MOTS-c: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit
Zusammenfassung
MOTS-c ist ein Peptid aus 16 Eiweißbausteinen. Sein Bauplan steht nicht im Erbgut des Zellkerns, sondern in dem der Mitochondrien, der Kraftwerke unserer Zellen. Beschrieben wurde es 2015. Nahezu alles, was über eine Gabe von außen bekannt ist, stammt aus Versuchen an Mäusen. Kein Land hat es als Medikament zugelassen. In keiner belegten Studie hat je ein Mensch das Peptid selbst erhalten. Im Sport ist der Stoff jederzeit verboten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der grundlegende Befund stammt aus dem Mausversuch. Mäuse, die täglich eine Spritze bekamen, wurden trotz fettreicher Kost weder dick noch zuckerkrank [1].
- In keiner belegten Studie hat je ein Mensch das Peptid erhalten. Ein Registereintrag behauptet eine Studie an Erwachsenen mit einer Vorstufe von Diabetes, doch derselbe Auftraggeber hat weitere Einträge angelegt, die sich selbst als Musterstudie oder erfundenes Beispiel bezeichnen. Er zählt hier deshalb nicht [2].
- Kein Land hat den Stoff zugelassen. Im Juli 2026 schlug die US-Behörde vor, ihn von der Anfertigung in Apotheken auszuschließen [3]. Als bedenklich eingestuft ist er dort bereits seit 2023 [4].
- Im Sport jederzeit verboten. Abschnitt S4.4.1 der Verbotsliste 2026 nennt MOTS-c ausdrücklich unter den Stoffen, die einen bestimmten Energieschalter der Zelle anschalten sollen [5].
- Seit 2019 im Blut nachweisbar. Für die Dopingkontrolle wurde ein geprüftes Verfahren entwickelt, das noch winzige Mengen erkennt (Nachweisgrenze 100 pg/ml) [6].
- Ein hoher Wert im Blut ist kein Zeichen von Gesundheit. Bei 26 Menschen mit gestörtem Stoffwechsel lag der Wert höher als bei Gesunden (315 ± 27 pg/ml), und er stieg mit dem Fettgehalt der Leber [7].
- Der einzige Verwandte, der bis in Studien am Menschen kam, wurde aufgegeben. CB4211 wurde an 88 Teilnehmern erprobt [8]. Danach erklärte der Hersteller die verwendete Zubereitung für ungeeignet [9].
Was MOTS-c ist
MOTS-c ist ein Peptid aus 16 Eiweißbausteinen [10]. Sein Bauplan steckt in einem kurzen Abschnitt des Erbguts der Mitochondrien. Diese Zellbestandteile erzeugen die Energie der Zelle und besitzen ein eigenes, sehr kleines Erbgut. Der Bauplan liegt also nicht im Zellkern, wo fast alle anderen Baupläne des Körpers stehen [1].
Beschrieben haben es Changhan Lee, Pinchas Cohen und Kollegen an der University of Southern California im März 2015 [1]. Einen offiziellen Wirkstoffnamen hat der Stoff nicht und einen Handelsnamen ebenso wenig, denn ein Präparat damit wurde nie zugelassen. Was im Handel kursiert, wird als Forschungschemikalie deklariert [11].
Kurzprofil
| Feld | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Wofür der Name steht | Ein kurzer Abschnitt im Erbgut der Mitochondrien, Typ c | [1] |
| Wirkstoffklasse | Peptid, dessen Bauplan in den Mitochondrien liegt | [12] |
| Bausteinfolge | MRWQEMGYIFYPRKLR, 16 Eiweißbausteine | [10] |
| Herkunft im Erbgut | Gen MT-RNR1 im Erbgut der Mitochondrien | [1] |
| Summenformel und Masse | C101H152N28O22S2, 2.174,6 g/mol | [10] |
| Abbau im Körper | Nicht veröffentlicht | — |
| Verabreichung in den Studien | Bei Mäusen als Spritze in die Bauchhöhle, beim abgewandelten Verwandten am Menschen unter die Haut | [1], [8] |
| Status | Forschungschemikalie, in keinem Land zugelassen | [3], [4] |
| Erstbeschreibung | März 2015, University of Southern California | [1] |
| CAS-Nummer | 1627580-64-6 | [10] |
| PubChem CID | 146675088 | [10] |
| UNII | A5CV6JFB78 | [10] |
| Wikidata | Q56377357 | [13] |

Wie es wirkt
Alle folgenden Erklärungen stammen aus Zellkulturen oder Tierversuchen. Keine davon ist beim Menschen belegt [12].
