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KPV: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit

Status auf einen Blick

MarktStatusDatum
Vereinigte StaatenNicht zugelassen
Europäische UnionNicht zugelassen
DeutschlandNicht zugelassen
Vereinigtes KönigreichNicht zugelassen
AustralienNicht zugelassen
KanadaNicht zugelassen
SchweizNicht zugelassen
Entwicklungsstufe
Präklinisch
Stärkste Evidenz
Tierstudie
WADA-Status
Verboten (S0, 2026)
Zuletzt geprüft
2026-09-06
Version
1.0

KPV: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit

Zusammenfassung

KPV ist ein winziges Bruchstück aus drei Eiweißbausteinen des körpereigenen Hormons Alpha-MSH und wird als Forschungspeptid verkauft. Am Menschen wurde es nie geprüft, und für keine Tierart gibt es eine Untersuchung zur Giftigkeit. Tierversuche zu Darmentzündungen und zu Verletzungen der Hornhaut im Auge berichten zwar von Effekten, doch niemand weiß, an welcher Stelle im Körper der Stoff angreift. Jene Andockstellen, die das Ausgangshormon nutzt, kommen dafür nachweislich nicht in Frage. Zugelassen hat den Stoff kein Land.

Das Wichtigste in Kürze

  • Keine einzige angemeldete Studie am Menschen. Eine Suche im weltweiten Studienregister am 6. September 2026 fand unter sechs Suchbegriffen keine Studie zu KPV [1], und die US-Arzneimittelbehörde kam unabhängig davon zum selben Ergebnis [2].
  • Keine Untersuchung zur Giftigkeit, bei keiner Tierart. Die Behörde fand weder Daten zur sofortigen Giftigkeit noch zu den Folgen wiederholter Gaben, zu Erbgutschäden, zu Schäden an Nachkommen oder zum Krebsrisiko [2].
  • „FDA lacks important information regarding any safety issues raised by KPV.“ So steht es auf der Behördenseite zu Rohstoffen, von denen erhebliche Sicherheitsrisiken ausgehen können. Übersetzt heißt das: Der FDA fehlen wichtige Informationen zu allen Sicherheitsfragen, die KPV aufwirft [3].
  • Es dockt nicht an den erwarteten Stellen an, auch nicht in hoher Konzentration. KPV verdrängte dort keinen anderen Stoff und löste in der Zelle kein Signal aus [4], [5].
  • Durch die Haut dringt praktisch nichts. Bei einem Versuch mit menschlicher Haut blieb die Menge, die von selbst hindurchging, unter der Nachweisgrenze von 0,01 µg/ml [6].
  • 8 von 8 verletzten Kaninchenaugen waren nach 60 Stunden verheilt. In der Vergleichsgruppe mit wirkstofffreien Tropfen hatte sich dagegen keine einzige Hornhaut wieder geschlossen [7].
  • Im Sport zu jeder Zeit verboten. Die Kategorie S0 der Verbotsliste 2026 verbietet pauschal alle nicht zugelassenen Wirkstoffe, und darunter fällt auch KPV, ohne dort namentlich zu stehen [8].

Was KPV ist

KPV ist ein künstlich hergestelltes Peptid aus nur drei Eiweißbausteinen, nämlich Lysin, Prolin und Valin. Ihre Anfangsbuchstaben ergeben den Namen. Dieselbe Abfolge bildet das Ende eines körpereigenen Hormons aus 13 Bausteinen, das in der Hirnanhangdrüse entsteht und die Hautbräunung steuert (Alpha-MSH) [2]. KPV entspricht damit den Positionen 11 bis 13 dieses natürlich vorkommenden Moleküls und ist keine Neuentwicklung.

Ein Pharmaunternehmen hat den Stoff nie entwickelt. In den 1980er Jahren interessierte sich die Forschung dafür, weil dieses Endstück die entzündungshemmende Wirkung des Hormons zu behalten schien, ohne die Haut zu bräunen [9]. Vier Jahrzehnte später gibt es weder ein Entwicklungsprogramm noch einen Zulassungsantrag [2].

