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TB-500: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit

Status auf einen Blick

MarktStatusDatum
Vereinigte StaatenNicht zugelassen
Europäische UnionNicht zugelassen
DeutschlandNicht zugelassen
Vereinigtes KönigreichNicht zugelassen
AustralienUnterstellte Substanz2024-06-01
KanadaNicht zugelassen
SchweizNicht zugelassen
Entwicklungsstufe
Präklinisch
Stärkste Evidenz
Tierstudie
WADA-Status
Verboten (S2, 2026)
Zuletzt geprüft
2026-09-06
Version
1.0

TB-500: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit

Zusammenfassung

TB-500 ist ein künstlich hergestelltes Bruchstück aus sieben Bausteinen des menschlichen Eiweißes Thymosin β4. Zugelassen hat es keine Behörde, und die US-Arzneimittelbehörde FDA fand nach eigenen Angaben keine Daten zur Anwendung am Menschen. Alles, was über seine Wirkung veröffentlicht ist, stammt aus Versuchen an Tieren und an Zellen. Fast jede Studie am Menschen auf diesem Gebiet untersuchte stattdessen das vollständige Eiweiß aus 43 Bausteinen, und die beiden größten dieser Studien erreichten ihr Ziel nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Daten vom Menschen gibt es nicht. Zu Mitteln mit diesem Bruchstück fand die FDA nach eigenen Angaben nichts über die Anwendung am Menschen [1], und im Studienregister steht keine einzige echte Studie [2].
  • 19 von 20 angemeldeten Studien untersuchen ein anderes Molekül. Sie alle prüfen das vollständige Thymosin β4. Der einzige Eintrag, der TB-500 überhaupt nennt, bezeichnet sich selbst als erfundenes Beispiel [2].
  • Die beiden großen Studien zum vollständigen Eiweiß scheiterten. ARISE-2 mit 601 und ARISE-3 mit 700 Teilnehmern verfehlten jeweils beide Ergebnisse, die sie eigentlich zeigen sollten [3], [4].
  • 60 µg je Kilogramm Körpergewicht und Tag stärkten die Sehne bei Ratten. Bei 32 Tieren riss die Sehne nach vier Wochen erst bei deutlich höherer Belastung, und die zusätzliche Gabe von BPC-157 brachte nichts weiter [5].
  • Die Wunde schloss nicht TB-500, sondern eines seiner Abbauprodukte. In einer Untersuchung von 2024 wirkte im Wundtest allein das Bruchstück Ac-LKKTE messbar, das beim Abbau entsteht [6].
  • In den meisten untersuchten Proben steckte überhaupt kein Peptid. Ein Universitätslabor für den Pferderennsport fand in der Mehrzahl der als TB-500 verkauften Proben weder Eiweiße noch Peptide oder deren Bausteine [7].
  • Im Sport jederzeit verboten. Abschnitt S2.3 der Verbotsliste 2026 nennt „Thymosin-β4 and its derivatives e.g. TB-500“ (Thymosin-β4 und davon abgeleitete Stoffe, zum Beispiel TB-500) und stuft sie als nicht spezifische Substanz ein, bei der ein Verstoß besonders schwer wiegt [8].

Was TB-500 ist

TB-500 ist ein künstlich hergestelltes Peptid aus sieben Bausteinen, also aus sieben Aminosäuren. Es bildet die Positionen 17 bis 23 des menschlichen Eiweißes Thymosin β4 nach und trägt an seinem vorderen Ende zusätzlich eine kleine chemische Kappe, die sogenannte Acetylgruppe [9]. In der Natur kommt dieses Molekül so nicht vor, ein Arzneimittel ist es ebenfalls nicht, und sein Name stammt aus dem Handel mit Tier- und Graumarktware und nicht von einem Arzneimittelhersteller.

Was in den Fläschchen mit diesem Namen tatsächlich steckt, klärten erst Doping-Fahnder. Das Kontrolllabor im belgischen Gent bestimmte das Bruchstück 2012 mit einem Verfahren, das Moleküle nach ihrem Gewicht auftrennt, und stellte es zum Vergleich selbst her [10].

Die Behörden behandeln das Bruchstück und das vollständige Eiweiß als zwei verschiedene Stoffe. Australien führt beide getrennt in seiner Giftliste [11], und die FDA behandelt das Bruchstück unabhängig von allem, was zu Thymosin β4 läuft [1].

