Peptidnamen aussprechen: Retatrutid, Tirzepatid, Semaglutid
Peptid-Freinamen werden nach dem WHO-Wortstamm betont, auf den sie enden. In der eingedeutschten Form auf -tid sitzt der Ton auf der letzten Silbe, genau wie im Wort Peptid selbst; Namen auf -relin, -relix, -pressin und -tocin folgen demselben Muster wie Protein oder Melanin. Die internationale Schreibweise auf -tide verschiebt den Akzent nach vorn.
Diese eine Regel deckt fast jeden Namen einer Peptid-Liste ab, weshalb die folgenden Tabellen nach Endung geordnet sind und nicht alphabetisch. Das Namenssystem dahinter beschreibt die Peptid-Übersicht, die einzelnen Einträge samt Zulassungsstatus stehen in der Peptid-Liste, die regulatorische Seite unter FDA-zugelassene Peptide.
Wie die beiden Notationen zu lesen sind
In den Tabellen stehen zwei Notationen nebeneinander. Die erste ist die Konvention des Ausspracheleitfadens der United States Adopted Names (USAN), entwickelt von der United States Pharmacopeia und vom USAN Council freigegeben; die Arzneimittelseiten der NIH drucken sie wörtlich nach. Die zweite ist das Internationale Phonetische Alphabet. Für die deutsche Lautung steht nur die zweite zur Verfügung: Eine veröffentlichte deutsche Aussprachenotation gibt es nicht.
| Zeichen | System | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| ' nach einer Silbe | USAN / USP | Hauptakzent | gloo' |
| " nach einer Silbe | USAN / USP | Nebenakzent | sem" |
| Leerzeichen | USAN / USP | Silbengrenze; diakritische Zeichen kommen nicht vor | sem" a gloo' tide |
| ˈ vor einer Silbe | IPA | Hauptakzent | ˈtiːt |
| ˌ vor einer Silbe | IPA | Nebenakzent | ˌzeː |
| iː | IPA | langes i wie in „Liebe“ | tiːt |
| z | IPA | stimmhaftes s wie in „Sonne“ | zeː |
| t͡s | IPA | z wie in „Zahl“ | t͡seː |
| ʁ | IPA | das Zäpfchen-r der deutschen Standardlautung | ʁeː |
| y | IPA | ü wie in „über“ | ɔksy |
| aɪ | IPA | der Diphthong der englischen Endung -tide | taɪd |
Die beiden Systeme unterscheiden sich vor allem in der Position des Zeichens: Die Notation der Pharmakopöe setzt es hinter die betonte Silbe, das phonetische Alphabet davor.
Peptidnamen auf -tid
Großbuchstaben markieren die betonte Silbe. In der Spalte „Klingt wie“ steht die deutsche Lautung in gewöhnlicher Rechtschreibung: „ie“ und „ih“ stehen für langes i, „ts“ und „z“ für den z-Laut, „ü“ für den u-Umlaut. Die vorletzte Spalte gibt die Aussprache genau so wieder, wie sie in der Notation der United States Pharmacopeia veröffentlicht ist, mit der Quelle für die jeweilige Zeile. Zeilen mit † haben keinen Eintrag auf den Verbraucherseiten der NIH; für diese Namen steht die veröffentlichte Form in der USAN-Adoptionserklärung, die der USAN Drug Finder öffentlich führt. Ein Gedankenstrich markiert eine Zeile, für die keine der beiden Quellen eine Form führt; Silben und IPA folgen dort dem Muster des Wortstamms.