- Ein Energieschalter der Zelle. Das Peptid soll einen bestimmten Stoffwechselweg bremsen. Dadurch würde sich ein Zwischenprodukt ansammeln, das seinerseits den zentralen Energieschalter der Zelle anschaltet [1].
- Wanderung in den Zellkern. Fehlte kultivierten Zellen Zucker, wanderte MOTS-c in den Zellkern und lagerte sich dort an Gene an, die die Zelle vor Schäden schützen [14].
- Ein Enzym im Muskel. Eine Arbeitsgruppe berichtete, das Peptid binde im Skelettmuskel direkt an ein bestimmtes Enzym und schalte es ein. Dieser Weg käme ohne den Energieschalter aus [15].
- Abwehr von Krankheitserregern. Im Reagenzglas griff das Peptid die Hülle bestimmter Bakterien an, darunter auch antibiotikaresistenter Keime. Menschliche Abwehrzellen bildeten mehr davon, wenn man sie mit einem Botenstoff des Immunsystems in Kontakt brachte [16].
- Zwei Befunde weisen in die entgegengesetzte Richtung. In gealterten Zellen führten Peptide dieser Gruppe dazu, dass mehr entzündungsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet wurden [17]. In bestimmten menschlichen Bindegewebszellen bremste MOTS-c die Reparatur [18].
Das nächstverwandte Peptid heißt Humanin. Sein Bauplan liegt zwar ebenfalls im Erbgut der Mitochondrien, aber an einer anderen Stelle. Die beiden bestehen aus unterschiedlichen Bausteinfolgen und werden getrennt gemessen [12].
Was die Studien zeigen
Stoffwechsel und Blutzucker (Maus)
Tierdaten Mäuse zweier Zuchtlinien, sechs bis acht Tiere je Gruppe, verwerteten Zucker besser und sprachen besser auf Insulin an. Trotz fettreicher Kost wurden sie weder dick noch zuckerkrank [1]. Auf diesem einen Befund gründet das gesamte Forschungsfeld. In einer Studie am Menschen mit Vergleichsgruppe wurde er nie bestätigt.
Tierdaten Bei Mäusen, die von sich aus eine dem Typ-1-Diabetes ähnliche Erkrankung entwickeln, setzte diese unter täglicher Behandlung mit 0,5 mg/kg später ein, und die Bauchspeicheldrüse wurde weniger stark von Abwehrzellen angegriffen. Untersucht wurden sechs bis zehn Tiere je Gruppe [19]. Bei Mäusen, denen die Eierstöcke entfernt worden waren, fiel der Knochenschwund über zwölf Wochen geringer aus [20]. Bei zuckerkranken Mäusen veränderte sich der Herzmuskel unter zwölfwöchiger Behandlung weniger stark [21].
Ausdauerleistung (Maus)
Tierdaten Mäuse im Alter von 2, 12 und 22 Monaten, fünf bis zehn Tiere je Gruppe, liefen in jedem Alter besser auf dem Laufband. Begann die Behandlung erst im hohen Alter von 23,5 Monaten, lief das mit besserer Leistung und mehr beschwerdefreier Lebenszeit zusammen [22]. Eine unabhängige Arbeitsgruppe hat diese Ergebnisse nie nachgeprüft.
Tierdaten Ließ man Nager vier bis acht Wochen lang freiwillig im Laufrad laufen, stieg der MOTS-c-Gehalt in ihrem Muskel auf das Anderthalb- bis Fünffache. Eine einzige Spritze mit 15 mg/kg verlängerte bei untrainierten Mäusen die Laufzeit um 12 Prozent und die Laufstrecke um 15 Prozent [23].
Untrainierte Mäuse, eine einzige Spritze mit 15 mg/kg, Veränderung gegenüber unbehandelten Tieren. Auf das Körpergewicht bezogene Dosen lassen sich von der Maus nicht auf den Menschen umrechnen. Quelle [23].
Beobachtungen am Menschen
Beobachtung am Menschen Bei zehn wenig sportlichen jungen Männern stieg der MOTS-c-Gehalt nach hartem Intervalltraining sowohl im Muskel als auch im Blut [22]. Verabreicht wurde dabei nichts. Die Arbeit zeigt also nur, wie der Körper auf Training reagiert.
