Tesamorelin vs. Retatrutid: Unterschiede, Studienlage und Sicherheit
Die Antwort vorab
Tesamorelin ist die Kopie jenes Hirnhormons, das die Ausschüttung von Wachstumshormon auslöst, und nur in den USA zugelassen, gegen tiefes Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV. Retatrutid ahmt drei Hormone nach, die Appetit, Insulin und Energieverbrauch steuern, und ist nirgendwo zugelassen. Die Tesamorelin-Studien maßen Bauchfett, die Retatrutid-Studien Körpergewicht. Ein direkter Vergleich ist nicht auffindbar.
Auf einen Blick
Wie sie wirken
Beide Stoffe sind im Labor hergestellte Peptide, greifen aber in völlig verschiedene Hormonsysteme ein.
Tesamorelin
- Es besteht aus einer Kette von 44 Aminosäure-Bausteinen und bildet das Freisetzungshormon für Wachstumshormon vollständig nach. Am vorderen Ende sitzt eine kleine Gruppe aus sechs Kohlenstoffatomen, eine sogenannte Hexenoyl-Gruppe, die den Abbau bremst [1].
- Es bindet an die Andockstellen für dieses Hormon in der Hirnanhangsdrüse. Die Drüse schüttet daraufhin Wachstumshormon in ihren gewohnten Schüben aus [1].
- Wachstumshormon wirkt zum Teil über IGF-1, einen Botenstoff, den vor allem die Leber bildet. Bei Patienten stiegen unter der Behandlung IGF-1 und sein Transporteiweiß IGFBP-3 [1].
Retatrutid
- Es besteht aus einer Kette von 39 Aminosäure-Bausteinen, an der eine Fettsäurekette hängt. Entwickelt hat es die Firma Eli Lilly unter dem Code LY3437943 [2].
- Ein einziges Molekül schaltet die Andockstellen, sogenannte Rezeptoren, für drei Hormone ein: GIP, GLP-1 und Glukagon. Zusammen steuern sie den Appetit, die Insulinausschüttung und wie viel Energie der Körper verbraucht [2].
- Wird der GLP-1-Rezeptor eingeschaltet, essen die Behandelten weniger, und der Magen arbeitet langsamer. Eine eigens dafür angelegte Studie hat bestätigt, dass sich der Magen beim Menschen langsamer entleert [3].
- Über den Glukagon-Anteil soll der Körper mehr Energie verbrauchen und die Leber Fett anders verarbeiten [2]. Eine direkte Messung dieser Wirkung beim Menschen ist in den Quellen dieser Seite nicht auffindbar.
Der entscheidende Unterschied liegt im Angriffspunkt. Tesamorelin setzt eine Stufe vor dem Wachstumshormon an, in der Hormonkette, die vom Gehirn zur Hirnanhangsdrüse führt. Retatrutid wirkt dagegen auf die Hormone, die Essen und Blutzucker regeln, und Wachstumshormon spielt in seiner Bauweise keine Rolle.
Ebenso verschieden ist, wie lange die beiden im Körper bleiben. Tesamorelin hat bei gesunden Erwachsenen eine Halbwertszeit von rund 11 Minuten [1]. Retatrutid heftet sich an Albumin, ein Transporteiweiß im Blut, und der Körper braucht rund sechs Tage, um die Hälfte davon abzubauen [4].
Was die Studien zeigen
Eine Studie, die Tesamorelin und Retatrutid direkt miteinander vergleicht, ist in der für diese Seite ausgewerteten Literatur nicht auffindbar. Erprobt wurden die beiden an verschiedenen Menschen und zu verschiedenen Zwecken. Die Tesamorelin-Studien vermaßen im Schnittbild das tiefe Fett rund um die Organe, in Quadratzentimetern oder als prozentuale Veränderung allein dieses Fetts. Die Retatrutid-Studien wogen dagegen den ganzen Körper und gaben die Veränderung des Gewichts in Prozent an. Ein Prozent Bauchfett und ein Prozent Körpergewicht sind verschiedene Größen.
Tesamorelin: tiefes Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV
Phase-3-RCT In der ersten Zulassungsstudie wurden 412 Erwachsene mit HIV und Lipodystrophie per Los auf die Gruppen verteilt. Bei dieser Störung verteilt sich das Körperfett ungewöhnlich.
Nach 26 Wochen war das tiefe Fett rund um die Organe (viszerales Fett), im Schnittbild gemessen, unter Behandlung um 15,2 Prozent zurückgegangen. Unter Scheinmedikament stieg es dagegen um 5,0 Prozent (p < 0,001) [5]. Die amtliche Produktinformation gibt dasselbe Ergebnis als Unterschied von 31 Quadratzentimetern oder 20 Prozent an [1].