Steckbrief

FeldWertQuelle
Gebräuchlicher NameKPV, auch Alpha-MSH(11–13) geschrieben[10]
StoffklasseSynthetisches Tripeptid, Bruchstück eines körpereigenen Hormons[2]
SequenzLys-Pro-Val[10]
Summenformel und MasseC16H30N4O4, 342,43 g/mol, freie Base[10]
Masse des Acetatsalzes402,5 g/mol[2]
HalbwertszeitNie gemessen, in keiner Spezies[2]
Wasserlöslichkeit0,7 mg/ml, von der FDA als Formulierungsgrenze benannt[2]
StatusNicht zugelassene Forschungschemikalie[2]
EntwicklerKeiner[2]
CAS-Nummer67727-97-3[10]
PubChem CID125672[10]
InChIKeyYSPZCHGIWAQVKQ-AVGNSLFASA-N[10]
ChEBICHEBI:160254[10]
UNII, INN, USAN, ATCNicht vergeben[2]

Was über die Haltbarkeit bekannt ist, stammt aus Prüfblättern der Hersteller und nicht aus einem Arzneibuch. Unter Einwirkung von Säure, Lauge oder Bleichmittel zerfällt das Peptid vor allem zu einem Ringmolekül aus zwei seiner drei Bausteine [11]. Mehrere Arbeiten, die nach besseren Zubereitungsformen suchen, begründen das damit, dass KPV in Lösung rasch zerfalle [2].

KPV: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit

Wie es wirkt

Wie der Stoff wirkt, ist ungeklärt. Die US-Arzneimittelbehörde hält ausdrücklich fest, dass für keine der beschriebenen Wirkungen bekannt ist, wo im Körper KPV überhaupt angreift [2]. Die folgenden Punkte sind deshalb Vermutungen aus Zell- und Tierversuchen.

  • Nicht über die Andockstellen des Ausgangshormons. Der belastbarste Befund ist ein negativer: In Hirngewebe von Ratten, in Hautkrebszellen der Maus und in Fresszellen des Immunsystems verdrängte KPV dort keinen anderen Stoff und löste auch kein Signal aus [4], [5], [12]. Ihm fehlt jener vier Bausteine lange Abschnitt, der für die Bindung an diese Andockstellen nötig ist [13].
  • Ein zentraler Entzündungsschalter. In gereizten Fresszellen der Maus verhinderte KPV, dass ein wichtiger Schalter namens NF-κB in den Zellkern wandert und dort Entzündungsgene anschaltet [4]. Eine Arbeit an Zellen der Bronchien vermutet, dass KPV selbst in den Zellkern gelangt und den Gegenspieler dieses Schalters stabilisiert [14].
  • Ein Botenstoff der Entzündung. Als weiterer Weg wurde vorgeschlagen, dass KPV die Wirkung des entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin-1β bremst. Auch die Behörde führt dies unter den denkbaren Erklärungen auf [2], [5].
  • Ein Transporteiweiß im Darm. Der Darm besitzt eine Schleuse, die sehr kurze Peptide ins Innere der Zellen befördert, und diese könnte auch KPV aufnehmen [15]. Bei Mäusen, denen diese Schleuse fehlte, war die Wirkung auf Tumoren nicht mehr sicher nachweisbar, woraus die Forscher schließen, dass der Stoff auf sie angewiesen ist [16].
  • Ein direkter Angriff auf die Bakterienhülle. Eine Arbeit berichtet, dass die Hülle von Staphylokokken elektrisch entladen und durchlässig wurde [17], während eine ältere Arbeit die Wirkung gegen Keime auf einen veränderten Botenstoff im Erreger zurückführte [18]. Beide Erklärungen widersprechen einander.
  • Stickstoffmonoxid bei der Heilung im Auge. Blockierten die Forscher bei Kaninchen die Bildung des körpereigenen Gases Stickstoffmonoxid, blieb die Heilung aus. Sie schließen daraus, dass dieses Gas an der Wirkung beteiligt ist [7].

Das vollständige Hormon Alpha-MSH wirkt über fünf verschiedene Andockstellen und zeigt in denselben Versuchen genau jene Effekte, die bei KPV ausbleiben [4], [19]. Die beiden verhalten sich also wie zwei verschiedene Stoffe, die zufällig drei Bausteine gemeinsam haben.

Was die Studien zeigen

Alle folgenden Ergebnisse stammen aus Tierversuchen oder aus Versuchen mit Zellen in der Laborschale. In keiner einzigen Studie hat je ein Mensch KPV erhalten.

Wie viel zu KPV wirklich untersucht ist
Fachartikel, die das Peptid erwähnen
140Studien
Angemeldete Studien am Menschen
0Studien
Veröffentlichte Einzelfälle am Menschen
0Studien
Untersuchungen zur Giftigkeit, alle Tierarten
0Studien
Studien zu Aufnahme und Abbau, alle Tierarten
0Studien

Stand 6. September 2026. Die 140 Fachartikel sind alle Einträge in der Literaturdatenbank PubMed, die KPV, Lys-Pro-Val oder Alpha-MSH(11–13) erwähnen; nur ein Teil davon untersucht das Peptid selbst. Quellen [1], [2].