Kurzprofil

FeldWertQuelle
Gebräuchliche NamenTB-500, TB500, Ac-LKKTETQ[9]
Regulatorische BezeichnungThymosin beta-4, Fragment (LKKTETQ)[1]
StoffklasseKünstliches Peptid aus sieben Bausteinen, Bruchstück eines menschlichen Eiweißes[9], [10]
SequenzAc-Leu-Lys-Lys-Thr-Glu-Thr-Gln[9]
Summenformel und MasseC38H68N10O14, 889,0 g/mol[9]
AusgangseiweißThymosin β4, 43 Bausteine, rund 4,9 kDa[12]
Halbwertszeit beim MenschenNicht veröffentlicht[6]
StatusIn keinem Land und für keine Tierart zugelassen[1], [11]
EntwicklerKeiner; kein Pharmaunternehmen hat den Stoff je entwickelt[1]
CAS-Nummer885340-08-9[9]
UNIIQHK6Z47GTG[9]
PubChem CID62707662[9]

TB-500: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit

Wie es wirkt

Wie der Stoff im menschlichen Körper wirkt, hat niemand gemessen. Alle folgenden Punkte sind deshalb Annahmen aus Versuchen an Zellen und an Tieren [1].

  • Es könnte an Aktin binden. Aktin ist jenes Eiweiß, aus dem Zellen ihr inneres Gerüst bauen und mit dem sie sich fortbewegen. Der Abschnitt, den TB-500 nachbildet, ist genau die Stelle, mit der das vollständige Thymosin β4 an Aktin andockt [12]. Wie fest diese Bindung hält, hängt allerdings stark von der Umgebung im Molekül ab. Das herausgelöste Bruchstück muss sich deshalb nicht so verhalten wie das ganze Eiweiß [13].
  • Neue Blutgefäße und Reparatur. Innerhalb des vollständigen Eiweißes ordnet die Fachliteratur gerade diesem Abschnitt die Bildung neuer Blutgefäße, die Wundheilung und die Wanderung von Zellen zu [12].
  • Ein Ersatz für das ganze Eiweiß? Bei alten Mäusen half die Fassung des Bruchstücks ohne die chemische Kappe der Haut ähnlich gut wie das vollständige Molekül [14]. Auf diesem einen Vergleich aus dem Jahr 2003 beruht ein großer Teil dessen, was seither behauptet wird.
  • Womöglich wirkt erst das Abbauprodukt. Eine Untersuchung von 2024 zum Abbau im Körper legt nahe, dass die berichtete Wundheilung eher von dem Bruchstück Ac-LKKTE ausgeht, das dabei entsteht, als von dem Peptid, das man tatsächlich verabreicht [6].
  • Der entzündungshemmende Abschnitt fehlt. Die entzündungshemmende Wirkung des Thymosin β4 schreibt die Fachliteratur einem ganz anderen Abschnitt namens Ac-SDKP zu, und der steckt in TB-500 nicht drin [12], [7].
  • Die Wirkung am Herzen betrifft ein anderes Molekül. Jene Kette von Signalen im Inneren der Herzzellen, die Forscher bei Mäusen beschrieben haben, löste das vollständige Eiweiß aus und nicht das Bruchstück [15].

Dieser Unterschied ist der Kern der Sache: Vieles, was TB-500 zugeschrieben wird, ordnen die Originalarbeiten gerade jenen Teilen des Thymosin β4 zu, die im Bruchstück fehlen.

Was die Studien zeigen

Studien mit TB-500 am Menschen gibt es nicht. Zuerst stehen deshalb die Versuche an Tieren und Zellen mit dem Bruchstück, danach das, was man beim Menschen über das vollständige Eiweiß weiß, also über ein anderes Molekül.

Registrierte Studien nach Molekül
Bruchstück TB-500
0Studien
Vollständiges Thymosin β4
19Studien

Studienregister ClinicalTrials.gov, abgefragt am 6. September 2026 mit neun Schreibweisen. Der eine Eintrag, der TB-500 nennt, bezeichnet sich selbst als erfundenes Beispiel und zählt nicht mit. Quelle [2].

Sehne

Tierversuch Bei 32 Ratten durchtrennten die Forscher die Achillessehne, nähten sie wieder zusammen und spritzten vier Wochen lang täglich 60 µg je Kilogramm Körpergewicht in den Bauchraum. Die Sehne hielt danach deutlich mehr Zug aus als bei den unbehandelten Vergleichstieren, und dieser Unterschied war zu groß für Zufall (p < 0,05). Auch unter dem Mikroskop sah das reparierte Gewebe geordneter aus; zwei gängige Bewertungsschemata für Sehnengewebe fielen entsprechend besser aus (p = 0,016 und p = 0,017). BPC-157 allein erreichte das nicht, und beide Peptide zusammen brachten keinen zusätzlichen Nutzen. Die Forscher selbst bezeichnen ihre Arbeit als erste Orientierung [5].