Phase-3-RCT Die zweite Studie begleitete 404 Erwachsene sechs Monate lang. Das tiefe Fett ging unter Behandlung um 10,9 Prozent zurück, unter Scheinmedikament um 0,6 Prozent (p < 0,0001). Am Fett an Armen und Beinen änderte sich nichts, und ebenso wenig am Fett direkt unter der Bauchhaut [6].
Metaanalyse Fasst man fünf randomisierte Studien zusammen, lag der Unterschied zum Scheinmedikament im Mittel bei 27,71 Quadratzentimetern viszeralem Fett. Der Body-Mass-Index veränderte sich nicht nennenswert [7].
Retatrutid: Körpergewicht bei Erwachsenen mit starkem Übergewicht
Phase-2-RCT In einer Studie der mittleren Entwicklungsphase erhielten 338 Erwachsene mit starkem Übergewicht eine von vier Dosen oder eine Scheinspritze. Nach 48 Wochen hatten sie mit der höchsten Dosis 24,2 Prozent ihres Gewichts verloren, mit dem Scheinmedikament 2,1 Prozent [8].
Unter dieser Dosis verloren 83 Prozent der Teilnehmer mindestens 15 Prozent ihres Körpergewichts, unter Scheinmedikament 2 Prozent [8].
Phase 3, bisher nur Pressemitteilung TRIUMPH-1 begleitete 2.339 Erwachsene ohne Diabetes über 80 Wochen. Gemeldet wurde mit der höchsten Dosis ein Gewichtsverlust von 28,3 Prozent, mit dem Scheinmedikament von 2,2 Prozent [9]. Diese Zahl stammt aus einer Pressemitteilung des Herstellers und nicht aus einer Fachzeitschrift.
Phase 3, bisher nur Pressemitteilung TRIUMPH-3 nahm 1.949 Erwachsene mit sehr starkem Übergewicht und einer festgestellten Herzerkrankung auf. Nach 80 Wochen erreichte der gemeldete Gewichtsverlust 22,6 Prozent, mit dem Scheinmedikament 3,2 Prozent [10]. Bis zum 6. September 2026 war keine der großen Studien vollständig veröffentlicht.
Körpergewicht: das Ergebnis, das die beiden nicht teilen
Phase-3-RCT Tesamorelin veränderte, wo das Fett sitzt, nicht aber, wie viel jemand wiegt. Das mittlere Körpergewicht verschob sich in der ersten Zulassungsstudie um −0,4 Kilogramm und in der zweiten um +0,5 Kilogramm, beides ohne Unterschied zum Scheinmedikament [1].
Laut Produktinformation ist der Wirkstoff nicht zur Gewichtsabnahme bestimmt, weil er auf das Gewicht neutral wirkt [1].
Leberfett: bei beiden gemessen, aber unterschiedlich
RCT Zu Tesamorelin nahm eine Studie 61 Menschen mit HIV auf, deren Leberfett mindestens 5 Prozent betrug. Nach zwölf Monaten war dieser Anteil um 4,1 Prozentpunkte stärker gesunken als unter Scheinmedikament. Auf den Ausgangswert bezogen entspricht das einem Rückgang um 37 Prozent [11].
Nach einem Jahr lagen 35 Prozent der Behandelten unter der Schwelle von 5 Prozent, unter Scheinmedikament 4 Prozent [11].
Phase-2a-RCT Zu Retatrutid untersuchte eine von vornherein geplante Teilstudie 98 Menschen ohne Diabetes, deren Leber zu mindestens 10 Prozent aus Fett bestand. Nach 24 Wochen war das Leberfett mit der niedrigsten Dosis um 42,9 Prozent zurückgegangen und mit der höchsten um 82,4 Prozent. Unter Scheinmedikament nahm es leicht zu, um 0,3 Prozent [12].
In den beiden Gruppen mit den höchsten Dosen erreichten 79 und 86 Prozent eine normale Leber mit weniger als 5 Prozent Fett [12]. Die beiden Leberstudien unterscheiden sich darin, wer teilnahm, wie lange sie liefen und wie sie die Veränderung angaben.
Blutzucker
Phase-2-RCT Bei 281 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes senkte Retatrutid in 24 Wochen den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c, glykiertes Hämoglobin). Mit der höchsten Dosis sank er um 2,02 Prozentpunkte, mit dem Scheinmedikament um 0,01. Das bewährte Vergleichsmittel Dulaglutid senkte ihn um 1,41 Punkte [13].