Darmentzündung

Tierversuch In der meistzitierten Arbeit zu KPV bekamen Mäuse das Peptid über das Trinkwasser. In zwei Versuchsmodellen, bei denen die Darmentzündung durch Chemikalien ausgelöst wird, verlief sie milder. Keines dieser Modelle bildet allerdings die chronischen Darmerkrankungen des Menschen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn wirklich ab. In menschlichen Darmzellen bremsten schon sehr geringe Konzentrationen zwei zentrale Entzündungsschalter, und die Aufnahme führen die Forscher auf die Peptid-Schleuse im Darm zurück [15].

Tierversuch Eine zweite Arbeitsgruppe fand in zwei weiteren Versuchsmodellen dieselbe Richtung: Die Tiere erholten sich früher, nahmen mehr zu, und ein Entzündungswert im Darmgewebe fiel niedriger aus. Auch bei Mäusen, deren wichtigste Andockstelle für das Ausgangshormon nicht funktionierte, überlebten alle behandelten Tiere. Für die Forscher ist das ein Beleg, dass die Wirkung ohne diese Andockstelle zustande kommt [20].

Tierversuch In einem Modell, in dem sich aus einer Darmentzündung Krebs entwickelt, entstanden bei normalen Mäusen unter KPV im Trinkwasser weniger Tumoren; die verwendete Konzentration steht in der Dosistabelle. Fehlte den Mäusen dagegen die Peptid-Schleuse im Darm, unterschied sich die Zahl der Tumoren nicht mehr sicher von der unbehandelter Tiere, wobei unter dem Mikroskop je Gruppe nur sechs Tiere ausgewertet wurden. In einem anderen Modell mit erblich bedingten Darmtumoren verringerte die Gabe über 13 Wochen zwar die Entzündung, nicht aber die Zahl der Tumoren [16].

Haut und allgemeine Entzündung

Tierversuch Die erste Beschreibung einer entzündungshemmenden Wirkung nutzte eine allergisch geschwollene Mäuseohrmuschel. Je mehr Peptid die Tiere bekamen, desto geringer fiel die Schwellung aus, verglichen mit Kochsalzlösung und mit einer hohen Dosis Kortison [21]. Eine Folgearbeit fand jedoch einen glockenförmigen Verlauf, bei dem mittlere Dosen stärker wirkten als hohe [22].

Tierversuch Ein weiterer Versuch zeigte, dass die Wirkung wählerisch ist. Wurde die Entzündung durch die eine Gruppe von Botenstoffen ausgelöst, ließ sie sich bremsen, bei einer anderen Gruppe dagegen nicht [23]. Ein allgemein wirksamer Entzündungshemmer ist der Stoff also nicht.

Auge

Tierversuch Bei Kaninchen wurde an beiden Augen die oberste Schicht der Hornhaut abgeschabt, danach erhielten die Tiere viermal täglich Tropfen. Nach 60 Stunden war die Hornhaut bei allen 8 mit KPV behandelten Augen wieder vollständig geschlossen, in der Vergleichsgruppe mit wirkstofffreien Tropfen dagegen bei keinem einzigen [7]. Blockierten die Forscher die Bildung des körpereigenen Gases Stickstoffmonoxid, blieb dieser Effekt aus.

Verheilte Hornhäute nach 60 Stunden im Kaninchenversuch
KPV-Tropfen (Kaninchen)
8vollständig verheilte Hornhäute
Tropfen ohne Wirkstoff (Kaninchen)
0vollständig verheilte Hornhäute

Bei Kaninchen wurde die Hornhaut abgeschabt und danach viermal täglich getropft, vier Tage lang. In der KPV-Gruppe wurden 8 Augen behandelt. Quelle [7].

Hirnverletzung

Tierversuch Nach einem genau dosierten Stoß auf das Gehirn von Mäusen fiel der Folgeschaden im Gewebe kleiner aus, und es starben weniger Nervenzellen ab, wenn die Tiere einmalig eine Spritze in den Bauchraum erhielten. Verglichen wurde mit Kochsalzlösung, je Gruppe an zehn Tieren. Zwei Entzündungsbotenstoffe und die Zahl der Immunzellen im Gehirn blieben dabei unverändert; verändert war allein deren Form [24].

Fieber und Appetit

Tierversuch Bei Kaninchen, denen die Forscher künstlich Fieber erzeugt hatten, senkte das Peptid die Temperatur, gleich ob es direkt ins Gehirn oder in den Kreislauf gegeben wurde. Es wirkte allerdings schwächer als das vollständige Hormon [25]. Bei Ratten hob eine Gabe direkt ins Gehirn die durch einen Entzündungsbotenstoff ausgelöste Appetitlosigkeit auf, jedoch nur in der höheren der beiden geprüften Dosen [26].