Hautwunden

Tierversuch Bei 26 Monate alten Mäusen half das Peptid aus sieben Bausteinen der Haut ähnlich gut wie das vollständige Thymosin β4 [14]. Verwendet wurde dort allerdings die Fassung ohne die chemische Kappe, und die ist nicht dasselbe wie das Bruchstück, das als TB-500 verkauft wird. Für das vollständige Eiweiß bildete sich bei Ratten an Tag 4 um 42 Prozent mehr neue Oberhaut als unter reiner Kochsalzlösung, bis Tag 7 waren es bis zu 61 Prozent, und die Wunde zog sich an Tag 7 um mindestens 11 Prozent stärker zusammen [16].

Welches Molekül wirkt

Laborversuch Eine Untersuchung von 2024 verfolgte, was aus TB-500 im menschlichen Blutserum, in Enzymlösungen und in Ratten wird. In den ersten sechs Stunden überwog das kürzeste Bruchstück Ac-LK, während sich Ac-LKK bis zu 72 Stunden lang nachweisen ließ. Im Test auf Wundheilung wirkte einzig das Bruchstück Ac-LKKTE messbar, das verabreichte Peptid selbst dagegen nicht [6].

Hornhaut und Gehirn

Tierversuch Ein Gel, in das TB-500 fest eingebaut war, ließ die Hornhaut des Auges nach einer Verätzung schneller heilen [17]. Weil das Peptid Teil des Gels war, gilt das Ergebnis für genau diese Zubereitung und nicht für den Stoff an sich. Bei Mäusen, die eine Alzheimer-ähnliche Erkrankung entwickeln, fanden sich unter Peptiden aus Thymosin β4 bessere Leistungen im Labyrinth und beim Wiedererkennen von Gegenständen, und die entzündliche Reaktion der Stützzellen im Gehirn fiel schwächer aus. Die krankhaften Eiweißablagerungen im Erinnerungszentrum blieben dagegen unverändert [18].

Das Ausgangsprotein beim Menschen

Erste Prüfung am Menschen Vierzig gesunde Freiwillige erhielten das vollständige Thymosin β4 als Infusion, und zwar 42, 140, 420 oder 1260 mg, anschließend 14 Tage lang dieselbe Tagesdosis. Unerwünschte Ereignisse traten selten auf und blieben leicht bis mittelschwer. Keine Dosis war so hoch, dass man wegen der Nebenwirkungen hätte abbrechen müssen [19].

Studien an Patienten Zwei Studien mit je 72 Patienten prüften ein Gel zum Auftragen, wobei es vor allem um die Verträglichkeit ging. Bis Tag 84 schlossen sich bei den Druckgeschwüren 8 Wunden gegenüber 3 in der Vergleichsgruppe, bei den Geschwüren am Unterschenkel 12 gegenüber 4 [20].

Eine Übersichtsarbeit der Entwickler selbst berichtet von einer um fast einen Monat schnelleren Heilung, allerdings nur bei jenen Patienten, deren Wunde sich überhaupt schloss [21]. Keine dieser beiden Entwicklungen kam je bis zur letzten Prüfstufe vor einer Zulassung.

Große Zulassungsstudie Die Studie SEER-1 prüfte Augentropfen mit 0,1 Prozent Wirkstoff bei einer Hornhauterkrankung, bei der die Nerven des Auges geschädigt sind. Nach vier Wochen heilten 6 von 10 Augen vollständig ab, unter Scheintropfen dagegen 1 von 8. Sicher war dieser Unterschied nicht (p = 0,0656). Abgebrochen wurde die Studie bereits nach 18 Teilnehmern [22].

Die beiden großen Studien, die scheiterten

An der Studie ARISE-2 nahmen 601 Menschen mit trockenem Auge teil, und beide Ergebnisse, die sie zeigen sollte, blieben aus [3]. Auch ARISE-3 verfehlte mit 700 zufällig zugeteilten Teilnehmern beide Ziele: Der Schaden an der unteren Hornhaut, sichtbar gemacht mit einem Farbstoff, ging um −0,41 Punkte zurück, unter den Scheintropfen sogar um −0,46 Punkte [4].