Beobachtung am Menschen Zwischen zehn schlanken und zehn stark übergewichtigen Personen unterschied sich der MOTS-c-Gehalt im Blut praktisch nicht (0,48 ± 0,16 gegenüber 0,52 ± 0,15 ng/ml, der Unterschied war statistisch nicht abgesichert, p = 0,60). Wer schlechter auf Insulin ansprach, hatte tendenziell höhere Werte (Zusammenhang mit dem HOMA-Index r = 0,53, mit dem Matsuda-Index r = −0,46) [24].
Beobachtung an 10 schlanken und 10 stark übergewichtigen Personen, verabreicht wurde nichts. Der Unterschied ist statistisch nicht abgesichert (p = 0,60), und ein höherer Wert ist nicht der bessere. Quelle [24].
Beobachtung am Menschen Untersucht wurden 125 Menschen in China und 34 Frauen in Europa. Bei den 26 Personen mit gestörtem Stoffwechsel lag der MOTS-c-Gehalt im Blut höher als bei den übrigen, nämlich bei 315 ± 27 pg/ml, und er stieg mit dem Fettgehalt der Leber [7]. Die Autoren halten das für ein Zeichen dafür, dass die Leber unter Stress steht, und nicht für ein Zeichen von Schutz.
Beobachtung am Menschen Über die verschiedenen Krankheiten hinweg fallen die Befunde uneinheitlich aus. Bei Typ-1-Diabetes waren die Werte niedriger [19], ebenso bei einer chronischen Schilddrüsenentzündung, bei Schlafapnoe und bei chronischer Nierenschwäche [25]. Bei 20 sportlichen Erwachsenen hing der Wert mit Sprungkraft und Muskelmasse zusammen, mit der Ausdauerleistung dagegen nicht [26].
CB4211, das Analogon
Erste Studie am Menschen, bisher nur als Pressemitteilung CB4211 ist ein chemisch abgewandelter Verwandter der Firma CohBar und nicht MOTS-c selbst. Zwischen Juli 2018 und April 2021 lief damit eine dreiteilige Studie mit insgesamt 88 Teilnehmern [8]. Im letzten Teil erhielten 20 Personen mit starkem Übergewicht und Fettleber vier Wochen lang täglich eine Spritze mit 25 mg.
Erste Studie am Menschen, bisher nur als Pressemitteilung Der Hersteller meldete, das Mittel sei verträglich gewesen und schwerwiegende Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Zwei Leberwerte sanken um 21 und 28 Prozent, während sie in der Vergleichsgruppe kaum sanken oder sogar leicht stiegen. Der Blutzucker fiel um 6 Prozent und blieb in der Vergleichsgruppe unverändert. Alle Unterschiede waren nach Angaben der Firma groß genug, um nicht als Zufall zu gelten (jeweils p < 0,05) [27]. Geprüft hat diese Zahlen niemand, und im Studienregister sind keine Ergebnisse hinterlegt [8].
Letzter Teil der ersten Studie am Menschen, 20 Teilnehmer mit starkem Übergewicht und Fettleber, 4 Wochen, jeweils p < 0,05. CB4211 ist ein abgewandelter Verwandter und nicht MOTS-c. Die Zahlen stammen aus einer Pressemitteilung des Herstellers und wurden nie unabhängig geprüft. Quelle [27].
Ende des Programms Danach ging es nicht weiter. Die Firma erklärte, die verwendete Zubereitung eigne sich nicht für die weitere Entwicklung [9]. CohBar schloss sich anschließend mit einem anderen Unternehmen zusammen, und dass der Wirkstoff dort weiterverfolgt wird, ist nicht zu erwarten [28].
Was weiterhin unbekannt ist
- Ein Wirknachweis am Menschen. In keiner belegten Studie hat je ein Mensch das Peptid selbst erhalten, es gibt also nichts abzuwägen [2].
- Wie der Körper den Stoff aufnimmt und abbaut. Es ist nicht bekannt, wie viel von einer Gabe ins Blut gelangt, wie lange der Stoff dort bleibt und welche Menge welche Wirkung hätte.
- Abwehrreaktionen und Sicherheit auf lange Sicht. Ob der Körper Abwehrstoffe gegen das Peptid bildet, wurde in keiner belegten Studie je untersucht [2].
- Bestimmte Personengruppen. Zu Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern sowie Leber- und Nierenschwäche gibt es keine Daten, und auch zum Zusammenspiel mit anderen Medikamenten nicht.