| Name | Silben | IPA (deutsch) | Klingt wie | Veröffentlichte US-Aussprache (USP-Notation) | Klasse und Status |
|---|---|---|---|---|---|
| Semaglutid (semaglutide) | Se-ma-glu-TID | /zemaɡluˈtiːt/ | se-ma-glu-TIET | sem" a gloo' tide [9] | GLP-1-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
| Tirzepatid (tirzepatide) | Tir-ze-pa-TID | /tɪʁt͡sepaˈtiːt/ | tir-tse-pa-TIET | tir zep' a tide [10] | GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
| Retatrutid (retatrutide) † | Re-ta-tru-TID | /ʁetatʁuˈtiːt/ | re-ta-tru-TIET | ret" a troo' tide [28] | GIP-, GLP-1- und Glucagon-Rezeptoragonist; in klinischer Erprobung, nicht zugelassen |
| Liraglutid (liraglutide) | Li-ra-glu-TID | /liʁaɡluˈtiːt/ | li-ra-glu-TIET | lir" a gloo' tide [11] | GLP-1-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
| Dulaglutid (dulaglutide) | Du-la-glu-TID | /dulaɡluˈtiːt/ | du-la-glu-TIET | doo" la gloo' tide [12] | GLP-1-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
| Teduglutid (teduglutide) | Te-du-glu-TID | /teduɡluˈtiːt/ | te-du-glu-TIET | te" due gloo' tide [13] | Analogon des Glucagon-like Peptide; verschreibungspflichtig |
| Exenatid (exenatide) | E-xe-na-TID | /ɛksenaˈtiːt/ | ex-e-na-TIET | ex en' a tide [15] | GLP-1-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
| Lixisenatid (lixisenatide) | Li-xi-se-na-TID | /lɪksizenaˈtiːt/ | li-xi-se-na-TIET | lix" i sen' a tide [14] | GLP-1-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
| Pramlintid (pramlintide) | Pram-lin-TID | /pʁamlɪnˈtiːt/ | pram-lin-TIET | pram' lin tide [16] | Amylin-Analogon; verschreibungspflichtig |
| Cagrilintid (cagrilintide) † | Ca-gri-lin-TID | /kaɡʁilɪnˈtiːt/ | ka-gri-lin-TIET | ka" gri lin' tide [28] | Amylin-Analogon; in klinischer Erprobung, nicht zugelassen |
| Teriparatid (teriparatide) | Te-ri-pa-ra-TID | /teʁipaʁaˈtiːt/ | te-ri-pa-ra-TIET | terr ih par' a tyd [17] | Parathormon-Analogon; verschreibungspflichtig |
| Octreotid (octreotide) | Oc-tre-o-TID | /ɔktʁeoˈtiːt/ | ok-tre-o-TIET | ok tree' oh tide [18] | Somatostatin-Analogon; verschreibungspflichtig |
| Bremelanotid (bremelanotide) | Bre-me-la-no-TID | /bʁemelanoˈtiːt/ | bre-me-la-no-TIET | bre" me lan' oh tide [19] | Melanocortin-Rezeptoragonist; verschreibungspflichtig |
An dieser Tabelle fallen zwei Dinge auf. Erstens sitzt in jeder veröffentlichten US-Form das Akzentzeichen hinter der drittletzten Silbe, ausnahmslos. Zweitens zieht die deutsche Form den Ton ans Wortende, weil sie das stumme -e der internationalen Schreibweise gar nicht erst mitnimmt: Aus dem lateinischen Freinamen auf -idum wird im deutschen Fachgebrauch ein Wort auf -id, und ein solches Wort trägt den Akzent auf der letzten Silbe – dasselbe Muster wie Peptid, Amid oder Nuklid.
Peptidnamen auf -relin, -relix, -pressin und -tocin
Diese Stämme gehören zu den Hormonfreisetzungs-Gruppen und nicht zum allgemeinen Peptidstamm. Im Englischen rückt der Akzent dadurch eine Stelle nach rechts; im Deutschen bleibt er dort, wohin ihn die Endung auf -in ohnehin zieht, nämlich auf die letzte Silbe. Geschrieben werden diese Namen international und deutsch gleich.