Was ARISE-2 an Tag 29 zeigen sollte
Augenbeschwerden, Tropfen
0.07Punkte
Augenbeschwerden, Scheintropfen
−0.04Punkte
Hornhautanfärbung, Tropfen
0.07Punkte
Hornhautanfärbung, Scheintropfen
−0.01Punkte

Beide Ziele verfehlt. Große Zulassungsstudie mit 601 Teilnehmern, Augentropfen mit dem vollständigen Thymosin β4 und nicht mit dem Bruchstück TB-500. Quelle [3].

Eine unabhängige Übersichtsarbeit des Cochrane-Netzwerks sah sich SEER-1 genauer an. Rechnerisch heilte die Deckschicht des Auges unter den Tropfen neunmal so oft (relatives Risiko 9,00), doch der Bereich, in dem der wahre Wert liegen dürfte, reicht von 0,57 bis 141,88 und schließt damit auch gar keine Wirkung ein. Die Fachleute stufen die Aussagekraft entsprechend als gering ein [23]. Auch die europäische Studie SEER-3 verfehlte laut Fachpresse ihr Ziel [24], während SEER-2 am 6. September 2026 noch Teilnehmer suchte [25].

Was weiterhin unbekannt ist

  • Alles, was den Menschen betrifft. Zu dem Bruchstück gibt es weder eine Untersuchung zur Sicherheit noch eine dazu, was der Körper mit dem Stoff macht, weder einen Wirksamkeitsnachweis noch auch nur eine Sammlung von Einzelfällen [1], [2].
  • Ob sich die Befunde zum vollständigen Eiweiß übertragen lassen. Mehrere Wirkungen des Thymosin β4 gehen auf Abschnitte zurück, die im Bruchstück gar nicht vorkommen [12], [15].
  • Welches Molekül überhaupt wirken würde. Der Befund zum Abbauprodukt lässt offen, welcher Stoff am Ende etwas bewirkt [6].
  • Die Frage nach Krebs. Ein Stoff, der neue Blutgefäße wachsen lässt und Zellen zum Wandern bringt, wirft bei einem unentdeckten Tumor Fragen auf, die keine Studie beantwortet [12], [26].
  • Die Folgen auf lange Sicht. Zu dem Bruchstück wurde weder eine Untersuchung zum Krebsrisiko noch die übliche Prüfung auf Erbgutschäden veröffentlicht.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Eine Übersicht der Nebenwirkungen von TB-500 gibt es nicht, weil der Stoff am Menschen nie untersucht wurde. Dass keine Nebenwirkungen berichtet sind, heißt nicht, dass keine auftreten [1].

  • Abwehrreaktionen und Verunreinigungen. Beides benennt die FDA als Risiko bei Zubereitungen, die Apotheken aus diesem Bruchstück anfertigen. Sie verweist darauf, dass das Peptid verklumpen kann und dass bei der Herstellung verwandte Peptide als Verunreinigung zurückbleiben [1].
  • In einem Zelltest keine Giftigkeit. Weder das Peptid noch seine Abbauprodukte schädigten die Bindegewebszellen, an denen man es prüfte [6]. Ein Versuch an einer einzigen Zellart ersetzt allerdings keine Prüfung auf Giftigkeit.
  • Das vollständige Eiweiß vertrugen 40 Menschen. Thymosin β4 als Infusion bis zu 1260 mg täglich über 14 Tage zwang zu keinem Abbruch wegen Nebenwirkungen [19]. Es handelt sich dabei aber um ein anderes Molekül, geprüft an 40 Menschen über zwei Wochen.
  • Was in den Fläschchen ist, kontrolliert niemand. Ein Universitätslabor für den Pferderennsport berichtete, dass viele entsprechend beschriftete Proben weder Thymosin β4 noch ein davon abgeleitetes Peptid enthielten und die meisten überhaupt keine Eiweiße, Peptide oder deren Bausteine. Nur in einer einzigen Probe steckte tatsächlich das Bruchstück mit der chemischen Kappe [7].
  • Die falsche Beschriftung bestätigte ein zweites Labor. Ein französisches Labor für den Rennsport untersuchte TB500 und TB1000 im Jahr 2023 als falsch bezeichnete und gestreckte Arzneimittel und stellte fest, dass der Inhalt nicht durchgängig zur Beschreibung passte [27].
  • Die Fachwelt urteilt einheitlich. Eine sportmedizinische Übersicht von 2026 hält die Tierergebnisse zwar für günstig, die Sicherheitsdaten beim Menschen aber für dürftig und die möglichen Schäden für erheblich [26]. Eine weitere Übersicht nach festem Verfahren ordnete 67 Prozent der Veröffentlichungen den Vorstufen der Forschung zu und rät davon ab, den Stoff zusätzlich zur üblichen orthopädischen Behandlung anzuwenden [28].