- Die Messung selbst. Die beiden gebräuchlichen Laborverfahren liefern für dieselbe Blutprobe deutlich verschiedene Werte. Studien lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen [6].
- Die gegenläufigen Befunde. Weder die verstärkte Entzündung in gealterten Zellen noch die gebremste Reparatur im Bindegewebe ist geklärt [17], [18].
Nebenwirkungen und Sicherheit
In keiner belegten Studie hat je ein Mensch MOTS-c selbst erhalten. Deshalb weiß niemand, welche Nebenwirkungen es hat und wie häufig sie sind. Die US-Anti-Doping-Agentur formuliert es unmissverständlich. MOTS-c "is not approved by the Food and Drug Administration (FDA) for use in humans or in compounded medications" (ist von der Arzneimittelbehörde FDA weder für die Anwendung am Menschen noch für Zubereitungen aus der Apotheke zugelassen) [11].
- Reaktionen an der Einstichstelle. Im vierwöchigen Teil der Studie mit dem abgewandelten Verwandten war dies die einzige Nebenwirkung, die häufiger als bei jedem zehnten Teilnehmer auftrat. Sie ging vorüber und war meist leicht bis mittelschwer [27].
- Anhaltende Reaktionen im früheren Studienabschnitt. Sie verschwanden, nachdem die Firma die Zubereitung geändert hatte. Genau diese neue Zubereitung erklärte sie später für ungeeignet [9].
- Keine schwerwiegenden Zwischenfälle. Über alle 88 Teilnehmer der Studie mit dem abgewandelten Verwandten hinweg wurde keiner gemeldet [27], [8].
- Berichte von außerhalb der Studien. Menschen, die den Stoff nach eigenen Angaben im Netz gekauft hatten, berichteten von erhöhtem Puls, Herzstolpern, Schlaflosigkeit, Abwehrreaktionen und Fieber. Niemand hat geprüft, woran das lag, und niemand hat die gekaufte Ware untersucht [11].
- Verunreinigungen und offene Fragen zum Stoff selbst. Die US-Behörde nannte Bedenken wegen möglicher Abwehrreaktionen, wegen Verunreinigungen und weil zu wenig darüber bekannt ist, was in der Ware genau enthalten ist [3], [4].
Für die Bewertung wiegen die Lücken schwerer als die vorliegenden Befunde. Ob Ware aus unkontrollierter Herstellung rein ist und was genau sie enthält, hat keine Behörde je geprüft [3]. Es gibt keine amtliche Produktinformation, niemand hat Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen, und außerhalb von Studien achtet niemand auf Nebenwirkungen.
Dosierungen in den Studien
Diese Dosierungen stammen aus den zitierten Studien und stehen hier nur als Beleg. Sie sind keine Empfehlung und taugen nicht als Anleitung für eine eigene Anwendung.
| Studie | Modell | Dosis | Verabreichung | Dauer | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| Lee 2015 | Mäuse, normale Kost | 5 mg/kg täglich, auf zwei Gaben verteilt | Spritze in die Bauchhöhle | 4 Tage | [1] |
| Lee 2015 | Mäuse vom Stamm C57BL/6, normale und fettreiche Kost | 5 mg/kg täglich | In die Bauchhöhle | 7 Tage bis 8 Wochen | [1] |
| Reynolds 2021 | Junge Mäuse, 12 Wochen alt | 5 und 15 mg/kg täglich | In die Bauchhöhle | 2 Wochen | [22] |
| Reynolds 2021 | Alte Mäuse vom Stamm C57BL/6N, ab 23,5 Monaten | 15 mg/kg täglich, dreimal wöchentlich | In die Bauchhöhle | Bis zum Lebensende | [22] |
| Kong 2021 | Mäuse mit einer Diabetesform wie Typ 1 | 0,5 mg/kg täglich | In die Bauchhöhle | Woche 7 bis Woche 18 oder 30 | [19] |
| Kong 2021 | Mäuse vom Stamm C57BL/6J, Verteilung im Körper | 10 mg/kg, markiertes Peptid, einmalig | In die Vene | Einmalig | [19] |
| Ming 2016 | Mäuse ohne Eierstöcke | 5 mg/kg täglich | In der Kurzfassung nicht angegeben | 12 Wochen | [20] |
| Hyatt 2022 | Untrainierte Mäuse | 15 mg/kg, einmalig | In der Kurzfassung nicht angegeben | Einmalig | [23] |
| Wu 2025 | Zuckerkranke Mäuse | In der Kurzfassung nicht beziffert | Minipumpe unter der Haut | 12 Wochen | [21] |
| CohBar, letzter Studienteil | Menschen, n = 20, Verwandter CB4211 | 25 mg täglich | Unter die Haut | 4 Wochen | [27], [8] |
Auf das Körpergewicht bezogene Dosen lassen sich von der Maus nicht auf den Menschen umrechnen. Die einzige Angabe zum Menschen in dieser Tabelle betrifft ein anderes Molekül, und zwar in einer Zubereitung, die der Entwickler selbst aufgegeben hat [9].
