich auf der Verbotsliste 2026. Verboten ist die Methode: Infusionen und Injektionen von mehr als 100 Millilitern je 12 Stunden sind jederzeit untersagt, außer sie werden im Rahmen einer Krankenhausbehandlung, einer Operation oder einer ärztlichen Diagnostik gegeben. Übliche NAD+-Infusionen liegen über dieser Menge. Tabletten mit NR oder NMN sind davon nicht betroffen.
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Jede Angabe auf dieser Seite wurde am 7. September 2026 überprüft, und jede Registersuche hinter der Statustabelle stammt von diesem Tag. Bei einem Stoff, der außerhalb des Arzneimittelsystems verkauft wird, zählt das Datum der Prüfung ebenso viel wie der Text selbst.
myPeptides Research & Editing. (2026). NAD+: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit. Version 1.0, 7. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/nad
Wie die Seiten dieses Registers zusammengestellt und bewertet werden, steht unter Methodik; das vollständige Register findet sich unter Peptide.
| Version | Datum | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1.0 | 7. September 2026 | Erstveröffentlichung |