Was man über die Sicherheit weiß, besteht aus Lücken. Über wiederholte Spritzen, über die Anwendung in der Schwangerschaft, bei Kindern und bei geschwächter Leber oder Niere ist nichts bekannt, weil es dazu keine einzige Untersuchung gibt [1].

Dosierungen in den Studien

Diese Dosierungen stammen aus den zitierten Studien und stehen hier nur als Beleg. Sie sind keine Empfehlung und taugen nicht als Anleitung für eine eigene Anwendung. Entscheidend ist die Spalte Substanz, denn nur die ersten vier Zeilen betreffen das Bruchstück, das als TB-500 verkauft wird.

StudieSubstanzModellDosisWegDauerQuelle
Biçer 2026, AchillessehneBruchstückRatte60 µg/kg pro TagIn die Bauchhöhle4 Wochen[5]
Ho 2012, NachweisverfahrenBruchstückPferdEine Gabe einer Zubereitung mit 10 mgNicht angegebenEinmalig[29]
Philp 2003, HautreparaturBruchstück ohne chemische KappeAlte MausIn der Kurzfassung nicht angegebenAuf die WundeBis Tag 8[14]
Rahaman 2024, Abbau im KörperBruchstückRatte und LaborschaleIn der Kurzfassung nicht angegebenNicht angegebenProben bis 72 Stunden[6]
Ruff 2010, erste Prüfung am MenschenVollständiges Tβ4Mensch42, 140, 420 oder 1260 mgAls Infusion14 Tage[19]
SEER-1, HornhauterkrankungVollständiges Tβ4MenschLösung mit 0,1 Prozent WirkstoffAuf das Auge28 Tage[22]
Geschwür-Studien an PatientenVollständiges Tβ4MenschDrei aufsteigende Stufen, im Register nicht beziffertGel zum AuftragenBis 84 Tage[20]

Die einzigen Dosierungen am Menschen, die auf diesem Gebiet je veröffentlicht wurden, betreffen das vollständige Eiweiß [19]. Für die Anwendungspläne, die in Werbematerial kursieren, gibt es keine einzige Studie, und deshalb stehen sie hier auch nicht.

Entwicklungsstand und Zulassung

Wie sich das Feld entwickelte

  1. 1999Das vollständige Thymosin β4 lässt Wunden bei Ratten schneller heilen42 Prozent mehr neue Oberhaut an Tag 4, Quelle [16]
  2. 2003Das Bruchstück LKKTETQ zieht bei alten Mäusen mit dem Protein gleichDer Vergleich hinter TB-500, Quelle [14]
  3. 2004Arbeit in Nature zur Reparatur des Herzens durch das vollständige EiweißEine Signalkette im Inneren der Herzzellen von Mäusen, Quelle [15]
  4. 2010Einzelne Wirkungen werden bestimmten Abschnitten des Eiweißes zugeordnetAc-SDKP hemmt Entzündungen, LKKTETQ lässt Gefäße wachsen, Quelle [12]
  5. 2012Dopinglabore klären, was in TB-500 tatsächlich stecktGent und Hongkong, Quellen [10], [29]
  6. 2013Bericht aus dem Rennsport: In den meisten Proben steckt gar kein PeptidEmpfohlen wird die strengste Strafklasse, Quelle [7]
  7. 2016CAS sperrt 34 australische Footballer wegen Thymosin beta-4Ohne einen einzigen positiven Test, Quelle [30]
  8. 2018-2021ARISE-2 und ARISE-3 verfehlen jedes ihrer Ziele601 und 700 Teilnehmer, Quellen [3], [4]
  9. 2022SEER-1 erscheint: 6 von 10 geheilt gegenüber 1 von 8, p = 0,0656Abbruch nach 18 Teilnehmern, Quelle [22]
  10. 2024Australien führt TB-500 getrennt von Thymosin β4Schedule 4 und Appendix D, Quelle [11]
  11. 2025-2026Die Anti-Doping-Listen nennen TB-500; Cochrane hält die Belege für schwachQuellen [8], [23]
  • 1999 bis 2004 — das vollständige Eiweiß zeigt im Tierversuch Wirkung auf Wunden und auf das Herz [16], [15].
  • 2003 — das Bruchstück aus sieben Bausteinen kommt bei Mäusen zu vergleichbaren Ergebnissen [14].
  • 2012 — Dopinglabore klären, welcher Stoff im gehandelten TB-500 tatsächlich steckt [10], [29].
  • 2013 — ein Bericht aus dem Rennsport belegt falsch beschriftete Ware und empfiehlt die strengste Strafklasse [7].
  • 2018 bis 2022 — die drei großen Augenstudien zum vollständigen Eiweiß gehen negativ aus oder bleiben ohne Aussagekraft [3], [4], [22].
  • 2024 — Australien führt TB-500 namentlich und getrennt von Thymosin β4 [11].
MarktStatusAnmerkungQuelle
USANicht zugelassenIn der Aufsicht über die Herstellung in Apotheken namentlich genannt[1]
Europäische UnionNicht zugelassenKeine Zulassung
DeutschlandNicht zugelassenFolgt der EU-Position
Vereinigtes KönigreichNicht zugelassenKein zugelassenes Arzneimittel
AustralienBeschränktVerschreibungspflichtig, Besitz nur mit Erlaubnis[11]
KanadaNicht zugelassenKeine Arzneimittelnummer
SchweizNicht zugelassenKeine Zulassung