Mikrobiologie

Laborversuch Gegen das Eiterbakterium Staphylococcus aureus tötete das Peptid in höherer Konzentration mehr als 90 Prozent der Keime ab, in sehr geringer Konzentration noch etwa 50 Prozent, während das Bruchstück vom anderen Ende des Hormons wirkungslos blieb [17]. Auch beim Hefepilz Candida albicans überlebten weniger Zellen, und sie bildeten seltener die Fortsätze aus, mit denen sie Gewebe befallen [18].

Negativbefunde und Nullergebnisse

Laborversuch In menschlichem Blut konnte KPV bestimmte Zellen der allergischen Reaktion nicht beruhigen. Dieser Effekt läuft über die Andockstelle des Ausgangshormons und trat unter Alpha-MSH und einem verwandten Hormon auf, ausdrücklich jedoch nicht unter den kurzen Bruchstücken, denen der entscheidende Abschnitt fehlt [19].

Laborversuch Durch menschliche Haut, die von Verstorbenen stammte, drang von selbst so wenig hindurch, dass es unter der Nachweisgrenze von 0,01 µg/ml blieb. Wurde die Haut mit winzigen Nadeln durchlöchert, waren es 4,4 µg je Quadratzentimeter und Stunde, und mit schwachem Strom stieg der Wert weiter [6]. Die Behörde zieht daraus einen doppelten Schluss: Eine Creme mit diesem Stoff dürfte im Körper zwar keinen Schaden anrichten, aber auch vor Ort nichts bewirken [2].

Laborversuch Eine Arbeit aus dem Jahr 2018 prüfte chemisch leicht abgewandelte Varianten des Peptids und fand unter mehreren Bedingungen überhaupt keine Wirkung gegen Keime [27].

Was weiterhin unbekannt ist

  • Ob sich irgendeine Beobachtung aus Versuchen an Mäusen, Ratten oder Kaninchen beim Menschen wiederholen würde. Für keine Anwendungsform gibt es Daten vom Menschen [2].
  • Wo im Körper der Stoff überhaupt angreift. Die Andockstellen des Ausgangshormons kommen dafür nicht in Frage, und die Peptid-Schleuse im Darm erklärt allenfalls die Aufnahme dort, nicht aber eine Wirkung in anderen Organen [2], [16].
  • Wie lange der Stoff im Körper bleibt, wohin er gelangt und wie er wieder verschwindet. Für keine Tierart gibt es dazu eine Untersuchung [2].
  • Ob das Immunsystem darauf reagiert, und vor allem, ob dabei entstehende Abwehrstoffe auch das körpereigene Ausgangshormon lahmlegen könnten [2].
  • Ob die verkaufte Ware tatsächlich das enthält, was auf dem Etikett steht. Zwei chemisch verschiedene Formen des Stoffs werden im Handel unter derselben Kennnummer geführt [2].

Nebenwirkungen und Sicherheit

Eine Übersicht der Nebenwirkungen gibt es nicht, weil keine dokumentierte Anwendung am Menschen existiert. Dass keine Meldungen vorliegen, ist deshalb kein Beleg für Sicherheit.

  • Keine gemeldeten Nebenwirkungen. In der Meldedatenbank der US-Arzneimittelbehörde lag bis zum 3. Dezember 2025 kein Bericht zu KPV vor, in der Meldestelle für Lebensmittel seit 2004 ebenfalls keiner [2]. Da Apotheken, die solche Mittel selbst anfertigen, der Behörde in der Regel nichts melden müssen, lässt sich daraus jedoch kaum etwas schließen [2].
  • Keinerlei Daten zur Giftigkeit. In fünf Kapiteln dazu kommt die Bewertung der Behörde jedes Mal zum selben Ergebnis: Es wurden keine Studien gefunden [2].
  • Die Reaktion des Immunsystems ist ungeprüft. Peptide können das Immunsystem dazu bringen, Abwehrstoffe gegen sie zu bilden, was von unbemerkt bis lebensbedrohlich verlaufen kann. Besonders heikel wäre hier, wenn solche Abwehrstoffe auch das körpereigene Hormon Alpha-MSH lahmlegen würden [2].
  • Ob der Stoff verklumpt, ist ungeprüft. Die Behörde weist darauf hin, dass schon Peptide aus zwei Bausteinen Klumpen bilden können, die bei einer Spritze gefährlich werden. Für KPV gibt es dazu keine Daten [2].
  • Chemisch unzureichend beschrieben. Die Behörde bemängelt, dass der Stoff nicht nach den üblichen Regeln benannt ist und dass die Prüfblätter der Hersteller zwar einen Reinheitswert nennen, aber keine Obergrenzen für Verunreinigungen [2].
  • Mehr hilft hier nicht mehr. Im Mausversuch wirkten mittlere Dosen stärker als hohe [22]. Da niemand weiß, wo der Stoff angreift und wie der menschliche Körper ihn verarbeitet, lässt sich daraus kein sinnvoller Dosisbereich ableiten.