Entwicklungsstand und Zulassung
Zeitleiste des Programms
- 2015Erstbeschreibung in einer Fachzeitschrift, samt der Stoffwechselbefunde aus dem MausversuchLee und Cohen, University of Southern California, Quelle [1]
- 2018-2021Der abgewandelte Verwandte CB4211 wird erstmals am Menschen erprobtn = 88, Sponsor CohBar, keine Ergebnisse hinterlegt, Quelle [8]
- 2019Nachweisverfahren im Blut für die Dopingkontrolle geprüftNachweisgrenze 100 pg/ml, Quelle [6]
- 2021Befunde zu Training und Alterung bei Mäusen erscheinen, und MOTS-c kommt namentlich auf die DopinglisteQuellen [22], [29]
- 2023Die FDA stuft MOTS-c als bedenklich ein, und CohBar gibt die Zubereitung aufQuellen [4], [9]
- Juli 2026Ein Beratungsgremium stimmt gegen den Vorschlag der Behörde, MOTS-c auszuschließenNur beratend, eine Entscheidung der Behörde folgte nicht, Quellen [30], [31]
- September 2026Die Behörde hat nicht abschließend entschieden, und die Einstufung als bedenklich gilt weiterQuelle [4]
- 2015 — die Erstbeschreibung erscheint, mit den Stoffwechselbefunden aus dem Mausversuch und der Vermutung über den Energieschalter der Zelle [1].
- 2018 bis 2021 — der abgewandelte Verwandte CB4211 wird an 88 Menschen erprobt [8].
- 2021 — der Hersteller meldet die Eckdaten per Pressemitteilung [27], und MOTS-c erscheint auf der Dopingliste [29].
- 2023 — die FDA stuft MOTS-c als bedenklich ein und schließt es von der Anfertigung in Apotheken aus [4], und CohBar gibt die Zubereitung auf [9].
- Juli 2026 — ein Beratungsgremium der FDA stimmt gegen den Vorschlag der eigenen Behörde, MOTS-c von der Anfertigung in Apotheken auszuschließen [30], [31].
- September 2026 — eine abschließende Entscheidung der Behörde ist nicht veröffentlicht, und die Einstufung als bedenklich gilt weiter [4].
| Markt | Status | Anmerkung | Quelle |
|---|---|---|---|
| USA | Nicht zugelassen | Anfertigung in Apotheken nicht erlaubt | [3], [4] |
| Europäische Union | Nicht zugelassen | Keine Zulassung | — |
| Deutschland | Nicht zugelassen | Richtet sich nach der EU | — |
| Großbritannien | Nicht zugelassen | Keine Zulassung | — |
| Australien | Nicht zugelassen | Steht unter Beobachtung der Behörden | [32] |
| Kanada | Nicht zugelassen | Kein Eintrag im Arzneimittelregister | [33] |
| Schweiz | Nicht zugelassen | Sendungen beschlagnahmt | [34] |
Alle Abfragen in den Arzneimittelregistern hinter dieser Tabelle liefen am 6. September 2026.
Nichts wird so häufig missverstanden wie die Abstimmung vom Juli 2026. Ein Beratungsgremium stimmte dafür, MOTS-c für die Anfertigung in Apotheken zuzulassen, und damit gegen den Vorschlag der Behörde selbst [3], [30]. Ein juristischer Kommentar zur Sitzung hielt fest, dass sich "nothing has legally changed yet" (rechtlich bisher nichts geändert hat) [31].
Welche Peptide tatsächlich zugelassen sind, zeigt die Seite von der FDA zugelassene Peptide. Einen Überblick über die Rechtslage gibt die Seite Sind Peptide legal.