Zwei Zeilen dieser Tabelle stützen sich auf Originaldokumente. Der Eintrag für die USA stammt von der FDA-Seite zur Herstellung in Apotheken mit Stand vom 22. April 2026 [1]. Der australische stammt aus der Giftliste, dem Poisons Standard, der seit dem 1. Juni 2026 gilt und den Eintrag vom Juni 2024 fortführt [11].

Für die übrigen Länder ließ sich am 6. September 2026 kein behördliches Dokument abrufen. Diese Zeilen halten nur fest, dass keine Zulassung vorliegt, und beruhen nicht auf einer geprüften Auskunft. In Australien ist nach Klausel 5 des Anhangs D bereits der Besitz ohne Erlaubnis rechtswidrig, und das geht über eine bloße Verschreibungspflicht hinaus [11].

Anti-Doping

TB-500 ist jederzeit verboten, im Wettkampf wie außerhalb. Abschnitt S2.3 der Verbotsliste 2026 nennt „Thymosin-β4 and its derivatives e.g. TB-500“ (Thymosin-β4 und davon abgeleitete Stoffe, zum Beispiel TB-500). In der Einleitung zu dieser Klasse hält die Liste fest, dass alle dort genannten Stoffe als nicht spezifisch gelten, ein Verstoß also besonders schwer wiegt [8]. Damit ist die Einstufung strenger als bei BPC-157, das als spezifische Substanz unter S0 fällt. Auch der US-Hochschulsportverband NCAA führt TB-500 auf, dort in Klasse 6 [31].

Anders als oft behauptet ist der Nachweis kein Problem. Passende Laborverfahren gibt es seit 2012, und das Peptid gehört zur Routineprüfung auf kleine Peptide, die sogar aus einem getrockneten Blutstropfen gelingt [10], [32].

Beim Pferd lässt sich der Stoff noch in winzigen Mengen finden, nämlich ab 0,02 Nanogramm je Milliliter Blutplasma und ab 0,01 Nanogramm je Milliliter Urin [29]. Weil er nur kurz nachweisbar bleibt, empfiehlt das Rennsport-Konsortium Kontrollen außerhalb der Wettkämpfe [7]. Den größeren Zusammenhang zeigt die Seite im Sport verbotene Peptide.

Dass es für eine Sperre gar keine positive Probe braucht, zeigt ein Beispiel: Im Januar 2016 sperrte der Internationale Sportgerichtshof 34 australische Footballspieler wegen eines Programms mit Thymosin beta-4, obwohl keiner von ihnen je positiv getestet worden war [30].

Vergleich mit verwandten Peptiden

PeptidWas es istBelege beim MenschenStatus im SportStärkstes eigenes Studienergebnis
TB-500Künstliches Bruchstück aus 7 BausteinenÜberhaupt keineVerboten, S2.3, nicht spezifisch [8]Belastbarere Sehne bei 32 Ratten, p < 0,05 [5]
Thymosin β4Menschliches Eiweiß aus 43 BausteinenBis zur letzten Prüfstufe geprüft, nirgends zugelassenVerboten, S2.3, namentlich genannt [8]6 von 10 Augen geheilt gegenüber 1 von 8, p = 0,0656, 18 Teilnehmer [22]
BPC-157Künstliche Abfolge aus 15 BausteinenKleine, schwache Beobachtungen am MenschenVerboten, S0, spezifisch [8]Keine deutliche Verbesserung in derselben Rattenstudie [5]
GHK-CuPeptid aus drei Bausteinen, an Kupfer gebundenIn Kosmetik verwendet, kein zugelassenes ArzneimittelAuf der Verbotsliste 2026 nicht genannt [33]Als kosmetischer Wirkstoff besprochen, kein Studienergebnis [34]

Zusammen genannt werden diese vier Stoffe von der Werbung und nicht von der Wissenschaft. Kontrollierte Studien am Menschen hat allein Thymosin β4 durchlaufen, und dessen beide größte Studien verfehlten jedes ihrer Ziele [3], [4].