Dass die Bausteinfolge natürlich im Körper vorkommt, sagt über die Sicherheit nichts aus. Etwas völlig anderes ist es nämlich, ein industriell hergestelltes Pulver unbekannter Reinheit auf einem ungeprüften Weg in den Körper zu bringen [2].

Dosierungen in den Studien

Diese Dosierungen stammen aus den zitierten Studien und werden nur zur wissenschaftlichen Referenz aufgeführt. Sie sind keine Empfehlung und lassen sich nicht auf die Anwendung beim Menschen übertragen.

Jede Zeile der Tabelle bezieht sich auf ein Tier oder auf Zellen in der Laborschale. Die Wege in den Körper unterscheiden sich stark, und die Ergebnisse lassen sich nicht von einem auf den anderen übertragen: Gabe über das Maul, Spritze in den Bauchraum und Auftragen auf die Haut wurden in getrennten Versuchen mit ganz unterschiedlichen Messwerten untersucht.

StudieModellDosisVerabreichungDauerQuelle
Richards 1984, künstliches FieberKaninchen0,5–2,0 mg ins Gehirn; 2–200 mg in den Kreislauf, GesamtdosisIns Gehirn und in den KreislaufEinmalig[25]
Hiltz 1989, geschwollenes OhrMausMehrere Stufen, in der Kurzfassung nicht beziffertIn den KreislaufEinmalig[21]
Hiltz 1991, Spiegelformen des PeptidsMausMehrere Stufen, glockenförmiger VerlaufSpritze in den BauchraumMessung nach 3 und 6 Stunden[22]
Uehara 1992, AppetitlosigkeitRatte0,5 und 5,0 pmolDirekt ins GehirnEinmalig[26]
Cutuli 2000, Wirkung gegen KeimeBakterien und HefepilzeNoch in sehr geringer Konzentration wirksamIn der NährlösungEinmalige Zugabe[18]
Mandrika 2001, FresszellenZellen der Linie RAW 264.7 in der Laborschale1 nM bis 1 µM; keine Bindung selbst bei 1 mMZellversuchKurzzeitig[4]
Bonfiglio 2006, HornhautKaninchen1, 5 oder 10 mg/ml, 30 µl je Tropfen, zwei Tropfen viermal täglichAugentropfen4 Tage[7]
Bonfiglio 2006, HornhautzellenZellen aus dem Kaninchenauge0,1, 1 und 10 µM; Wirkung bei 1 und 10 µMZellversuch1, 6 und 24 Stunden[7]
Dalmasso 2008, DarmentzündungMausIm Trinkwasser; sehr geringe Konzentration im ZellversuchÜber das MaulWährend der gesamten Entzündungsphase[15]
Laroui 2010, Transport in NanopartikelnMaus12.000-fach geringere Konzentration als in freier LösungÜber das Maul, in einem GelIn der Kurzfassung nicht beziffert[28]
Schaible 2013, HirnverletzungMaus1 mg/kgSpritze in den BauchraumEinmalig, 30 Minuten nach dem Stoß[24]
Viennois 2016, Darmkrebs nach EntzündungMaus100 µmol/l im TrinkwasserÜber das MaulBis zum Alter von 18 Wochen[16]
Pawar 2017, Aufnahme durch die HautMenschliche Haut von VerstorbenenVon selbst unter 0,01 µg/ml; 4,4 µg/cm²/h mit MikronadelnDurch die HautEinmalige Anwendung[6]
Sung 2025, HautzellenMenschliche Hautzellen und Hautmodell50 µg/mlZellversuchIn der Kurzfassung nicht beziffert[29]
An 2026, FettzellenFettzellen der Maus100 µg/ml im ZellversuchZellversuch und über das MaulIn der Kurzfassung nicht beziffert[30]
Lee 2026, LeberzellenMenschliche Leberzellen100 µg/mlZellversuchIn der Kurzfassung nicht beziffert[31]

Die Werte der Tabelle liegen um viele Größenordnungen auseinander und stammen aus Tierarten und Anwendungswegen, die sich nicht miteinander vergleichen lassen. Eine Dosis hat keine Behörde festgelegt, weil nirgendwo ein Präparat zugelassen ist.