| Name | Silben | IPA (deutsch) | Klingt wie | Veröffentlichte US-Aussprache (USP-Notation) | Klasse und Status |
|---|---|---|---|---|---|
| Tesamorelin | Te-sa-mo-re-LIN | /tezamoʁeˈliːn/ | te-sa-mo-re-LIHN | tes" a moe rel' in [20] | Analogon des Wachstumshormon-Releasing-Faktors; verschreibungspflichtig |
| Sermorelin † | Ser-mo-re-LIN | /zɛʁmoʁeˈliːn/ | ser-mo-re-LIHN | – | die Wachstumshormon-Freisetzung stimulierendes Peptid; in den meisten Märkten nicht als Arzneimittel zugelassen |
| Ipamorelin † | I-pa-mo-re-LIN | /ipamoʁeˈliːn/ | i-pa-mo-re-LIHN | – | die Wachstumshormon-Freisetzung stimulierendes Peptid; Forschungspeptid, nicht zugelassen |
| Macimorelin † | Ma-ci-mo-re-LIN | /mat͡simoʁeˈliːn/ | ma-tsi-mo-re-LIHN | ma" si moe rel' in [28] | Wachstumshormon-Sekretagogum; verschreibungspflichtig |
| Gonadorelin † | Go-na-do-re-LIN | /ɡonadoʁeˈliːn/ | go-na-do-re-LIHN | – | die Hypophysenhormon-Freisetzung stimulierendes Peptid; verschreibungspflichtig [27] |
| Degarelix | De-ga-re-LIX | /deɡaʁeˈlɪks/ | de-ga-re-LIX | deg" a rel' ix [21] | die Hypophysenhormon-Freisetzung hemmendes Peptid; verschreibungspflichtig |
| Cetrorelix † | Ce-tro-re-LIX | /t͡setʁoʁeˈlɪks/ | tse-tro-re-LIX | – | die Hypophysenhormon-Freisetzung hemmendes Peptid; verschreibungspflichtig |
| Desmopressin | Des-mo-pres-SIN | /dɛsmopʁɛˈsiːn/ | des-mo-pres-SIHN | des moe press' in [22] | Vasopressin-Analogon; verschreibungspflichtig |
| Oxytocin | O-xy-to-CIN | /ɔksytoˈt͡siːn/ | ok-sü-to-ZIHN | ox i toe' sin [23] | Hormon des Hypophysenhinterlappens; verschreibungspflichtig |
In den veröffentlichten US-Formen landet der Akzent auf REL, PRESS und TO, eine Silbe weiter rechts als in der Gruppe auf -tide. Die deutsche Lesart schiebt ihn eine Stelle weiter, auf die Endsilbe. Der Stamm -tocin ist der eine Fall, in dem das Ausgangshormon selbst in der Tabelle steht: Die Definition im Stammbuch erfasst die davon abgeleiteten Namen, nicht den Namen des Hormons.

Wie INN-Namen gebaut sind
Ein International Nonproprietary Name, im Deutschen internationaler Freiname, ist kein Marketingname. Er wird vom INN-Programm der Weltgesundheitsorganisation vergeben, auf Lateinisch, Englisch, Französisch und Spanisch veröffentlicht und gemeinfrei gestellt. Zwei der allgemeinen WHO-Grundsätze prägen, wie sich diese Namen lesen. Der erste verlangt, dass ein Name in Klang und Schreibweise unverwechselbar ist und sich nicht mit gebräuchlichen Namen verwechseln lässt. Der zweite verlangt, dass eine Substanz aus einer Gruppe pharmakologisch verwandter Stoffe diese Verwandtschaft erkennen lässt, wo das sinnvoll ist – und genau das leisten die Wortstämme.
Ein weiterer Grundsatz betrifft die Buchstaben selbst: Um Übersetzung und Aussprache zu erleichtern, schreibt ein Freiname f statt ph, t statt th, e statt ae oder oe und i statt y und vermeidet h und k. Deshalb wirken Peptidnamen lautlich so flach, und deshalb lassen sie sich von einer Sprache in die andere tragen, ohne unkenntlich zu werden.