Anti-Doping
MOTS-c ist jederzeit verboten, im Wettkampf wie in der Zeit dazwischen, und die Liste nennt es ausdrücklich beim Namen, statt es nur sinngemäß zu erfassen. Abschnitt S4.4.1 der Verbotsliste 2026 erfasst "activators of the AMP-activated protein kinase (AMPK), e.g. ... AICAR, mitochondrial open reading frame of the 12S rRNA-c (MOTS-c)" (Aktivatoren der AMP-aktivierten Proteinkinase, zum Beispiel AICAR und den mitochondrialen offenen Leserahmen der 12S-rRNA, Typ c) [5]. Bei einem positiven Test fällt die Strafe für Stoffe dieser Gruppe besonders hart aus [29]. Die britische Anti-Doping-Agentur weist darauf hin, dass die Änderungen für 2026 lediglich weitere Beispiele ergänzen [35]. Eine ärztliche Ausnahmegenehmigung ist kaum vorstellbar, denn es gibt keine zugelassene Anwendung [11]. Einen Überblick gibt die Seite im Sport verbotene Peptide.
Vergleich mit verwandten Peptiden
| Peptid | Wie es wirken soll | Status | Stärkster eigener Befund | Abbau im Körper |
|---|---|---|---|---|
| MOTS-c | Schaltet vermutlich einen Energieschalter der Zelle an | Forschungschemikalie, nirgends zugelassen | Verhinderte bei Mäusen Übergewicht trotz fettreicher Kost [1] | Nicht veröffentlicht |
| Humanin | Peptid aus einem anderen Abschnitt des Mitochondrien-Erbguts | Forschungschemikalie, nirgends zugelassen | Nur Labor- und Tierversuche, früher beschrieben als MOTS-c [12] | Nicht veröffentlicht |
| SS-31 | Lagert sich in die Hülle der Mitochondrien ein | In den USA 2025 für eine seltene Erbkrankheit zugelassen | Mehr Kraft in den Oberschenkeln bei 12 Patienten [36] | Hier nicht angegeben |
| AICAR | Schaltet denselben Energieschalter an | Auf derselben Dopingliste genannt | Auf dieser Seite nicht bewertet [5] | Hier nicht angegeben |
Diese vier Moleküle setzen alle an den Mitochondrien an, gehören aber nicht zur selben Stoffgruppe. Nur SS-31 hat bislang ein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen, und die Zulassung gilt für eine einzige sehr seltene Krankheit in einem einzigen Land [36]. Humanin und MOTS-c stammen aus verschiedenen Abschnitten des Erbguts der Mitochondrien und werden getrennt gemessen [12].
Dass AICAR hier mit aufgeführt ist, liegt allein an der Anti-Doping-Einordnung und nicht an der Chemie. Beide Stoffe stehen auf derselben Liste, weil sie denselben Energieschalter der Zelle anschalten sollen. Chemisch haben sie nichts miteinander zu tun [5].
Verbreitete Irrtümer
- „MOTS-c ist Sport in der Spritze.“ Der belegte Zusammenhang verläuft umgekehrt. Training hebt das körpereigene MOTS-c in Muskel und Blut an [22], [23]. Wirkungen auf die Leistung nach einer Verabreichung wurden nur bei Mäusen gezeigt.
- „Die Daten zu CB4211 belegen die Wirkung von MOTS-c beim Menschen.“ CB4211 ist ein anderes Molekül. Seine Ergebnisse hat nie jemand unabhängig geprüft, im Studienregister stehen sie nicht, und das Programm scheiterte an der Zubereitung [27], [8], [9].
- „Ein hoher MOTS-c-Wert bedeutet Gesundheit.“ Bei gestörtem Stoffwechsel war der Wert erhöht und stieg mit dem Fettgehalt der Leber [7]. Bei anderen Krankheiten war er erniedrigt [19], [25]. Aus einem gemessenen Wert lässt sich also nicht auf Gesundheit schließen.
- „Die Abstimmung im Juli 2026 hat MOTS-c freigegeben.“ Das Gremium berät nur. Es stimmte gegen den Vorschlag der Behörde, und eine Entscheidung der Behörde folgte darauf nicht [3], [31].
- „Mit dem Etikett ‚Forschungschemikalie‘ ist die Rechtslage geklärt.“ Die Schweizer Behörden stellen klar, dass eine solche Aufschrift nichts ändert, sobald eine Ware für die Anwendung am Menschen beworben wird. Bei einer Kontrollaktion im Juni 2026 wurden 23 von 46 geprüften Sendungen zurückgehalten [34].