Entwicklungsstand und Zulassung

Von der Entdeckung bis zur Abstimmung 2026

  1. 1984Das Bruchstück wird erstmals beschrieben, als schwacher FiebersenkerVersuch an Kaninchen, Quelle [25]
  2. 1989Erster Bericht über eine entzündungshemmende Wirkung bei MäusenAllergisch geschwollene Ohrmuschel, Quelle [21]
  3. 1994-2003Drei unabhängige Gruppen zeigen: Es nutzt nicht die Andockstellen des HormonsQuellen [4], [5], [12]
  4. 2008Versuche zur Darmentzündung und die Idee der Peptid-Schleuse im DarmZwei Arbeitsgruppen, Quellen [15], [20]
  5. 2016Darmkrebs nach Entzündung; ohne die Schleuse im Darm keine WirkungQuelle [16]
  6. 2017Durch die Haut dringt weniger hindurch, als sich messen lässtMenschliche Haut von Verstorbenen, Quelle [6]
  7. 12. Mai 2026Die US-Arzneimittelbehörde rät schriftlich davon ab, den Stoff für Apotheken freizugeben31-seitiges Gutachten, Quelle [2]
  8. 23. Juli 2026Ein Beratungsgremium stimmt anders, jedoch ohne bindende WirkungBerichtet mit 8 zu 6 Stimmen bei einer Enthaltung, Quellen [32], [33]
  • 1984 — das Bruchstück wird erstmals beschrieben, als schwächerer Fiebersenker als das vollständige Hormon [25].
  • 1989 bis 1992 — eine Arbeitsgruppe um den Forscher Lipton veröffentlicht mehrere Versuche zur Entzündungshemmung bei Mäusen [21], [22], [23].
  • 1994 bis 2003 — drei unabhängige Gruppen zeigen, dass der Stoff nicht über die Andockstellen des Hormons wirkt [4], [5], [12].
  • 2008 bis 2016 — eine Arbeitsgruppe um den Forscher Merlin veröffentlicht die Versuche zu Darmentzündung und Peptid-Schleuse [15], [16].
  • Ab 2010 — die Forschung wendet sich Transportsystemen zu, in denen KPV nur als Beispielstoff dient [28].
  • 12. Mai 2026 — die US-Arzneimittelbehörde rät schriftlich davon ab, den Stoff für die Verarbeitung in Apotheken freizugeben [2].
  • 23. Juli 2026 — ein Beratungsgremium stimmt für die Freigabe und damit gegen diesen Vorschlag [32], [33].
MarktStatusAnmerkungQuelle
USANicht zugelassenEntscheidung über die Apothekenliste noch offen[2], [33]
Europäische UnionNicht zugelassenKeine Qualitätsvorschrift im Arzneibuch[2]
DeutschlandNicht zugelassenKeine Ausnahmeregelung[2]
GroßbritannienNicht zugelassenNicht einzeln geprüft[2]
AustralienNicht eingestuftIn der Giftliste nicht genannt[34]
KanadaNicht zugelassenNicht einzeln geprüft[2]
SchweizNicht zugelassenNicht einzeln geprüft[2]
JapanNicht zugelassenKeine Qualitätsvorschrift im Arzneibuch[2]

Am häufigsten missverstanden wird die Abstimmung vom Juli 2026. Ein solches Gremium spricht nur eine Empfehlung aus, an die sich die Behörde nicht halten muss. Selbst wenn der Rohstoff auf die Liste käme, wäre das keine Arzneimittelzulassung, und jede Änderung müsste erst ein förmliches Gesetzgebungsverfahren durchlaufen [33], [35]. Am 6. September 2026 stand KPV nicht auf dieser Liste, und zwischen Januar 2017 und Juni 2025 hat kein angemeldeter Hersteller ein KPV-Produkt gemeldet [2].

Die Einträge, die als nicht einzeln geprüft gekennzeichnet sind, beruhen darauf, dass weltweit keine Zulassung besteht, und nicht auf einer Abfrage des jeweiligen nationalen Verzeichnisses.

Anti-Doping

Im Sport ist KPV jederzeit verboten, im Wettkampf wie außerhalb. Namentlich steht es nicht auf der Verbotsliste 2026; es fällt unter die Kategorie S0, die „any pharmacological substance which is not addressed by any of the subsequent sections of the List and with no current approval by any governmental regulatory health authority for human therapeutic use“ erfasst (jeden pharmakologischen Stoff, den keiner der folgenden Abschnitte der Liste behandelt und den keine staatliche Gesundheitsbehörde derzeit für die Anwendung am Menschen zugelassen hat) [8].

Auch die Liste des US-Hochschulsportverbands NCAA nennt den Stoff nicht, hält aber ausdrücklich fest, dass sie weder vollständig noch abschließend ist [36]. Für kontrollierte Sportlerinnen und Sportler bietet ein fehlender Name deshalb keinen Schutz. Mehr dazu steht auf der Seite im Sport verbotene Peptide.