Im deutschen Fachgebrauch kommt ein Schritt hinzu, den die WHO nicht regelt: Die lateinische Form verliert ihre Endung auf -um, aus -idum wird -id, aus -inum wird -in. Diese eingedeutschte Form steht in den deutschsprachigen Fachinformationen – und genau sie verschiebt die Betonung.
| Wortstamm | Wofür die WHO ihn führt | Stellung | Quelle |
|---|---|---|---|
| -tide | Peptide und Glykopeptide | Hauptstamm | [2] |
| -glutide | Analoga und Agonisten des Glucagon-like Peptide (GLP) | Unterstamm von -tide | [3] |
| -enatide | GLP-1-Rezeptoragonisten, Exenatid (Exendin-4) und Analoga | Unterstamm von -tide | [3] |
| -dutide | Oxyntomodulin-Analoga und andere duale Agonisten des GLP-1- und des Glucagonrezeptors | Unterstamm von -tide | [3] |
| -paratide | Parathormon-Analoga | Unterstamm von -tide | [3] |
| -netide | neurologisch | Unterstamm von -tide | [3] |
| -pultide | Peptide und Proteine in pulmonalen Surfactants | Unterstamm von -tide | [3] |
| -actide | synthetische Polypeptide mit corticotropinartiger Wirkung | eigener Stamm | [2] |
| -relin | die Hypophysenhormon-Freisetzung stimulierende Peptide | eigener Stamm | [2] |
| -morelin | die Wachstumshormon-Freisetzung stimulierende Peptide | Unterstamm von -relin | [2] |
| -tirelin | Analoga des Thyreotropin-Releasing-Hormons | Unterstamm von -relin | [2] |
| -relix | die Hypophysenhormon-Freisetzung hemmende Peptide | eigener Stamm | [2] |
| -pressin | Vasokonstriktoren, Vasopressin-Analoga | eigener Stamm | [3] |
| -tocin | Oxytocin-Derivate | eigener Stamm | [2] |
Die Unterstämme -dutide, -enatide, -netide, -paratide und -pultide kamen nach der Ausgabe 2018 des Stammbuchs hinzu und stehen im Nachtrag vom 10. Oktober 2023. Derselbe Nachtrag erweiterte -glutide von GLP-Analoga auf GLP-Analoga und -Agonisten und formulierte -pressin von Vasopressin-Derivaten zu Vasopressin-Analoga um. Die Buchstabenfolge -tatrutide, die Namen dieser Klasse gemeinsam haben, ist eine Familienähnlichkeit und kein eingetragener Unterstamm: Mit Stand dieses Nachtrags ist kein Unterstamm für dreifache Rezeptoragonisten veröffentlicht, ein solcher Name steht also weiterhin unter dem allgemeinen Stamm -tide, und seine mittleren Silben tragen keine Gruppenbedeutung.
Namen wie pramlintide, amlintide und davalintide führt das Stammbuch unmittelbar unter -tide und nicht unter einem eigenen Unterstamm -lintide; die gemeinsame Folge -lintide ist ebenfalls nur eine Familienähnlichkeit.
Wo der Akzent liegt, nach Stammgruppe
| Stammgruppe | Betonung in der deutschen Form | Betonung in der internationalen Form | Muster |
|---|---|---|---|
| -tid / -tide und seine Unterstämme | letzte Silbe | drittletzte Silbe | ...-glu-TID gegenüber ...-GLU-tide |
| -actid / -actide | letzte Silbe | drittletzte Silbe | ...-ac-TID gegenüber ...-SAC-tide |
| -relin und -morelin | letzte Silbe | vorletzte Silbe | ...-mo-re-LIN gegenüber ...-mo-REL-in |
| -relix | letzte Silbe | vorletzte Silbe | ...-re-LIX gegenüber ...-REL-ix |
| -pressin | letzte Silbe | vorletzte Silbe | ...-pres-SIN gegenüber ...-PRESS-in |
| -tocin | letzte Silbe | vorletzte Silbe | ...-to-CIN gegenüber ...-TO-cin |
Ein dreisilbiger Name auf -tide ist keine Ausnahme: Von hinten gezählt landet die dritte Silbe schlicht am Wortanfang, weshalb pram' lin tide vorn betont ist. Der Nebenakzent, im einen System mit doppeltem Strich, im anderen mit dem tiefgestellten IPA-Zeichen geschrieben, liegt in der Regel zwei Silben vor dem Hauptakzent und fällt im gewöhnlichen Sprechen fast immer weg. In der deutschen Form spielt er ohnehin kaum eine Rolle: Der Wortanfang bleibt unbetont, der Ton sitzt am Ende.