Phase-2-RCT Tesamorelin wurde an 53 Erwachsenen geprüft, die bereits Typ-2-Diabetes hatten. Nach zwölf Wochen Behandlung waren die Insulinantwort, der Nüchternblutzucker und der Langzeitwert unverändert [14].
Herzereignisse
Phase 3, bisher nur Pressemitteilung In TRIUMPH-3 wurden schwere Herzereignisse unter Retatrutid gezählt. Fasste man drei Arten von Ereignissen zusammen, lag die Hazard Ratio bei 1,12, mit einem Bereich von 0,64 bis 1,96 [10]. Dieser Bereich schließt ein, dass es gar keinen Unterschied gibt, und zeigt daher weder einen Nutzen noch einen Schaden.
Zu Tesamorelin hält die Produktinformation fest, dass die Sicherheit für Herz und Kreislauf auf lange Sicht nicht belegt ist [1]. Eine Studie, die zeigt, dass einer der beiden Stoffe Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert, ist nicht auffindbar.
Was nach dem Absetzen geschieht
Phase-3-RCT In der Verlängerungsphase der Tesamorelin-Studie wurden 263 Teilnehmer für weitere 26 Wochen erneut per Los verteilt. Wer in Behandlung blieb, lag nach 52 Wochen weiterhin 18 Prozent unter dem Ausgangswert. Wer auf ein Scheinmedikament umgestellt wurde, verlor den Gewinn wieder, und das tiefe Fett lagerte sich erneut an [15].
Zu Retatrutid reicht die längste auffindbare Nachbeobachtung über 104 Wochen. Diese Verlängerung stand nur Menschen mit einem Body-Mass-Index ab 35 offen [9]. Eine Studie, die Folgen für Herz und Nieren messen soll, nimmt 10.000 Menschen auf und liefert ihr Hauptergebnis nicht vor Februar 2029 [16].
Die Ergebnisse stammen aus unterschiedlichen Patientengruppen und beruhen auf unterschiedlichen Dosen, Messgrößen und Studienzeiten. Ein Rückgang des viszeralen Fetts in Quadratzentimetern lässt sich nicht gegen einen Rückgang des Körpergewichts in Prozent aufrechnen.
Sicherheit
Die beiden Sicherheitsprofile unterscheiden sich schon in ihrer Herkunft. Zu Tesamorelin gibt es eine aktuelle amtliche Produktinformation, die auf den Zulassungsstudien beruht. Zu Retatrutid gibt es keine amtliche Produktinformation, und jede Zahl zur Sicherheit stammt aus Studien des Herstellers.
Tesamorelin laut amerikanischer Produktinformation:
- Reaktionen an der Einstichstelle bei 17 Prozent gegenüber 6 Prozent unter Scheinmedikament in den ersten 26 Wochen, darunter Rötung, Juckreiz, Schmerz und Schwellung [1].
- Gelenkschmerzen bei 13 Prozent gegenüber 11 Prozent. Muskelschmerzen traten bei 6 gegenüber 2 Prozent auf, Schwellungen an Knöcheln und Füßen ebenfalls bei 6 gegenüber 2 Prozent [1].
- Höherer Blutzucker. Nach 26 Wochen lag der Blutzucker-Langzeitwert bei 5 Prozent der Behandelten bei 6,5 Prozent oder darüber, unter Scheinmedikament bei 1 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, einen Diabetes zu entwickeln, war erhöht (Chancenverhältnis 3,3; 1,4 bis 9,6) [1].
- Erhöhtes IGF-1. Nach 26 Wochen lagen 47 Prozent der Teilnehmer mehr als zwei Standardabweichungen über dem Normalwert. Die langfristigen Folgen nennt die Produktinformation unbekannt [1].
- Situationen, die den Wirkstoff vollständig ausschließen: eine aktive Krebserkrankung, eine unterbrochene Verbindung zwischen Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse, eine bekannte Allergie und eine Schwangerschaft [1].
Retatrutid laut den Studienberichten; die Zahlen aus TRIUMPH-1 stammen aus einer Pressemitteilung des Herstellers:
- Übelkeit bei 42,4 Prozent gegenüber 14,8 Prozent unter Scheinmedikament in der Gruppe mit der höchsten Dosis in TRIUMPH-1. Durchfall hatten 32,0 gegenüber 13,5 Prozent, Erbrechen 25,3 gegenüber 4,8 Prozent [9].
- Ungewöhnliche Empfindungen der Haut wie Kribbeln, Brennen oder Taubheit (Dysästhesie) traten im selben Vergleich bei 12,5 gegenüber 0,9 Prozent auf [9].