Vergleich mit verwandten Peptiden

PeptidVerhältnis zu Alpha-MSHBindet es an die Andockstellen?Studien am MenschenStatus
KPVDie Positionen 11 bis 13, das Ende des Hormons [2]Nein, auch nicht in hoher Konzentration [4], [5]Keine [1], [2]Nirgendwo zugelassen [2]
Alpha-MSHDas vollständige Hormon aus 13 Bausteinen [2]Ja, und es löst dort ein Signal aus [4]Körpereigenes Hormon, kein gelistetes Arzneimittel [2]Kein zugelassenes Präparat [2]
Melanotan IINachbau des bindenden Kernstücks [13]Ja, und es bräunt die Haut [13]Auf dieser Seite nicht bewertetIn Australien verschreibungspflichtig [34]
BPC-157Keine Verwandtschaft, nur derselbe Markt [3]Kein gesicherter Angriffspunkt bekannt [3]Keine veröffentlicht [3]Nirgendwo zugelassen, im Sport verboten [3], [8]

KPV und Alpha-MSH stammen aus entgegengesetzten Enden desselben Moleküls und verhalten sich in denselben Versuchen völlig unterschiedlich [4], [19]. Melanotan II ahmt gerade das Kernstück nach, mit dem das Hormon andockt, und bräunt deshalb die Haut. KPV fehlt genau dieses Kernstück, und eben deshalb hat man es überhaupt untersucht [9], [13].

Mit BPC-157 hat KPV keinen einzigen Baustein gemeinsam. Verbunden sind die beiden nur durch denselben Markt, dieselbe Rubrik bei der US-Behörde und dieselbe Sitzung des Beratungsgremiums im Juli 2026 [3], [33]. Beide sind nicht zugelassen, und für keinen von beiden gibt es eine ordentliche Studie am Menschen.

Verbreitete Irrtümer

  • „KPV wirkt wie Alpha-MSH.“ Es dockt gar nicht an den Stellen an, an denen Alpha-MSH wirkt. Drei Arbeitsgruppen fanden dort weder eine Bindung noch ein ausgelöstes Signal, und eine weitere Arbeit sah die erwartete Wirkung auf Immunzellen nur unter dem vollständigen Hormon, nicht unter KPV [4], [5], [12], [19].
  • „Die FDA hat KPV im Juli 2026 zugelassen.“ Schriftlich hat die Behörde das Gegenteil vorgeschlagen. Ein Beratungsgremium stimmte unverbindlich dagegen, und die Aufnahme eines Rohstoffs in eine Apothekenliste ist keine Zulassung [2], [33], [35].
  • „Geschluckt, aufgetragen oder gespritzt ist dasselbe.“ Die Darmversuche arbeiteten mit dem Trinkwasser und einer Schleuse in der Darmwand, die Augenstudie mit Tropfen und die Studie zur Hirnverletzung mit einer Spritze. Durch menschliche Haut dringt von selbst keine messbare Menge [6], [15], [24].
  • „Arbeiten zu (CKPV)2, KdPT oder Ac-KPV-NH2 sind Arbeiten zu KPV.“ Das sind eigene Moleküle mit eigenen Ergebnissen. Im direkten Vergleich schnitt die doppelte Variante besser ab als KPV, und eine chemisch abgewandelte Form wirkte überhaupt nicht gegen Keime [27], [37], [38].
  • „Es ist natürlich, also ist es harmlos.“ Die Behörde nennt drei offene Risiken: eine Reaktion des Immunsystems, verklumpende Peptidteilchen und unkontrollierte Verunreinigungen. Zu keinem davon gibt es Daten [2].
  • „Es laufen Studien mit verwandten Wirkstoffen, also ist KPV geprüft.“ Diese Studien untersuchen ganz andere Moleküle, darunter AP1189 und PL-8177. Aus dieser Wirkstofffamilie sind zwar einzelne Arzneimittel zugelassen, KPV gehört jedoch nicht dazu [1], [39].

Häufige Fragen

Wurde KPV jemals am Menschen geprüft?

Nein. Im weltweit größten Studienregister ClinicalTrials.gov fand sich am 6. September 2026 keine einzige angemeldete Studie. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hält in ihrer eigenen Bewertung an drei Stellen fest, dass sie für keine Anwendungsform Studien oder Daten vom Menschen finden konnte.

Ist KPV irgendwo zugelassen?

Nein. Kein Land führt es als Arzneimittel, und in den Arzneibüchern der USA, Europas und Japans fehlt jede Qualitätsvorschrift dazu. Es hat auch keinen amtlichen Wirkstoffnamen und keine Einordnung im internationalen Arzneimittelverzeichnis.

Hat die FDA KPV im Juli 2026 zugelassen?