Warum die Betonung streitig ist
Der Streit ist strukturell und keine Frage von Nachlässigkeit.
Ein INN-Listeneintrag enthält den Namen in vier Sprachen, einen chemischen Namen oder eine Beschreibung, eine Angabe zu Wirkung und Verwendung, die Summenformel, die CAS-Nummer und die Strukturformel. Eine Lautschrift, Akzentzeichen oder eine Tonaufnahme enthält er nicht. Die WHO-Grundsätze regeln Schreibweise und Lautmuster im Moment der Namensbildung, und dort hören sie auf.
Eine Aussprache veröffentlicht allein das US-amerikanische Namensprogramm. Der USAN-Ausspracheleitfaden wird von der United States Pharmacopeia entwickelt, vom USAN Council freigegeben und auf die Adoptionserklärungen angewandt; die Verbraucherseiten der NIH machen ihn für Produkte mit zugelassenem Etikett öffentlich zugänglich. Bei einem Namen, der noch in Entwicklung ist, steht die veröffentlichte Form nicht dort, sondern in der Adoptionserklärung: Die USAN-Leitlinien halten fest, die Aussprachen seien „included in the statement of adoption but are finalized after review by experts at USP“, und die Erklärungen selbst führt der USAN Drug Finder. Weder zum British Approved Name noch zur europäischen Arzneibuch-Monografie gehört eine vergleichbare Liste, und die deutschsprachige Fachinformation nennt überhaupt keine Aussprache. Außerhalb der Vereinigten Staaten wird der Akzent deshalb aus der Schreibweise rekonstruiert – und eine Rekonstruktion fällt nicht eindeutig aus.
Auch die Namenslisten selbst gehen auseinander, und das legt eine zweite Schicht darüber:
| WHO-Freiname | United States Adopted Name | Folge |
|---|---|---|
| leuprorelin | leuprolide | der Stamm -relin ist nur im Freinamen sichtbar; der US-Name endet auf -lide und wird loo proe' lide gesprochen, mit anderer Akzentstelle [24] |
| -relin (Wortlaut BAN) | -relin (Wortlaut USAN) | das Stammbuch führt die britische Definition als „hypophyseal hormone release-stimulating peptides“, die amerikanische als „prehormones or hormone-release stimulating peptides“ |
Hinzu kommt eine dokumentierte Uneinheitlichkeit im System selbst. Eine begutachtete Auswertung von 7.987 internationalen Freinamen hielt fest, die Wortstämme, die pharmakologische Verwandtschaft anzeigen sollen, seien „not spelled consistently and the guidelines do not impose an unequivocal order on them“; Namenspaare mit gemeinsamem Stamm liegen im Schriftbild oft dicht beieinander. Wo die Stammgrenze unklar ist, ist es auch die Silbenzahl – und mit ihr der Akzent.