- Mehr Abbrüche bei höheren Dosen. In TRIUMPH-1 beendeten 11,3 Prozent der Gruppe mit der höchsten Dosis die Behandlung, unter Scheinmedikament 4,9 Prozent [9].
- Ein schnellerer Puls. In der Phase-2-Studie zum Übergewicht stieg die Herzfrequenz mit der Dosis, erreichte in Woche 24 ihren Höchstwert und ging dann zurück [8]. Eine unabhängige Auswertung beziffert den größten Anstieg auf 6,7 Schläge pro Minute [17].
- Hinweise auf Herzrhythmusstörungen. Eine zweite unabhängige Übersichtsarbeit nennt leichte bis mittelschwere Rhythmusstörungen und fordert lange Studien, die messen, was mit den Patienten geschieht [18].
- Ein Fall außerhalb jeder Studie. Ein Bericht von 2026 beschreibt einen Mann mit Typ-1-Diabetes, der sich ein Produkt gespritzt hatte, das im Internet unter diesem Namen verkauft wurde. Es kam zu schwerem Erbrechen, einer Übersäuerung des Blutes und einem plötzlichen Nierenschaden [19].
Ware, die als Forschungspeptid verkauft wird, bringt bei beiden Stoffen ein eigenes Problem mit sich. Übersichtsarbeiten von 2026 ordnen Tesamorelin dem unregulierten Markt der Forschungssubstanzen zu, auf dem Zusammensetzung und Reinheit ungeprüft sind [20], [21].
Warum diese Seite keine Dosierungen nennt. Tesamorelin ist ein Rezeptmedikament, und Retatrutid ist ein Prüfpräparat, das keine Behörde zugelassen hat. Welche Menge infrage kommt, ergibt sich aus der amtlichen Produktinformation, aus der Entscheidung der verschreibenden Ärztin oder des verschreibenden Arztes oder aus einer ärztlich überwachten Studie. Diese Seite berichtet deshalb, was die Studien gemessen haben, ohne die dort verwendeten Mengen zu wiederholen.
Rechtsstatus
Tesamorelin ist in den USA seit dem 10. November 2010 ein verschreibungspflichtiges Medikament, zugelassen nur gegen überschüssiges Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie [22]. Der europäische Antrag wurde am 21. Juni 2012 zurückgezogen, das kanadische Produkt am 30. September 2022 gestrichen [23], [24]. Retatrutid ist in keinem Markt zugelassen, sondern ein Prüfpräparat in Phase 3 [25]. Einen Antrag in den USA hat der Hersteller für Anfang 2027 angekündigt, bis zum 6. September 2026 aber nicht eingereicht [10]. Im Sport sind beide jederzeit verboten. Tesamorelin steht in Abschnitt S2.2.4 der Liste 2026 [26]. Retatrutid fällt unter Abschnitt S0, der Stoffe ohne gültige Zulassung erfasst [27]. Stand: 6. und 7. September 2026.
Zusammen angewendet?
Das Blend-Verzeichnis führt kein Produkt, das Tesamorelin und Retatrutid kombiniert. Tesamorelin taucht dort nur in Mischungen mit Wachstumshormon-Peptiden auf, etwa in Tesamorelin + Ipamorelin. Retatrutid steckt in einer einzigen Mischung, Loretta, zusammen mit Eloralintid. Die vollständige Liste steht unter Blends.
Eine Studie, in der Tesamorelin und Retatrutid zusammen gegeben wurden, ist in den für diese Seite ausgewerteten Quellen nicht auffindbar. Die beiden wirken über Hormonsysteme, die nichts miteinander zu tun haben, und ein Bericht darüber, was die Kombination bewirkt oder wie sicher sie ist, ist ebenfalls nicht auffindbar.
Mehr zu beiden Stoffen steht in den Monographien zu Tesamorelin und Retatrutid. Die Regeln des Sports für beide Stoffklassen erklärt die Seite im Sport verbotene Peptide.
Häufige Fragen
Was ist besser, Tesamorelin oder Retatrutid?
Eine Rangfolge ist nicht möglich, weil eine Studie, die beide vergleicht, in der ausgewerteten Literatur nicht auffindbar ist. Bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie verringerte Tesamorelin das tiefe Bauchfett in 26 Wochen um 15,2 Prozent, während es unter Scheinmedikament um 5,0 Prozent zunahm. Bei Erwachsenen mit starkem Übergewicht senkte die höchste Retatrutid-Dosis das Körpergewicht in 48 Wochen um 24,2 Prozent, das Scheinmedikament um 2,1 Prozent. Teilnehmer, gemessene Ergebnisse und Studiendauer unterscheiden sich zu stark für ein Urteil.