- „Die Genvariante m.1382A>C von MOTS-c macht langlebig.“ Eine Auswertung mehrerer Studien mit zusammen 27.527 Menschen fand bei Männern mit dieser Variante sogar häufiger einen Typ-2-Diabetes [37]. Außerdem wird sie mit der Zusammensetzung der Muskelfasern in Verbindung gebracht [38].
Häufige Fragen
Was ist MOTS-c?
Ein Peptid aus 16 Eiweißbausteinen. Sein Bauplan steht in einem kurzen Abschnitt des Erbguts der Mitochondrien, also der Kraftwerke unserer Zellen, und nicht im Erbgut des Zellkerns. Beschrieben haben es Forscher der University of Southern California im Jahr 2015. Zusammen mit Humanin gehört es zu den wenigen Peptiden, deren Bauplan in den Mitochondrien liegt.
Ist MOTS-c irgendwo zugelassen?
Nein. Am 6. September 2026 gab es in keinem Land und für keine Erkrankung eine Zulassung. In den USA darf der Stoff außerdem nicht in Apotheken verarbeitet werden.
Hat schon jemand MOTS-c in einer Studie an Menschen verabreicht?
In keiner belegten Studie. Ein Eintrag im US-amerikanischen Studienregister behauptet eine solche Studie, doch derselbe Auftraggeber hat weitere Einträge angelegt, die sich in ihrer eigenen Kurzfassung als Musterstudie, Beispieleintrag oder erfundene Studie bezeichnen. Diese Seite zählt ihn deshalb nicht. Alle belegten Daten vom Menschen messen nur, wie viel von dem Peptid der Körper selbst bildet. Verabreicht wurde dabei nichts.
Ist MOTS-c im Sport verboten?
Ja, jederzeit, im Wettkampf wie in der Zeit dazwischen. Die Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur nennt MOTS-c in Abschnitt S4.4.1 ausdrücklich beim Namen, und zwar unter den Stoffen, die einen bestimmten Energieschalter der Zelle anschalten sollen. Ein geprüftes Nachweisverfahren für das Blut gibt es seit 2019.
Ist ein hoher MOTS-c-Spiegel ein gutes Zeichen?
So einfach ist es nicht. Bei Menschen mit gestörtem Stoffwechsel lag der Wert höher statt niedriger, und er stieg mit dem Fettgehalt der Leber. Bei mehreren anderen Erkrankungen war er dagegen niedriger. Hinzu kommt, dass verschiedene Messverfahren unterschiedliche Werte liefern, sodass sich die Studien nicht miteinander vergleichen lassen.
Was ist CB4211, das MOTS-c-Analogon?
CB4211 ist ein chemisch abgewandelter Verwandter, entwickelt von der Firma CohBar, und nicht MOTS-c selbst. Er wurde in einer ersten Studie an 88 Menschen erprobt. Danach erklärte der Hersteller die verwendete Zubereitung für ungeeignet, und nach einem Firmenzusammenschluss wurde das Programm nicht weiterverfolgt.
Was ist über die Sicherheit von MOTS-c beim Menschen bekannt?
Sehr wenig. In keiner belegten Studie hat je ein Mensch das Peptid selbst erhalten. Deshalb ist nicht veröffentlicht, wie der Körper es aufnimmt und abbaut, wie es sich auf lange Sicht auswirkt und ob es Abwehrreaktionen auslöst. Die vorhandenen Beobachtungen stammen von dem abgewandelten Verwandten und betreffen überwiegend Reaktionen an der Einstichstelle.
Ersetzt MOTS-c Sport?
Dafür gibt es keinen Beleg. Der belegte Zusammenhang verläuft genau andersherum: Training lässt den MOTS-c-Gehalt in Muskel und Blut steigen. Dass eine Gabe von außen die Leistung verbessert, wurde bisher nur bei Mäusen beobachtet.
Warum stehen auf dieser Seite Dosierungen von MOTS-c?
Weil die Dosen zu den Fakten der Studien gehören und in den zitierten Arbeiten und Registereinträgen nachzulesen sind. Die meisten stammen aus Mausversuchen und sind auf das Körpergewicht der Tiere bezogen. Auf den Menschen lassen sie sich nicht umrechnen. Sie stehen hier als Beleg und nicht als Anleitung.