| Was variiert | Warum | Wo es auffällt |
|---|---|---|
| die Endung | die deutsche Fachsprache kürzt -tide zu -tid und -ine zu -in, die englische behält den vollen Diphthong | -tid als tiːt gegenüber -tide als /taɪd/ |
| das anlautende s | im Deutschen vor Vokal stimmhaft, im Englischen stimmlos | Se- als zeː oder als sɛ |
| z und c | im Deutschen t͡s, im Englischen /z/ beziehungsweise /s/ | -ze-, Ci-, -cin |
| ein unbetontes i | der Buchstabe steht für ɪ oder für iː | Li-xi- als lɪksi oder als liːksiː |
| der Akzent bei -relin | die deutschen Wörter auf -in ziehen den Ton ans Ende, die englische Lesart legt ihn auf REL | ...-mo-re-LIN gegenüber ...-mo-REL-in |
| der Nebenakzent | er ist beim Sprechen fakultativ und entfällt meist | sem" a gloo' tide gesprochen als sem-a-GLOO-tide |
Was im veröffentlichten Bestand nicht variiert, ist die betonte Stammsilbe selbst. In allen oben zitierten Formen fällt der Akzent auf GLOO, ZEP, TROO, EN, PAR und REL, wo immer diese Silben auftauchen; gestritten wird über die Silben ringsherum.
Namen, die gar keine Freinamen sind
Ein großer Teil jeder Peptid-Liste besteht aus Codebezeichnungen statt aus Freinamen. Die WHO-Leitlinien halten fest, „the use of an isolated letter or number should be avoided“, und nennen „hyphenated construction“ ebenfalls unerwünscht; eine Zeichenfolge aus Initialen, Ziffern und Bindestrich folgt dem INN-Aufbau also nicht und ist kein internationaler Freiname. Solche Zeichenfolgen sind Labor-, Sequenz- oder Katalogcodes, und sie werden buchstabiert statt als Wort gesprochen. Im Deutschen heißt das: mit den deutschen Buchstabennamen, in denen C als t͡seː, V als faʊ und Z als t͡sɛt erscheint.
| Code | Im Deutschen meist gelesen als | Woraus die Teile bestehen | Status |
|---|---|---|---|
| BPC-157 | be-pe-ze hundertsiebenundfünfzig | drei Initialen und eine Zahl | Forschungspeptid; nicht zugelassen |
| TB-500 | te-be fünfhundert | zwei Initialen und eine Zahl | Forschungspeptid; nicht zugelassen |
| GHK-Cu | ge-ha-ka Kupfer | die Einbuchstabencodes für Glycin, Histidin und Lysin, dazu Cu, das chemische Symbol für Kupfer | Forschungspeptid; nicht zugelassen |
| MOTS-c | Mots-ze | ein als Wort gesprochenes Akronym und ein einzelner Buchstabe | Forschungspeptid; nicht zugelassen |
| KPV | ka-pe-fau | die Einbuchstabencodes für Lysin, Prolin und Valin | Forschungspeptid; nicht zugelassen |
| AOD-9604 | a-o-de neun-sechs-null-vier | drei Initialen und eine Zahl | Forschungspeptid; nicht zugelassen |
Die praktische Folge ist keine lautliche. Eine Codebezeichnung bedeutet, dass kein Freiname vergeben wurde, und damit, dass die Substanz jenen Punkt der Entwicklung nicht erreicht hat, an dem ein Freiname üblicherweise beantragt wird. Ob Besitz und Verwendung rechtlich zulässig sind, ist eine davon getrennte Frage; sie steht unter sind Peptide legal.
Häufige Fragen
Welche Silbe wird in einem Peptidnamen auf -tid betont?
In der eingedeutschten Form die letzte: Die Endung -tid trägt den Ton, genau wie im Wort Peptid selbst. Die internationale Schreibweise auf -tide betont dagegen die drittletzte Silbe, also die erste Silbe des Wortstamms; die veröffentlichten US-amerikanischen Aussprachen setzen das Akzentzeichen ausnahmslos dorthin. Auch kurze dreisilbige Namen folgen dieser Regel.
Wie wird die Endung -tid ausgesprochen?