Die einzige Untersuchung, die TB-500 und BPC-157 einzeln und gemeinsam prüfte, fand für die Kombination keinen Vorteil [5]. GHK-Cu wiederum fällt unter ganz andere Regeln, nämlich die für kosmetische Inhaltsstoffe und nicht die für Prüfpräparate [34].

Verbreitete Irrtümer

  • „TB-500 ist Thymosin beta-4.“ Es sind zwei verschiedene Stoffe: 7 Bausteine gegenüber 43, ein Molekulargewicht von 889 g/mol gegenüber rund 4,9 kDa. Australien und die FDA führen beide getrennt [11], [1], [9].
  • „Die Studien zu Thymosin beta-4 sind Studien zu TB-500.“ Von 20 angemeldeten Studien untersuchen 19 das vollständige Eiweiß [2]. Die entzündungshemmende Wirkung schreibt die Fachliteratur zudem dem Abschnitt Ac-SDKP zu, und der fehlt im Bruchstück [7], [12].
  • „Es läuft eine Studie am Menschen zu TB-500.“ Ein Eintrag im Register nennt TB-500 zwar, bezeichnet sich in seiner eigenen Zusammenfassung aber selbst als erfundenes Beispiel. Rechnet man ihn heraus, bleibt kein einziger Eintrag übrig [2].
  • „Die FDA hat es freigegeben.“ Die FDA führt das Bruchstück unter jenen Stoffen, bei denen sie Sicherheitsrisiken sieht, und hält fest, keinerlei Daten zur Anwendung am Menschen gefunden zu haben. Ein zurückgezogener Antrag ist keine Freigabe [1].
  • „Im Fläschchen ist, was auf dem Etikett steht.“ Zwei Speziallabore auf zwei Kontinenten berichten das Gegenteil: In den meisten Proben steckte überhaupt kein Peptid [7], [27].
  • „Es ist legal, weil es für Pferde verkauft wird.“ Auch für Pferde ist der Stoff nicht zugelassen, und das Rennsport-Konsortium wertet jede Gabe als verbotene Handlung [7].

Häufige Fragen

Ist TB-500 dasselbe wie Thymosin beta-4?

Nein. Thymosin beta-4 ist ein menschliches Eiweiß aus 43 Bausteinen mit einem Molekulargewicht von rund 4,9 kDa. TB-500 ist dagegen ein künstliches Peptid aus sieben Bausteinen mit 889 g/mol. Es bildet die Positionen 17 bis 23 des Eiweißes nach und trägt zusätzlich eine kleine chemische Kappe. Australien und die USA führen beide Stoffe getrennt.

Wurde TB-500 jemals am Menschen geprüft?

Nein. Es gibt weder eine veröffentlichte noch eine wirklich angemeldete Studie am Menschen. Zu Mitteln mit diesem Bruchstück fand die FDA nach eigenen Angaben keinerlei Daten über die Anwendung am Menschen.

Ist TB-500 irgendwo zugelassen?

Nein, in keinem Land und für keine Tierart, auch nicht für Pferde. Das Rennsport-Konsortium hält fest, dass die FDA das Peptid beim Pferd weder auf Sicherheit noch auf Wirksamkeit geprüft hat und dass Produkte unter diesem Namen in Apotheken angefertigt werden.

Ist TB-500 im Sport verboten?

Ja, jederzeit, im Wettkampf wie außerhalb. Abschnitt S2.3 der Verbotsliste 2026 nennt Thymosin-beta-4 und die davon abgeleiteten Stoffe und führt TB-500 ausdrücklich als Beispiel an. Alle Stoffe der Klasse S2 gelten als nicht spezifische Substanzen, bei denen ein Verstoß besonders schwer wiegt.

Lässt sich TB-500 im Dopingtest nachweisen?