Quellen
- Lee C, Zeng J, Drew BG, Sallam T, Martin-Montalvo A, Wan J, Kim SJ, Mehta H, Hevener AL, de Cabo R, Cohen P (2015). The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance. Cell Metabolism 21(3):443-454. PMID 25738459. DOI 10.1016/j.cmet.2015.02.009
- ClinicalTrials.gov. NCT07505745, registry entry claiming a phase 2a study of MOTS-c in adults with prediabetes and overweight or obesity; sponsor Hudson Biotech. The same sponsor filed further entries whose own summaries call them a mock study, an example record or a fictional study (NCT07481734, NCT07437560, NCT07487363), so this entry is not treated here as a verified trial. Retrieved 6 September 2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT07505745
- US Food and Drug Administration (2026). Briefing document, Pharmacy Compounding Advisory Committee meeting, 23-24 July 2026. https://www.fda.gov/media/193342/download
- US Food and Drug Administration. Interim policy on compounding using bulk drug substances under section 503A of the Federal Food, Drug, and Cosmetic Act. https://www.fda.gov/media/174456/download
- World Anti-Doping Agency. The 2026 Prohibited List, in force 1 January 2026, section S4.4.1; official text as promulgated in the Austrian Federal Law Gazette BGBl. III No. 219 of 30 December 2025. Retrieved 6 September 2026. https://www.wada-ama.org/en/prohibited-list
- Knoop A, Thomas A, Thevis M (2019). Development of a mass spectrometry based detection method for the mitochondrion-derived peptide MOTS-c in plasma samples for doping control purposes. Rapid Communications in Mass Spectrometry 33(4):371-380. PMID 30394592. DOI 10.1002/rcm.8337
- Sequeira IR, Woodhead JST, Chan A, D'Souza RF, Wan J, Hollingsworth KG, Plank LD, Cohen P, Poppitt SD, Merry TL (2021). Plasma mitochondrial derived peptides MOTS-c and SHLP2 positively associate with android and liver fat in people without diabetes. Biochimica et Biophysica Acta General Subjects 1865(11):129991. PMID 34419510. DOI 10.1016/j.bbagen.2021.129991
- ClinicalTrials.gov. NCT03998514, phase 1a/1b study of CB4211 in healthy non-obese subjects and subjects with nonalcoholic fatty liver disease; sponsor CohBar, Inc.; n = 88; completed 19 April 2021; no results posted. Retrieved 6 September 2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT03998514
- CohBar, Inc. (2023). Annual report on Form 10-K for fiscal year 2022. SEC EDGAR. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1522602/000121390023018882/f10k2022_cohbarinc.htm
- PubChem. Compound summary CID 146675088, Mots-c. National Library of Medicine. Retrieved 6 September 2026. https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/146675088
- US Anti-Doping Agency. What is the MOTS-c peptide? Retrieved 6 September 2026. https://www.usada.org/spirit-of-sport/what-is-mots-c-peptide/
- Merry TL, Kim SJ, Miller B, Kumagai H, Yen K, Cohen P (2020). Mitochondrial-derived peptides in energy metabolism. American Journal of Physiology: Endocrinology and Metabolism 319(4):E659-E666. PMID 32776825. DOI 10.1152/ajpendo.00249.2020
- Wikidata. Item Q56377357, MOTS-c. Retrieved 6 September 2026. https://www.wikidata.org/wiki/Q56377357
- Kim KH, Son JM, Benayoun BA, Lee C (2018). The mitochondrial-encoded peptide MOTS-c translocates to the nucleus to regulate nuclear gene expression in response to metabolic stress. Cell Metabolism 28(3):516-524.e7. PMID 29983246. DOI 10.1016/j.cmet.2018.06.008
- Wu Y et al. (2024). MOTS-c modulates skeletal muscle function by directly binding and activating CK2. iScience 27(11):111212. PMID 39559755. DOI 10.1016/j.isci.2024.111212
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myPeptides Research & Editing. (2026). MOTS-c: Was die Studien zeigen, Zulassungsstatus und Sicherheit. Version 1.0, 6. September 2026. myPeptides Peptid-Register. Abgerufen von https://mypep.app/peptides/mots-c
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 2026-09-06 | Erstveröffentlichung |
Zuletzt geprüft: 6. September 2026. Nächste Prüfung: bei der Anmeldung einer belegbaren Studie am Menschen, bei einer abschließenden Entscheidung der FDA zur Liste für die Apothekenherstellung oder bei jeder Änderung der Anti-Doping-Einstufung.