Im Deutschen als betonte Silbe mit langem i und hartem Auslaut, in Lautschrift ˈtiːt – derselbe Reim wie in Peptid. Die internationale Form auf -tide ist im Englischen dagegen eine unbetonte Silbe mit dem Diphthong /taɪd/; die veröffentlichten Aussprachen schreiben sie stets als eigene Silbe aus, als tide oder tyd, nie als verkürztes -tid.
Was bedeutet der Wortstamm -glutid?
Er ist ein Unterstamm von -tid in der Stammliste der Weltgesundheitsorganisation. Das Stammbuch definiert ihn als Analoga des Glucagon-like Peptide (GLP); ein Nachtrag vom Oktober 2023 erweiterte den Wortlaut auf Analoga und Agonisten. Ein gemeinsamer Wortstamm zeigt eine gemeinsame pharmakologische Gruppe an, niemals einen gemeinsamen Hersteller oder ein gemeinsames Produkt.
Was bedeutet die Endung -relin, und wo liegt die Betonung?
Die Weltgesundheitsorganisation definiert -relin als Peptide, die die Freisetzung von Hypophysenhormonen stimulieren; -morelin ist die engere Gruppe der Peptide, die speziell die Freisetzung von Wachstumshormon stimulieren. Im Deutschen trägt die Endsilbe den Ton, wie bei Melanin oder Protein; in der englischen Lesart liegt er eine Silbe weiter vorn, auf REL. Der Gegenstamm -relix steht für hemmende Peptide und wird ebenso betont.
Gibt es eine offizielle Aussprache für einen internationalen Freinamen?
Von der Weltgesundheitsorganisation nicht. Ein INN-Listeneintrag führt den Namen auf Lateinisch, Englisch, Französisch und Spanisch, dazu den chemischen Namen, die Summenformel, die CAS-Nummer und eine kurze Angabe zu Wirkung und Verwendung – eine Lautschrift oder Tonaufnahme enthält er nicht. Regelmäßig veröffentlicht wird allein die US-amerikanische Aussprache über den USAN-Ausspracheleitfaden, den die Arzneimittelseiten der NIH nachdrucken.
Warum sprechen zwei Fachleute denselben Peptidnamen unterschiedlich aus?
Weil nur eine einzige Namensbehörde überhaupt eine Aussprache veröffentlicht und alle anderen sie aus der Schreibweise rekonstruieren. Im deutschen Sprachraum kommt hinzu, dass die eingedeutschte Form auf -tid und die englische auf -tide nebeneinander im Umlauf sind und verschiedene Silben betonen. Eine begutachtete Auswertung von 7.987 Freinamen fand außerdem, dass die Wortstämme nicht einheitlich geschrieben werden, was mehr als eine vertretbare Lesart offenlässt.
Wie werden Peptid-Codenamen aus Buchstaben und Zahlen vorgelesen?
Buchstabe für Buchstabe in deutscher Buchstabierung, danach die Zahl. Solche Zeichenfolgen sind Labor-, Sequenz- oder Katalogcodes und keine internationalen Freinamen: Die WHO-Leitlinien raten von isolierten Buchstaben und Zahlen ab und bezeichnen Konstruktionen mit Bindestrich als unerwünscht. Ein Name in dieser Form folgt dem INN-Aufbau also nicht, ist kein internationaler Freiname und trägt damit auch keinen Zulassungsstatus.
Werden Peptidnamen in anderen Sprachen gleich ausgesprochen?
Nein. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht jeden Freinamen auf Lateinisch, Englisch, Französisch und Spanisch; die lateinische Form trägt eine grammatische Endung wie -um, die deutsche Fachsprache kürzt sie zu -id. Jede Sprache wendet danach ihre eigenen Betonungs- und Vokalregeln an, sodass der Wortstamm im Schriftbild erkennbar bleibt, die gesprochene Form aber wechselt.