Nein. Ein Beratungsgremium stimmte dafür, den Stoff auf eine Liste von Ausgangsstoffen zu setzen, die Apotheken verarbeiten dürfen, und damit gegen den schriftlichen Vorschlag der Behörde. Solche Abstimmungen sind für die Behörde nicht bindend. Selbst wenn der Stoff auf die Liste käme, wäre damit lediglich der Rohstoff für Apotheken freigegeben und kein Arzneimittel zugelassen.

Wirkt KPV wie Alpha-MSH?

Nein. Es dockt nicht an jenen Stellen an, an denen Alpha-MSH wirkt. Mindestens drei unabhängige Arbeitsgruppen berichten, dass KPV selbst in sehr hoher Konzentration keinen anderen Stoff von diesen Andockstellen verdrängt und dort auch kein Signal auslöst. Dem winzigen Peptid fehlt schlicht der Abschnitt, der für diese Bindung nötig wäre.

Was zeigten die Colitis-Studien zu KPV?

Mäuse, die KPV über das Trinkwasser bekamen, entwickelten eine mildere künstlich ausgelöste Darmentzündung und weniger Tumoren in deren Folge. Fehlte den Tieren jenes Transporteiweiß, das kurze Peptide in die Darmzellen schleust, blieb die Wirkung auf die Tumoren aus. Am Menschen wurde das nie untersucht.

Dringt KPV durch die Haut?

In der einzigen Untersuchung dazu wurde menschliche Haut von Verstorbenen verwendet. Von selbst drang so wenig hindurch, dass es unter der Nachweisgrenze von 0,01 µg/ml blieb. Messbar wurde ein Durchtritt erst, als die Haut mit winzigen Nadeln durchlöchert oder der Stoff mit schwachem Strom hindurchgetrieben wurde, nicht durch bloßes Auftragen.

Welche Nebenwirkungen hat KPV?

Das weiß niemand. In der Meldestelle der US-Arzneimittelbehörde liegt kein einziger Bericht vor, was aber nur zeigt, dass es keine dokumentierte Anwendung gibt, und keine Sicherheit belegt. Eine Untersuchung zur Giftigkeit wurde nie durchgeführt, weder am Menschen noch im Tierversuch.

Warum stehen auf dieser Seite Dosierungen von KPV?

Die Angaben stammen aus veröffentlichten Tier- und Zellversuchen und stehen hier, damit die Datenlage nachvollziehbar bleibt. Sie beziehen sich auf Kaninchen, Mäuse, Ratten und Zellen in der Laborschale, und nichts davon wurde je an einem Menschen geprüft.

Ist KPV im Sport verboten?

Ja, zu jeder Zeit. Die Kategorie S0 der Verbotsliste 2026 verbietet jeden Wirkstoff, den keine Gesundheitsbehörde derzeit als Arzneimittel zugelassen hat. KPV fällt genau aus diesem Grund darunter und nicht, weil es namentlich auf der Liste stünde.

Ist KPV dasselbe wie (CKPV)2, KdPT oder Melanotan?

Nein. Jeder dieser Stoffe ist ein eigenes Molekül mit eigenen Studien. Ergebnisse zur doppelten Variante, zum ähnlich klingenden Bruchstück eines Botenstoffs des Immunsystems oder zu den bräunenden Melanotan-Stoffen sagen deshalb nichts über KPV selbst aus.

Quellen

  1. ClinicalTrials.gov API v2. Queries for "KPV", "KPV peptide", "CKPV", "Lys-Pro-Val", "lysine-proline-valine" and "alpha-MSH 11-13"; no study of the substance identified. AP1189 (NCT05604885) and PL-8177 (NCT05466890) recorded in the same query as separate molecules. Retrieved 6 September 2026. https://clinicaltrials.gov/
  2. US Food and Drug Administration. Briefing document, Evaluation of KPV-related Bulk Drug Substances (KPV free base and KPV acetate) for Inclusion on the 503A Bulk Drug Substances List. 12 May 2026, 31 pages. https://www.fda.gov/media/193346/download
  3. US Food and Drug Administration. Certain Bulk Drug Substances for Use in Compounding that May Present Significant Safety Risks. Content current as of 22 April 2026. https://www.fda.gov/drugs/human-drug-compounding/certain-bulk-drug-substances-use-compounding-may-present-significant-safety-risks
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myPeptides Research & Editing. (2026). KPV: Was die Studien zeigen, Status und Sicherheit. Version 1.0, 6. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/kpv

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VersionDatumÄnderung
1.06. September 2026Erstveröffentlichung

Identifikatoren

IdentifikatorWert
CAS-Nummer67727-97-3
PubChem CID125672
InChIKeyYSPZCHGIWAQVKQ-AVGNSLFASA-N
WikidataQ82975228
SummenformelC16H30N4O4
Molekülmasse342.43
SequenzKPV

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