Ja. Passende Laborverfahren gibt es seit 2012, und das Peptid gehört zur Routineprüfung auf kleine Peptide, die sogar aus einem getrockneten Blutstropfen gelingt. Beim Pferd wird der Stoff ab 0,02 Nanogramm je Milliliter Blutplasma und ab 0,01 Nanogramm je Milliliter Urin gefunden.

Gelten die Studien zu Thymosin beta-4 auch für TB-500?

Nicht ohne Weiteres. Von 20 angemeldeten Studien auf diesem Gebiet untersuchen 19 das vollständige Eiweiß. Mehrere Wirkungen, die für TB-500 ins Feld geführt werden, ordnet die Fachliteratur zudem Abschnitten des Eiweißes zu, die im Bruchstück gar nicht vorkommen.

Läuft derzeit eine klinische Studie zu TB-500?

Nein. Ein Eintrag im Studienregister ClinicalTrials.gov führt TB-500 zwar im Titel, doch seine eigene Kurzbeschreibung beginnt mit dem Hinweis, es handle sich um ein erfundenes Beispiel. Als Beleg für eine Studie taugt das nicht.

Was steckt in Produkten, die als TB-500 verkauft werden?

Häufig nicht der Stoff, der draufsteht. Ein Universitätslabor berichtete, dass viele entsprechend beschriftete Proben weder Thymosin beta-4 noch ein davon abgeleitetes Peptid enthielten und die meisten überhaupt keine Eiweiße, Peptide oder deren Bausteine. Ein französisches Labor für den Rennsport kam 2023 zum selben Ergebnis.

Wirkt TB-500 zusammen mit BPC-157 besser?

Dafür gibt es keinen Beleg. Der einzige Versuch, der beide Stoffe einzeln und gemeinsam prüfte, eine Rattenstudie zur Sehne aus dem Jahr 2026, fand für die Kombination keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber den Einzelstoffen. Am Menschen wurde sie nie untersucht.

Quellen

  1. US Food and Drug Administration. Certain bulk drug substances for use in compounding that may present significant safety risks; entry "Thymosin beta-4, fragment (LKKTETQ), also known as TB-500", listed under bulk drug substances nominated but withdrawn. Content current as of 22 April 2026, retrieved 6 September 2026. https://www.fda.gov/drugs/human-drug-compounding/certain-bulk-drug-substances-use-compounding-may-present-significant-safety-risks
  2. ClinicalTrials.gov API v2. Registry search on 6 September 2026 using nine term variants, returning 20 distinct studies, of which 19 concern full-length thymosin β4; record NCT07487363 ("TBRIDGE-CV") states in its own brief summary: "This fictional study is an example of a ClinicalTrials.gov-style record." https://clinicaltrials.gov/study/NCT07487363
  3. ClinicalTrials.gov. NCT02974907, ARISE-2, RGN-259 in dry eye disease, phase 3, n = 601; results section, both co-primary endpoints. Retrieved 6 September 2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT02974907
  4. ClinicalTrials.gov. NCT03937882, ARISE-3, RGN-259 in dry eye disease, phase 3, n = 700; results section, both co-primary endpoints. Retrieved 6 September 2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT03937882
  5. Biçer O, Adanir O, Güleryüz Y, Balci EC, Dinçel YM, Yenigün MY, Aydin C, Bayrak BY (2026). Effects of BPC-157 and TB-500 on Achilles tendon healing in rats: a histopathological and biomechanical study. Joint Diseases and Related Surgery 37(3):822-837. PMID 42542926. DOI 10.52312/jdrs.2026.2951
  6. Rahaman KA, Muresan AR, Min H, Son J, Han HS, Kang MJ, Kwon OS (2024). Simultaneous quantification of TB-500 and its metabolites in in-vitro experiments and rats by UHPLC-Q-Exactive orbitrap MS/MS and their screening by wound healing activities in-vitro. Journal of Chromatography B 1235:124033. PMID 38382158. DOI 10.1016/j.jchromb.2024.124033
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VersionDatumÄnderung
1.02026-09-06Erstveröffentlichung

Zuletzt geprüft: 6. September 2026. Nächste Prüfung: sobald eine Studie am Menschen zum Bruchstück erscheint, sich die Anti-Doping-Einstufung ändert oder die Einträge bei der FDA oder im Poisons Standard geändert werden.

Identifikatoren

IdentifikatorWert
CAS-Nummer885340-08-9
PubChem CID62707662
UNIIQHK6Z47GTG
InChIKeyADKDNDYYIZUVCZ-ZQNQAVPYSA-N
WikidataQ137400007
SummenformelC38H68N10O14
Molekülmasse889
SequenzAc-LKKTETQ

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