Quellen
- World Health Organization. General principles for guidance in devising International Nonproprietary Names for pharmaceutical substances. https://www.who.int/docs/default-source/international-nonproprietary-names-(inn)/generalprinciplesen.pdf
- World Health Organization. The use of stems in the selection of International Nonproprietary Names (INN) for pharmaceutical substances (INN-Stammbuch). https://cdn.who.int/media/docs/default-source/international-nonproprietary-names-(inn)/stembook-2011-final.pdf
- World Health Organization. Addendum to „The use of stems in the selection of International Nonproprietary Names (INN) for pharmaceutical substances“, WHO/EMP/RHT/TSN/2018.1, INN Working Document 23.573, 10. Oktober 2023. https://cdn.who.int/media/docs/default-source/international-nonproprietary-names-(inn)/addendum-stembook2018-202310.pdf
- World Health Organization. INN stem book 2018 (Publikationseintrag). https://www.who.int/publications/i/item/who-emp-rht-tsn-2018-1
- World Health Organization. Proposed INN: List 117, WHO Drug Information Vol. 31, Nr. 2, 2017 (Aufbau eines INN-Listeneintrags). https://cdn.who.int/media/docs/default-source/international-nonproprietary-names-(inn)/pl117.pdf
- World Health Organization. Lists of Recommended and Proposed INNs. https://www.who.int/teams/health-product-and-policy-standards/inn/inn-lists
- American Medical Association. USAN drug name pronunciation guide. https://www.ama-assn.org/about/united-states-adopted-names-usan/usan-drug-name-pronunciation-guide
- U.S. National Library of Medicine, MedlinePlus. Drug information index (Aussprachen in USP-Notation). https://medlineplus.gov/druginformation.html
- MedlinePlus. Semaglutide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a618008.html
- MedlinePlus. Tirzepatide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a622044.html
- MedlinePlus. Liraglutide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a611003.html
- MedlinePlus. Dulaglutide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a614047.html
- MedlinePlus. Teduglutide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a613019.html
- MedlinePlus. Lixisenatide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a617005.html
- MedlinePlus. Exenatide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a605034.html
- MedlinePlus. Pramlintide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a605031.html
- MedlinePlus. Teriparatide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a603018.html
- MedlinePlus. Octreotide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a693049.html
- MedlinePlus. Bremelanotide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a619054.html
- MedlinePlus. Tesamorelin Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a611035.html
- MedlinePlus. Degarelix Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a609022.html
- MedlinePlus. Desmopressin. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a608010.html
- MedlinePlus. Oxytocin Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a682685.html
- MedlinePlus. Leuprolide Injection. https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a685040.html
- Bryan R, Aronson JK, ten Hacken P, Williams A, Jordan S. Patient safety in medication nomenclature: orthographic and semantic properties of International Nonproprietary Names. PLOS ONE 2015;10(12):e0145431. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0145431
- DailyMed, U.S. National Library of Medicine (Sammlung der von der FDA zugelassenen Fach- und Gebrauchsinformationen). https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/
- U.S. Food and Drug Administration. Drugs@FDA: FDA-Approved Drugs (Einträge zu Zulassung und Vermarktungsstatus). https://www.accessdata.fda.gov/scripts/cder/daf/
- American Medical Association. United States Adopted Name (USAN) Drug Finder (Adoptionserklärungen, jede mit der übernommenen Aussprache). https://searchusan.ama-assn.org/
- American Medical Association. United States Adopted Names naming guidelines. https://www.ama-assn.org/about/united-states-adopted-names-usan/united-states-adopted-names-naming-guidelines
Aussprache ist eine Tatsache der Sprache und sonst nichts: Wer einen Namen korrekt ausspricht, weiß damit nichts darüber, was die Substanz ist, ob sie zugelassen ist oder ob sie rechtmäßig besessen und verwendet werden darf. Für jede Substanz, die als zugelassenes Arzneimittel existiert, sind das genehmigte Etikett und die Fachinformation die maßgeblichen Dokumente; Fragen zu einem konkreten Produkt gehören in die ärztliche Sprechstunde oder in die Apotheke.