Was ist besser für den Fettabbau, Tesamorelin oder Retatrutid?
Darauf geben die Studien keine Antwort, weil die beiden Wirkstoffe für verschiedene Zwecke erprobt wurden. Tesamorelin ist nur dafür zugelassen, überschüssiges tiefes Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie zu verringern, und laut Produktinformation dient es nicht zur Gewichtsabnahme. Die Retatrutid-Studien maßen das Körpergewicht von Menschen mit starkem Übergewicht, und keine Behörde hat den Wirkstoff für irgendetwas zugelassen.
Was ist der Unterschied zwischen Tesamorelin und Retatrutid?
Tesamorelin ist eine Kopie des Freisetzungshormons für Wachstumshormon und wirkt über die Hirnanhangsdrüse. Retatrutid schaltet die Andockstellen für drei Hormone ein, GIP, GLP-1 und Glukagon, die Appetit, Insulinausschüttung und Energieverbrauch steuern. Tesamorelin ist in den USA seit 2010 ein verschreibungspflichtiges Medikament. Retatrutid wird noch in großen Studien geprüft und ist in keinem Land zugelassen.
Ist Tesamorelin oder Retatrutid sicherer?
Eine Studie, die die Sicherheit beider nebeneinander prüft, ist nicht auffindbar, und deshalb gibt es keine Rangfolge. Zu Tesamorelin existiert eine amtliche Produktinformation mit gemessenen Häufigkeiten, etwa Reaktionen an der Einstichstelle bei 17 Prozent gegenüber 6 Prozent unter Scheinmedikament und ein erhöhtes Diabetesrisiko. Zu Retatrutid gibt es keine amtliche Produktinformation, seine Sicherheitsdaten stammen aus Studien des Herstellers. Aus der größten, TRIUMPH-1, meldete er per Pressemitteilung Übelkeit bei 42,4 Prozent gegenüber 14,8 Prozent unter Scheinmedikament.
Kann man Tesamorelin und Retatrutid zusammen anwenden?
Eine Studie, in der beide zusammen gegeben wurden, ist nicht auffindbar. Über Wirkung und Sicherheit der Kombination ist daher nichts bekannt. Das Blend-Verzeichnis führt kein Produkt, das beide enthält. Die beiden wirken über Hormonsysteme, die nichts miteinander zu tun haben, und weder eine Produktinformation noch ein Studienbericht, der ihre gemeinsame Gabe beschreibt, ist auffindbar.
Ist Tesamorelin ein Abnehmmittel wie Retatrutid?
Nein. Laut amtlicher Produktinformation ist Tesamorelin nicht zur Gewichtsabnahme bestimmt, weil es auf das Gewicht neutral wirkt. In den beiden Zulassungsstudien veränderte sich das mittlere Körpergewicht um −0,4 Kilogramm und +0,5 Kilogramm, beides ohne Unterschied zum Scheinmedikament. Verändert hat sich, wo das Fett sitzt, nicht aber, wie viel jemand wiegt.
Sind Tesamorelin und Retatrutid zugelassen?
Tesamorelin ist nur in den USA zugelassen, gegen überschüssiges Bauchfett bei Erwachsenen mit HIV und Lipodystrophie. Der europäische Antrag wurde 2012 zurückgezogen. Retatrutid ist nirgendwo zugelassen. Der Hersteller hat einen Antrag in den USA für Anfang 2027 angekündigt, ihn bis zum 6. September 2026 aber nicht eingereicht.
Sind Tesamorelin und Retatrutid im Sport verboten?
Ja, beide jederzeit, im Wettkampf wie außerhalb, allerdings nach verschiedenen Abschnitten. Die Verbotsliste 2026 nennt Tesamorelin in Abschnitt S2.2.4 unter den Freisetzungsfaktoren des Wachstumshormons. Retatrutid steht nicht namentlich darauf, sondern fällt unter Abschnitt S0, der jeden Stoff ohne gültige Zulassung einer Gesundheitsbehörde erfasst.
Quellen
Hinweis zu den Titeln: Die Einträge stehen in ihrer englischen Originalfassung. Wo ein Originaltitel einen Handelsnamen nennt, steht an seiner Stelle eine neutrale Beschreibung; das betrifft die Einträge 1 und 23. Autoren, Zeitschrift, Jahr, Band, Seiten, PMID, DOI und Webadresse sind unverändert.
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